Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Bitte pinkeln Sie jetzt …

Hallo, Welt!
Nach diversen Gesprächen im Verlauf der Woche habe ich den Tierarzt kontaktiert und noch einmal meine Besorgnis in Sachen „Stubenrein“ zum Ausdruck gebracht. Antwort: Wir brauchen eine Urinprobe.
Das war schon beim ersten Mal problematisch. Wie kann man denn von einem Wildpinkler eine Urinprobe einsammeln? Der Tierarzt sagt mit breitem Grinsen, „ich bin sicher, du schaffst das …“.

Zwei Stunden später hat er ein bisschen Pipi, das ich mit der Spritze aufgesogen habe, als Fontane schräg unter den Drucker gepieselt hatte. *seufz*

Die Probe ist verunreinigt und gibt lediglich her, dass Leukozyten im Urin sind und erhöhte Nitratwerte. Außerdem stinkt sie nach Fisch, sagt der Tierarzt am Telefon.
„Er hatte einen Fischzopf als Leckerli“.
„Den lass mal weg!“

Als der Hund in den ersten Abendschlaf fiel, habe ich mich mit einer Suppenkelle und einem verschließbaren Joghurtbecher im Innenhof eingerichtet.
Um 23 Uhr habe ich den schlafenden Hund nach unten getragen und dort abgesetzt. Er taumelte kurz um sich dann zum Pinkeln in Position zu stellen. Heureka, meine Chance! Zack! Die Suppenkelle unter den Bauch gehalten, das Pinkeln gelobt, den Inhalt der Suppenkelle in den Joghurtbecher gefüllt, verschlossen. Den Hund geschnappt und wieder nach oben getragen. Erstmals war in dieser Nacht sein Bett trocken. Und die Urinprobe morgens um acht beim Tierarzt.
Der hatte natürlich wieder was zu meckern … Joghurtbecher … nicht steril … Tja, Jungs, nehmt was Ihr kriegen könnt!
Der Schnelltest bestätigte dann die Diagnose vom Vorabend. Und damit gab es auch das Aus für die nachmittagliche Spielstunde in der Welpenschule. Stattdessen bin ich mit meiner Enkeltochter und Fontane Eis essen gegangen.

Ein Wunder! Während wir an unserem Eis löffelten, machte der Hund plötzlich „fiep“ und eine ziehende Bewegung Richtung Tür. Halleluja, ich habe es gleich richtig interpretiert, hab Enkeltochter mit dickem Portemonnaie am Tisch sitzen lassen und bin mit dem Hund zum nächsten Grasbüschel auf der Straße gesprintet. Ein Piesch, ein Piesch! Das hätte ich mir vor zwei Monaten nicht vorstellen können, dass ich mich so darüber freue.

In mehreren Gesprächen in dieser Woche habe ich noch einmal angeguckt, wieso mich diese Situation so an den Rand einer Depression bringt. Alle alten Gespenster stehen wieder auf. „Ich kann das nicht. Ich schaff das nicht. Ich kriege nichts auf die Reihe. Alle anderen Hunde (Kinder) sind schon viel weiter als meins, weil ich alles falsch mache …“ Ich docke nahtlos an meine Wochenbett-Depression an. Nach 34 Jahren! Und eine Freundin meinte gestern Morgen voller Wärme: Na, das ist ja auch dein erstes Kind seit 34 Jahren …

Jedenfalls bin ich erleichtert, dass es einen medizinischen Grund für sein Pinkelverhalten gibt. Näheres erfahren wir, wenn die Laborwerte Mitte nächster Woche kommen. Außerdem hatte ich gestern einen Anruf eines Unternehmens, für das ich schon zwei Mal gearbeitet habe. Man wolle mich wieder einkaufen. Ganz ehrlich: Das hat meine Stimmung erst recht gehoben!

So long!

Ysabelle

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