Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Minenfeld

Hallo, Welt!
Mein Hund ist so wenig normal wie ich. Und ich habe für meinen eigenen Geschmack zu wenig Ahnung von Hunden, obwohl ich als Studentin einen Cocker Spaniel aus dem Tierheim hatte und mit ihm fünf Jahre gelebt habe. Was liegt also näher als fachkundige Unterstützung zu suchen?
Und dann geht es los. Die gängigsten Urteile:
Hundesportverein (Schäferhundverein): Veraltete Trainingsmethoden, Kadavergehorsam, Kommandos brüllen.
Hundeschule: Geldgierig, unzureichend ausgebildete TrainerInnen, Richtungskämpfe zwischen Wattebäuschchenwerfern und „Klassischen“ Trainern
Cesar Milan: Tierquäler aus den USA oder Retter von unberechenbaren Straßenhunden?
Martin Rütter: Ernst zu nehmender Hundetrainer oder Comedian?
Maja Nowak: Hat sie Ahnung oder ist sie gefährlich?

In einer Einschätzung zu einer Hundeschule vor Ort fand ich:

Leider bekommt man in einigen Landkreisen die Erlaubnis nach Paragraph 11 auch so hinterhergeworfen, denn das ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Einige Hundeschulen müssen Mengen an Ausbildungs- und Weiterbildungsnachweisen vorweisen und andere gar nichts

und weiter schrieb mir die Freundin:

Was mir negativ aufgefallen ist, ist dass dort der Hundeführerschein des HSAG abgenommen wird (und das ist nur für dem HSAG angeschlossene Hundeschulen möglich – demnach wird nach deren Methoden trainiert) und andererseits dort steht :“ Im Umgang mit Ihrem Hund können Sie als harmonisches Hund-Mensch-Team viel mehr erreichen als durch veraltete Methoden.“ Der HSAG-Hundeführerschein jedoch besteht nur aus vollkommen veralteten Methoden und ist aus tierpsychologischer Sicht unhaltbar…

Was ist eigentlich „tierpsychologische Sicht“? Welche Ausbildungen sollte eine Hundetrainerin haben?
Was ist zu halten von der Initiative Trainieren statt Dominieren?

Ich stelle fest, dass mir da der GFK-Ansatz ausgesprochen gut gefällt. Ich habe eine Beobachtung. Sie löst Gefühle aus. Ich identifiziere erfüllte und unerfüllte Bedürfnisse. Und dann entscheide ich mich für eine Strategie als Versuch, die Bitte umzusetzen.

Gestern war ich also mit Fontane in einer Hundeschule 50 km entfernt, deren Besitzerin ich vertraue. Fontane benahm sich wie „Pudel auf Ecstasy“.Nach dem Gespräch fühlte ich mich richtiggehend elend und ein Teil von mir dachte, mein Hund ist ein Psychopath und ich komplett unfähig. Das ist ein sehr vertrautes Muster, das ich aus der Kindheit meines Sohnes kenne.

Dann habe ich mich auf die praktischen Ratschläge besonnen und war eine lange Leine einkaufen.
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Gestern Abend und heute Nacht haben wir ein paar von den Tipps ausprobiert. Ich quietsche nicht mehr so wild und hoch vor Begeisterung, wenn ihm etwas gelingt oder mir sein Tun Freude bereitet. Ich stelle fest, dass mein Hund gut Augenkontakt aufnehmen kann. Bei unserem Ausflug in den Park haben vier von fünf Rückrufen geklappt, obwohl wir das vorher noch nie an einer langen Leine geübt haben. Wir entwickeln neue attraktive Belohnungen fürs Pieschen in freier Wildbahn und hatten heute bisher kein Missgeschick im Haus. HURRA! Er verbringt jetzt mehr Zeit in der Gitterbox neben meinem Schreibtisch, damit er deutlicher anzeigen muss, dass er raus will. Zum Ausgleich dehnen wir die Spaziergänge aus.

Ich merke, dass ich sehr ängstlich bin und möchte, dass mit meinem Hund alles „in Ordnung“ ist. Er soll „normal“ sein, wie andere Hunde. Wird an ihm etwas als ungewöhnlich beschrieben (mit 13 Wochen noch nicht stubenrein), beziehe ich das sofort auf mich. Mit mir stimmt was nicht, sonst würde der Hund ja funktionieren. Leute, Leute … ich habe nicht geahnt, dass ich mir so viel Entwicklungspotential ins Haus hole …

Wir feiern heute: Tag 1 stubenrein.

So long!

Ysabelle

4 Reaktionen zu “Minenfeld”

  1. Ysabelle Wolfe

    Nachtrag: Er hat eben im Stehen in die Gitterbox gepinkelt.

  2. Dorothee

    Schön , dass du wieder da bist.
    Ich gespannt auf deine Erfahrungen mit GfK bei Hunden.
    Dorothee
    Wozu brauchst du die Gitterbox?

  3. Ysabelle Wolfe

    Hallo, Dorothee,
    die Gitterbox ist ein geschützter Raum für ihn. Ich habe auch noch vier Katzen und hier geht es zwischendurch echt rund. Dann muss ich sowohl die Katzen als auch ihn schützen. Erst dachte ich, das wäre so eine Art Knast und er „solle“ da rein, um ihn zu bestrafen. Das ist aber nicht der Fall. Es geht um beschützende Anwendung von Macht. Er kann nicht überall rumlaufen (Sturzgefahr an der Treppe/Vielzahl von Kabeln in meinem Büro/Katzenklo …), also packe ich ihn für sein Nickerchen in die Box. Da ist er unmittelbar neben mir, kann alles sehen, ist also nicht ausgeschlossen und hat trotzdem seinen Raum.
    Gruß,

    Ysabelle
    (auf dem Weg zum Tierarzt mit einer neuen Urinprobe)

  4. Bettina Wagner

    Hallo Ysabelle.
    Bin heute durch eine Freundin auf deinen Blog aufmerksam gemacht worden. ..Ganz toll. Fühl mich nicht mehr so allein…Allein als heranwachsende Giraffe , oft noch im Schafkostüm, unter Wölfen :))
    Es bestärkt mich weiter an der Sprachhygiene zu arbeiten und meinen eigenen Kadavergehorsam abzulegen.

    Du schreibst in der obigen Geschichte dass dich die Situation mit deinem „Pudel “ so an Szenen mit deinem Sohn erinnert hat….
    …Ach wie gut ich mich in diesem Situation reinfühlen kann.
    Wenn du aus dieser Zeit noch unterstützende Worte und Erinnerungen hast würde ich diese gerne erfahren.

    Aber ganz gleich…freu mich über deine Engagement!
    Glg Bettina

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