Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Unschöne Bescherung

Hallo, Welt!

Gestern Morgen schlenderte ich mit Freundin und Fontane in Richtung Hafen. Das Wetter war kühl, aber sonnig. Gerade als wir in die Straße am Hafen einbogen, fiel mein Blick auf den Boden. Da hatte offenbar ein großer Hund mitten auf dem Bürgersteig sein großes Geschäft erledigt und der Spur nach zu urteilen, zerrte Herrchen oder Frauchen dabei den Vierbeiner hinter sich her,  denn die Ködel verteilten sich auf mehrere Meter Länge.

Zeternd und im Zickzack laufend bugsierte ich meinen Wuffi um die Hundehaufen. Kurz überlegte ich, einen Kotbeutel aus meiner Leckerlie-Tasche zu ziehen und die Bescherung einzusammeln, entschied mich dann aber dagegen.

Heute Nachmittag gingen wir den gleichen Weg noch mal. Vorsichtig bog ich um die Ecke und erwartete, dass die ganze Scheiße jetzt richtig platt gelatscht sein würde. Fehlanzeige. Irgendjemand hatte die Häufchenspur beseitigt.

Ich spürte sofort große Erleichterung und Freude. Wie toll, dass sich da jemand die Mühe gemacht hatte! Erfüllte Bedürfnisse: Leichtigkeit, Sauberkeit (meiner Schuhe zum Beispiel), Wertschätzung, Gemeinschaft und Dankbarkeit. Ich guckte noch mal genauer: Ja, da hatte jemand die einzelnen Häufchen eingesammelt. Man konnte noch schwach erkennen, wo sie vorher gelegen hatten.

Als ich mit dieser tiefen Dankbarkeit in Verbindung kam, fragte ich mich: Wieso hast du das gestern eigentlich nicht weggemacht?

Meine Gefühle, als ich die Haufen sah: Ärger und Wut. Ich war richtig sauer. Ich dachte solche Sachen wie: Verdammter Hundebesitzer! Der/die kann doch mal die Scheiße von seinem Köter hier wegmachen! Und dann noch auf dem Fußweg! Offenbar musste der Hund so dringend, dass er/sie es nicht mehr die zehn Meter bis zum Rasen geschafft hat, aber der/die Halter*in hat das Vieh dann auch noch weiter gezerrt. Wie blöd kann man sein? Und keine  Kotbeutel dabei, das liebe ich ja besonders!

Meine unerfüllten Bedürfnisse: Respekt! Sowohl den nachfolgenden Passanten gegenüber, als auch für den Hund, der offenbar wirklich nicht mehr warten konnte. Vertrauen, dass andere Hundebesitzer sich ebenfalls um die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners kümmern. Schönheit. Sauberkeit. Leichtigkeit. To matter, also dass (auch) meine Bedürfnisse nach Sauberkeit und Unversehrtheit zählen und berücksichtigt werden …

Aber warum habe ich die Haufen nicht selbst weggeräumt?

Zum einen finde ich tatsächlich den Umgang mit Hundescheiße ziemlich eklig. Bei meinem eigenen Hund ist das Routine, da denke ich gar nicht mehr drüber nach. Ich greife ja auch im eigenen Bad zur Klobürste, also mach ich auch den Kram von meinem Hund weg. Ist mein Hund. Fertig. Aber diese anonymen Haufen lösten Ekel und Würgereiz aus. Trotzdem überlegte ich kurz, den Kram einzusammeln. Was hat mich abgehalten?

Es hatte irgendwas mit Strafe zu tun. Ich wollte die Person, deren Hund das verursacht hat, irgendwie bestrafen. Totaler Quatsch, denn da war ja weit und breit kein anderer Hundebesitzer in der Nähe. Selbst die Scheiße aufzusammeln erschien mir in dem Moment so, als würde ich die Person noch dafür belohnen, dass sie den Dreck nicht weggeräumt hat. Schon krass, wie komisch man denken kann. Denn als heute alles beseitigt war, dachte ich ja nicht, „ach, da hat jemand dem Verursacher hinterhergeräumt“, sondern ich war einfach nur dankbar.

Alles klar: Gestern Morgen war ich in Wolf Country und heute Nachmittag  im Giraffenland.

So long!

Ysabelle

 

Die Ipad-Queen

Hallo, Welt!

Ich habe eine ältere Verwandte, die ich schon immer sehr geliebt habe. Bis vor einigen Jahren arbeitete sie in einem Büro und erledigt bis heute den Schriftkram für die Familie. Seit vielen Jahren steht dafür ein Mac auf ihrem Schreibtisch. Vermutlich ist das Modell museumsreif, aber es tut seine Arbeit: ein bisschen googeln, ein paar Mails schreiben, und gelegentlich wird etwas ausgedruckt.

Durch die Pandemie finden nun immer mehr Veranstaltungen online statt. Meine Verwandte ist in einem Verein aktiv, der nun ebenfalls online seine Arbeit koordiniert. Als Vorstandsfrau sollte sie schon dabei sein, aber der alte Mac hatte keine Lust mehr auf Zoom. Ich hatte noch mal einen Anlauf genommen, die Kiste upzudaten, aber irgendwann sind Prozessor und neue Betriebssysteme eben nicht mehr kompatibel …

Nun liebäugelte sie mit einem kleinen Macbook, aber ich habe ihr aus verschiedenen Gründen abgeraten. Zum einen kann sie mit dem alten Rechner noch alles weiter machen, was sie bisher auch schon damit gemacht hat, und zwar viel komfortabler als auf einem 13-Zoll-Macbook. Und zweitens ist es für eine Dame von 74  ohne Smartphone schon sinnvoll, ein handliches Gerät in Griffweite zu haben. Man kann ja auch mal bettlägerig sein oder ins Krankenhaus müssen. Im übrigen wollte sie ja auf dem neuen Gerät nur zoomen, für alles andere nutzte sie ja sowieso den großen Rechner. Ausgestattet mit meinem festen Versprechen, ihr IMMER zu helfen, wenn sie technisch nicht weiter weiß, bestellte sie schließlich vor Weihnachten ein IPAD. Ich habe es konfiguriert und am 2. Weihnachtsfeiertag ausgeliefert. Wir haben zusammen geübt und ich hatte ihr auch verschiedene Infos aus dem Internet gezogen und eine kleine Bedienungsanleitung zusammengestellt. Dann fuhr ich wieder nach Hause. Gut 100 Kilometer trennen uns.

Zunächst lief alles prima. Wir machten Zoom-Probeläufe, schickten Mails und Whatsapp-Nachrichten hin und her. Doch dann kam ein verdammter Software-Update und plötzlich war alles weg, was ich zuvor für sie eingerichtet hatte. Die Not war so groß, dass ich mich ins Auto setzte und ihr zu Hilfe eilte. Leider konnte ich das Problem vor Ort auch nicht lösen. Die Apple-Hotline, auf die ich normalerweise große Stücke halte, erwies sich als wenig hilfreich. Wir mussten für eine bevorstehende Vorstandssitzung Plan B anschieben und ratlos fuhr ich nach Hause.

Kurz darauf sprach ich wegen eines eigenen Backup-Problems ebenfalls mit der Apple-Hotline. Der Berater schien total fit und hatte auch eine Super-Idee, was das Problem beim Tablet meiner Verwandten sein könnte. (Leute, wir sind noch immer bei der Vorgeschichte …)

Die Verwandte und ich verabredeten uns nun zum Technik-Gespräch. Da saß sie nun an ihrem Esstisch. Die Zoom-Verbindung lief über das Ipad eines anderen Familienmitglieds. Dazu hatte sie ein altes IPhone von mir. Damit fotografierte sie jeweils, was auf dem Bildschirm IHRES IPads zu sehen war und schickte mir das Foto per Whatsapp. Ich guckte das Bild an und gab dann per Zoom Anweisungen, wie sie ihr eigenes IPad wieder zum Leben erwecken sollte.

Knüller! Hammer! Grandios! Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir ihr IPad wiederhergestellt, alle Apps waren wieder da, die Mails und die Fotos! Was der Mensch von der Hotline eine Woche vorher nicht geschafft hatte, war uns mithilfe von insgesamt drei IPads und zwei Iphones gelungen. Mädels und Technik – wer sagt’s denn!

Vor lauter Begeisterung habe ich für sie ein kleines Geschenk anfertigen lassen: eine Goldmedaille am roten Band mit ihrem Namen und der Beschriftung „IPad-Queen 2021“. Dann habe ich ein kleines Päckchen gepackt und zur Post getragen.

Die Tage vergingen. Keine Reaktion. Nach einer Woche dann rief sie mich wegen einer technischen Frage an und sagte dann im Laufe des Gesprächs sinngemäß, „übrigens, verarschen kann ich mich alleine.“ Ich war total fassungslos und fragte genauer nach, was sie meinte. „Na ja, das mit der Medaille. Du brauchst mich hier nicht zu verarschen, weil ich das alles nicht richtig begreife …“

Mir liefen die Tränen. Ich hatte ihr eine Freude machen wollen. Ich war selbst SO! stolz auf sie! Mit fast 75 Jahren managt sie die Wiederherstellung eines IPads, obwohl sie sonst mit Technik wirklich nichts am Hut hat … Und das, obwohl sie einen Heidenrespekt vor dem Ding hat und immer noch fürchtet, irgendetwas kaputt zu machen …

Zum Glück war es möglich, dazu im Gespräch zu bleiben. Sie merkte anscheinend auch meine ehrliche Betroffenheit und meinen Schmerz über dieses Geschenk, das so gar nicht freudig angenommen worden war. Nach einer Weile sagte sie dann: „Ich gucke halt immer auf meine Defizite, was ich alles noch nicht kann mit dem Ding. Du hast mir ja auch ein Kartenspiel drauf gemacht, das finde ich auch ganz schön. Aber bei mir dauert das ewig und ich hab auch nur ganz selten Zeit, mal eine Runde zu spielen. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass Du das vielleicht ernst meinen könntest …“

Ist das nicht traurig?

Und dabei fällt mir diese Affirmation aus einem Buch von Gerald Jampolsky ein: Verletzen können mich nur meine eigenen Gedanken.

Und das dann aber auch gleich richtig.
So long!
Ysabelle

 

 

Schöne Bescherung

Hallo, Welt!

Neulich holte ich mir eine Jacke aus dem Schlafzimmer. Als ich hinter mir die Tür schloss, rumste es vernehmlich. Ich machte die Tür wieder auf und da sah ich die Bescherung … Eigentlich sollte das Fenster auf Kipp gestellt sein. Stattdessen war der Griff irgendwo zwischen „auf“ und „kipp“. Vermutlich durch den Luftzug beim Tür schließen hatte dann der Flügel genug Power, um sich selbstständig zu machen und einen Blumentopf mit einer Orchidee vom Fensterbrett zu fegen. Die anderen drei Pötte auf dieser Seite des Fensters konnte ich gerade noch erfolgreich zurückschieben und das Fenster richtig schließen.

IIIICH konnte das ja nicht gewesen sein. IIIICH weiß ja wohl, wie man ein Fenster ordentlich auf Kipp stellt. Sah das Fenster nicht auch frisch geputzt aus? Ah, jetzt hatten wir einen Schuldigen. Der Hausengel war doch da und hat wahrscheinlich das Fenster geputzt und den Flügel hinterher nicht ordentlich auf Kipp gestellt …

Es ist ein bisschen peinlich, das zuzugeben, aber ich habe dann dieses Foto an den Hausengel geschickt. Der schrieb zurück:

Wie ist das passiert😱

Ja, gute Frage!  Ich schrieb zurück: „Ich vermute, du hast Fenster geputzt und beim Schließen den Hebel zwischen Offen und Kipp gelassen. Ich war drin und habe eine Jacke rausgeholt. Als ich die Tür wieder zu machte rumste es laut und der Blumentopf war runtergefallen.“

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

Also bei den Fenstern im Schlafzimmer war ich nicht bei,habe dort heute nur den Fußboden gewischt 🤷‍♀️

Tja. Und nun? Da hatte ich wohl selbst das Fenster nicht so verriegelt, wie es meine Absicht war.

Dieser Vorfall beschäftigt mich nun schon fünf Tage. Am meisten erschüttert mich, dass ich ich als erstes jemanden gesucht habe, der „schuld“ sein musste. Jemand hatte „etwas falsch gemacht“. Und wenn der/diejenige identifiziert ist, dann … ist der Blumentopf immer noch kaputt. Und es gibt keine Garantie, dass der Fensterflügel beim nächsten Mal nicht autoaktiv wird. Das war ja auch nicht das erste Mal. Hier fallen öfter mal Sachen vom Fensterbrett. Neulich erst hat der Hund die Fensterbank leer geräumt, weil er mir so wild hinterhergebellt hat, dass  ich ihn ja wohl nicht im Ernst zu Hause lassen will. Ich habe die Scherben beseitigt und gut war’s. Warum bin ich dieses Mal nicht zur Tagesordnung übergegangen?


Was war denn wohl mein unerfülltes Bedürfnis? Sicherheit bezüglich der Blumentöpfe. Dieser eine war auch noch ein besonderer … der vorletzte vom Blumenfenster meiner Mutter. Sechs Jahre nach ihrem Tod haben nur zwei Orchideen überlebt und ich bewache sie mit Argusaugen. Schönheit und Sauberkeit. Hey, der Hausengel hat dort gerade geputzt, und jetzt ist alles voller Erde! Und Scherben … doof für den Hund oder beim Barfußlaufen, was ja im Schlafzimmer schon mal vorkommt.

Das passt schon alles ganz gut, aber so ganz ist es das noch nicht. Das Gefühl war Ärger. Hm. Vertrauen. Vertrauen und Wertschätzung für   diese Blumen von meiner Mutter. Das passt schon eher. Denen sollte nichts passieren. Ich vermute, das hat irgendwas mit Spiritualität zu tun, und mit Verbindung. Das soll nicht gestört/beschädigt werden. Und deshalb habe ich so heftig – und vor allem wie früher – reagiert, also sofort eine Schuldzuweisung ausgesprochen.

Dieses „Du bist schuld/ach ne, ich bin schuld“ löst ganz unangenehme Gefühle aus. Scham, Schwere, etwas Klebriges. Da will ich nicht mehr hin! Auf seltsame Weise schwächt mich dieses Denken. Und es treibt einen Keil in Verbindungen. Wahlweise zu anderen Menschen oder zu mir. Und es macht ja überhaupt nichts besser! Ich bin gerade so traurig, dass mir so was auch nach 15 Jahren GFK immer noch passiert. Es dauert so lange, das Gehirn auf Gefühle und Bedürfnisse umzuprogrammieren. Und wenn ich emotional getroffen bin, setzt sich die alte Programmierung wieder durch. Hallo, wir hatten ein Software-Update! Hirn, kannst du bitte darauf zugreifen?

So long!

Ysabelle

 

Unerwarteter Ostergruß

Hallo, Welt!

Gestern habe ich die Bettwäsche aus dem Gästezimmer in die Waschmaschine gestopft, heute kommt Besuch. Im Rausgehen sah ich aus dem Augenwinkel unten im Regal ein Brillenetui, und noch eins, und noch eins … und ein kleines Notizbuch mit Blau gemustertem Einband. Und darunter lag ein braunes Portemonnaie. Ich habe die Brillen einzeln rausgeholt und mir auf die Nase gesetzt. Ein typisches Alte-Damen-Gestell, eine Fast-John-Lennon-Metallbrille, eine rote … sie scheinen mir alle etwas zu klein für meinen Kopf. Es sind die Brillen meiner Mutter, und ich habe keine Ahnung, wann und warum ich sie im Regal des Gästeklos geparkt habe …

Das Portemonnaie habe ich dann mit in die Küche genommen und genauer angeguckt. Ihr Rentenausweis, vier Telefonkarten, eine Mitgliedskarte vom Bahnsozialwerk … und dann war da dieser Zettel … und die Scheine. Und im Münzfach lagen 20 Euro in 2-Euro-Stücken.

Ich musste mich erst mal hinsetzen. Meine Mutter ist 2015 im Februar nach langer und mit großer Disziplin ertragener Krankheit gestorben. Irgendwie habe ich es geschafft, ihre Wohnung auszuräumen, aber das mit dem Wegwerfen klappt nicht so gut.

Über viele Jahre hatten meine Mutter und ich ein sehr belastetes Verhältnis. Erst in ihren letzten Lebensjahren haben wir zueinandergefunden und es erscheint mir noch heute wie ein Wunder, wie viel Heilung da möglich gewesen ist. Und diese Heilung verdanken wir beide der GFK. Ich bin so froh, dass wir diese Zeit noch miteinander haben durften …

Die liebevolle Begleitung meiner Mutter hat mir viele Jahre gefehlt. Da ich sie nun ganz zum Schluss erleben durfte, gibt es einen Anteil in mir, der sie gar nicht loslassen will. So benutzte sie zum Beispiel ein bestimmtes Duschgel. Nicht meine Marke, nicht mein Duft … aber sie hatte halt so viel auf Vorrat gekauft. Und wann immer dieser Vorrat jetzt nur Neige geht, kaufe ich genau dieses Duschgel nach. Das gleiche gilt fürs Spülmittel. Die Flasche steht da nun seit sechs Jahren und wird immer wieder aufgefüllt. Ich schlafe auf ihrem Kopfkissen und ich benutze eine ihrer Handtaschen. Mehrere Bilder, die in ihrer Wohnung hingen, haben ihren Platz in meinem Haus gefunden …

In einem früheren Leben habe ich ja Vor- und Frühgeschichte studiert. Ich fand es immer gruselig-faszinierend, dass es in der Jungsteinzeit Kulturen gab, die ihre Toten sozusagen unterm Wohnzimmerfußboden bestattet haben. Solche Hausbestattungen gibt es in Südamerika, aber auch in Chirokitia auf Zypern. Heutzutage betonieren nur noch fiese Mörder ihre Opfer unter der Garage oder Terrasse ein. Auf Madagaskar werden – wie schon mehrfach hier berichtet – die Toten einmal im Jahr aus ihrer Grabstelle geholt, gewaschen, neu eingekleidet und dann tanzt man mit ihnen durch die Straßen, bevor man sie wieder für ein Jahr zur Ruhe bettet. Das wäre auch nicht so meins … Auch die Urne mit ihrer Asche möchte ich mir nicht auf dem Kaminsims stellen. Aber viele Menschen haben Fotos von Verstorbenen bei sich zu Hause stehen. Eine Freundin hat sogar einen kleinen Gedenkschrein aus Glas, in dem sie Kleidung und persönliche Gegenstände ihres ältesten Sohnes aufbewahrt, der an einem Gehirntumor gestorben ist.

Und ich … sammele die Brillen meiner Mutter, benutze ihre Duschgel-Marke und trage ihren Ehering um den Hals. Ganz abgesehen davon, dass hier noch mehrere Transportboxen mit Ordnern und anderen Halbseligkeiten aus ihrem Haushalt stehen …

Welche wunderbaren Bedürfnisse erfüllt mir das?

Feiern.
Morgens unter der Dusche feiere ich die Versöhnung mit meiner Mutter. Beim Abwaschen feiere ich, dass wir es auch nach vielen schwierigen Jahren geschafft haben, in einen ehrlichen, authentischen und liebevollen Austausch miteinander zu kommen. Wenn ich Dinge von ihr benutze, tue ich das in Dankbarkeit, und es nährt meine Bedürfnisse nach Liebe und Gesehen werden.

Den Rentenausweis und noch ein paar andere Papiere aus Mutters Portemonnaie konnte ich gestern wegwerfen. Das Geld und ihre handgeschriebene Notiz bleiben drin, und dann lege ich es „irgendwo“ hin, bis es mir ein nächstes Mal in die Hände fällt. Und dann feiere ich erneut unsere Verbindung und die Heilung einer Beziehung, die ich viele Jahre als unheilbar bezeichnet habe.

So long!
Ysabelle

 

Wirksamkeit!

Hallo, Welt!
Da soll noch mal einer behaupten, als Bürgerin könne man nichts erreichen.  Als erstes hatte ich heute Morgen ganz früh eine Nachricht vom Leiter des Ordnungsamtes, der schrieb, er habe die Sache ans Bauamt weiter geleitet.

Aus dem Bauamt erhielt ich um kurz nach zehn eine E-Mail:

die Stadt … war nicht untätig. Leider ist das für die Anliegerinnen und Anlieger nicht immer ersichtlich.

Es gab einige Abstimmungen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, da die Parkanlage und somit die Brücken unter Denkmalschutz stehen.

Auch mussten die finanziellen Mittel vor einer Ausschreibung bereit gestellt werden.

 

Der Auftrag für die Erneuerung der Brückenauflager wurde bereits vergeben und wir stimmen derzeit den Ausführungstermin ab.

Wahrscheinlich werden diese Arbeiten im Mai abgeschlossen sein.

 

Leider sind das nicht die einzigen Arbeiten, die an den Brücken ausgeführt werden.

Im Anschluss müssen beide Brücken nach den aktuellen Vorschriften Verkehrssicher gestaltet werden, was zu einer erneuten Demontage der beiden Bauwerke führen kann.

Da wir uns für diesen Bereich derzeit noch in der Ausschreibungsphase befinden, kann ich Ihnen dafür noch keinen zeitlichen Rahmen nennen.

 

Die Brücke am XXX muss komplett erneuert werden, leider führt das auch dort zu einen temporären Umweg.

Wir werden uns die Situation vor Ort anschauen und ggf. einen neuen Abfallbehälter aufstellen. <…>

Ich habe mich eben für diese Nachricht bedankt und freue mich, dass ich da über meinen Schatten gesprungen bin und die Behörde direkt angeschrieben habe. Jetzt kann ich viel besser abwarten, dass die Brückenaufleger endlich saniert werden. Kann sich ja nur noch um Monate handeln.

Nach meinem Unfall im Dezember habe ich noch immer mit Schulterschmerzen zu tun und mein sehr verehrter Osteopath möchte, dass sich das mal ein Orthopäde anguckt. Nun hatte die Ärztin die letzten 14 Tage Urlaub und heute ist es mir von 8.30 Uhr bis 15 Uhr nicht gelungen, in der Praxis jemanden ans Telefon zu kriegen. Entweder war besetzt oder (über Mittag) lief das Band mit der Ansage, wegen Urlaubs sei die Praxis bis zum 26. März geschlossen. Im Internet fand ich keine Mailadresse, aber – man glaubt es kaum – eine Faxnummer …  War das nicht so, dass meine Fritzbox auch faxen kann? Kann sie … Ich habe also ein Fax geschrieben und um eine Terminvergabe gebeten. Unfassbar! Innerhalb von drei Minuten rief eine Mitarbeiterin bei mir zurück und hatte tatsächlich noch einen freien Termin für mich in einem akzeptablen Zeitrahmen. Ich war so beglückt von meiner eigenen Wirksamkeit, ich hätte die Frau küssen können und habe sie mit meiner Begeisterung total überschüttet. Raus aus der Meckerecke und aktiv werden – es lohnt sich!

So long!

Ysabelle

Über sieben Brücken …

Hallo, Welt!
Wie lange will ich mich jetzt noch über etwas ärgern, ohne etwas zu unternehmen?
Wir haben einen aller-liebsten Spazierweg, den wir fast jeden Morgen nehmen. Wir wandern am Bahnhof entlang, biegen bei der Hundeschule ab, schlagen den großen Bogen vorbei an drei Bänken und einem Papierkorb und zotteln dann über die Brücke in den zweiten Teil des Stadtparks.

Voriges Jahr im Spätsommer/Frühherbst war die Brücke zunächst mit Flatterband, dann mit einem Drahtzaun gesperrt. Ein paar Tage haben die Leute die Sperrung akzeptiert, dann schlängelten sie sich zwischen Brückengeländer und Drahtgatter hindurch oder kletterten über die Absperrung. Ende vom Lied: Eines Tages stand die Brücke neben dem Gewässer.

Oktober … November … Dezember … Irgendjemand hatte gehört, der zuständige Sachbearbeiter beim Bauamt sei im Erziehungsurlaub. Mittlerweile waren weitere Brücken in der Stadt verrammelt worden. Besonders ärgerlich, wenn auf der anderen Seite der Brücke der einzige Papierkorb des ganzen Neubaugebietes angebracht ist und man nun mit seinem Kotbeutel weitere 1,5 km weiter latschen darf, denn natürlich werfen wir unsere Kotbeutel nicht einfach in irgendein Gebüsch, sondern entsorgen sie ordnungsgemäß …

Der Erziehungsurlaub scheint sich in die Länge zu ziehen. Heute Morgen standen wir wieder vor der Stelle, an der man früher über das Wasser wandeln konnte. Der Hund ist mindestens  genau so frustriert wie ich. Immer wieder guckt er sehnsüchtig hinüber in den anderen Park und scheint abzuschätzen, ob er mit Schwimmen oder Springen schneller auf der anderen Seite wäre. Ich bin genervt, weil meine Bedürfnisse nach Effizienz, Klarheit, Transparenz, Sinnhaftigkeit, Kooperation und Leichtigkeit nun schon so lange unerfüllt sind. Mit anderen SpaziergängerInnen tausche ich mich immer wieder aus, wie lange das jetzt schon gedauert hat oder noch dauern wird und bald werden wir wie in Kishons Geschichte „Warten auf Nebenzahl“ Wetten annehmen, wann denn die Reparaturarbeiten an den Brückenauflegern beginnen. Im März jedenfalls nicht mehr. 

Heute ist mir aufgegangen, dass ich mich lange genug geärgert habe. Statt auf „die da im Rathaus“ zu schimpfen, schreibe ich heute eine Mail an unsere Bürgermeisterin und an den Chef vom Bauamt. Völlig gewaltfrei natürlich, aber mit entsprechendem Hinweis auf unerfüllte Bedürfnisse, verbunden mit der Bitte um Auskunft (Klarheit/Transparenz) und Reparatur (Effizienz). Ach ja, bei der Gelegenheit frage ich gleich mal nach zusätzlichen Papierkörben im Neubaugebiet …

So long!

Ysabelle

Geschliffen, nicht gebohrt

Hallo, Welt!

Könnt Ihr Euch noch an Euren ersten Zahnarztbesuch erinnern? Als ich das erste Mal antrat, sah die Praxis ungefähr so aus wie auf diesem Bild (Foto: Helge Klaus Rieder@wikimedia commons). In meiner Erinnerung war ich sechs oder sieben und hatte riesige Angst.

Foto: Helge Klaus Rieder, Open air museum Roscheider Hof, Germany@wikimedia commons

Gefühlt betrieb der Doc den Bohrer noch per Fahrrad-Pedale. Zum Glück hat sich inzwischen einiges verändert, und trotzdem gehören Frauenarzt- und Zahnarzt-Termine mit zu den Verpflichtungen, die ich am wenigsten gern wahrnehme. Dabei habe ich seit fast 40 Jahren wirklich Glück – zumindest mit dem Zahnarzt.

Da hat es inzwischen einen Generationenwechsel gegeben und von meinem jüngsten Termin kam ich geradezu begeistert nach Hause. Echt jetzt!

Beim letzten Versuch, einen meiner morschen Backenzähne erneut zu füllen, murmelte der Zahnarzt etwas von „Krone“ und meinte, wir sollten das mal im Auge behalten. Dafür vereinbarten wir einen Termin im Januar. Anscheinend ist es so, dass mittlerweile so viel Zahn weggebohrt wurde, dass die Füllung nicht mehr viel Halt findet. Um nun die Backenzähne besser zu schützen, bekomme ich nun zwei Silberkronen. Die Krankenkasse beteiligt sich nur mit 60 Prozent an den Kosten, angeblich war ich 2017 nicht zur Vorsorge.

Wir trafen uns morgens um neun. Ich hatte wenigstens noch schnell einen Kaffee und eine Scheibe Brot eingeworfen. Nach einem kurzen Small Talk holte ich meinen Klicker-Ring vom Hundetraining aus der Tasche. Das kennt der Mann in Weiß schon und ist da ganz aufgeschlossen. Wenn mir während der Behandlung etwas weh tut, klicker ich einfach und er hört sofort mit dem auf, was er gerade macht. Das entlastet mich total und vermittelt mir den Eindruck, nicht völlig ohnmächtig, starr und hilflos (ausgeliefert ist ja kein Gefühl …) zu sein.

Bis die Betäubung wirkte, unterhielt er mich mit Hunde- und Katzenvideos von seinem Handy. Und dann meinte er: Wie können auch ein bisschen Stimmung machen hier. Wir haben so einen Bluetooth-Lautsprecher. Hast du was dabei, was du gern hörst?


Das war die entspannteste Zahnbehandlung, die ich je hatte! Wir haben Ina Müllers „Eichhörnchentag“ genossen und Michael Jackson. Mit dem neuen Album von Rainald Grebe habe ich ihn verschont. Dafür fand ich Keb Mo und Bette Midler auf meinem Handy, Hot Chocolate und Kelela. Dank der Betäubung habe ich von der Abschleifaktion wirklich gar nichts gespürt.  Auch die drei Abdrücke gingen ohne Würgen und Erstickungsanfälle über die Bühne. Jetzt habe ich ein Provisorium, das sich anfühlt, als hätte ich ein Kaugummi in der Backentasche vergessen. Nicht unangenehm.

Schon krass, wenn einem der Zahnarzt-Besuch neben „zur Gesundheit beitragen“ auch noch ganz andere Bedürfnisse erfüllt. Gesehen werden, Respekt, Spaß (!), Verbindung und Dankbarkeit. Wie schön, dass sich die Zeiten geändert haben!
So long!

Ysabelle

 

 

 

Dankbarkeit 20. März 2021

Hallo, Welt!

In den vergangenen Wochen gab es viele Gelegenheiten, mich mit meiner Dankbarkeit zu verbinden. Ich habe damit ja schon vor ein paar Jahren begonnen und mittlerweile ist es so etwas wie Tagespraxis geworden, für die Dinge dankbar zu sein, die gut sind in meinem Leben.

Samstag vor einer Woche war ich echt am Limit. Wie wunderbar, dass mir meine Freundin Cynthia zur Seite stand!  Zwischendurch denke ich ja noch immer, ich müsste alles allein machen und schaffen. Da tut es dann doppelt gut, wenn jemand plötzlich anbietet: Ich mach das für dich, und du darfst das gern annehmen! Ich habe spontan so eine Entlastung gespürt, dass die Umsetzung des Angebots dann gar kein Thema mehr war. Allein mit meiner Not und Verzweiflung gesehen zu werden, brachte mich wieder mit meinen Kompetenzen in Verbindung und ich konnte die herausfordernde Situation ohne Interventionen von außen meistern.

Heute bin ich dafür dankbar, dass ich meine Freunde um Hilfe bitten mag. Und ich bin meinen Freunden und Freundinnen dankbar, dass sie mir diese Hilfe zuteil werden lassen. Manchmal besteht die Hilfe auch darin, dass sie mich an meine eigene Kraft erinnern … und ich plötzlich Dinge selber machen kann, die ich mir zwei Stunden vorher nicht zugetraut habe …

So long!

Ysabelle

 

Hilfe! Hilfe!

Hallo, Welt!

Auf der Hunderunde bin ich heute mal andersrum gelaufen, erst beim Tierarzt vorbei und dann zum Hafen. Auf meinem Weg liegt das Alten- und Pflegeheim. Im Vorbeigehen hörte ich eine tiefere Stimme rufen: „HILFE! … HILFE!“ Ich blieb stehen und versuchte zu lokalisieren, woher genau die Stimme kam. Vielleicht aus der Gartenanlage? Vom hinter dem Altenheim liegenden Platz? War jemand gestürzt und ich könnte helfen? Schließlich lokalisierte ich das Rufen aus einem Fenster im zweiten Stock.
Den Hund hinter mir her ziehend rannte ich so schnell ich konnte zum Eingang des Altenheims um die Ecke. Rein, mit Hund, egal. Durch die Scheibe einer Tür sah ich Menschen beim Essen. Auf dem Flur saß ein älterer Mann in einem Lehnstuhl und las etwas. Kein Personal in Sicht. Da stand eine junge Frau mit einer Art Mappe in der Hand. „Können Sie mir sagen, wo ich hier einen Mitarbeiter finde?“ Nein, das konnte sie nicht.
Schließlich sah ich durch eine Glastür, die mutmaßlich zu einer „Station“ führte, weiße Kittel. Ich winkte hektisch und zerrte den Hund in diese Richtung. Zwei Mitarbeitende kamen an die Tür. „Da ruft jemand um Hilfe! Um die Ecke, am Ende des Blocks, im zweiten Stock.“

„Ah, das ist wahrscheinlich Frau X, die schreit öfter. Da ist nichts.“
„Nein, ich glaube, das war eine Männerstimme.“
„Wo genau war das? Ich rufe mal an.“ Die Frau langte in ihre Kitteltasche und holte ein Telefon heraus. Die andere Frau sagte sinngemäß, danke, dass sie Bescheid gesagt haben.“

Ich verließ das Gebäude und rang um Fassung. Das hatte mich schwer mitgenommen. Als ich um die Ecke bog, hörte ich wieder die Hilfeschreie. Ich ging bis vor das Fenster und rief: „Hallo, können Sie mich hören? Ich habe Bescheid gesagt, dass Sie um Hilfe rufen, es wird sich gleich jemand um sie kümmern.“ Nach kurzer Unterbrechung ging das Rufen weiter und weiter. Ich konnte das nicht aushalten und lief zurück zum Eingang des Heims. Auch meine zweite Alarmmeldung führte nicht zu erkennbarer Aktivität. Ohnmächtig und ängstlich zerrte ich den Hund hinter mir her und schleppte mich am Hafen entlang nach Hause.

Was war so herausfordernd an dieser Situation? In erster Linie das, was sich in meinem Kopf abgespielt hat. Vor meinem geistigen Auge sah ich eine hilflose Person in Not. Meine Bedürfnisse waren Unterstützung, Empathie, Verbindung und Shared Reality, dieses „gemeinsam in eine Richtung blicken“. Und für die betroffene Person „to matter“, also von Bedeutung sein, wichtig sein, zählen. Es schmerzte mich, dass nicht zu erkennen war, dass sich jemand dieses Menschen annahm. Und ich hatte Angst, eines Tages selbst in so einer Situation zu sein. Hilflos, ohnmächtig, einsam.

Es gibt kein Happy End bei dieser Geschichte. Ich lerne daraus, dass ich am liebsten Vorkehrungen dafür treffen möchte, später nicht in so einer Situation zu landen.  Und gleichzeitig gibt es so wenig, was ich dazu beitragen kann, um so eine Entwicklung zu verhindern. Seniorensport könnte mich dabei unterstützen. Und mein Haus so weit in Schuss haben, dass ich mithilfe eines Pflegedienstes möglichst lange her wohnen bleiben kann … Was für Aussichten!

So long!
Ysabelle

Ich. esse. meine. Suppe. nicht.

Hallo, Welt!
Ich habe Urlaub mit meiner Enkeltochter gemacht. Wer hier schon lange liest, weiß, dass es sich dabei um ein kleines Wunder handelt. Die Tage waren ok – irgendwie kann ich grad mit dem Wort „schön“ nicht um – und wir haben uns praktisch nicht gestritten. Und trotzdem will sich keine Freude und keine Erholung einstellen.

Meine Enkelin wird demnächst sieben Jahre alt. Wir haben viel unternommen, viel gesehen, zusammen gemalt, waren gestern zusammen schwimmen. Es gab viele gute Stunden. Und gleichzeitig habe ich heftig mit meinen Gefühlen zu kämpfen. Und das hängt mit ihren Essgewohnheiten zusammen.
Sie isst:
Weißbrot mit Nutella
Salzbrezel mit Nutella
Bunte Nudeln mit Hela-Ketchup (eine bestimmte Sorte)
Kartoffelpüree, frisch gestampft
Fruchtzwerge
Pfannkuchen mit Zimt und Zucker
Chicken Nuggets
Fischstäbchen
gelegentlich Quarkbällchen, jedenfalls, wenn viel Zucker drum herum ist.
Schokoladeneis (mit Schokosauce und ohne. Ggf. mit bunten Streußeln)

Kein Gemüse. Null.
Kein Obst. Null.
Kein Käse. Keine Wurst. Kein „normales“ Brot. Keinen „normalen“ Kuchen. Keinen Jogurt. Keine Pizza. Keine Milch. Keine Limonade. Keinen Saft außer einem speziellen Kindersaft.

Meine Freundinnen, die wir in diesem Urlaub besucht haben, haben das mit Engelsgeduld hingenommen, doch meine Stimmung wurde mit jeder Mahlzeit aggressiver. Als sie sich bei Ursula in Bremen neben dem Kartoffelpüree drei Fischstäbchen auffüllen ließ, sie zerteilte und dann nur noch auf dem Teller hin- und her schob. Als sie bei meiner Freundin Christine insgesamt drei Teller mit Nudeln „einsaute“, während wir alle noch aßen aufstand und spielen ging, mir angebissene Quarkbällchen rumliegen ließ und ich auch mit Aufbietung aller empathischen Reserven nicht rauskriegen konnte, wieso sie die nun nicht essen wollte. Zusammengereimt habe ich mir dann, dass diese Partie gerade nicht so schön in Zucker gewälzt war wie sonst. Und dann schmeckten sie ihr nicht.

Ich merke, dass ich in Sachen Essen mit supervielen „sollte“-Botschaften zu kämpfen habe. Kinder sollten „alles“ probieren. Sie sollten „ordentlich“ am Tisch sitzen und sich zum Beispiel beim Essen nicht an den Schuhen/Füßen pulen. Sie sollten das Vorlegebesteck benutzen und nicht mit dem eigenen, bereits benutzten Löffel in der Schüssel rumrühren, in der das Essen serviert wird. Sie sollten Bitte und Danke sagen … Die Liste ließe sich fortsetzen.

Ich versuche schon seit ein paar Tagen, mir auf die Schliche zu kommen. Was ist es, dass mich in dieser Situation so in Not bringt? Zum einen glaube ich, dass das Kind durch die einseitige, stark zuckerhaltige Ernährung gefährdet ist. Keine Nährstoffe, keine Vitamine. Ich habe dazu kürzlich eine Doku auf Arte gesehen, das kann neben so Albernheiten wie Beri-Beri, Skorbut oder Rachitis sogar zur Erblindung führen. Mir ist also ihre Gesundheit wichtig. Auch dass ich dann immer wieder Sachen wegschmeiße, die sie nicht gegessen hat, regt mich auf. Dabei habe ich da wirklich eine Doppelmoral, denn hier zu Hause bin ich mit meinen Lebensmittelvorräten nicht so achtsam wie ich es gern wäre. Unmittelbar vor dem Urlaub habe ich ziemlich viel weggeworfen, was beim besten Willen nicht NOCH eine Woche haltbar gewesen wäre. Seit ich allein wohne, koche ich nur selten für mich „RICHTIG“, meist mache ich mir nur „was zu essen“. Also ich bin selbst nicht das beste Vorbild in Sachen gesunde Ernährung.

Gefühle: Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Frustration, Ärger, Verzweiflung, durcheinander, genervt, ratlos.

Unerfüllte Bedürfnisse sind neben Gesundheit auch „die Fülle des Lebens feiern“ – es gibt so wunderbare Lebensmittel, Früchte, Gemüse, Backwaren … und nichts davon isst sie … Mir geht es um Respekt und Wertschätzung für die Menschen, die für sie das Essen zubereiten. Feiern, Ritual, das gemeinsame „am Tisch sitzen und zusammen essen“. Gemeinschaft, Verbindung, Verstehen … ich möchte sie auch darin unterstützen, Sachen zu finden, die ihr vielleicht schmecken könnten … aber wie soll das gehen, wenn mein Gegenüber immer nur sagt, „das mag ich nicht“, ohne es probiert zu haben? Oder „das ist mir zu sauer“ … Verbindung …

Aber anscheinend ist noch irgendwas im Spiel, was ich partout nicht gegriffen kriege. Für Eure Anregungen wäre ich dankbar.

So long!
Ysabelle

In freier Wildbahn

Hallo, Welt!

Es herbstelt. Da ich ja in einer Hafenstadt lebe, ist jetzt die Zeit, in der die Boote wieder nach Hause kommen und nach und nach aus dem Wasser geholt werden.
Ich ärgere mich dann öfter, wenn die Bootsbesitzer ihre Autos auf dem Bürgersteig parken, um nur keinen Schritt zu viel mit den Proviantkisten, dem Segelzeug und den Sitzkissen zu machen, die über Winter nicht an Bord bleiben sollen.

Heute beobachtete ich, wie ein Mann Sachen von (s)einem Schiff zum Auto trug. Es türmte sich in seinen Armen. Bei seinem nächsten Gang konnte er wieder kaum über den Stapel hinwegschauen. Dann kam eine Frau an Deck. Mit einem deutlichen Dialekt, den ich für Schweizerisch hielt, sprach sie den Mann an. Es ging anscheinend um Kleidung, die er auf dem Arm trug. „Das sind gute Sachen!“ Mehrmals und eindringlich betonte sie mit zunehmender Lautstärke, dass es sich um gute Sachen handelte. Schließlich hörte ich ihn sagen: „Ich lege das vorsichtig als oberstes, ok? Gut, dass Du mir das sagst!“

Ich war so überrascht, ich wäre fast über Fontanes Hundeleine gestolpert! Was habe ich in diesem Hafen nicht schon alles gehört! Im vorigen Frühjahr beoachtete ich ein Paar beim Ablegen ihres Segelbootes. Anscheinend sollte es in den Urlaub gehen. Der Mann schnauzte die Frau so zusammen, wenn mir das passiert wäre, ich hätte gefordert, dass er unverzüglich anlegt und wäre von Bord gegangen. Schiffe sind eine Welt für sich. Der Kapitän oder die Bootsfrau hat immer Recht, und das wird gegebenenfalls auch mit Brüllen durchgesetzt. Auch ich wurde hier schon ganz „schön“ angefaucht, das ist jetzt allerdings schon fast ein Vierteljahrhundert her, aber trotzdem unvergessen.

Und nun dieses Paar. Die Frau mit dem Dialekt … war sie eine erfahrene Seglerin? Beide waren mindestens in meinem Alter. Die Ruhe und die Freundlichkeit, mit der der Mann auf die immer dringender werdenden Worte der Frau reagierte, rührten an meine Sehnsucht nach respektvollem und wertschätzendem Umgang miteinander. Ein Teil von mir wollte zurückgehen zu dem Mann, der vorsichtig den Stapel Zeugs im Auto verstaute. Gern hätte ich ihm gesagt: „Danke, dass Sie hören konnten, wie besorgt ihre Begleiterin um die Sachen war. Danke, dass Sie so freundlich und einfühlsam bleiben konnten, als sie immer lauter wurde.“ Vielleicht gibt es ja doch noch ein bisschen Hoffnung in Sachen Wertschätzung, Gehört werden und Verbindung in dieser Welt. Diese kleine Beobachtung jedenfalls hat mich wieder an meinen Traum erinnert …

So long!
Ysabelle

Penitent hat ausgedient

Hallo, Welt!

Es gibt einen wunderbaren Vortrag von Marshall Rosenberg, der mich auch nach dem hundertsten Hören immer noch berührt. Er hielt ihn aus Anlass des Jubiläums einer Kirchengemeinde und sprach über peace making ./. peace breaking und stellte sich als Experte in Sachen peace breaking vor. Im Verlauf des Vortrags beschreibt er dann, wie gewaltvolle Kindererziehung funktioniert. „You make them penitent“. Ich bringe also meinen Nachwuchs dazu, sich reuig zu zeigen, und ICH entscheide, wann das Kind (mein Gegenüber/ich selbst) genug Reue gezeigt hat, gelitten hat für das, was er oder sie angerichtet hat.

„Say, ‚I’m sorry!“

I’m sorry.

„No, that’s not enough!“

 

 

uuu huuu huu (Kind weint)
I’m sorry.

 

„Ok, I’ll forgive you“.

 

Kommt Euch das irgendwie bekannt vor? Ich habe tatsächlich unerfreuliche Erinnerungen daran, wie Entschuldigungen von meiner Mutter nicht angenommen wurden. „Das reicht nicht.“ Make them penitent. Davon hat man jahrzehntelang was.

 

Gestern Abend war GFK-Übungsgruppe in H.
Ich war spät dran, weil ich vorher unbedingt noch Mittag (!) essen wollte. Am Ende der Straße, in der ich wohne, kann man aktuell nicht rechts abbiegen, weil dort gebaut wird. Ein anderer Anlieger hatte mir berichtet, wir Anwohner dürften im Schritttempo durch diese kleine Gasse fahren und uns am Ende rechts in die Hauptverkehrsstraße schleichen. Ich kam ziemlich schwungvoll um die Ecke (ich hatte es eilig …) und hörte ein unangenehm knirschendes Geräusch.

Mir war sofort klar, dass ich irgendetwas getroffen hatte mit dem Auto. Aber erst mal wollte ich da raus aus der Straße. Im Rückspiegel konnte ich schließlich dieses Schild sehen, es wirkte recht schief auf mich.

Auf dem nächsten Parkplatz außerhalb der Stadt habe ich angehalten und bin ums Auto rumgegangen.

Schock, Schmerz. Die rechte Seite sieht furchtbar aus. Die vordere Tür war ja durch einen flüchtigen Radfahrer schon vor zwei Jahren eingedellt worden. Jetzt ziehen sich dramatische weiße Schlieren über die hintere Tür, die eine tiefe Beule hat. Die Heckschürze hat auch noch was abbekommen. Ich schätze den Gesamtschaden auf 6000 Euro und danke dem Himmel für meine Vollkasko-Versicherung.

Und jetzt geschah etwas, was sich total fremd anfühlte. I didn’t feel penintent. Normalerweise werde ich bei solchen FEHLERN von einer Welle Selbstvorwürfen überrollt. Wie konntest du nur … was das wieder kostet … unaufmerksam … schlechte Autofahrerin … DU BIST SCHULD. DU MUSST DAFÜR BÜßEN.

Diese Selbstvorwürfe kamen zusammen mit heftigen Schuldgefühlen und Angst. Gestern war das nicht der Fall. Im Vergleich zu früheren Situationen, die weniger als wunderbar waren, fühlte ich mich ruhig. Ich war traurig. Ich bin noch immer traurig. Mein schönes Auto! So eine schwere Verletzung! Tatsächlich war ich fast unmittelbar mit meinen unerfüllten Bedürfnissen in Kontakt:
Schönheit
Achtsamkeit (tatsächlich hatte ich das Schild nicht gesehen. Wie konnte das passieren?)
Sorgsamer Umgang mit meinen finanziellen Ressourcen
Respekt vor dem Eigentum anderer
Respekt vor den Mitgliedern meiner Übungsgruppe, die auf mich warteten.

Gleichzeitig gab es eine lebhafte Erinnerung, wie „penitent“ sich anfühlt: Reue, ausgelöst durch Angst, Schmerz und Druck. Und ich konnte mich „freuen“, dass es sich diesmal anders anfühlte. Es gab kein Rausreden, kein Wegducken, kein sich aus der Verantwortung stehlen. Ich habe noch gestern Abend ans Ordnungsamt geschrieben, dass ich den Pfahl touchiert habe und weiter gefahren bin (Fahrerflucht?). Heute Morgen war ich bei der Versicherung und in der Autowerkstatt. Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln. Ich tue mein Möglichstes, um mit diesem Schaden angemessen umzugehen. Ich kann ihn nicht ungeschehen machen. Aber ich muss mich deshalb nicht niedermachen, beschimpfen, unter Druck setzen, mich von mir abschneiden. Ich glaube, ich werde eine Kollegin um ein Coaching bitten. Zu viele Sachen laufen im Moment nicht rund, ich nehme das als Einladung, auf meinen aktuellen Tagesablauf zu schauen. Vielleicht braucht es hier eine Veränderung.

 

So long!

Ysabelle

Moderne Technik …

Hallo, Welt!

Wohin mit meiner Wut? Manchmal weiß ich es nicht.

Vor einiger Zeit hat meine Bank mit einer anderen Bank fusioniert. Es gab neue IBAN-Nummern, damit für mich also auch neues Geschäftsbriefpapier *grummel* und alle Daten mussten neu in die Banking Software eingegeben werden, die ich für meinen Mac kaufen musste. Als Folge dieser Fusion ist vor einem Monat auch die Bank-Banking-Software verändert worden, damit nun alle in der Bank mit einem einheitlichen System unterwegs sind. Das führte unter anderem zu mächtig Chaos am Geldautomaten, denn auch hier hat sich die Menüführung geändert. Mitten in dieser Umstellung gab es auch noch ein Software-Update in meiner Mac-Banking Software. Was für ein Chaos!

 

Meine Mitarbeiterin hatte Lastschrift-Einzüge und Überweisungen fertig gemacht und wie immer, wenn die Empathische Zeit vor der Fertigstellung steht, ist das Geld extrem knapp. Ihr könnt Euch vorstellen, wie wenig begeistert ich war, als ich sah, dass die Terminüberweisungen für zwei Rechnungen nicht etwa zum Termin Mitte Juni, sondern am nächsten Tag ausgeführt worden waren. Rumpelstilzchen ist ein Dreck gegen mich, wenn ich echt sauer bin.

Ich habe also meine Bankberaterin schriftlich kontaktiert und um Rückruf gebeten. Kann ja nicht angehen, dass die die Scheiß-Software ändern und ICH kann keine Terminüberweisungen mehr ausführen! Saftladen! Alle unfähig.

Oder war es womöglich das Software-Update meiner Mac-Software, das die Probleme verursachte? Wieder in Heidelberg bei der Software-Schmiede anrufen? Nach einer knappen Woche hatte ich noch immer keine Rückmeldung von der Bank. *GRUMMEL-GRUMMEL* Im Vorbeigehen habe ich mich am Schalter beschwert, warum mich auf meine Email hin niemand kontaktiert. Daraufhin erschien meine Bankberaterin, ließ sich das Problem noch mal mündlich schildern, murmelte mit einer hilflosen Geste etwas von Überlastung und versprach, der technische Support der Bank werde sich bei mir melden.

So geschah es am nächsten Tag.

Ich habe mich sehr bemüht, den freundlichem Mitarbeiter am Telefon nicht in Grund und Boden zu brüllen. Meine unerfüllten Bedürfnisse:

Vertrauen
Sicherheit
Verstehen/Klarheit
Verbindung
Unterstützung

und dieser Mensch am Telefon wollte mir ja zumindest einen Teil davon liefern.
ich schilderte also meine Beobachtung: Die Mitarbeiterin hatte verlässlich Terminmeldungen am 2x.05. eingestellt, die erst Anfang Juni abgebucht werden sollten. Das hatte ich bereits kontrolliert. Die Buchung erfolgte aber am Folgetag. Dieses sei besonders problematisch, weil wir manchmal lange Zahlungsziele angeboten bekommen (und auch brauchen und ausnutzen). Und wenn wir dann die Zahlung nicht ins System einpflegen können, weil das System entscheidet, hey, ich zahl mal morgen, dann bringt uns das in ernste finanzielle Schwierigkeiten. Denn dann kommt es vielleicht (wahrscheinlich) vor, dass Zahlungen untergehen, und das möchte ich nicht.

Während also der Bank-Mitarbeiter am Telefon an seinem Ende in den Daten wühlte, kramte ich in meiner Banking-Software im Ausgangsordner, um meine Beweise zu sammeln.
Dann sagte der Herr: Also, es geht um die Rechnung Mustermann 73,80 €, korrekt? Und Hampelmann, 182,23 Euro, stimmt’s? Im Ausgangsordner von 2x.05. fanden sich Rechnungen von Mustermann und Hampelmann, aber die Summen stimmten nicht mit denen überein, die der Mitarbeiter eben genannt hatte. Häh? Und die anderen drei Terminrechnungen, die ebenfalls am 2x.05. angelegt worden waren, waren nicht vorzeitig abgebucht worden. What the *f…* war hier los?

Jetzt scrollte ich mal weiter nach oben. Unglaublich! Anfang Mai gab es zwei Terminüberweisungen für Mustermann und Hampelmann. Beide sollten am 2x.05. ausgeführt werden. Der Zufall hatte ergeben, dass diese „alten“ Aufträge just am 2x.05. ausgeführt wurden, als wir am Vortrag zwei neue Überweisungen für diese Firmen angeschoben hatten. Die Software war also die ganze Zeit in Ordnung gewesen, und wenn ich zum Beispiel nur mal die Summen der Aufträge verglichen hätte, wäre mir aufgefallen, dass es sich um zwei komplett verschiedene Rechnungen handelte. Aber ich habe ja lieber eine Woche zunächst auf die „dumme“ Mitarbeiterin geschimpft, die keine Terminüberweisungen anlegen kann. Dann, als ich feststellte, dass die Überweisungen einwandfrei waren, musste natürlich die Bank schuld sein, ersatzweise die Software-Schmiede, bei der ich die Banking Software gekauft habe.  IRGENDJEMAND MUSS DOCH SCHULD SEIN!

Oh, Mensch!

Zwölf Jahre betreibe ich jetzt GFK. Ich habe drei Jahresgruppen, ein Fortgeschrittenen-Seminar, vier Internationale Intensivtrainings, zwei Trainings in Findhorn und diverse Assistenzen absolviert, ich bin seit fünf Jahren zertifiziert. Und noch immer kommt es vor, dass ich komplett in dieser Welt von Richtig oder Falsch verloren bin.

Wenn ich das feststelle, werde ich jedes Mal ganz traurig. Wie hartnäckig diese alten Muster sind! Wie schmerzhaft, dass ich noch immer in die alten Fallen tappe! Wie frustrierend, dass ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin, die Summen zu vergleichen oder zu realisieren, dass nur zwei von fünf Terminüberweisungen getätigt worden waren … Hallo, wach!

Ich habe mich ziemlich überschwänglich bei dem Bankmitarbeiter bedankt, der nun noch viel weniger wusste, was nun los war. „Ich hab gar nichts gemacht!“, meinte er mehrfach. Und ich sagte, „doch, Sie haben mir eben die Zahlen der Buchung durchgegeben, als ich gerade die Terminvergabe im Auftragskorb überprüfte, und dabei konnte ich feststellen, dass es nicht die gleichen Summen waren, also nicht die gleichen Aufträge!“
Dann haben wir uns noch gemeinsam ein bisschen über den Zufall gewundert, der dazu geführt hatte, dass just diese beiden Rechnungen von Mustermann und Hampelmann Anfang Mai genau auf den Tag gelegt worden waren, in denen neue Mustermann/Hampelmann-Rechnungen generiert worden waren …

Viel Lärm um nichts. Ich bin bestürzt. Es dauert wohl noch ein bisschen, bis meine alte Programmierung komplett upgedatet ist. Anscheinend klappt das bei Banking Software besser als bei meinem Gehirn!

So long,

 

Ysabelle

 

 

 

In der Hundeschule … mal wieder …

Hallo, Welt!
Beruhigend festzustellen, dass ich immer noch dazu lerne …
Gestern Morgen bekam ich um 6:54 Uhr eine Nachricht in einem Whatsapp-Faden:

Guten morgen, heute treffen wir uns in der Hundeschule 😉
LG, Person XY

Ich schrieb um 7:32 Uhr zurück:

…..
Leitet (die Leiterin) das Training?

Um 8:17 Uhr meldete sich noch eine weitere Person, dann war Schweigen in dem Faden.
Ich ging zu um 17 Uhr zum Training in die Hundeschule, grummelnd und unzufrieden, weil ich gern vorab gewusst hätte, wer das Training leitet.

Vor Ort waren Person XY und vier bis fünf HundehalterInnen, die sonst auch bei dieser Gruppe mitwirken. Ich sagte: „Ich habe heute Morgen eine Whatsapp Nachricht bekommen und daraufhin um 7:30 Uhr gefragt, wer heute das Training leitet. Darauf habe ich keine Antwort bekommen. Person XY entgegnete: „Ich war bei der Arbeit und konnte nicht antworten.“
Ich: Nun, die Leitung der Hundeschule hätte ja zwischen halb acht und 17 Uhr mal antworten können.

Person XY: „Die arbeitet auch. Aber du musst ja nicht mit trainieren, wenn es dir nicht passt …“

Da rang ich schon mühsam um Beherrschung und kriegte nur noch ein „Darum geht es überhaupt nicht“ heraus.

Die nächsten zwei Stunden war ich damit beschäftigt, mich über die Reaktion von XY zu ärgern. Warum sie meine Frage als Ablehnung von sich selbst interpretiere … wieso ich nicht einfach eine Antwort haben kann … Ich bin doch nicht verantwortlich dafür, wie andere Leute meine Frage hören … grummel grummel, groll groll …

Als ich dann den Hund nach Hause gebracht hatte, schnappte ich mir eine Tasche und ging noch mal ins Büro. Auf dem Weg dorthin fragte ich mich freundlich, warum ich denn nun so an dieser Antwort zu kauen hatte. Ich kam also endlich weg von Person XY und ihrer Reaktion hin zu MIR und meiner Befindlichkeit.

Zunächst mal habe ich mich gewundert, dass diese „läppische Szene“ so viel Energie für mich hat. Was waren meine Bedürfnisse, als ich morgens die Nachricht abschickte? Klarheit und Wahlfreiheit. Als über Stunden keine Antwort kam, ging es auch um Respekt und Wertschätzung für mich als Kundin. Ich habe eine (berechtigte …) Frage und darf eine Antwort haben. Immerhin handelt es sich um ein Wirtschaftsunternehmen, mit dem ich einen Vertrag habe. Die Antwort „du musst ja nicht mit trainieren, wenn es dir nicht passt …“ erfüllte nicht meine Bedürfnisse nach Respekt, Wertschätzung und Gesehen werden. Statt mich also für meine Bedürfnisse einzusetzen, habe ich meinem Gegenüber die Schuld zugeschoben: Person XY „hört“ falsch, ist zu empfindlich, hat keinen Respekt.

Nachdem ich so weit gekommen war, dämmerte mir allmählich: Person XY hatte vollkommen Recht! Ich brauche kein Training mitzumachen, das mir nicht gefällt, oder das bei mir Wünsche offen lässt. Aber den Mut zu sagen, das Training bei der Leitung gefällt mir besser als bei Person XY, hatte ich nicht.

So einfach war es auch nicht …
Ich mag das Training der Leitung. Ich glaube, dass diese Person sehr viel von Hunden versteht und im Kontakt spüre ich Wohlwollen und Akzeptanz für mich und meinen Hund. Ich bin aktuell wieder mal sehr eingebunden und es fällt mir schwer, Zeit für den Hundesport freizuschaufeln.

Meine Motivation ist ungleich höher, wenn ich weiß, ich trainiere mit einer Person, die mich und meine gewaltfreie Haltung bzgl. Hundeerziehung akzeptiert und die bereit ist, mich zu unterstützen, als mit einer Person, von der ich den Eindruck habe, dass sie mit Schimpfen und Strafen (Hund einsperren) reagiert, wenn ihr Hund nicht wie gewünscht reagiert.

Jetzt hatte ich mich schon durchgerungen zum Unterricht zu kommen, wohl annehmend, dass Person XY das Training leiten würde. Es ging also jetzt nicht mehr ums Gehen. Es ging um Gehört werden und um Wahlfreiheit. Meine eigene Ängstlichkeit hindert mich also daran, Dinge anzusprechen, die ich weniger als wunderbar finde, nämlich dass ich bei der Leitung den Eindruck habe, mehr Akzeptanz zu erleben, und dass ich mir das auch von Person XY wünschen würde. Warum ich das nicht ausgesprochen habe? Es geht mir um Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Unterstützung und Schutz. Meine Haltung ist in dieser „normalen“ Hundeschule sowieso schon exotisch. Ich mag nicht noch mehr von mir zeigen.

Seufz.
Aber immer erst mal auf den anderen rumhacken.
Drei Stunden hat es gedauert, bis ich wieder bei mir angekommen bin. Immerhin BIN ich angekommen. GFK ist nichts für Weicheier, sagt Marshall. Wie recht er hat …

So long!

Ysabelle

Dankbarkeit, 20.1.2018

Hallo, Welt!
Ich bin ganz schön gut.
Die Empathische Zeit kriegt ein neues Layout und seit drei Wochen quäle ich mich ohne Ende mit den Anforderungen, die das mit sich bringt. Mein Art Director ist der Ansicht, ich müsse mit Stilvorlagen und Absatzformaten arbeiten in einem Programm, in dem ich im November 2011 die letzte Schulung hatte …

Am vorigen Wochenende nun traf ein langer Artikel bei mir ein, der das Herzstück der neuen Ausgabe werden soll. Ich habe jetzt vier Tage gebraucht, um diesen Artikel zu „layouten“, denn das ist ja nicht meine Kernkompetenz. Ich bin Autorin. Und das Künstlerische fällt mir schwer. Zwischendurch hat mein innerer Kritiker mir jegliche Kompetenz abgesprochen und meine Stimmung ist eh seit Wochen im Keller, weil ich mich so schwer tue. Eine Rücksprache mit dem Autor gestern war wieder mal hoch spannend. Ich bat darum, dass die angelieferte Textbreite künftig nur 35 Anschläge beträgt. „Wie macht man das?“ Es ging um die Qualität von Bildern und die Druckfähigkeit. „Ich verstehe das nicht …“

Eben gab es einen Anlass, ein altes Bildmotiv zu bearbeiten, mit dem bisher für ein Jahresabo der Empathischen Zeit geworben wurde. Der Preis stimmte nicht mehr, und auch das Titelbild der neuesten Ausgabe war nicht mehr relevant. Keiner da, den ich fragen konnte. … Na, da habe ich es eben selbst „gestümpert“, sagt der Kritiker. In Photoshop, ein Programm, das ich nie begriffen habe, habe ich den alten Preis wegradiert. Dann habe ich das Bild in Pages geladen und einen neuen Preis eingebaut. Dann habe ich das Titelbild durch ein anderes „ersetzt“, die ganze Chose in ein PDF gewandelt, das PDF in ein Jpeg, das Jpeg beschnitten und schließlich unter neuem Namen in der Shop-Software hochgeladen.

Ok, jemand, der das KANN, hätte das wahrscheinlich nur in Photoshop in der Hälfte der Zeit gemacht. Aber ich hatte einen Plan, ich wusste mir zu helfen. Mit meinen anderen Skills konnte ich das, was ich nicht habe, „ersetzen“, oder eben überbrücken. Auch wenn ich noch immer nicht layouten kann, so bin ich doch kreativ und erfinderisch. Und dafür bin ich gerade dankbar.

So long!

Ysabelle

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