Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Märchen vom Auszug aller Ausländer

von Helmut Wöllenstein

Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten, spät abends. Über den Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten die Worte „Ausländer raus“ daran und „Deutschland den Deutschen“. Steine flogen in das Fenster des türkischen Ladens. Dann zog die Horde ab. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Fenstern der Bürgerhäuser waren schnell wieder zugefallen. Niemand hatte etwas gesehen.
Plötzlich leise Stimmen: „Los kommt, wir gehen.“ „Wo denkst Du hin! Was sollen wir denn da unten im Süden?“ „Da unten? Da ist doch immerhin unsere Heimat. Hier wird es immer schlimmer. Wir tun, was an der Wand steht: ´Ausländer raus´ !“

Tatsächlich: Mitten in der Nacht kam Bewegung in die kleine Stadt. Die Türen der Geschäfte sprangen auf. Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihrer Weihnachtsverkleidung. Sie wollten nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann der Kaffee, palettenweise, der Deutschen Lieblingsgetränk: Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat.

Ananas und Bananen räumten ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika. Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf. Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne, die Gewürze aus ihrem Inneren zog es nach Indien.

Es war schon in der Morgendämmerung, als die Schnittblumen nach Kolumbien aufbrachen und die Pelzmäntel mit Gold und Edelsteinen in teuren Chartermaschinen in alle Welt starteten. Der Verkehr brach an diesem Tag zusammen … Lange Schlangen japanischer Autos krochen gen Osten. Am Himmel sah man die Weihnachtsgänse nach Polen fliegen. Gefolgt von den Seidenhemden und den Teppichen des fernen Asiens.

Mit Krachen lösten sich die tropischen Hölzer aus den Fensterrahmen und schwirrten ins Amazonasbecken. Man musste sich vorsehen, um nicht auszurutschen, denn von überall her quoll Öl und Benzin hervor, floss in Rinnsalen und Bächen zusammen in Richtung Naher Osten. Aber man hatte ja Vorsorge getroffen.

Stolz holten die deutschen Autofirmen ihre Krisenpläne aus den Schubladen: Der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden. Wozu ausländisches Öl?! – Aber die VW´s und BMW´s begannen sich aufzulösen in ihre Einzelteile, das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien, der Naturkautschuk nach Zaire. Und die Straßendecke hatte mit dem ausländischen Asphalt auch immer ein besseres Bild abgegeben als heute.

Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, der Auszug geschafft, gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Nichts Ausländisches war mehr im Land. Aber Tannenbäume gab es noch, auch Äpfel und Nüsse. Und die „Stille Nacht“ durfte gesungen werden – Allerdings nur mit Extragenehmigung, das Lied kam immerhin aus Österreich!

Dieses Märchen erreichte mich von Olaf Hartke. Herzlichen Dank!

Buchempfehlung: Gewaltfreie Kommunikation in der Mediation

Hallo Ihr Lieben!

Wenn man sich im Bücherregal der Gewaltfreien Kommunikation umschaut, findet man inzwischen eine große Fülle an Literatur zu dieser fantastischen Errungenschaft. Ist man mit der Methode und den Möglichkeiten der GFK noch nicht allzu vertraut, kann man auch die meisten Bücher bedenkenlos erwerben und studieren.
Irgendwann kommt die fortgeschrittene Giraffe aber an den Punkt, wo sie die 4 Schritte auswendig kann, ein Vokabular an Gefühlen und Bedürfnissen beherrscht, das für den Alltag ausreicht und sich fragt, ob das schon alles ist.
Meine Erfahrung ist, dass sich viele Bücher wiederholen und die immer gleichen Grundlagen darlegen, ohne wirklich etwas neues zu bieten. Aber zum Glück gibt es inzwischen auch einige Titel, die sich an fortgeschrittene und professionelle Anweder richten und auch für alte Hasen bzw. Giraffen noch interessantes beinhalten.

Zu diesen Büchern zähle ich auch „Gewaltfreie Kommunikation in der Mediation“.
Die gut 150 Seiten enthalten 13 Artikel aus verschiedenen Bereichen die mal an einem speziellen Punkt in die Tiefe gehen (z.B. Visualisierung von Emotionen) und mal in die Breite (Übersicht über Restorative Circles, Soziokratie). Dieser abwechslungsreiche Mix hat mich sehr angesprochen und ich denke, dass das Buch durch die verschiedenen Themen und Herangehensweisen auch für eine größere Zielgruppe als profesionelle Mediatoren interessant ist.
Der Schreibstil ist je nach AuthorIn mal locker und humorvoll (z.B. Al Weckert über den Umgang mit schwierigen Gefühlen), mal deutlich vom Bussiness Kontext geprägt (z.B. Helga Weiß über Organisationsentwicklung). Das ganze durchzieht ein klarer Pragmatismus, immer wieder geht es um die Frage, wie man das ganze anwenden kann. Dazu passende Fallbeispiele, Übungen und Anregungen können benutzt werden, um das eigene Repertoire zu erweitern.
Weiterhin fällt mir positiv auf, dass das gesamte Buch genderbewußt verfasst wurde, zumindest bei den VerfasserInnen ist angekommen, dass es nicht nur Männer auf der Welt gibt.
Gewaltfreie Kommunikation in der Mediation bekommt von mir glatte fünf Sterne und eine eindeutige Kaufempfehlung für jede, die als Multiplikatorin unterwegs ist.

 

Markus

Was Frauen sollten und müssten

Hallo, Welt!
Heute Morgen stieß ich auf einen Artikel in der TAZ, den ich zum Lesen empfehlen möchte. Er stammt von Margarete Stokowski und macht mir noch einmal deutlich, warum ich 25 Jahre die EMMA abonniert hatte und nicht etwa „Tina“.


FRAUENMAGAZINE UND SEXISMUS
Faschismus auf Hochglanzpapier

Frauenmagazine beraten nicht – sie entmündigen. Zeitschriften wie „Glamour“ oder „Jolie“ sind voll von hinterhältig penetranten, menschenverachtenden Tipps.
VON MARGARETE STOKOWSKI

Jemand, der eine Frau anspricht, weil ihre Fußnägel nicht lackiert sind, der ihr sagt, ihr Körper sei eine Sünde, der ist vielleicht krank oder paranoid. Diese Krankheit, auf Hochglanzpapier gedruckt und mit vielen bunten Bildern versehen – das ist der Inhalt von deutschen Frauenzeitschriften im Jahr 2012.

Dass die Fotos in solchen Magazinen digital bearbeitet sind und unrealistische Schönheitsideale verbreiten, ist inzwischen ins kollektive Bewusstsein übergegangen. Und ja, deutsche Frauenzeitschriften zeigen fast nur europäische, weiße, dünne Frauen mit langen Haaren. Geschenkt, das ist keine Entdeckung.

Dass aber auch in den Texten der Frauenzeitschriften mit hinterhältiger Penetranz menschenfeindliche, letztlich faschistische Botschaften verkauft werden, wird kaum thematisiert – und wenn, dann eher belächelt. Es gebe schließlich Wichtigeres als Fußnägel, Wimpern und Cellulite. Für Frauen, die sich als emanzipiert verstehen, sind Glamour, Joy oder Jolie höchstens lockere Unterhaltung. Oder irrelevant, vor allem wenn die Frauen nicht heterosexuell sind.
Demütigende Botschaften

Irrelevant kann es aber nicht sein, wenn sich Millionen von Frauen kontinuierlich erklären lassen, dass sie hässlich, fett und eklig sind. Natürlich behaupten die meisten Frauenmagazine nicht, „feministisch“ zu sein. Dafür gibt es die Emma oder das Missy Magazine. Aber: Emma und Missy Magazine haben eine Auflage von rund 70.000 beziehungsweise 20.000 Exemplaren und erscheinen vierteljährlich. Glamour, InStyle, Joy, Jolie und Cosmopolitanverkaufen von jeder Ausgabe 300.000 bis 500.000 Exemplare – monatlich.

Das Perfide ist, dass diese Magazine ihren Leserinnen ein erfolgreicheres, erotischeres, selbstbewussteres Leben versprechen und dabei demütigende und gewalttätige Botschaften enthalten. Das Magazin Jolie wirbt mit dem Spruch „Alles, was das Leben schöner macht“, und trägt den Untertitel „The beautiful life guide“.

In der Juni-Ausgabe findet sich ein „Blowjob-Guide“, der Fragen zu Oralsex beantwortet: Muss eine Frau stöhnen, wenn sie einem Mann einen bläst, auch wenn sie es nicht so toll findet? Muss sie auch die Hoden lecken? Was soll sie tun, wenn sie beim Blasen einen Würgereiz kriegt? Die Antwort ist nicht: „Lassen Sie es, Sie müssen das nicht machen.“ Sondern: „Üben, üben, üben!“ Der Tipp kommt von einer Julia, die in einem „Edelbordell“ arbeitet. Und „Pornostar“ Mia Magma erklärt: „Viele Männer stehen darauf, wenn es einem die Tränen in die Augen treibt.“

Was ist da los? Warum sollte eine Frau, die privat und zum Spaß Sex hat, gegen ihren Willen handeln? Dass Prostituierte und Pornodarstellerinnen so etwas tun, ist das eine. Aber es ist absurd, anderen Frauen zu sagen, sie sollten sich überwinden, weil „er“ ja drauf steht. Egal ob sie es ekelhaft finden. Wobei: Laut Jolie ist das gar kein Sex. Denn wenn eine Frau wirklich nicht blasen möchte und sich tatsächlich weigert, dann ist die Lösung: „Sex! Den gibt’s ja auch noch.“ Ach. Was ist Oralsex, wenn es kein Sex ist? Wenn nur vaginaler Geschlechtsverkehr Sex ist, haben dann Lesben und Schwule gar keinen Sex?

Aber Homosexuelle sind für Jolie sowieso komisch. Zum Thema Kleidung, die man an seinem Partner nicht mag, gibt das Magazin folgenden Ratschlag. Die Frau soll sagen: „Was für ein Zufall. Genau die gleiche Hose hatte unser neuer, schwuler Nachbar gestern Nachmittag auch an!“ Einige Seiten weiter erläutert ein Kolumnist, „warum sich Männer nicht küssen (sollten)“. Begründung: weil es eklig ist.

Dasselbe Heft erklärt unter dem Titel „Was uns erschreckt“, dass ein Viertel der deutschen Frauen mit unrasierten Beinen und unlackierten Fußnägeln herumläuft. „Derlei Beautysünden“ würde der Frühling aber aufdecken. Den Körper eines Menschen im natürlichen Zustand als „sündig“ zu bezeichnen – das kennt man sonst nur von religiösen FundamentalistInnen oder traumatisierten Menschen, die ihren eigenen Körper verabscheuen.
Führer über Führer

Es ist kein Zufall, dass in Frauenzeitschriften die Wörter „sollen“ oder „müssen“ häufig auftauchen und sich in nahezu jeder Ausgabe ein „Guide“ findet – ein Führer (fairerweise sei gesagt, dass es im Englischen die Wörter „leader“ und „guide“ gibt, wobei der „leader“ eher der persönliche Führer ist und „guide“ auch eine Orientierungshilfe sein kann). Die Jolie mit dem Blowjob-Guide enthält zusätzlich einen Festival-Guide, die Juli-Ausgabe derCosmopolitan bietet einen Safe-Sun-Guide, das Joy-Heft für August einen Holiday-Guide.

Führer über Führer. Dieser Führerkult müsste in Deutschland einen üblen Beigeschmack haben. Aber auch sonst: Die ständigen Tipps, Tricks und Ratschläge suggerieren, dass die Frauen Hilfe nötig haben. Beratung ist eine tolle Sache. Wenn man sie aber nicht braucht, ist es Bevormundung.

Aber kann es sein, dass die Millionen von Frauen, die diese Magazine lesen, völlig fertig und hässlich durch die Welt irren und dankbar lächeln, wenn man ihnen erklärt, wie das denn geht mit dem Leben und so? Was ist dran an den Magazinen, dass sie so erfolgreich sind?

Die Titelseiten geben einen Hinweis. Die Joy erklärt „33 Dinge, die Sie in den Ferien unbedingt ausprobieren sollten“, und „Die 5 Säulen der Beziehung – und wo Sie ansetzen sollten!“. Das Juli/August-Heft von Women’s Health sagt: „Was Sie jetzt über die Pille wissen müssen“ und „Last Minute zum Strandbauch – mit diesen 8 Übungen schaffen Sie’s noch“.

Der einfache Trick ist, die Leserin auf ein Problem hinzuweisen, das sie womöglich hat, und zu erklären, wie sie es – in 5, 8 oder 33 Schritten – lösen kann. Die billigste Variante kapitalistischer Produktanpreisung. Allerdings mit einem speziellen Dreh: Hier fehlt nicht einfach etwas im Regal oder Kleiderschrank, hier wird die Leserin selbst für unzulänglich erklärt.
„Wir, die Frauen“

Genauso simpel ist das allgegenwärtige „Wir“ in den Zeitschriften, ein rhetorisches Mittel, das Boulevardmedien und KindergärtnerInnen gern nutzen. „Wir machen das so“ heißt: Wer es nicht so macht, gehört nicht dazu. „Wir“ stellt Gemeinschaft her. „Was wir durch Lästern lernen“, erklärt Joy. Women’s Health freut sich: „Viele Männer sind in ihrem Denken und Handeln einfach gestrickt – und genau das lieben wir an ihnen.“

Ein Kollektiv zu konstruieren („wir, die Frauen“), das einem anderen gegenübersteht („sie, die Männer“), die Mitglieder dieses Kollektivs für unmündig und unzulänglich zu erklären und Lösungen für ihre vermeintlichen Probleme anzubieten – das alles sind Elemente faschistischer Ideologie. Neu an dieser Art von Führerkult ist die zusätzliche Verknüpfung mit kapitalistischer Verkaufslogik.

Faschismusvorwürfe haben freilich eine gewisse Tradition im Feuilleton. Die Ehe und die Kleinfamilie, Facebook und Google, Fleischesser und Fußballfans: alle sind mal dran. Frauenzeitschriften waren von dieser Kritik bisher ausgenommen – unberechtigterweise.

Liebe Freunde, bei Gelegenheit kauft doch mal wieder eine TAZ! Wo sonst erscheinen solche Artikel?

So long!

Ysabelle

Wurmbilanz & Enten-Index

Hallo, Welt!
Trotz überwältigender Erschöpfung musste ich die Geschichte vom Strudelwurm gestern noch zu Ende lesen. Als ich die Erläuterungen zur Wurmbilanz las, fühlte ich mich freundlich erinnert an den Enten-Index aus dem Buch „Weil Worte wirken“, das ich im November vorgestellt habe. Dabei geht es um einen Gradmesser für Freude und bereitwilliges Geben (Duck Feeding). Wenn ich es recht erinnere, ist das allerdings nur eindimensional. Wenn mir eine Aktivität nicht ein Minimum an Freude auf dem Enten-Index bringt, lasse ich es.

Die Wurm-Bilanz von Frau Storch ist da ein bisschen flexibler und lässt noch dazu Verhandlungsspielraum. Sie hat nämlich auch noch die Besonderheiten des geteilten Wurms erfasst.

Es gibt ja Situationen, in denen man durchaus zwiegespalten ist. Im Beispiel im Buch geht es um eine Frau, die eine Einladung zur Hochzeit ihrer Schwester bekommen hat. Spontan geht die Wurmbilanz auf einem senkrechten Minus-Zahlenstrahl hoch auf -85, denn die Familie geht ihr auf den Keks, der Vater ist ein Grabscher und mit der Schwester ist sie eigentlich voll verkracht. Es gibt aber auch einen Plus-Zahlenstrahl, und der schnellt bei der Einladung auf plus 70, denn sie würde sich das Bedürfnis nach Teilhabe, Wertschätzung, Gemeinschaft und noch manches andere erfüllen. Kein Wunder, dass es ihr schwer fällt, sich zu entscheiden, einfach zu- oder abzusagen. In jedem Fall müsste sie ihren Wurm würgen, also an wichtigen Bedürfnissen vorbeigehen. Aber wenn ich den Minus-Index auf ein für mich passendes Maß geschrumpft habe, kann ich zur Hochzeit gehen und mir damit die Plus-Bedürfnisse erfüllen. Doch wie kann ich den Minus-Index verändern? Was brauche ich, damit sich mein Würmli nicht stranguliert fühlt, wenn ich es zur Hochzeit schleppe?

Maja Storch lädt jetzt dazu ein, einen Ideenkorb zu eröffnen. Das ist nichts anderes als die Suche nach Strategien, die möglichst vielen Bedürfnissen gerecht wird.

In der Ideensammlung tauchen dann so vertraute Sachen auf wie
1. Nur zur kirchlichen Hochzeit gehen und danach abhauen
2. Sich für den Anlass ein paar exquisite neue Schuhe kaufen
3. Einen Hund mitnehmen, um gelegentlich abtauchen zu können
4. Darum bitten, dass man neben einer geschätzten Person sitzen kann

Ihr merkt schon, worum es geht: ich mache das Unangenehme (zur Hochzeit gehen) weniger unangenehm, indem ich für mich sorge. Und dann kann ich das, was ich eben auch gern möchte, genießen, ohne gegen meinen inneren Wurm Gewalt anzuwenden. Er trägt die Lösung mit, ich bin mit mir im Einklang.

Mal sehen, wie ich dieses Konzept mit in meinen Alltag integrieren kann. Ganz entzückend übrigens: in dem Buch liegt ein Blatt mit Wurmstickern in Grün und Rot bei, mit denen ich beispielsweise meine Umwelt pflastern könnte, um mich daran zu erinnern, dass ich mir keinen Gefallen tue, wenn ich den Wurm würge, also meiner inneren Intuition, dem uralten Bewertungssystem meines Körperwissens, keinen Raum gebe. Da passt es doch gut, dass ich mich demnächst mit Focussing beschäftige, der Kunst, die Signale meines alten Wissens wahrzunehmen und zu entschlüsseln. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Die Webseite für ein wurmgerechtes Leben ist übrigens unter www.ismz.ch zu erreichen. Guckt mal unter „Publikationen“, da kann man eine Menge spannender Artikel downloaden.

So long!

Ysabelle

Buchtipp: Der Wurm in mir…

Hallo, Welt!
Vorige Woche fragte mich ein Kollege, ob ich das Buch vom Strudelwurm kenne. Nein, in meiner Bibliothek fand sich bisher nur ein Buch über Strudelteig.
Er schickte mir dann das Link von Amazon, und meine Nachbarin, deren Heiligsprechung zu Lebzeiten ich demnächst beantragen werde, brachte es mir Montagabend.
Es heißt „Machen Sie doch, was Sie wollen! Wie ein Strudelwurm den Weg zu Zufriedenheit und Freiheit zeigt“ und ist von Maja Storch. Leute, jetzt bitte keine Kommentare, dass Ihr das natürlich alle schon seit 2003 im Bücherschrank habt…

Also: der Strudelwurm steht für ein Bewertungssystem, das in Millisekunden zu einem Urteil kommt und aus den Tiefen unseres Gehirns stammt. Es ist ein sehr alter Teil und reagiert meist nur mit einem ghmpf, denn es kann nicht reden. Bildhaft wird dieses archaische System mit dem Strudelwurm oder Würmli dargestellt. Wir haben nämlich noch ein zweites Bewertungssystem: Unseren Verstand. Und der ist a) langsamer und b) neigt er dazu, das Würmli nicht in die Entscheidungen mit einzubeziehen, was zu viel Kummer und Verwicklung führen kann.
Frau Storch erläutert also ganz ohne GfK etwas über Bedürfnisse und ihre Erfüllung, das Berücksichtigen all unserer Bedürfnisse und den Unterschied zwischen Strategien und Bedürfnissen in einem wunderbar anschaulichen Modell. Das archaische Bewertungssystem, der Strudelwurm, steht für unsere Bedürfnisse, der Verstand für die Strategien. Und wenn der Verstand Lebensstrategien ausheckt, ohne die Bedürfnisse mit einzubeziehen, knallt es irgendwann. Oder man landet mit Burnout/Depressionen in der Klinik.

Also: Klare Kaufempfehlung! Leicht zu lesen, leicht zu verstehen. Anschaulich, unterhaltsam, wunderbar!

So long!

Ysabelle

GfK-Buch: Weil Worte wirken

Hallo, Welt!

Neue Bücher haben auf mich eine große Anziehungskraft. Deshalb musste ich dieses Buch auch sofort haben:

Judith Hanson Lasater & Ike Lasater
Weil Worte wirken…
Gewaltfreie Kommunikation praktisch anwenden

Der Verlag kündigt das Buch folgendermaßen an:

1. Auflage, 2011.05.11
112 Seiten, Kartoniert
Format: 17.0 x 24.0cm
ISBN: 3-87387-771-6
ISBN 13: 978-3-87387-771-9

12,90 EUR
Kennen Sie das Gefühl der Enttäuschung und Frustration, wenn Sie einem anderen gegenüber Ihre Wünsche nicht so ausdrücken können, wie Sie das eigentlich gerne möchten? Sagen Sie manchmal gar nicht erst, was Sie sich wünschen, weil Sie den anderen nicht belasten wollen? Tendieren auch Sie dazu, Ihre Wut und Schuldzuweisungen gegen sich selbst zu richten? Judith und Ike Lasater haben sich lange Zeit mit Yoga und Buddhismus beschäftigt und auch sie kennen solche Situationen. Obwohl sie mit dem Yoga-Prinzip des Satya (Wahrhaftigkeit) und der buddhistischen Regel der richtigen Sprache vertraut waren, haben sie erst durch ihre Beschäftigung mit Marshall Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation (GFK) gelernt, diese Prinzipien im alltäglichen Leben umzusetzen. In diesem Buch beschreiben Judith und Ike Lasater ihre Reise durch die Welt der GFK und machen deutlich, wie Sprache zu einer spirituellen Praxis werden kann, die auf mitfühlendem Geben und Nehmen basiert. Sie schildern ihre ganz persönlichen Erfahrungen, geprägt von Versuch und Irrtum, Erfolg und Misserfolg, Lachen und Herausforderungen – selbst beim Schreiben dieses Buches! Das Ergebnis ist eine verständliche Einführung in die GFK mit anschaulichen Beispielen und hilfreichen Übungen.

Inhalt

1. Satya und die Rechte Sprache

2. Gewaltfreie Kommunikation
Ein Leitfaden für GFK: Das Grundmodell
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

3. Vier Möglichkeiten der Kommunikation
Möglichkeit 1: Den Fokus auf stille Selbst-Empathie richten
Möglichkeit 2: Den Fokus auf den Selbst-Ausdruck richten
Möglichkeit 3: Den Fokus auf das Geben von Empathie richten
Möglichkeit 4: Den Fokus auf andere richten – Bitten
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

4. Zuhören – uns selbst und anderen
Der Enten-Index
Bitte und Danke
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

5. Weil Worte wirken …
Umgang mit Ärger
Heiliger oder gerechter Zorn und soziale Veränderung
Feindbilder
Die Freude am Unterbrechen
Wiederholte Geschichten
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

6. Unterhaltungen mit unseren Partnern
Weihnachtsmann spielen
Nicht locker lassen
Immer wieder für dasselbe kämpfen
Bewusstlos werden
Nie Kritik zuhören
Mythos Unabhängigkeit
Die Freude am Risiko
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

7. Gespräche mit unseren Kindern und Eltern
Macht über oder Macht mit
Gewaltsamkeit als Schutz
Selbstständigkeit Selbstständigkeit Selbstständigkeit
Was wir von unseren Eltern wollen
Warum Anerkennung wehtut
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

8. Sprache am Arbeitsplatz
Bitten bei der Arbeit
Bewertungen
Klatsch und Tratsch
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

9. Gespräche in der Welt
Feiern und Bedauern
GFK-Bewusstsein in die Welt bringen
Übungen zur Anwendung Gewaltfreier Kommunikation

Ich war davon ziemlich begeistert und habe daher sofort zugeschlagen. Schon recht bald merkte ich beim Lesen, dass meine Energie allmählich in den Keller ging. „Just another NVC-Book“… einfach noch ein weiteres GfK-Buch. Ich hatte geglaubt, es könne mir eine stärkere Verknüpfung der Bereiche Yoga und Gfk bieten. Ich kenne mehrere GfK-Trainer, die auch Yoga-Lehrer sind, und erhoffte mir hier Inspiration, warum ich als überzeugte Gfk’lerin nun auch noch mit Yoga anfangen sollte. Aber die Erläuterungen, die ich zu dieser Verbindung fand, waren mir nicht neu und ermutigend. Das meiste hatte ich im vorigen Jahr schon aus der Biographie von Mahatma Gandhi rausgezogen. Angesprochen wurde ich von dem Wort Pseudowahrnehmung für Aussagen wie „Hier im Zimmer ist es warm“, wenn es eigentlich darum ging auszudrücken: „Hier im Raum sind 27 Grad und MIR ist warm“. An anderer Stelle hatte ich mich dann hier schon einmal darüber ausgelassen, dass mich das Wort begeistert, aber dass ich mich letzten Endes doch lieber für Interpretationswahrnehmung entscheide, weil „pseudo“ wieder in die Welt von Richtig oder Falsch führt. Und gestern fand ich irgendwo den Hinweis, dass Marshall 2004 den Begriff Pseudowahrnehmung erläutert. Also ist auch das nicht wirklich etwas Neues.

Vielleicht bereichert das Buch das Leben von Menschen, die sich nicht alles chronisch einverleiben, wo GfK draufsteht. In die Reihe meiner Lieblingsbücher schafft es „Weil Worte wirken…“ nicht.

So long!

Ysabelle

Kundendienst-Hotline

Hallo, Welt!

Freitagmittag habe ich bei einem großen Versender von Elektronik-Bauteilen fünf Einbau-Bodenstrahler gekauft und 24-Stunden-Lieferservice angekreuzt. Im Verlauf des Bestellvorgangs war dann auf einmal nicht mehr die Rede davon. Mit Entsetzen sah ich gestern bei genauem Nachforschen, dass ich eine Mail bekommen soll, wenn die Strahler versandt sind und natürlich ist auch diese Mail noch nicht eingetroffen. Also habe ich eben die Hotline des Unternehmens angerufen.

Meine Gefühle? Besorgnis, Unruhe, Aufregung. Ein Wolfsrudel, charmanterweise gegen das Unternehmen (wie bescheuert bauen die denn ihren Shop auf? Das müssen die doch deutlicher anzeigen, dass bei einer Bezahlung mit Paypal kein 24-Stunden-Service möglich ist und einen „Zurück-Button“ einbauen…) und natürlich gegen mich (du hast doch gesehen, dass da keine Sofort-Lieferung mehr angegeben war, du hättest den Bezahlvorgang abbrechen müssen, du warst nur zu faul, für eine neue Bestellung alle Daten noch mal einzugeben…)

Puh – wenn ich all diesen Wölfen zuhöre, wird mir wirklich eng in der Brust und innerlich ganz schwer.
Um Punkt neun hatte ich also den Kundendienst (natürlich eine 01805-Nummer…) an der Strippe. Nein, die Ware ist im Versand, da können wir nichts machen, das lässt sich nicht nachträglich beschleunigen, sie kommt am Donnerstag bei ihnen an… (zu spät… viel zu spät…)
In allen Fasern spürte ich die Verlockung, dem Unternehmen die Schuld zu geben: Sie haben Ihre Internetseite… und unter Aufbietung aller Kräfte ist es mir gelungen, bei Gefühlen, Bedürfnissen und Strategien zu bleiben. Sind in Hamburger Geschäften des Versenders diese Strahler vorrätig? Ist es möglich, die in einer Filiale zusammenzufassen? Ich konnte auch sagen: „Es ist meine Verantwortung, dass diese Bestellung schiefgegangen ist, denn ich habe im Verlauf des Bestellvorgangs gesehen, dass die 24-Stunden-Lieferung weg war, aber ich habe es nicht verstanden, was das bedeutet.“
Meine Gesprächspartnerin stimmte sich schließlich auf mich ein und wir haben uns geeinigt, dass sie mein Konto belastet und die Strahler heute noch mal im 24-Stunden-Eilservice rausschickt. Dann sind sie wenigstens morgen da. Übermorgen dann die nächsten fünf… und die soll ich einfach zurückgehen lassen: Annahme verweigert. Drei Wochen später hätte ich dann von Paypal mein Geld zurück…
Noch immer eine gute Gelegenheit, mich fertigzumachen.

Mein aktueller Wahlspruch:

Man kann sich über vieles wolfen,
aber man ist nicht verpflichtet dazu!

Und ich erinnere mich an die DVD, die ich gestern Abend gesehen habe:

Rudi Ballreich/Gerald Hüther
Du gehst mir auf die Nerven!
Neurobiologische Aspekte der Konfliktberatung

erschienen im Auditorium Verlag und günstig geschossen bei Jokers.de

Rudi Ballreich erläutert im ersten Teil des Vortrags unter anderem, was im Körper passiert, wenn er unter Stress gerät und benutzt dazu eine leichte Abwandlung des Lernzonen-Modells, hier mal zitiert nach Wikipedia:

Lernzonenmodell

In dem Lernzonenmodell wird der Prozess der Lernens durch den Wechsel unterschiedlicher Zonen verdeutlicht. Die innere, sogenannte Komfortzone ist gekennzeichnet von Alltäglichem, das ohne herausragende Herausforderungen abläuft: „Sicherheit, Geborgenheit, Ordnung, Bequemlichkeit, Entspannung, Genuss“ (Michl 2009). Die Lernzone, die auch „Wachstumszone“ (Michl) genannt wird, stellt eine besondere Herausforderung, die das Bestehende erweitern kann, in Frage stellt oder modifiziert. Lernen finde statt, wenn die Lernenden entsprechend begleitet und unterstützt werden. Motivation und angemessene Aufgabenstellung wirken dabei lernförderlich: „Abenteuer, Unbekanntes, Unsicherheit, Problem, Herausforderung, Unerwartetes, Risiko, Unplanbares“ (Michl). In der äußeren, sogenannten „Panikzone“ setzt eine Blockade ein: „Notfall, Verletzung, objektive Gefahr, Unfall“ (Michl). Verunsicherungen und Panik können entstehen, verhindern Lernen und können auch das Gegenteil bewirken. „In diesem Bereich können wir nicht lernen, sondern bleiben immer nur frustriert. Alles, was darin liegt, ist unserer Persönlichkeit zu fern und zu fremd und nicht zu bewältigen“ (Senninger). Berufsschulnetz.de hat dazu eine schöne Grafik:

Ballreich nennt die Lernzone oder Wachstumszone STRESSZONE. Ich konnte wirklich deutlich spüren, wie ich unter Stress war, als ich bei der Hotline anrief, und wie der Stress sich verstärkte, als keine der vorgeschlagenen Strategien zu greifen schien. Je mehr Stress ich wahrnahm, desto größer wurde der Wunsch, nach dem anderen (verbal) zu schlagen: Was haben SIE für eine doofe Internetseite! Was ist das für ein doofer Laden! Sie sind aber auch gar nicht hilfsbereit…

Wie in einer Parallelspur im Kopf waren diese (alten) Töne zu hören und gleichzeitig konnte ich einigermaßen auf der Giraffenspur bleiben. Ich habe deutlich gemerkt, dass es eine Anstrengung war. Aber ich möchte feiern und dankbar sein, dass es mir gelungen ist. Ganz offensichtlich habe ich also die kuschelige Komfortzone verlassen, in der alle Bedürfnisse erfüllt sind oder keine unerfüllten Bedürfnisse spürbar. Ich war in der Stresszone, in der Lernen und Wachstum erfolgen können, und ich durfte spüren, dass ich wirklich neue Strategien, Worte und Handlungsweisen zur Verfügung habe, auch wenn es extrem anstrengend und herausfordernd ist, auf der Giraffenspur zu bleiben.

Mich erschreckt die Gewalt, die auf der Parallelspur in meinem Gehirn anrollt. Meine eigene Verzweiflung und die Kraft, andere abzuwehren, abzuwerten, zu kämpfen… So viel Energie ist da unterwegs. Und sie dient nicht dem Leben. ich bin dankbar, dass ich das heute so klar erkennen darf und dankbar für alle Fortschritte, die ich im Jahr 5 mit GfK feiern darf.

So long!

Ysabelle

Rundum schön…

Neulich legte mir ein Kollege eine Zeitungsmeldung auf den Tisch und meinte, „vielleicht kannst du damit was anfangen. Ich habe dem Thema ein wenig nachgespürt und schließlich beim Focus folgende, wie ich finde, spannende Geschichte gefunden.
Vielleicht habt Ihr Lust, mit mir darüber zu diskutieren.

Die wissenschaftliche Grundlage zu dem Thema gibt es hier.

Übrigens – ich wiege 72 Kilo.

So long…

Ysabelle

 

 

 

Übergewicht

Fremdbild beeinflusst das Selbstbild

Warum sich schlanke Frauen in ihrer Haut nicht wohl fühlen, Übergewichtige dagegen rundum zufrieden mit sich sind, liegt mit daran, welches Feedback sie von der Umwelt auf ihren Körper erhalten.
Eigentlich sprechen die Waage und der Spiegel die deutlichste Sprache. Dennoch ist es für Frauen weniger der eigene Blick auf den Körper, der das Selbstbild bestimmt, als vielmehr das Bild, das ihnen durch die Reaktion ihrer Umwelt widergespiegelt wird. Der größte Einfluss kommt dabei natürlich besonders nahestehenden Menschen zu.

Auf der anderen Seite sind Frauen aber sehr gut in der Lage, auf ihre innere Stimme zu hören, was ihrem Körper gut tut und was nicht. Das gelingt ihnen umso besser, je positiver die Signale sind, die sie von außen empfangen. In diesen Fällen richtet sich der Fokus zunehmend weg von der eigenen Optik hin zur Gesundheit des Körpers. In der Folge steigt ihre Wertschätzung für sich selbst an. Je höher die Wertschätzung, desto besser ist das Bewusstsein für das eigene Hunger- und Sättigungsgefühl. Frustessen oder Essen, ohne hungrig zu sein, werden seltener. Das zeigt eine Studie von Forschern der Ohio State University, die im „Journal of Counseling Psychology“ erschienen ist.

Die Hälfte aller Frauen mag ihren Körper
Andere Studien hatten gezeigt, dass 50 Prozent der Frauen ihren Körper in Ordnung finden. Die aktuelle Studie von Tracy Tylka und Kollegen sollte nun ergründen, wieso einige Frauen zu einer gelassenen Einstellung finden, während andere dauerhaft unzufrieden sind.

Dazu erstellte sie ein sogenanntes Akzeptanz-Modell anhand von Angaben von Frauen im College-Alter. Darin enthalten sind Faktoren, die beeinflussen, ob Frauen ihre Körper schätzen und dementsprechend vernünftig essen. Dieses Modell weitete Tracy Tylka für die Studie auf Frauen zwischen 18 und 65 aus. Die 801 Teilnehmerinnen ordnete sie drei Gruppen zu: junge Frauen zwischen 18 und 25, Frauen zwischen 26 und 39 und Frauen zwischen 40 und 65.

Positives Feedback für ein stärkeres Ego
Alle wurden dazu befragt, wie gut sie sich sozial angenommen fühlten, ob sie glaubten, ihnen nahestehende Menschen, die Gesellschaft oder die Medien akzeptierten ihren Körper, wie wichtig es ihnen war, dass ihr Körper gut funktioniert, wie sie ihren Körper selbst empfanden und ob sie intuitiv essen.

Insgesamt waren die Wege zur Wertschätzung des eigenen Körpers und zu intuitivem, gesundem Essverhalten für alle Altersgruppen gleich. Frauen, die sich sozial geborgen fühlten, gingen eher davon aus, dass andere ihren Körper akzeptierten – mit allen positiven Folgen wie einem gesünderen Essverhalten und einer ausgeglicheneren Einstellung zu sich selbst.

Ältere leiden eher unter Übergewicht
Teilnehmerinnen der älteren Gruppen litten stärker unter ihrem Übergewicht als jüngere. Für Frauen zwischen 26 und 39 lag der Fokus dagegen eher auf der Gesundheit des Körpers. „Wir haben überlegt, ob junge Erwachsene im fortpflanzungsfähigen Alter eher auf ihren Körper als ihre Figur achten, auch im Hinblick auf Nachwuchs. Danach nimmt diese Wertschätzung aber wieder ab“, sagt Tracy Tylka.

Der Body-Mass-Index beeinflusste das Essverhalten in den zwei älteren Frauengruppen – sie aßen seltener analog ihres Hungergefühls, sondern orientierten sich an Kalorientabellen. „Das könnten bedeuten, dass dickere Menschen sich durch andere unter Druck gesetzt fühlen, abzunehmen. Deshalb setzen sie sich auf Diät und hören nicht mehr auf ihre innere Stimme“, mutmaßt Tracy Tylka. „Möglicherweise beginnen diese Frauen mit der Zeit, ihrem Körper zu misstrauen, auch im Hinblick darauf, ob sie Hunger haben oder satt sind.“ Die jüngeren Frauen zeigten keinen Zusammenhang zwischen BMI und Essverhalten.

Ich war’s…

Hallo, Welt!

Gestern erreichte mich eine Mail, die mich sehr angesprochen hat, und die meiner Ansicht nach auch inhaltlich gut zur GfK passt. Dabei geht es um die aktuelle Fastenaktion
Sieben Wochen ohne. Denn nicht nur diese Aktion lädt dazu ein, Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen.
Wer die GfK von Herzen praktiziert, hört auf, das eigene Glück in die Hände anderer zu legen.

Lest selbst 😉

So long!

Ysabelle

Wie schwer es fallen kann, die Worte „Ich war’s!“ auszusprechen, konnte man in den letzten Tagen in den Medien verfolgen.
Ab nächster Woche kann jeder ausprobieren, wie es ist, ohne Ausflüchte zu leben:

Ich war´s!

„7 Wochen Ohne“, die Fastenaktion der evangelischen Kirche, ermuntert:
Schluss mit den faulen Ausreden

Rund zwei Millionen Menschen nehmen jedes Jahr an der Fastenaktion der evangelischen Kirche „7 Wochen Ohne“ teil. 2011 steht die Aktion, die vom 9. März bis zum 24. April läuft, unter dem Motto: Ich war´s! Sieben Wochen ohne Ausreden“. Der Auftaktgottesdienst findet in diesem Jahr am Sonntag, dem 13. März, in der Christuskirche, Hamburg-Eimsbüttel, statt und wird ab 9.30 Uhr live im ZDF übertragen. Die Predigt hält Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Das diesjährige Motto thematisiert allzu Vertrautes: Alle reden von Verantwortung, die jemand übernehmen soll. Gemeint sind meistens die anderen. Wenn einem selbst etwas misslingt, ist das Wetter schuld oder die Technik, oder es sind einfach die Verhältnisse. „7 Wochen Ohne“ will Mut machen, auf faule Ausreden zu verzichten. Wer sich traut, „Mein Fehler“ zu sagen und um Entschuldigung zu bitten, ist stark. Auch wenn man zunächst Kritik auszuhalten hat – am Ende erntet man Respekt. Und: Ehrlichkeit sorgt dafür, dass man glaubwürdig bleibt. Allerdings bedarf es für ein Klima der Ehrlichkeit auch einer veränderten Fehlerkultur. Wer eine Schwäche offenlegt, muss auf Gnade bauen können. Für Christen eigentlich selbstverständlich… „Gerade in der Fasten- und Passionszeit eignet sich diese Perspektive hervorragend, das eigene Tun und Lassen zu reflektieren und gegebenenfalls zu korrigieren“, meint Arnd Brummer, Chefredakteur des evangelischen Magazins chrismon und Geschäftsführer von „7 Wochen Ohne“.

Der Fastenkalender ist ein zentrales Element der Aktion. Er begleitet die Teilnehmer mit Texten aus Kirche, Kultur und Alltagsleben durch die Fastenzeit. Die Texte ermutigen zum ersten Schritt: dem Abschied von Ausreden. Die sieben Wochenthemen lauten in diesem Jahr: „Warum hast du das getan?“, „Gott, sei mir Sünder gnädig“, „Fürchte dich nicht“, „Herrliche Taten“, „Es ist nichts verborgen“, „Er war tot und ist wieder lebendig“ und „Noch heute im Paradies“. Traditionell greifen viele Kirchengemeinden das aktuelle Fastenthema von „7 Wochen Ohne“ auf und eröffnen so den Dialog in ihren Gemeinden.

Wie in den vergangenen Jahren wird „7 Wochen Ohne“ wieder von einem zentralen Projektbüro in Frankfurt koordiniert. Das Team bietet den Fastenden Begleitung an, beantwortet Fragen und betreut die Internetseite www.7-wochen-ohne.de . Neu daran ist eine interaktive Landkarte: Dort können Fastengruppen und Einzelpersonen veröffentlichen, wo sie fasten und was sie konkret tun. Interessierte können sich anregen lassen und Kontakt aufnehmen. Außerdem werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aktion in Blogbeiträgen über ihre Erfahrungen während der Fastenzeit berichten.

Ein Podcast zum Thema Empathie

Hallo, Welt!
Ich bin ein großer Fan der Reihe „Funkkolleg“ im Hessischen Rundfunk. Abends höre ich gern einen Podcast und besonders gern zu Themen aus dem Bereich der Psychologie.

Empfehlen möchte ich diesen Beitrag über Empathie
(hinter dem Link ist der 25-Minuten-Vortrag).

Viel Spaß beim Lesen und Hören!

So long!

Ysabelle

12. Die Schlüsselrolle der Empathie

Ohne Empathie gäbe es kein Verständnis, keine Hilfsbereitschaft, keine Nähe zwischen Menschen.
Empathie ist ein zentraler Teil menschlicher Beziehungskunst. Sie gehört zu unserer genetischen Ausstattung, ist also ein naturgegebenes Geschenk. Ohne Empathie gäbe es kein Verständnis, keine Hilfsbereitschaft, keine Nähe zwischen Menschen.
Audio: Die Schlüsselrolle der Empathie – Der Beitrag zum Nachhören 24:56 Min
(© hr 2008)
Hintergrund
Die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen, wird Empathie genannt: Wer einfühlsam ist, nimmt wahr, was im anderen vor sich geht. Er versteht, was den anderen bewegt, warum er so spricht und sich so verhält, wie er das tut.

Empathie ist ein seelisches Potential, das dem Menschen zu eigen ist. Wir leiden mit, wenn ein nahestehender Mensch Kummer oder Schmerzen hat. Ist jemand in Not, haben wir oft spontan das Bedürfnis zu helfen. Wer leidet, braucht meist keine großen Worte, sondern vor allem das Gefühl: Jemand ist da, hört zu, fühlt mit und versteht mich.

Empathie ist ein zentraler Teil menschlicher Beziehungskunst. Sie gehört zu unserer genetischen Ausstattung, ist also ein naturgegebenes Geschenk. Ohne Empathie gäbe es kein Verständnis, keine Solidarität, keine Hilfsbereitschaft, keine Nähe zwischen Menschen. Unser Einfühlungsvermögen befähigt uns, am Leben anderer teilzuhaben, uns zu entwickeln und im Austausch mit anderen über uns selbst hinauszuwachsen. Die Fähigkeit, Empathie so auszudrücken, dass sie von anderen als angemessen und angenehm empfunden wird, soll eines der Geheimnisse einer sympathischer Ausstrahlung sein.

Die biologische Basis der Empathie

Die empathische Teilnahme am Leid eines anderen führt nicht automatisch zu Mitgefühl. Je besser einer sich in die Innenwelt seiner Mitmenschen hinein versetzen kann, desto leichter kann er andere auch manipulieren und ausnutzen. So fühlt der Missgünstige sich in das Glück eines anderen ein und reagiert mit Neid.
Es gibt ein zu wenig und auch ein zu viel an Empathie. Menschen im psychotischen Wahn versetzen sich zu stark in andere hinein. Wer am Borderline-Syndrom oder an einer narzisstischen Störung leidet, ist oft wenig empathiefähig. Dass wir nachempfinden können, was ein anderer fühlt, denkt oder beabsichtigt, gilt als eine Meisterleistung unseres Gehirns. Unser Gehirn ist fähig, mit der Mimik, der Gestik und der Körperhaltung eines anderen in Resonanz zu treten und so die Zeichen der Angst, der Freude oder des Ekels zu erspüren. Dank eines komplizierten neuronalen Netzwerkes erkennt das Gehirn den Gesichtsausdruck. Es gleicht diesen mit eigenen Erfahrungen ab und ruft automatisch eine emotionale Reaktion hervor.

Im neuronalen Netzwerk, das für die soziale Wahrnehmung zuständig ist, spielen sogenannte Spiegelneurone eine Schlüsselrolle. Die Spiegelneurone wurde 1996 von einer italienischer Forschergruppe um den Neurophysiologen Giacomo Rizzolatti an der Universität Parma entdeckt. Spiegelneurone, die zunächst in der Großhirn-rinde von Rhesusaffen gefunden und dann auch beim Menschen nachgewiesen wurden, gelten als die biologische Basis der Empathie.

Gefühlsansteckung: Babys fühlen instinktiv mit
Menschen kommen mit der Fähigkeit zur Empathie auf die Welt. Doch dieses Potenzial muss gefördert werden, damit es sich entfalten kann. Der Lernprozess beginnt schon im Mutterleib, wenn das Ungeborene die Gefühlsregungen der Mutter wahrnimmt – wenn es spürt, dass die Mutter aufgeregt ist, sich freut oder sich Sorgen macht. Am Anfang des Lebens ist Einfühlungsvermögen die rein instinktive Fähigkeit, mit dem Körper der Mutter mitzuschwingen. Diese Gabe entwickelt sich schrittweise immer weiter. Kinder müssen lernen zu erspüren, wie es dem anderen geht. Sie können ihre Gefühlswelt nur ausbilden, wenn sie sich mit ihren Gefühlen im Spiegel der Mutter wiedererkennen. Babys fühlen noch sehr instinktiv mit. Wenn ein anderes Kind weint, heulen sie einfach mit. Wissenschaftler nennen das Gefühlsansteckung, noch nicht Empathie. Der Mechanismus der Gefühlsansteckung gilt als die emotionale Basis, aus der heraus sich zwischen dem 14. bis 18. Lebensmonat die Empathie entwickelt.

Emphatie kann geschult werden
Experten vermuten, dass in unserer Gesellschaft die Zahl der Menschen zunimmt, die nicht in der Lage oder nicht willens sind, sich in andere hineinzuversetzen. Bei vielen ist das Potenzial, sich in andere einzufühlen, jedoch nicht verschwunden, sondern nur verschüttet. Es ist überdeckt von Emotionen wie Angst, Wut oder Trauer. In vielen Fällen kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen, das Gefühl für sich selbst und für andere wieder zu entdecken. Ist das Einfühlungsvermögen grundsätzlich vorhanden, lasse es sich auch trainieren, erklärt der Kölner Psychiater Kai Vogeley. Anders bei Autisten, da lasse sich die Empathie vermutlich nicht trainieren. Für autistische Kinder und Jugendliche gibt es jedoch mittlerweile Therapieprogramme, die helfen sollen, das Verhaltensrepertoire zu erweitern. Für Erwachsene werden solche Trainingsprogramme gerade entwickelt.

Von Lisa Laurenz

Buchtipp: Taschenguide GfK

Hallo, Welt!
Amazon ist ja immer bestrebt, mein Bücherregal auf aktuellem Stand zu halten. Dieser Tage schlug es mir ein GfK-Buch vor, das ich tatsächlich noch nicht kannte.

es ist ein Taschenguide aus dem Haufe-Verlag, und ich entdeckte es tatsächlich dieser Tage sogar im Bahnhofsbuchhandel.

Andreas Basu
Liane Faust
Gewaltfreie Kommunikation
Das Büchlein hat 128 Seiten und kostet 6,90 Euro.

Aufgebaut ist es als kleines Handbuch fürs Berufsleben. Konfliktgespräche im Unternehmen werden immer wieder als Beispiel herangezogen. Aber nachdem viele Leute ja meinen, GfK sei eben mehr was fürs Privare, ist es vielleicht eine glückliche Idee, es mal ausdrücklich aufs Berufliche zu konzentrieren.
Es liest sich gut und man kann schnell zwischendurch mal reinschauen. Ich freue mich, darüber gestolpert zu sein und habe es schon zwei Mal verschenkt.

So long!
Ysabelle

Waffen und Gewaltfreiheit

Hallo, Welt,

wie gestern bereits angekündigt, heute dieser interessante Aufsatz von Oliver Heuler zum Thema Waffen und Gewaltfreiheit. Danke, Oliver, dass ich ihn hier zitieren darf.

So long!
Ysabelle


Waffen und Gewaltfreiheit — wie passt das zusammen? Diese Frage stellt sich offensichtlich immer mehr Lesern oder Zuschauern. Die Frage kann ich nicht in drei Sätzen beantworten, aber ich versuche es so knapp wie möglich.:

Zunächst einmal ist der Ausdruck »gewaltfreie Kommunikation« problematisch:
1. Er drückt etwas aus, was man nicht will: »keine Gewalt«. Kann man das nicht positiv ausdrücken?
2. »Gewaltfreie Kommunikation« klingt so, als ginge es nur um eine Kommunikationsform. Es ist jedoch viel mehr.
3. Viele Leute meinen, sie hätten gewaltfrei kommuniziert, wenn sie sich höflich ausgedrückt, freundliche Begriffe verwendet und allgemeine Nettigkeit an den Tag gelegt hätten. Das ist es aber sicher nicht. Gewaltfreies Kommunizieren ist manchmal dezidiert nicht nett.

Ich werde deshalb künftig auch versuchen, den Begriff gewaltfreie Kommunikation (GfK) sparsamer zu verwenden. Das CNVC (center for non-violent communication) möchte auch nicht, dass jemand sagt, er lehre gewaltfreie Kommunikation, wenn er kein zertifizierter Trainer ist. Ich habe deshalb einen neuen Ausdruck: Er ist positiv und man kann damit ausdrücken, was man will; er ist nicht geschützt und er macht klar, dass es um mehr geht als um Sprache: die Philosophie der Freiwilligkeit (PdF). Der Ausdruck ist ja auch eng verwandt mit dem Begriff des Voluntaristen.

In der Wikipedia wird verständlich beschrieben, wie die Technik der GfK konkret aussieht, also die vier Schritte:

Ich versuche hier das Wesen der Grundhaltung der PdF in wenigen Punkten zusammenzufassen. Dass es auch vier Punkte sind, ist reiner Zufall, und ich denke, dass kein Student der GfK Einwände hätte und auch die Grundhaltung der GfK als richtig zusammengefasst gelten lassen würde.

Die Philosophie der Freiwilligkeit — vier Schlüssel

Die Philosophie der Freiwilligkeit ist für mich die befriedigendste Antwort auf die Frage, wie man es schafft, in Frieden und glücklich mit sich und den anderen zu leben. Die folgende Grundannahme, ist der erste Schlüssel dieser Philosophie, um Konflikte zu vermeiden und bereits entstandene befriedigend zu lösen.

Die wohlwollende Grundhaltung

Die Grundannahme lautet: Alle Menschen tun in jedem Moment das aus ihrer Sicht Beste, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Diese Annahme unterscheidet sich ganz erheblich von der gängigen Konfliktbewältigung: Bis jetzt wird bei einem Konflikt in der Regel gefragt, »Wer hat recht bzw. unrecht?« oder »War die strittige Handlung moralisch oder unmoralisch?« Sobald das geklärt ist, soll derjenige, der angeblich Unrecht getan oder unmoralisch gehandelt hat, sich und dem anderen seine Schuld eingestehen und sich bei seinem »Opfer« ent-schuldigen. Wenn er sich dabei für sein kritisches Verhalten schämt, ist das nach vorherrschender Meinung ebenso nützlich wie angemessen. Diese Art der Strafe diene der Wiedergutmachung für das Opfer, sorge für die Läuterung des Täters und trage zur Abschreckung zukünftiger Täter bei. Soweit die Theorie der üblichen Konfliktbewältigung – aber wie läuft es in der Praxis?
1. Niemand will unrecht haben oder das Prädikat »unmoralisch« zugewiesen bekommen. Also gibt es einen endlosen Streit darüber, wer Recht hat.
2. Wird jemand schuldig gesprochen, fühlt er sich ungerecht behandelt und er wird die anderen dafür später einen Preis zahlen lassen. Die anderen, das sind möglicherweise Opfer, Ankläger, Zeuge, Richter und Vollzugsbeamter. Nicht selten spielt ein Mensch all diese Rollen gleichzeitig.
3. Sollte der Täter tatsächlich von seiner Schuld überzeugt worden sein, und verurteilt er sich jetzt selbst, hilft das auch niemandem, denn es besteht die Gefahr, dass jemand, der sich selbst den Stempel »unmoralisch« auf die Stirn gedrückt hat, sich damit die Genehmigung gibt, genau so weiterzumachen wie bisher, schließlich »ist« er ja so.
4. können wir doch nicht wollen, dass die Menschen aus der negativen Energie der Schuld, Scham oder Depression heraus die Bedürfnisse der anderen achten. Wünschenswert wäre doch, dass sie davon überzeugt sind, dass das Achten der Bedürfnisse anderer der Königsweg ist, um glücklich zu werden. Gleiches gilt für das Argument der Abschreckung. Glauben wir wirklich, dass sich echte Einfühlsamkeit aus Angst entwickelt?

Die Alternative: Empathie

Nehmen wir den Fall, bei dem jemand einen anderen zweifelsfrei belogen hat. Statt den Lügner nun moralisch zu verurteilen und ihn mit Moralpredigten zu beschämen, fragt man einfühlsam, welches Bedürfnis er sich mit der Lüge erfüllen wollte. Dahinter können natürlich in jedem einzelnen Fall ganz verschiedene Bedürfnisse stehen, aber nehmen wir einmal an, es sei das Bedürfnis nach Beachtung und Anerkennung. Statt nun dem anderen vorzuwerfen, wie verwerflich Lügen sind, ihm im Falle von Wiederholungsfällen Strafen anzudrohen und eine ungefragte Psychoanalyse als Beigabe zu servieren, wird der Anhänger der Philosophie der Freiwilligkeit vielleicht Folgendes fragen: »Warst du unzufrieden, weil du dir Anerkennung wünschtest und hättest du die gerne unabhängig von deinen Leistungen? So eine Frage könnte der Anfang eines Gesprächs sein, an dessen Ende meist klar wird, dass der »Täter« lediglich Bedürfnisse befriedigen wollte, die deshalb für jeden nachvollziehbar sind, weil sie universell sind. Er hat dazu leider eine ungeschickte Strategie verwendet, bei der die Bedürfnisse der anderen unberücksichtigt blieben. Hat der Täter Empathie für seine Gefühle und Bedürfnisse bekommen, entsteht fast immer Mitgefühl für sein Opfer und der Wunsch der Wiedergutmachung. Das ist jedoch jetzt keine erzwungene Wiedergutmachung, sondern dem Täter ein echtes Bedürfnis. Auch steigt so die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter beim nächsten Befriedigen eines Bedürfnisses auch die Bedürfnisse der Mitbetroffenen berücksichtigt.

Selbstverantwortung für Gefühle

Eine weiterer Schlüssel betrifft die Selbstverantwortung: Es ist nützlich, die Verantwortung für die eignen Gefühle zu übernehmen und nicht zu glauben, unsere Gefühle seien das Ergebnis von dem, was »da draußen« abläuft. Statt also zu sagen: »Ich fühle mich unwohl, weil du dies gesagt oder jenes getan hast«, sagt man »ich fühle mich unwohl, weil eines meiner Bedürfnisse nicht befriedigt ist.« Selbstverantwortung lässt sich auch noch auf andere Weise verleugnen; hierzu ist die so genannte Amtssprache hervorragend geeignet: »Ich musste das tun.« »Ich hatte keine Wahl.« »Befehl von oben.« »Ich hatte keine Zeit.« »So sind doch die Gesetze.«

Vertrauen in Bitten

Der letzte Schlüssel besteht darin, darauf zu vertrauen, dass der Verzicht auf Forderungen und Drohungen die Freude unter den Menschen mehrt und deren Leid mindert. Wer das verinnerlicht hat, der formuliert keine Forderungen mehr, sondern nur noch Bitten. Eine Bitte unterscheidet sich von einer Forderung dadurch, dass man sie auch ablehnen kann, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Der implizite Zusatz einer echten Bitte lautet daher eigentlich immer: »Erfülle meine Bitte nur, wenn du ihr mit Freude nachkommen kannst und nicht aus Pflichtgefühl, um Scham, Schuld, Strafen oder Liebesentzug zu vermeiden oder weil du Belohnungen erwartest.«

Zu dieser philosophisch-psychologischen Grundhaltung kommt noch die rechts-philosophische, die ich hier beschrieben habe und die bei einigen GfKlern auf Widerstand stoßen könnte:
Marshall Rosenberg war bei der Vorstellung allerdings erstaunlich aufgeschlossen.

Der Voluntarist zeichnet sich also durch maximale Toleranz aus: Er lässt jeden machen, was er will, wenn er dabei nicht das Leben, die Freiheit oder das Eigentum anderer verletzt. Und so lässt sich diese Haltung auch mit dem Besitz von Waffen in Einklang bringen. Sie ließe sich natürlich nicht in Einklang bringen mit Überfällen, Morden oder Entführungen. Die Frage lautet also eigentlich viel eher: Wie passen Gewaltlosigkeit bzw. Freiwilligkeit und Politik zusammen? Und darauf habe ich keine Antwort, denn initiierende Gewalt und Zwang sind die Grundlagen der Politik. »Gewalt« rührt von dem althochdeutschen Verb »waltan« her, was so viel bedeutet wie »beherrschen«. Von Gewalt kann man also sprechen, wenn ein Einzelner oder eine Gruppe über andere herrscht und Gebote wie Verbote erlassen werden — so wie in der Politik. Wenn der Staat den Bürger zwingt, Steuern zu zahlen, auch wenn der das nicht möchte, ist das eine Form von Gewalt. Auf Steuern, die nicht freiwillig sind, basiert aber unser gesamtes System.

Empathie – aber richtig!

Hallo, Welt!

Habt Ihr ein paar Miniten Zeit? Dann möchte ich Euch dieses Video empfehlen. Ich habe bisher noch nirgendwo so klar und plastisch den Begriff Empathie erläutert gefunden. Oliver hat einen Film daraus gemacht.

Und wer es lieber nachlesen möchte: „Gewaltfreie Kommunikation Eine Sprache des Lebens“ von Marshall Rosenberg, Seite 114.

So long!

Ysabelle

Buchtipp: C. Tipping – Ich vergebe

Hallo, Welt!
Heute mal ein Buchtipp. Ein GfK-Freund erwähnte es gestern und die Erinnerung an das Buch wurde gleich wieder lebendig…

Ich vergebe.
Der radikale Abschied vom Opferdasein (Taschenbuch)
von Colin C. Tipping (Autor)

20 Euro, J. Kamphausen-Verlag

Ich weiß nicht, was mich 2007 geritten hat, dieses Buch zu bestellen, aber es ist richtig Arbeit, es durchzulesen. Ich glaube, es war der Untertitel, der mich angesprochen hat: Radikaler Abschied vom Opferdasein. Ich habe mich in der Vergangenheit sehr oft als Opfer gesehen. Als Opfer der „Erziehung“ in meiner Ursprungsfamilie, als Opfer in der Partnerschaft. Da war es doch ein verlockender Gedanke, mich nicht mehr so zu fühlen. Denn Opfer sein lähmt mich, macht mich hilflos, ich scheine keinen Handlungsspielraum zu haben, wenn ich „im Opfer bin“.

Das Buch wollte ich bestimmt schon x-mal in die Ecke feuern. Der Holocaust – alles eine Inszenierung, aus der die Beteiligten was lernen sollen? Vergewaltigungsopfer sollen ihrem Täter dankbar sein, weil er sie etwas lehrt? Das übersteigt mein Vorstellungsvermögen dann doch sehr.
Und trotzdem habe ich weiter gelesen. Trotzdem war da irgendetwas an dem Buch, was mich „bei der Stange“ gehalten hat.
Angesprochen hat mich das Konzept, dass ich mir immer wieder bestimmte Erfahrungen suche, um Dinge aus meiner Vergangenheit zu heilen. Zum Beispiel kann ich sehen, wie ich die Dramen meiner Kindheit in meinen Partnerschaften re-inszeniere. Und ich kann sehen, dass ich dazu fröhlich einen Beitrag leiste. Durch das Buch habe ich zum Beispiel erkannt, dass eines meiner Wurzelprobleme darin besteht, dass ich mich selbst für so wenig liebenswert gehalten habe. Also habe ich dazu beigetragen in Situationen zu kommen oder darin zu verharren, in denen diese alte Botschaft bestätigt wird.

Das Buch hilft mir dabei zu erkennen, dass das, was ich als Opfer-Dasein empfinde, vielleicht einfach nur einen neuen Bezugsrahmen braucht. So als ob ich vorher auf ein Detail in einem Foto gestarrt habe und plötzlich stellt sich heraus, das Puzzle-Teil, auf das ich starre, erscheint nur wie ein leerer Becher auf einem Tisch. wenn ich die weiteren Teile anlege, erkenne ich, dass daneben eine volle Kanne steht, Brot, Brötchen, Wurst, Marmelade, Käse..

Ich habe durch das Buch das erste Mal so klar gesehen, was in meiner Partnerwahl so häufig für Probleme sorgt. Im Ansatz war mir das schon klar, als ich Norwoods „Wenn Frauen zu sehr lieben“ gelesen hatten. Nach Tipping verstehe ich es noch ein bisschen besser. Und das Spannende ist: Ich kann meinen früheren Partnern, so bescheiden sie sich teilweise verhalten haben,. heute wirklich dankbar sein. Sie haben Finger auf die Wunden gelegt. ich hatte wieder und wieder die Chance, meinen Bezugsrahmen zu ändern. UND ICH MERKE: Wenn ich mich selbst verändere, muss der andere mir auch nicht mehr diese Impulse liefern. Ich kann mir vorstellen, dass sich das ziemlich wirr liest. Aber ich kann wirklich anfangen,. Leuten dankbar zu sein für die Bereitstellung von Lektionen in meinem Leben. Ich habe mal zu einem früheren Chef gesagt: „Aber ich wollte Dir doch nur helfen“… das muss ungefähr 1984 gewesen sein. Und seine barsche Antwort damals war: Du bist nicht hier, um mir zu helfen, sondern um Deine Arbeit zu machen… Und es mussten mehr als 20 Jahre vergehen, bis ich erkennen durfte, dass er recht hatte, und dass mir schon damals eine Inventur meiner Beziehungen oder meiner beruflichen Situation sehr geholfen hätte… wenn ich denn begrifen hätte, worum es überhaupt geht.

Der Chef war ein Cholekriker. fachlich brillant, aber menschlich ein Suchtler durch und durch. Und doch bin ich ihm heute – er starb vor ein paar Jahren – wirklich aus tiefem Herzen dankbar. So deutlich wie in der Zeit, in der ich innerlich jeden Tag mit mir gekämpft habe UND NICHT AUFGEGEBEN habe ich nur sehr selten gespürt, dass ich meinen Bezugsrahmen verändern muss… dass der Bildausschnitt eben nicht alles sagt.

Und das Buch hilft mir, auf einer Ebene, die ich nicht beschreiben und benennen kann, Liebe für Menschen in meinem Leben zu empfinden, auch wenn ich mit ihnen im Konflikt bin. Sie sind meine Lehrer. das betrifft meinen Sohn, meine früheren Partner, Kollegen oder andere Menschen, mit denen ich mich austausche. So gesehen haben sich die 20 Euro auf jeden Fall gelohnt.

Übrigens kann man hier ein cooles Arbeitsblatt runterladen. Und die Arbeit damit ist gar nicht so weit entfernt von den vier Schritten der Gewaltfreien Kommunikation. Es gibt da auch ein Probekapitel aus dem Buch für alle, die jetzt neugierig geworden sind.

So long!

Ysabelle

Eine Million Giraffen

Hallo, Welt!
Bild 9
Danke an Gabriel für diese Geschichte:

 

Ein Mann in Norwegen hat eine Wette gewionnen, dass es ihm gelingt, eine Million Giraffenbilder zusammenzukriegen. Und zwar ein paar Monate vor dem vereinbarten Zeitpunkt.

 

Hier hat der Telegraph eine Bildergalerie daraus gemacht.KÖSTLICH! Einige Motive dürften Euch sehr vertraut vorkommen! Ich habe so einen Spaß gehabt beim Durchklicken. Wen erkennt Ihr? Ich fand Warhol, Lichtenberg, Tinkerbell und viele andere Bekannte, zum Beispiel auch dieser Klassiker…
Bild 10
Viel Spaß beim Angucken!

 

Einfach auf das Link im Wort „Geschichte“ anklicken, und dann seid Ihr da.
So long!

Ysabelle

Copyright © 2017 by: Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren! • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.