Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Enjoy the show…

Hallo, Welt!
Heute bin ich durcheinander, traurig, verwirrt und 80 Prozent mutlos. Es gibt bestimmte Themen, die habe ich schon so oft durchgekaut, schon so oft angeguckt, und heute Morgen kochte eine Wolfsshow hoch, deren Vehemenz mich wirklich erschreckt und ratlos macht. Wie kann es sein, dass bei all meiner Arbeit immer noch so intensive Gefühle lebendig sind, so viel Not und Verzweiflung präsent sind? Ich habe doch schon alles versucht, damit umzugehen…
Gerade hatte ich einen schönen Austausch mit Michael Dillo, dem Schweizer Assessor. Wir streiften das Thema „Feindbilder“ und Michael meinte ganz lapidar: Wenn ich ein Feindbild habe, ist etwas ungelöst in mir und es ist nicht von außen zu reparieren. Also was ist ungelöst in mir, wenn plötzlich der Wolf in einer Intensität aufheult als sei er nie zuvor gehört worden?
Ich bin bestürzt, bitter, durcheinander, furchtsam (das ist alt, ich konnte es heute Nacht schon spüren, dass das eher 1960 als 2014 angesiedelt ist), mutlos, traurig, sauer, überwältigt, unter Druck und irgendwie widerwillig. Und meine Bedürfnisse haben zu tun mit Gesehen werden, Respekt, Anerkennung, Kongruenz, Transparenz, to matter (zählen), Spaß, Freude, Leichtigkeit… oh ja! Leichtigkeit… da geht meine Sehnsucht hin. Ich hätte es gern mal leicht! Anscheinend kämpfe ich noch immer einen alten Kampf. Ein Teil von mir „hört“, ich sei nicht „richtig“ und mit mir stimme etwas nicht. Angenommen sein.
Anscheinend gibt es einige Menschen in meinem Leben, deren bloße Existenz an meine alten Wunden rührt. Während des IIT’s in Bad Bederkesa habe ich gelernt, dass ich schnell Gefahr laufe, mich nicht mehr als Teil der Gemeinschaft wahrzunehmen. Wenn ich nicht 120 Prozent leiste, gehöre ich nicht dazu. Wenn etwas Unvermutetes auftritt, das ich nicht habe kommen sehen, droht sofort der Ausschluss aus der Gemeinschaft. Darum ist Sicherheit offenbar so ein wichtiges Bedürfnis für mich. An anderer Stelle wird mein Glaube über mich selbst immer wieder herausgefordert. BIN ICH GUT GENUG? BIN ICH LIEBENSWERT? Ein Teil von mir rutscht in bestimmten Situationen sofort wieder in eine Art Verteidigungshaltung. Ich kann dieses „ich bin total ok so wie ich bin“ in diesen Situationen nicht als innere Gewissheit abrufen. Statt dessen erscheint etwas Wild Um Sich Schlagendes. Du bist und du hast… Gerade erhasche ich einen kleinen grauen Zipfel vom Wolfsfell. Ich kriege es noch nicht ganz gegriffen. Da steht ein Schuh im Raum und ich ziehe ihn an. Ich kann nicht hören, uih, da hat jemand ein unerfülltes Bedürfnis, sondern ich beziehe es auf mich. Ganz abgesehen von meinem Gedanken, dass das natürlich auch auf mich geäußert wurde. Aber ich hätte ja auch die Wahl, mich zurückzulehnen und zu denken, das ist ja interessant. Was mag da wohl in meinem Gegenüber lebendig sein? Nein, ich identifiziere mich mit dem unausgesprochenen Urteil und dann rebelliere ich dagegen.

In dem Fall, der mich beim IIT so geschüttelt hat, weiß ich, dass gar kein Urteil über mich damit verbunden war (du hättest wissen müssen, dass ich dies und jenes brauche, und rechtzeitig dafür sorgen müssen). Im aktuellen Fall bin ich ziemlich sicher, dass eine Fülle von Urteilen damit verbunden sind. Und ich kann spüren, dass ich verzweifelt versuche, mich vor dem Absaufen zu bewahren. Im Zweifelsfall eben auch durch ein lautes Wolfsgeheul…

So long!
Ysabelle

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