Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Mein erstes Mal

Hallo, Welt!

Heute hat meine erste echte Mediationssitzung stattgefunden. Und die beiden Menschen werden wieder kommen. Ein Konflikt, der länger als zehn Jahre schwelt, lässt sich nicht in 90 Minuten auflösen. Falls diese Mediation gelingt, also zu einem Ergebnis führt, mit dem beide Seiten gut leben können, war das ein superschöner Auftakt. Beide haben Interesse daran, das Verhältnis zu klären. Beide sind bereit, sich ein wenig führen zu lassen. Damit meine ich: Ich darf sie unterbrechen. Sie lassen sich gegenseitig ziemlich aussprechen. Und zum Teil reden sie sogar schon miteinander. Zum Ende habe ich gefragt, ob denn schon alles auf dem Tisch sei, was es braucht, um den Konflikt zu lösen. Hm. Anscheinend noch nicht. Aber wir haben schon mal ein paar Bedürfnisse gesammelt. Von beiden Konfliktparteien hat es warme Wertschätzung für die Gestaltung und den Ablauf gegeben. Sie lobten den ansprechenden Seminarraum, sogar das Gäste-WC (!). „Es war mehr als ich erwartet habe“, meinte die Ältere zum Schluss.

Fasziniert hat mich, dass beide nicht die Frage beantworten konnten: „Wie geht es Ihnen, wenn Sie das hören? Von beiden kamen Erklärungen, Geschichten, wie es damals mal war oder ähnliches, aber nichts in Richtung Befindlichkeit. Leute, sind wir denn alle so sehr abgeschnitten von uns uns unserer Lebendigkeit, dass wir nicht einmal erkennen, was wir fühlen?
Insgesamt ist es ganz schön anstrengend. Also, zwei derartige Sitzungen an einem Tag traue ich mir im Moment noch nicht zu. Zum einen fehlt mir ja aber auch noch die Routine. Zum zweiten bin ich im Augenblick sowieso ziemlich erschöpft. Mir fehlen Erholung und Schlaf. Jetzt ist es halb zwei. Nachdem die Medianten um kurz nach zwölf gegangen waren, habe ich selbst schnell ein bisschen Obst und Gemüse eingekauft, den Seminarraum aufgeklart, das Geschirr abgeräumt und eben eine Runde Smoothies gerührt. Heute mit den Blättern von Mairübchen, einer Drittel Gurke, einigen Aprikosen, ganz viel Petersilie, einem Apfel, zwei Bananen und ein paar Erdbeeren. Eine Flasche voll will ich meiner Mutter mitnehmen, die ja per Sonde ernährt wird. Vielleicht hat sie Lust auf etwas Frisches. Und trinken kann sie ja. Ach ja, die Betten sind auch schon bezogen, heute Morgen um halb neun. Die Wäsche tummelt schon im Trockner. Ich bin sehr froh über die Idee, das Work-Life-Balance-Büchlein zu führen. Es hilft mir anzuerkennen, dass ich wirklich etwas tue und meine Zeit sinnvoll verbringe. Was für eine Mitgift, die ich da herumschleppe… Nur „Arbeit“ zählt. Na, wäre ja auch langweilig, wenn ich mit 55 an mir kein Wachstumspotenzial mehr ausmachen könnte…

So long!

Ysabelle

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