Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Rote & grüne Betriebsleuchten

Hallo, Welt!
Heute Morgen habe ich ein Telefongespräch geführt. dass mich aus der Bahn geworfen hat. Ich hörte sinngemäß Sätze wie: XY hat hier das Sagen. Und das kann sie auch. Sie hat den Überblick. Sie lässt sich da nicht von jemandem etwas vormachen oder über ihren Kopf hinweg bestimmen…
Mit all meinen Fähigkeiten klammerte ich mich daran, die Bedürfnisse zu hören: Autonomie, Klarheit, Respekt, vielleicht Ausgleich. Aber zum einen fiel es mir sauschwer, mich auf die Bedürfnisse zu konzentrieren, zum zweiten war ich so mit meinen eigenen Gefühlen beschäftigt, dass ich mich kaum im Zaum halten konnte. Am liebsten hätte ich gefragt, woran ist Euer letzter Sklave gestorben?

Ungefähr eine Stunde später streifte ich durch die Büroräume auf der Suche nach Keksen. Seit Ostern vor einem Jahr esse ich keine Naschies mehr, keine Gummitedddys, Schokoriegel, Lakritze oder Bonbons. Ich esse nach wie vor Dessert, gelegentlich ein Eis und Kuchen. Alles, was „richtig“ zubereitet ist. Ich habe eine ganze Packung Zimtsterne gemördert und sogar noch die Familienpackung Lampertz aus meinem Büroschrank geknackt. Wahrscheinlich längst abgelaufen, schmeckte auch schon etwas muffig.

Es ging mir erst eben auf, dass das eine Nachwirkung dieses Telefonats war. Ich konnte meinem Gesprächspartner deshalb keine Empathie entgegenbringen, weil mein eigener Tank komplett leer war! Die rote Betriebsleuchte blinkte. Ich möchte in den nächsten Tagen dringend herausfinden, welche Bedürfnisse da bei mir so in Mangel gekommen waren. Bestimmt Respekt, Wertschätzung und Autonomie, wahrscheinlich noch mehr. Früher hätte ich in solch einer Situation wahrscheinlich eine Tafel Ritter Sport Nougat vernichtet. Oder noch früher mir abends eine Flasche Wein reingezogen. Und dazu ne halbe Packung Zigaretten gequalmt. Dann doch lieber Zimtssterne. Ich wünsche mir für die nächsten Tage ein paar Giraffenohren zum Zuhören.

Heute Abend um 21 Uhr hatte ich eine Verabredung zum Telefonieren. Jemand hat mich gebeten, ihn zu einem bestimmten Thema zu coachen. Das werden wir in den kommenden Wochen zusammen versuchen. Es war wunderbar! Gemeinsam haben wir herausgefunden, warum es diesem Menschen so schwer fällt, eine bestimmte Rechnung auszustellen. Oh, hat mir das eine Freude bereitet! Es erfüllte meine Bedürfnisse nach Unterstützung, Verbindung, Wachstum, Gemeinschaft und Beitragen. Und mein Gegenüber war sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Telefonats. Danach fühlte ich mich so friedlich, zufrieden, satt, warm und wohlig, dass der Stress von heute Morgen komplett in den Hintergrund trat. Er ist noch da, er will bearbeitet werden. Aber jetzt kann ich mich mit meinen angenehmen Gefühlen verbinden. Grüne Kontrollleuchte, alles easy.

So long!

Ysabelle

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