Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Wenn andere etwas tun sollen…

„Frage nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern warum er es nicht tut.“
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin, 1555 Aphorismen und Denkanstösse, Verlag Ott/h.e.p. Verlag Bern, 3. erweiterte Auflage mit 88 Cartoons, 2006, ISBN 3-7225-0048-6, S. 263

Vor ein paar Jahren las ich in einem Buch das Zitat „if you want something done, do it!“ Wenn du willst, dass etwas getan wird, mach es! Seither bewegt mich dieser Satz immer wieder. Vor allem, wenn ich der Ansicht bin, jemand anderes müsste, könnte oder sollte … etwas Bestimmtes tun, meldet sich irgendwann die Stimme im Kopf: If you want something done, do it!
Dabei entsteht dann ein aufgeregter Chor: Eine Stimme sagt zum Beispiel, sie könnte ruhig mal anrufen! Und dann meldet sich eine andere Stimme: If you want something done, do it! Wieso eigentlich immer ich? wird dann dagegen argumentiert. Dann schaltet sich die Stimme von Eckhart Tolle zu, der sagt, es sei das Ego, was hier aktiv wird, und das es zu überwinden gilt.
Solche Kopfdialoge sind erst mal nur ein Hinweis darauf, dass es bei mir unerfüllte Bedürfnisse gibt. Geht es zum Beispiel um den Anruf der Freundin, wünsche ich mir vielleicht Ausgewogenheit, Gesehen werden und Wertschätzung. Geht es darum, dass mein Partner den Abwasch macht, brauche ich vielleicht Beteiligung, Unterstützung, Ordnung und Leichtigkeit. Und dann tappe ich in die Abhängigkeitsfalle, wenn ich annehme, der andere müsse doch ahnen, wissen, spüren, die gleichen Werte oder den gleichen Rhythmus haben und von allein das tun, was ich gerade für wichtig erachte.
Wenn es zur Nagelprobe kommt – bin ich bereit, das zu tun, was ich gern haben möchte – erfahre ich unter Umständen viel über die Qualität meiner Beziehung zu meinem Gegenüber. Bin ich überhaupt (noch) bereit, mich für die Verbindung einzusetzen? Oder habe ich so sehr resigniert, dass ein Teil von mir meint, es sei eh verlorene Liebesmüh? Geht es mir um Verbindung, oder geht es mir um meine Payback-Karte, um das voll geklebte Rabattmarkenheft, das der andere endlich einlösen soll? Wenn ich darüber Klarheit habe, kann ich mich neu und frei entscheiden zu tun, was ich für richtig halte.
Heute treffe ich bewusste Entscheidungen, welche Verbindungen ich pflegen und nähren möchte.

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