Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Wurmbilanz & Enten-Index

Hallo, Welt!
Trotz überwältigender Erschöpfung musste ich die Geschichte vom Strudelwurm gestern noch zu Ende lesen. Als ich die Erläuterungen zur Wurmbilanz las, fühlte ich mich freundlich erinnert an den Enten-Index aus dem Buch „Weil Worte wirken“, das ich im November vorgestellt habe. Dabei geht es um einen Gradmesser für Freude und bereitwilliges Geben (Duck Feeding). Wenn ich es recht erinnere, ist das allerdings nur eindimensional. Wenn mir eine Aktivität nicht ein Minimum an Freude auf dem Enten-Index bringt, lasse ich es.

Die Wurm-Bilanz von Frau Storch ist da ein bisschen flexibler und lässt noch dazu Verhandlungsspielraum. Sie hat nämlich auch noch die Besonderheiten des geteilten Wurms erfasst.

Es gibt ja Situationen, in denen man durchaus zwiegespalten ist. Im Beispiel im Buch geht es um eine Frau, die eine Einladung zur Hochzeit ihrer Schwester bekommen hat. Spontan geht die Wurmbilanz auf einem senkrechten Minus-Zahlenstrahl hoch auf -85, denn die Familie geht ihr auf den Keks, der Vater ist ein Grabscher und mit der Schwester ist sie eigentlich voll verkracht. Es gibt aber auch einen Plus-Zahlenstrahl, und der schnellt bei der Einladung auf plus 70, denn sie würde sich das Bedürfnis nach Teilhabe, Wertschätzung, Gemeinschaft und noch manches andere erfüllen. Kein Wunder, dass es ihr schwer fällt, sich zu entscheiden, einfach zu- oder abzusagen. In jedem Fall müsste sie ihren Wurm würgen, also an wichtigen Bedürfnissen vorbeigehen. Aber wenn ich den Minus-Index auf ein für mich passendes Maß geschrumpft habe, kann ich zur Hochzeit gehen und mir damit die Plus-Bedürfnisse erfüllen. Doch wie kann ich den Minus-Index verändern? Was brauche ich, damit sich mein Würmli nicht stranguliert fühlt, wenn ich es zur Hochzeit schleppe?

Maja Storch lädt jetzt dazu ein, einen Ideenkorb zu eröffnen. Das ist nichts anderes als die Suche nach Strategien, die möglichst vielen Bedürfnissen gerecht wird.

In der Ideensammlung tauchen dann so vertraute Sachen auf wie
1. Nur zur kirchlichen Hochzeit gehen und danach abhauen
2. Sich für den Anlass ein paar exquisite neue Schuhe kaufen
3. Einen Hund mitnehmen, um gelegentlich abtauchen zu können
4. Darum bitten, dass man neben einer geschätzten Person sitzen kann

Ihr merkt schon, worum es geht: ich mache das Unangenehme (zur Hochzeit gehen) weniger unangenehm, indem ich für mich sorge. Und dann kann ich das, was ich eben auch gern möchte, genießen, ohne gegen meinen inneren Wurm Gewalt anzuwenden. Er trägt die Lösung mit, ich bin mit mir im Einklang.

Mal sehen, wie ich dieses Konzept mit in meinen Alltag integrieren kann. Ganz entzückend übrigens: in dem Buch liegt ein Blatt mit Wurmstickern in Grün und Rot bei, mit denen ich beispielsweise meine Umwelt pflastern könnte, um mich daran zu erinnern, dass ich mir keinen Gefallen tue, wenn ich den Wurm würge, also meiner inneren Intuition, dem uralten Bewertungssystem meines Körperwissens, keinen Raum gebe. Da passt es doch gut, dass ich mich demnächst mit Focussing beschäftige, der Kunst, die Signale meines alten Wissens wahrzunehmen und zu entschlüsseln. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Die Webseite für ein wurmgerechtes Leben ist übrigens unter www.ismz.ch zu erreichen. Guckt mal unter „Publikationen“, da kann man eine Menge spannender Artikel downloaden.

So long!

Ysabelle

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