{"id":742,"date":"2010-03-05T00:14:29","date_gmt":"2010-03-04T23:14:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=742"},"modified":"2010-03-05T00:20:20","modified_gmt":"2010-03-04T23:20:20","slug":"wenn-ich-hore","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=742","title":{"rendered":"Wenn ich h\u00f6re&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Der Anfang des rechten Lebens ist das rechte H\u00f6ren.&#8220;<br \/>\n<em> Plutarch, Moralia, \u00dcber das Zuh\u00f6ren, Kapitel 18<\/em><\/p>\n<p>Der erste Schritt in der Gewaltfreien Kommunikation ist das Zuh\u00f6ren. Wir benutzen oft die Formulierung: &#8222;Wenn ich h\u00f6re&#8230;&#8220;, wenn wir noch ganz am Anfang sind, giraffisch zu lernen. Aber was h\u00f6ren wir eigentlich? Der Kommunikationsforscher und Psychologe <a href=\"http:\/\/www.schulz-von-thun.de\/mod-komquad.html\">Friedemann Schulz von Thun<\/a> hat in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein Kommunikationsmodell erarbeitet, das uns heute hilft zu sortieren, was wir h\u00f6ren. Er schl\u00e4gt vor, dass wir mit vier Ohren unterwegs sind und beschreibt, dass eine Nachricht vier verschiedene Ebenen hat:<\/p>\n<ol>\n<li> eine Sachinformation (wor\u00fcber ich informiere)<\/li>\n<li> eine Selbstkundgabe (was ich von mir zu erkennen gebe)<\/li>\n<li> einen Beziehungshinweis (was ich von dir halte und wie ich zu dir stehe)<\/li>\n<li> einen Appell (was ich bei dir erreichen m\u00f6chte)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wenn wir einen ganz einfachen Satz nehmen:<\/p>\n<p>Deine schmutzigen Socken liegen auf dem K\u00fcchentisch<br \/>\nk\u00f6nnen wir relativ sicher sein, dass unser Gegen\u00fcber,\u00a0 BesitzerIn der Socken, eine Menge Dinge &#8222;h\u00f6rt&#8220;. Die &#8222;gef\u00fchlte&#8220; Langfassung w\u00fcrde vielleicht lauten:<\/p>\n<p>1. Deine Socken liegen auf dem Tisch.<\/p>\n<p>2. Ich bin \u00e4rgerlich und finde es total unappetitlich, wenn die Socken da liegen!<\/p>\n<p>3. Wer dreckige Socken auf dem Tisch liegen l\u00e4sst, ist irgendwie asozial<\/p>\n<p>4. R\u00e4um die Dinger verdammt schnell zur Waschmaschine!<\/p>\n<p>Es sind nur sieben Worte, und sie k\u00f6nnen f\u00fcr so viel Sprengstoff sorgen!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Socken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-744\" title=\"Socken\" src=\"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Socken-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Socken-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Socken.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Nun wissen wir ja, dass es in der Gewaltfreien Kommunikation darum geht, unsere Beobachtung so neutral anzubringen als sei sie von einer Kamera aufgezeichnet worden. Eine Kamera, auch nicht die teuerste, w\u00fcrde sich im Leben nicht \u00fcber ein Paar Socken auf dem Tisch aufregen. Aber warum regen wir uns \u00fcber die Socken auf dem K\u00fcchentisch auf? Es hilft, wenn wir das f\u00fcr uns selber gekl\u00e4rt haben, bevor wir den Mund aufmachen. <\/p>\n<p>Der Anblick der Socken kann bei uns ein Feuerwerk an Gef\u00fchlen ausl\u00f6sen. Hurra! Dann wissen wir, dass wir noch leben! Sind wir frustriert, weil wir diese Woche schon f\u00fcnf Mal die Socken selber wegger\u00e4umt haben und uns Unterst\u00fctzung wichtig ist? Sind wir ern\u00fcchtert, weil uns Wertsch\u00e4tzung fehlt? Geht es uns um Ordnung, und sind wir lustlos, weil wir als einzige bestimmte Vorstellungen von System und Struktur haben? Oder sind wir genervt, weil es uns um Selbstst\u00e4ndigkeit geht? <\/p>\n<p>Die Chancen, dass unser Gegen\u00fcber eine Menge h\u00f6rt, aber nicht unbedingt etwas Friedliches, sind leider sehr gro\u00df. Und damit w\u00e4chst auch die Gefahr, dass unser Gegen\u00fcber unsere Botschaft auf dem &#8222;Kritikohr&#8220; h\u00f6rt. Mit dir ist etwas falsch! Und dann sind wir nicht bei einer Br\u00fccke der Verst\u00e4ndigung, sondern in den meisten F\u00e4llen in einem unerfreulichen Kreislauf aus Anklagen, Verteidigungen und Selbstabwertung. <\/p>\n<p>Wir machen es unserem Gegen\u00fcber leichter, die Botschaft zu h\u00f6ren, wenn wir selber wissen, welches Bed\u00fcrfnis bei uns unerf\u00fcllt ist, und ihm das auch mitteilen. Wenn wir bereit sind, all unsere Bed\u00fcrfnisse zu uns zu nehmen, \u00f6ffnen wir den Weg neu zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Denn dann hat unser Gegen\u00fcber die Chance zu h\u00f6ren: Ich sp\u00fcre einen gro\u00dfen Schmerz, weil bei mir ein wichtiges Bed\u00fcrfnis unerf\u00fcllt ist&#8230; <\/p>\n<p><em>Heute will ich mein Augenmerk auf die vier Ebenen meiner Botschaften richten. Es ist mir wichtig, dass mein Gegen\u00fcber weder Abwertung noch  Forderungen h\u00f6rt, sondern eine Bitte um Verbindung. .<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Der Anfang des rechten Lebens ist das rechte H\u00f6ren.&#8220; Plutarch, Moralia, \u00dcber das Zuh\u00f6ren, Kapitel 18 Der erste Schritt in der Gewaltfreien Kommunikation ist das Zuh\u00f6ren. Wir benutzen oft die Formulierung: &#8222;Wenn ich h\u00f6re&#8230;&#8220;, wenn wir noch ganz am Anfang sind, giraffisch zu lernen. Aber was h\u00f6ren wir eigentlich? 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