{"id":5572,"date":"2017-12-16T23:18:27","date_gmt":"2017-12-16T22:18:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5572"},"modified":"2017-12-17T09:04:42","modified_gmt":"2017-12-17T08:04:42","slug":"dankbarkeit-16-12-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5572","title":{"rendered":"Dankbarkeit 16.12.2017"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nEin Tag, der es in sich hatte, liegt hinter mir. Bis auf einen Mittagsschlaf war ich wieder auf den Beinen, aber ich merke schon, dass das noch recht wackelig ist. Weil ich wusste, dass ich einen langen Abendtermin hatte, habe ich mir mittags viel Zeit mit Fontane genommen. Er hat nun auch noch seinen letzten Ball verspielt und ohne vorheriges Kommando einen unsichtbar versteckten Futterbeutel gefunden. Nach \u00fcber einer Stunde auf der Docke zog es mich dann Richtung Bett. Wie so oft begleitete er mich ohne Leine Richtung Deichtor. Und dann &#8230;<br \/>\n&#8230; sah ich links von mir zwei Menschen und einen kleinen Hund, Format Jack Russell. Fontane l\u00f6ste sich von mir und lief r\u00fcber zu den Leuten. Ich kriege die Reihenfolge nicht mehr sortiert, ich glaube, deren Hund war erst frei und wurde dann angeleint und dann noch mal wieder freigemacht, um wieder angeleint zu werden. Das w\u00fcrde ich aber so nicht beschw\u00f6ren.<br \/>\nDie Leute riefen mir zu, \u201eist das ein R\u00fcde?\u201c, und als ich bejahte, sagten sie, \u201eoh, unsere H\u00fcndin wird demn\u00e4chst l\u00e4ufig.\u201c Ich ging weiter durch das Gatter den geteerten Weg zur Deichkrone hoch und rief den Leuten sinngem\u00e4\u00df zu, \u201eder Hund ist sehr auf mich fixiert, wenn er sieht, dass ich weggehe, kommt er nach.\u201c Mir war total klar, dass es \u00fcberhaupt keinen Sinn hatte, Fontane jagen zu wollen. Das h\u00e4tte er nur f\u00fcr ein tolles neues Spiel gehalten.<br \/>\nAls ich immer noch rufend \u00fcber die Deichkrone verschwand, Leckerli in der Hand f\u00fcr den R\u00fcckkehrer, kam Fontane tats\u00e4chlich angeschossen, aber bevor ich ihn auch nur greifen konnte, hatte er sich das Leckerli geschnappt und rannte den Weg zur\u00fcck zu dem Hundem\u00e4dchen. Dann h\u00f6rte ich die Leute unten rufen\/schreien, und dachte, da gehste besser mal schnell hin. Schon auf 50 Meter Entfernung wurde ich lautstark &#8222;angefeuert&#8220;, mich schneller zu bewegen. Ich m\u00f6chte dazu sagen, es gab f\u00fcr keinen der Beteiligten zu keinem Zeitpunkt eine echte Gefahr. Weder hatte Fontane versucht, jemanden zu bei\u00dfen noch war er aufgeritten, zumal die Leute die kleine H\u00fcndin zwischendurch immer auf den Arm nahmen. Da tobte ein junger Hund begeistert um eine H\u00fcndin herum, die &#8222;demn\u00e4chst&#8220; l\u00e4ufig werden w\u00fcrde.<br \/>\nDie Beschimpfungen des Mannes wurden heftiger und in seiner Wut versuchte er st\u00e4ndig, Fontane zu treten. Als wir nur noch etwa f\u00fcnf Meter voneinander entfernt waren, gelang es mir mit ruhiger Stimme zu sagen: &#8222;Ich m\u00f6chte Sie bitten, nicht mehr nach dem Hund zu treten. Mir ist klar, dass Sie in Sorge um Ihre H\u00fcndin sind, aber bitte treten Sie nicht mehr nach meinem Hund.\u201c Den folgende Wortschwall mit einem Mix aus &#8222;asozial&#8220; \u201eunverantwortlich\u201c und \u00e4hnlichen Attributen konnte ich besser ertragen als seine Versuche, mit Fontane zu kicken. Zum Gl\u00fcck war der Hund viel schneller als der Mann.<br \/>\nEs gelang der Frau und mir, die kleine H\u00fcndin als &#8222;Lockmittel&#8220; zu benutzen, Fontane heranzulotsen und ihm die Leine anzulegen. Dann trennten sich unsere Wege. Der Mann schimpfte nach wie vor in meine Richtung. Ich rief ihm zu (v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig, ich wei\u00df!), \u201eDer Hund geht in die Hundeschule, aber er ist noch zu kein, um das zu k\u00f6nnen. Er ist erst anderthalb!\u201c. Ich erinnere noch zwei S\u00e4tze von der Frau, \u201ekannst du jetzt mal aufh\u00f6ren\u201c und \u201ek\u00f6nnen wir jetzt mal in Ruhe weiter gehen\u201c. Fontane war von allem total unbeeindruckt, aber ich war so fertig, dass ich anschlie\u00dfend erst mal meinem Hunde-Coach Marion in den Telefonh\u00f6rer weinen musste.<br \/>\nWof\u00fcr bin ich dankbar? Dass ich auch in dieser f\u00fcr mich wirklich belastenden und be\u00e4ngstigenden Situation in der Lage war, den Mann empathisch anzusprechen und seine Besorgnis um die eigene H\u00fcndin zu sehen, die ihn dazu brachte, sich so zu verhalten. Ich habe mich wirklich durchg\u00e4ngig in &#8222;der Haltung&#8220; wahrgenommen, trotz meiner Not. <\/p>\n<p>Zum Zweiten m\u00f6chte ich den Beistand feiern, den ich durch Marion hatte. Zumindest konnte sie meine Aufregung und meine Besorgnis nachvollziehen, auch wenn Schimpfen auf einen der Protagonisten nicht mehr das ist, was MICH wirklich ent-lastet. Aber es ist wunderbar, jemanden anrufen zu d\u00fcrfen und f\u00fcr das eigene Verhalten Wohlwollen zu finden. Ein &#8222;was l\u00e4sst du ihn auch ohne Leine laufen&#8220; h\u00e4tte die Situation nicht besser gemacht. Wir sind jetzt zum R\u00fcckruf-Training verabredet. <\/p>\n<p>Achtung, Vegetarier und Veganer, wegsehen!<br \/>\nNach diesem Stress bin ich ins Bett gekippt und habe mir einen Wecker gestellt, denn abends stand noch eine Veranstaltung bevor. Meine langj\u00e4hrigen Tageseltern hatten zur Feier ihrer Goldenen Hochzeit eingeladen. Die Tische bogen sich auf norddeutsche Art. Hochzeitssuppe, viererlei Fleisch, Rotkohl, Roenkohl, frischer Blumenkohl mit brauner Butter, Erbsen- und Wurzelgem\u00fcse, Kartoffeln, Kroketten, braune Sauce, und hinterher noch Eis mit hei\u00dfen Kirschen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_1801.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_1801-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5573\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_1801-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_1801-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/IMG_1801-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nEs war tats\u00e4chlich eine Veranstaltung &#8222;in Familie&#8220;, zwei T\u00f6chter und Ehem\u00e4nner, vier Enkel zwischen 17 und 24 mit ihren jeweiligen PartnerInnen und einige wenige alte Freunde. Und dazwischen: Mein Sohn, seine Frau und ich. Da war er auf einmal (wieder) genau so Kind wie vor 30 Jahren. Zwischendurch realisierte er, dass eine seiner Ziehschwestern demn\u00e4chst Silberhochzeit feiern w\u00fcrde. \u201eJetzt f\u00fchle ich mich alt!\u201c, meinte er entsetzt. <\/p>\n<p>Einer der Schwiegers\u00f6hne unterhielt mich den ganzen Abend. Wir hatten uns ann\u00e4hernd 20 Jahre nicht gesehen. Erstaunlich, wie jemand den ganzen Abend erz\u00e4hlen kann, ohne einmal wirklich in Kontakt mit dem Gegen\u00fcber zu gehen. Nicht dass ich mich gelangweilt h\u00e4tte. Aber auf Dauer finde ich Aussagen zu Autos, Hundeerziehung, Fahrleistungen und \u00e4hnliches doch ziemlich unverbindlich. Das mag seinen Sinn haben, ich h\u00e4tte tats\u00e4chlich gern mehr von meinem Gegen\u00fcber erfahren. Kurze Blitzer gab es, aber vielleicht war auch die Situation am Tisch nicht allerbestens geeignet, um tiefer zu gehen &#8230; <\/p>\n<p>Ich bin heute dankbar f\u00fcr dieses m\u00fchelose Ankn\u00fcpfen an Familienbande. Wir geh\u00f6rten wirklich dazu, und das f\u00fchlte sich wunderbar an. In einer Zeit, in der sich meine eigene Familie mehr und mehr dezimiert, habe ich dieses Eintauchen in drei intakte Ehen, vier &#8222;gelungene&#8220; Kinder und das freundliche herzliche Miteinander inklusive schiefem St\u00e4ndchen und Ehrentanz f\u00fcr das Jubelpaar zutiefst genossen. <\/p>\n<p>So long!<br \/>\nYsabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Ein Tag, der es in sich hatte, liegt hinter mir. Bis auf einen Mittagsschlaf war ich wieder auf den Beinen, aber ich merke schon, dass das noch recht wackelig ist. Weil ich wusste, dass ich einen langen Abendtermin hatte, habe ich mir mittags viel Zeit mit Fontane genommen. 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