{"id":5387,"date":"2016-10-01T17:52:33","date_gmt":"2016-10-01T15:52:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5387"},"modified":"2016-10-01T19:50:30","modified_gmt":"2016-10-01T17:50:30","slug":"unterwegs-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5387","title":{"rendered":"Unterwegs"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nIch bin ein Morgenmuffel. Ich funktioniere, aber ich bin nicht besonders gespr\u00e4chig und vor dem ersten halben Liter Kaffee ist mit mir nichts anzufangen. Trotzdem habe ich keine Probleme, fr\u00fch morgens mit Fontane rauszugehen. Morgens ist daf\u00fcr sogar meine liebste Zeit, wenn alles noch so still und &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; erscheint.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/MorgenstimmungJPG-e1475337202294.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/MorgenstimmungJPG-e1475337202294-225x300.jpg\" alt=\"morgenstimmung\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5388\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/MorgenstimmungJPG-e1475337202294-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/MorgenstimmungJPG-e1475337202294-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><br \/>\nAuf unserer Morgenrunde begegnete uns heute ein Mann mit seinem Hund. Ich ordnete ihn gedanklich unter &#8222;Kampfhund&#8220; ein. Gerade suchte ich mit diesem Begriff nach einem Foto, um die Rasse benennen zu k\u00f6nnen, und fand unter den einschl\u00e4gigen Label-Fotos von Stafford-Terriern und Bull Mastiff nichts, was auch nur ann\u00e4hernd so aussah. Was also macht f\u00fcr mich einen Hund zum Kampfhund? Er war etwa so gro\u00df wie ein Boxer, hatte einen gedrungenen K\u00f6rperbau und eine breite Schnauze, die sehr kr\u00e4ftig auf mich wirkte. Der Anblick des Hundes an der Leine l\u00f6ste bei mir Unbehagen und Besorgnis aus. <\/p>\n<p>Anscheinend zeigte diese H\u00fcndin &#8211; sie trug ein Geschirr mit der Aufschrift &#8222;Mama&#8220; &#8211;  Interesse an uns und zerrte an der Leine. Da holte der mutma\u00dfliche Besitzer aus und zog ihr mit dem Ende der Leine einen Schlag \u00fcber den K\u00f6rper. Alle meine Spiegelneuronen liefen Amok. <\/p>\n<p>Am Fahrradladen blieb ich vor einem schicken Lastenrad stehen und einer der Mitarbeiter kam raus und beantwortete meine Frage. Gegen\u00fcber war der &#8222;Kampfhund&#8220; an einem Laternenpfahl vor KIK festgemacht. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich ein Fiepen und sah, wie eine Frau mit ihrem Hund einen Satz Richtung Strasse machte. Anscheinend hatte &#8222;Mama&#8220; mal kurz die eigene Sicherheitszone verteidigt, genau so aggressiv, wie sie auch behandelt wurde. Mir erschien es nur logisch, dass der Hund um sich biss. Wenn man mich schlagen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich auch nicht schmusen und spielen wollen. <\/p>\n<p>Hilflosigkeit und Ohnmacht sind bei dem Gedanken an diese Situation ganz vorn. Ich m\u00f6chte nicht, dass jemand geschlagen wird. Kein Hund, kein Mensch. <\/p>\n<p>Mitte der Woche raste ich noch kurz vor Feierabend zur Post, Fontane an der Leine. Ich bin echt so stolz auf ihn! Was er inzwischen schon alles kann mit seinen 15 Wochen! Als wir den Zebrastreifen \u00fcberquerten, sah ich vor mir eine Konstellation, die mir auffiel. Ein Mann, ein oder mehrere Kinder, eventuell eins im Kinderwagen, ich erinnere mich nicht genau, dabei eine Frau, \u00e4lter als der Mann. Und etwa f\u00fcnf Meter weiter die Stra\u00dfe rein stand eine weitere Frau und redete auf ein weiteres Kind ein. Ihre K\u00f6rperhaltung wirkte auf mich bedrohlich, sie hob die Hand zum Schlagen, ich h\u00f6rte sie schimpfen, konnte aber die Worte nicht verstehen. \u00dcber den Zebrastreifen lief ich direkt auf sie zu und starrte sie an, vermutlich mit offenem Mund. In meinem Kopf ratterte es. Augenscheinlich verhielt sich dieses eine Kind nicht so, wie die Erwachsenen es erwarteten. Vielleicht hatte es schon l\u00e4nger unterwegs Streit gegeben. Und jetzt wurde das M\u00e4dchen eingenordet. <\/p>\n<p>Ich hatte den Eindruck, der Frau war es unangenehm, beobachtet zu werden. Warum sonst war sie weiter in die Seitenstra\u00dfe hineingegangen? Und die beiden anderen Erwachsenen &#8211; warum standen sie abseits, w\u00e4hrend auf das M\u00e4dchen das Strafgericht zukam? Billigten sie die Ma\u00dfnahme? <\/p>\n<p>Was sollte ich tun? Ich erinnerte mich an eine vergleichbare Situation, die ich einmal in Kiel auf dem Weihnachtsmarkt erlebt hatte, und wo es mir nicht gelungen war, mit den mutma\u00dflichen Eltern in Kontakt zu kommen. Ich tr\u00f6stete mich damit, dass die Frau anscheinend inne gehalten hatte, als sie meinen Blick sah. Ich dachte, anscheinend wei\u00df sie, dass es nicht ok ist, das Kind zu schlagen, sonst w\u00fcrde sie nicht in die Seitenstra\u00dfe gehen, sondern k\u00f6nnte das ja gleich am Zebrastreifen erledigen. Und dann flitzte ich weiter zur Post. Traurig, hilflos, ohnm\u00e4chtig. Was muss passieren, damit Eltern nicht mehr schlagen, nicht mehr drohen, nicht mehr schreien? Ich merke es am Umgang mit dem Hund: Ich brauche Verbindung mit mir. Und das f\u00e4llt mir heute viel leichter als vor 30 Jahren, als ich versuchte, meinen Sohn zu &#8222;erziehen&#8220;. Da gab es keine Sicherung, kein Stop-Signal, keine Selbstverbindung. Das wurde ganz schnell zur Existenzfrage: Er oder ich. Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich Marshall Rosenberg f\u00fcr die Gewaltfreie Kommunikation bin, die dazu beitr\u00e4gt, dass ich mit meinem einf\u00fchlsamen Selbst verbunden sein kann. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Ich bin ein Morgenmuffel. Ich funktioniere, aber ich bin nicht besonders gespr\u00e4chig und vor dem ersten halben Liter Kaffee ist mit mir nichts anzufangen. Trotzdem habe ich keine Probleme, fr\u00fch morgens mit Fontane rauszugehen. Morgens ist daf\u00fcr sogar meine liebste Zeit, wenn alles noch so still und &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; erscheint. 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