{"id":5220,"date":"2015-11-15T13:29:12","date_gmt":"2015-11-15T12:29:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5220"},"modified":"2015-11-15T13:29:12","modified_gmt":"2015-11-15T12:29:12","slug":"hey-smombie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5220","title":{"rendered":"Hey, Smombie!"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nDa rieb ich mir verdutzt die Augen. Donnerstag haben wir in der \u00dcbungsgruppe das Thema &#8222;st\u00e4ndig greift mein Gegen\u00fcber zum Handy&#8220; behandelt. Und am n\u00e4chsten Tag vermelden die Medien, Smombie, also ein Kofferwort aus Smartphone und Zombie, sei das Jugendwort des Jahres. Zu meiner Erleichterung hat der <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/jugendwort-des-jahres-smombie-gibt-es-nicht-es-ist-eine-erfindung\/12586028.html\" target=\"_blank\">Berliner Tagesspiegel<\/a> inzwischen recherchiert, dass nicht nur ich das Wort nicht kenne, auch \u00fcber Twitter und Facebook ist es nicht gelaufen. Na, dann gibt es das wahrscheinlich gar nicht und ist eine Erfindung des Langenscheidt-Verlages. So weit, so gut. <\/p>\n<p>Facebook und WhatsApp &#8211; bei manchen Menschen auch noch eingehende Mails und SMS-Nachrichten &#8211; sind also der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr, dass Verbindung im Hier und Jetzt mit dem realen Gegen\u00fcber verloren geht. Hier einmal unsere Wolfsshow vom Donnerstag: <a href=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/gegen_Handys-e1447588094524.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/gegen_Handys-e1447588094524-225x300.jpg\" alt=\"gegen_Handys\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5222\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/gegen_Handys-e1447588094524-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/gegen_Handys-e1447588094524-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/gegen_Handys-e1447588094524-900x1200.jpg 900w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/gegen_Handys-e1447588094524.jpg 1224w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a> Wir haben 15 Urteile gefunden und anschlie\u00dfend die damit verbundenen Gef\u00fchle identifiziert. Dann haben wir den Gef\u00fchlen die (unerf\u00fcllten) Bed\u00fcrfnisse zugeordnet. Ihr seht, es gab ein Bed\u00fcrfnis nach &#8222;Hirn&#8220;, was bisher auch in keiner offiziellen Bed\u00fcrfnisliste auftaucht (ein bisschen Spa\u00df muss sein, wir haben es als Wachstum und Wirksamkeit \u00fcbersetzt). Eine Teilnehmerin erz\u00e4hlte von einem Erlebnis mit einer Handy-Nutzerin. Diese habe st\u00e4ndig WhatsApp benutzt. Auf die R\u00fcckfrage, ob das jetzt nicht mal f\u00fcr eine Stunde ausbleiben k\u00f6nne, sagte die Nutzerin: &#8222;Nein, wenn ich nicht sofort antworte, ist meine Freundin b\u00f6se.&#8220;<\/p>\n<p>Holla! Die Handy-Nutzerin hat also ein Bed\u00fcrfnis nach Schutz und Verbindung. Und dabei geht die Verbindung zu der Person fl\u00f6ten, der sie gegen\u00fcber sitzt. Und das wiederum erf\u00fcllt beim Gegen\u00fcber nicht die Bed\u00fcrfnisse nach Respekt, Gesehen werden, Pr\u00e4senz und so weiter. Ich finde es auch schwierig, mit jemandem die Verbindung halten zu wollen, der st\u00e4ndig mit jemand anderem tickert. Im Unterricht hat mich das wirklich angestrengt und frustriert. Es war kaum m\u00f6glich, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auch nur f\u00fcr 15 Minuten auf ein bestimmtes Thema zu lenken. Ein Piep und schon kam der Griff zum Smartphone, gern noch verbunden mit der Aussage, \u201edas ist wichtig\u201c. <\/p>\n<p>Gestern hatte ich die Freude, bei der Aufzeichnung einer <a href=\"https:\/\/www.ted.com\/about\/programs-initiatives\/tedx-program\" target=\"_blank\">TEDx-Sendung<\/a> dabei zu sein. Einer der Gastredner war Alex Strauss von der <a href=\"http:\/\/clownsohnegrenzen.org.w0135cb5.kasserver.com\/\" target=\"_blank\">Organisiation &#8222;Clowns ohne Grenzen&#8220;<\/a>. Er erz\u00e4hlte von einem Workshop in den Slums von Mumbai und dass es nicht m\u00f6glich war, die Kinder &#8222;einzufangen&#8220;. Frustriert und verwirrt h\u00e4tten sie den Kontakt zu den Sozialarbeitern gesucht und von ihnen den Rat bekommen: &#8222;Shout at them&#8220;. Anschreien als Rezept f\u00fcr Verbindung? Es funktionierte, und die Kinder konnten schlie\u00dflich einem 40-min\u00fctigen Workshop folgen. Strauss erz\u00e4hlte, welche Eigenschaften den Kindern auf der Stra\u00dfe verloren gehen (weil es das \u00dcberleben nicht f\u00f6rdert) und dass deshalb Geschichten \u00fcber gutes\/h\u00f6fliches Benehmen und Geschichten \u00fcber Vertrauen in \u00c4ltere (Hierarchien) besonders wichtig seien. Das hat mich sehr ber\u00fchrt. Viele der jungen Teilnehmer, mit denen ich zu tun hatte, waren \u00dcberlebensk\u00e4mpfende. Sie kamen aus dysfunktionalen Familien, Unterst\u00fctzung fanden sie in der Peergroup, unter ihresgleichen. Was schert mich das Geschw\u00e4tz der DozentInnen? <\/p>\n<p>Was braucht es, damit unser Gegen\u00fcber wieder Pr\u00e4senz erf\u00e4hrt statt des Handys? Vor 20 Jahren hatte fast kein Mensch ein Handy. Als ich 2001 auf einer Pressekonferenz der Telekom vom Mobilen Internet h\u00f6rte, habe ich mich scheckig gelacht. Meine Friseurin sollte auf ihrem Handy nachgucken, ob in der Weinbar um die Ecke noch ein Pl\u00e4tzchen frei ist? Heute ist die Handynutzung vieler Menschen noch intensiver als sich das die Experten 2001 haben tr\u00e4umen lassen. Und unsere Verbindung bleibt auf der Strecke. <\/p>\n<p>Vielleicht sind wir ja doch auf dem evolution\u00e4ren Pfad zum Smombie. Wie gut, dass ich kein WhatsApp installiert habe. Ich glaube, es w\u00fcrde meine Sehnsucht nach Verbindung, Gemeinschaft, Gesehen werden und Pr\u00e4senz nicht erf\u00fcllen. Es tut nur so. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Da rieb ich mir verdutzt die Augen. Donnerstag haben wir in der \u00dcbungsgruppe das Thema &#8222;st\u00e4ndig greift mein Gegen\u00fcber zum Handy&#8220; behandelt. 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