{"id":5112,"date":"2015-01-26T13:46:42","date_gmt":"2015-01-26T12:46:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5112"},"modified":"2015-01-26T13:51:21","modified_gmt":"2015-01-26T12:51:21","slug":"sucht-und-gfk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5112","title":{"rendered":"Sucht und GFK"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<\/p>\n<p>\u00dcber den TrainerInnen-Rundbrief des CNVC wurde ich auf einen <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.com\/johann-hari\/the-real-cause-of-addicti_b_6506936.html\">Artikel<\/a> aufmerksam, der mich geradezu elektrisiert hat. Darin beschreibt der Autor Johann Hari die wahren Ursachen von Sucht. Eines der Beispiele, die Hari auseinander nimmt, sind die Forschungen von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rat_Park\">Prof. Alexander<\/a>. Seit einigen Jahrzehnten gibt es ein klassisches Experiment mit Ratten. Sie werden allein in einen K\u00e4fig gesetzt und haben wahlweise Wasser oder heroin versetztes Wasser zum Trinken. Die einsamen Ratten besaufen sich am Heroin versetzten Wasser. Das galt als Indiz daf\u00fcr, dass Heroin s\u00fcchtig macht. Alexander hat nun an Ratten nachgewiesen, dass selbst welche, die wochenlang nur Heroinwasser zu sich genommen hatten, normales Wasser bevorzugten, wenn sie wieder in r\u00e4ttischer Gesellschaft waren. Sobald also ihre Einsamkeit aufh\u00f6rte und sie mit anderen Ratten zusammen ein rattengem\u00e4\u00dfes Leben f\u00fchren konnten, interessierte sie die Droge nicht mehr.<br \/>\nHari f\u00fchrt noch diverse andere Beispiele an: US-Soldaten, die massenweise im Vietnam-Krieg Drogen konsumiert haben, aber nicht 100 Prozent von ihnen haben damit in der Heimat weiter gemacht, sondern nur rund 17 Prozent. Patienten, die wegen starker Schmerzen aus medizinischen Gr\u00fcnden Opiate bekamen, die dann sp\u00e4ter abgesetzt wurden, endeten nicht als Junkies in der Gosse, sondern lebten ganz normal ohne Drogen weiter&#8230;<br \/>\nWas also macht uns anf\u00e4llig f\u00fcr Drogen? Und ich meine hier nicht (nur) Heroin oder Kokain, sondern genau so Alkohol, Spielen, Sexsucht, S\u00fc\u00dfigkeiten oder allgemein Fresssucht. Im Artikel hei\u00dft es dazu: <\/p>\n<blockquote><p>The street-addict is like the rats in the first cage, isolated, alone, with only one source of solace to turn to. The medical patient is like the rats in the second cage. She is going home to a life where she is surrounded by the people she loves. The drug is the same, but the environment is different.<\/p>\n<p>This gives us an insight that goes much deeper than the need to understand addicts. Professor Peter Cohen argues that human beings have a deep need to bond and form connections. It&#8217;s how we get our satisfaction. If we can&#8217;t connect with each other, we will connect with anything we can find &#8212; the whirr of a roulette wheel or the prick of a syringe. He says we should stop talking about &#8218;addiction&#8216; altogether, and instead call it &#8218;bonding.&#8216; A heroin addict has bonded with heroin because she couldn&#8217;t bond as fully with anything else. <\/p><\/blockquote>\n<p>Wir bonden also mit der Droge, weil wir nicht (so) vollkommen mit anderen Menschen bonden k\u00f6nnen.<br \/>\nIch bin nicht sicher, ob jedem von Euch der Begriff Bonding so zug\u00e4nglich ist. Die Bonding Psychotherapie wurde von Dan Casriel begr\u00fcndet und soll dazu dienen, alte hinderliche Glaubenss\u00e4tze und\/oder Gef\u00fchle zu transformieren. Hort der Bonding-Psychotherapie in Deutschland sind die 12-Schritte-Kliniken Bad Herrenalb, Bad Gr\u00f6nenbach, Hochgrat-Klinik Stiefenhofen (Wolfsried) und Adula-Klinik Oberstdorf. In den Bonding-Gruppen findet also Bindung, Verbindung statt. Mein Gegen\u00fcber im Bonding-Prozess h\u00e4lt mich aus, bleibt mit seiner Pr\u00e4senz bei mir, w\u00e4hrend ich eventuell mit lautem Schreien o.\u00e4. versch\u00fcttete Themen bearbeite. So gesehen ein sehr GFK-kompatibles Konzept. (Unter Umst\u00e4nden nicht f\u00fcr Trauma-Patienten geeignet). <\/p>\n<p>Also: Johann Hari stellt die These auf, dass wir mit der Droge bonden, eine Verbindung eingehen, weil uns die echte Bindung zu unseren Artgenossen fehlt. Schade, dass es unter Menschen nicht so leicht ist, in Gemeinschaft zu leben, wie es f\u00fcr Ratten zu sein scheint. Viele von uns bringen ein P\u00e4ckchen (aus der Herkunftsfamilie oder traumatischen Erlebnissen) mit, die es uns so schwer machen, in Verbindung zu kommen. Und unsere urteilende Welt, die Unf\u00e4higkeit vieler Menschen, einfach nur zuzuh\u00f6ren oder wiederzugeben, was sie geh\u00f6rt haben, erschwert das noch zus\u00e4tzlich. Wenn wir selber (dank 22000 Stunden elterlicher Erziehung) gnadenlose Richter als Introjekte haben, dann erwarten wir nat\u00fcrlich (unbewusst) auch von au\u00dfen Kritik und Tadel. Wer f\u00fchlt sich da noch ermutigt, jemand anderes anzurufen und zu sagen, du, ich h\u00e4nge durch. Hast du eine halbe Stunde Zeit f\u00fcr mich? A.) Ohne GFK merken wir vielleicht gar nicht, wie es uns geht, weil wir uns unserer Gef\u00fchle \u00fcberhaupt nicht bewusst sind. Und B.) liegt die Tafel Schokolade n\u00e4her als der Telefonh\u00f6rer.  Und ich laufe nicht Gefahr, mir eine Abfuhr abzuholen. <\/p>\n<p>Vor ein paar Jahren h\u00f6rte ich in einem therapeutischen Umfeld eine Geschichte, die mich bis heute tief ber\u00fchrt. Eine Frau berichtete aus ihrer Kindheit. Sie war vielleicht zwei oder drei Jahre alt und ihre Mutter stand am B\u00fcgelbrett. Das Kind krabbelte hin zur Mutter und begann ihr Bein zu streicheln. Die Mutter machte eine absch\u00fcttelnde Bewegung mit dem Bein und sagte dann mit scharfer Stimme, &#8222;lass das, ich bin doch keine Katze!&#8220;.<br \/>\nIch glaube, das Kind hatte ein Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he, oder nach Verbindung, oder Gesehen werden, oder Beteiligung. Ich will nicht abstreiten, dass die Mutter ebenfalls wunderbare Bed\u00fcrfnisse hatte, die sie dazu bewegten, sich so zu verhalten, wie sie es tat. Aber wenn wir als sehr junge Menschen oder eben auch in der Partnerschaft solche Erlebnisse haben, ist es doch kein Wunder, wenn wir uns anderen Menschen nicht &#8222;zumuten&#8220;. Es ist doch kein Wunder, wenn wir den K\u00fchlschrank pl\u00fcndern, statt in die Arme unseres N\u00e4chsten zu sinken.<br \/>\nDie Geschichte fiel mir gestern Abend wieder ein, als ich sanft den Arm meiner Mutter streichelte. Fast erwartete ich, dass sie meine Hand weg schubste. &#8222;Olle Klette&#8220; sagte sie in der Kindheit zu mir und das war durchaus nicht freundlich gemeint.<br \/>\nUnd jetzt der Salto in die GFK.<br \/>\nWenn ich in dem Bewusstsein lebe, dass mindestens einer von sechs Milliarden Erdlingen mit Freude meine Bitte erf\u00fcllt, dann kann ich vielleicht die Schokolade liegen lassen und mich statt dessen auf die Suche nach diesem einen machen. Einen Hinweis finde ich vielleicht in meinem Telefonbuch, der Facebook-Freundesliste oder unter den Weihnachtskarten, die irgendwo noch in der K\u00fcche liegen. Freitag vor einer Woche war es Michael aus UK, der mir seine Pr\u00e4senz schenkte. heute habe ich das gleiche bei meiner Schweizer Trainer-Kollegin Sylvie genossen. Es braucht also zum einen die Gewissheit, dass ich willkommen bin. Und zum zweiten braucht es die Erkenntnis, was ich gerade brauche. Und drittens braucht es &#8222;Beine&#8220;, um auf den- oder diejenige zuzugehen, der oder die mir dieses Bed\u00fcrfnis vielleicht erf\u00fcllen k\u00f6nnte. Und daf\u00fcr ist es hilfreich, eine klare Bitte zu formulieren. Kannst du mir zehn Minuten ungebremst zuh\u00f6ren? Kannst du mich ein paar Minuten halten? Kann ich mal f\u00fcr eine halbe Stunde in deinem  Arm liegen? W\u00e4re es dir m\u00f6glich, mir kurz die Schultern zu massieren? Ich trage gerade das Gewicht der Welt&#8230; <\/p>\n<p>So kann&#8217;s gehen, wenn wir mithilfe der GFK uns selbst besser kennen, Bitten formulieren und ein Nein h\u00f6ren k\u00f6nnen, ohne dass Selbstzweifel an unserer Liebensw\u00fcrdigkeit getriggert werden. Es ist lohnenswert, sich auf die Gewaltfreie Kommunikation einzulassen&#8230; <\/p>\n<p>So long!<br \/>\nYsabelle <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! \u00dcber den TrainerInnen-Rundbrief des CNVC wurde ich auf einen Artikel aufmerksam, der mich geradezu elektrisiert hat. Darin beschreibt der Autor Johann Hari die wahren Ursachen von Sucht. Eines der Beispiele, die Hari auseinander nimmt, sind die Forschungen von Prof. Alexander. Seit einigen Jahrzehnten gibt es ein klassisches Experiment mit Ratten. 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