{"id":5038,"date":"2014-11-29T12:34:05","date_gmt":"2014-11-29T11:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5038"},"modified":"2014-11-29T12:38:09","modified_gmt":"2014-11-29T11:38:09","slug":"alte-gespenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=5038","title":{"rendered":"Alte Gespenster"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nDie Tage verstreichen und hier im Blog geschieht nichts. Das l\u00f6st eine Kaskade unangenehmer Gef\u00fchle aus, an Bed\u00fcrfnissen erkenne ich mit Leichtigkeit Sicherheit (f\u00fcr meine Leser, da kommt was) und Verbindung. Dahinter liegt sicher noch mehr, aber ich belasse es dabei. Wer mehr dar\u00fcber wissen m\u00f6chte, warum ich in den vergangenen Wochen nicht in Sachen Giraffenohren unterwegs war, findet Infos dazu <a href=\"http:\/\/empathischezeit.com\" target=\"_blank\">hier<\/a>. <\/p>\n<p>Vorgestern hatte ich ein an sich banales Erlebnis, das mich noch immer sch\u00fcttelt.<br \/>\nMorgens hatte eine Teilnehmerin unseres Projektes an meine Kollegin eine &#8222;Bitte&#8220; gestellt. Meine Kollegin sagte sinngem\u00e4\u00df, \u201eich habe dich geh\u00f6rt. Als n\u00e4chstes spreche ich noch einmal mit Dozentin XY dar\u00fcber, was sie dazu meint. Grunds\u00e4tzlich denke ich, da gestern das und das passiert ist, ist das, was du gerade m\u00f6chtest, nicht dran. Ich halte dich auf dem Laufenden.&#8220;<\/p>\n<p>Ich war total entz\u00fcckt von der Antwort. Ich habe f\u00fcr so etwas einfach keine Textbausteine.<br \/>\nZwei Stunden sp\u00e4ter, ich erl\u00e4uterte gerade an der Flipchart das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eisenhower-Prinzip\">Eisenhower-Prinzip<\/a>, \u00e4u\u00dferte ein Teilnehmer seinen Unmut \u00fcber die Inhalte des Unterrichts. Er wolle jetzt Bewerbungen schreiben. JETZT. Und deshalb w\u00fcrde er jetzt nach Hause gehen. Er kramte auf dem Tisch herum, suchte Unterlagen. \u201eWo ist meine Bewerbung?\u201c. Ich wies darauf hin, dass er sie mir morgens gegeben hatte und sie in meinem B\u00fcro eingeschlossen hatte. \u201eGeben Sie mir die jetzt raus?\u201c Der Ton war laut und in meinen Ohren scharf. Ich sp\u00fcrte, wie ich den B\u00fcroschl\u00fcssel aus der Hosentasche zog und erinnerte mich an die Szene morgens mit meiner Kollegin. Und ich merkte, nein, das passt so nicht f\u00fcr mich. Das Beste, was ich gerade noch rauskriegte, war, \u201eich habe hier acht Leute im Unterricht sitzen, dann muss das warten, bis wir hier Pause haben.\u201c<\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr 15 Minuten sp\u00e4ter war Pause. Der Teilnehmer, der zwischenzeitlich den Raum verlassen hatte, wartete vor der T\u00fcr. Er war noch immer sehr aufgebracht (gesehen geh\u00f6rt werden, Wertsch\u00e4tzung, to matter), er nahm seine Bewerbung und verschwand.<br \/>\n&#8230; Empathie w\u00e4re sicher eine coole Reaktion gewesen, aber ich hatte gerade keine. Ich war vollauf damit besch\u00e4ftigt festzustellen, was in mir los war. Und das war eine ganze Menge.<br \/>\nInzwischen habe ich herausgefunden, dass ich es hier mit einem uralten Muster\/Glaubenssatz zu tun habe. Und \u00fcber den bin ich schon h\u00e4ufiger im letzten Vierteljahr gestolpert. Er setzt sich vermutlich aus mehreren Kommandos zusammen und ich  bin tiefenersch\u00fcttert zu erkennen, dass ich noch immer so unreflektiert alten Programmierungen folge.<br \/>\nEine Programmierung lautet anscheinend: <strong>Tu was man dir sagt.<\/strong><br \/>\nUnd da sagt jemand, <em>gib mir meine Bewerbung<\/em> und mein erster Impuls ist, ich setze mich in Bewegung, um genau das zu tun. Da setzt kein Nachdenken ein, da ist keine Reflexion, will ich das? &#8211; Na ja, diesmal schon! Aber in meinem Alltag ist das oft nicht der Fall, und mit Sicherheit war das auch nicht der Fall, als ich versucht habe, mein Kind zu erziehen.<br \/>\nDie zweite Programmierung lautet: <strong>Was dein Gegen\u00fcber will, hat eine h\u00f6here Priorit\u00e4t als das, was du selbst willst.<br \/>\n<\/strong> Diese Erfahrung habe ich auf dem IIT in Birmingham gemacht. Jemand stellte eine Bitte und das, was ich gerade geplant hatte, verblasste, schien auf einmal nicht mehr wichtig.<br \/>\nDar\u00fcber scheint es ein Haupt-Kommando zu geben, das ich mit den Buchtitel von Alice Miller gut beschrieben finde: <strong>Du sollst nicht merken. <\/strong> Sp\u00fcr gar nicht erst, wie es dir geht. Mach einfach, was ich dir sage. Deine Meinung spielt sowieso keine Rolle.<br \/>\nGerade gruselt es mich, denn ich finde diese Art von Umgang mit einem Menschen &#8211; und sei es &#8211; ich mit mir &#8211; erschreckend, be\u00e4ngstigend und frustrierend. Die Botschaft ist, der andere sagt, wo es lang geht. Der andere ist wichtiger als ich. Was ich will, tut nichts zur Sache. Deins ist, was du siehst, wenn du die Augen zu machst. Nichts. Und es gibt kein Aufbegehren, nicht einmal eine bewusste Unterwerfung. Ich funktioniere einfach auf diese Weise. Da kommt ein Impuls von au\u00dfen und ich setze mich wie ferngesteuert in Bewegung.<br \/>\nHerausforderung f\u00fcr die kommenden Wochen soll daher sein, meine Selbstverbindung zu st\u00e4rken. Wie geht es mir, wenn ich etwas h\u00f6re? Was l\u00f6st es in mir aus? Ich m\u00f6chte mich beobachten ohne mich zu bewerten. <\/p>\n<p>Ach ja&#8230; und am Montag ist der 1. Dezember. Wie es schon gute Tradition ist, will ich den Dezember wieder zum Dankbarkeitsmonat erkl\u00e4ren und versuchen, m\u00f6glichst h\u00e4ufig hier zu beschreiben, wof\u00fcr ich gerade dankbar bin. <\/p>\n<p>In diesem Augenblick bin ich daf\u00fcr dankbar, dass es bei mir zu Hause gem\u00fctlich warm ist. Ich konnte eben beim Einkaufen meinen Korb voll packen, ohne Angst zu haben, dass das Geld nicht reicht. Ich bin dankbar f\u00fcr meine Fortschritte in der GFK, denn eine Begegnung im Supermarkt konnte ich voller Wertsch\u00e4tzung feiern, obwohl ich vorher noch einen Wolf am Start hatte. Ich bin dankbar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, die ich in den vergangenen Wochen erfahren habe. Ich habe ein gutes Leben! <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Die Tage verstreichen und hier im Blog geschieht nichts. Das l\u00f6st eine Kaskade unangenehmer Gef\u00fchle aus, an Bed\u00fcrfnissen erkenne ich mit Leichtigkeit Sicherheit (f\u00fcr meine Leser, da kommt was) und Verbindung. Dahinter liegt sicher noch mehr, aber ich belasse es dabei. 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