{"id":4510,"date":"2013-04-27T09:31:58","date_gmt":"2013-04-27T07:31:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4510"},"modified":"2013-04-27T09:31:58","modified_gmt":"2013-04-27T07:31:58","slug":"werde-ich-bewertet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4510","title":{"rendered":"Werde ich bewertet&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nGestern kam es zu einem sehr speziellen Wiedersehen. 1996 hatte ich einen Mann kennen gelernt, der bei mir s\u00e4mtliche Kn\u00f6pfe gedr\u00fcckt hat. Schon beim allerersten Kontakt dachte es in mir &#8222;den nehme ich!&#8220;. Wir waren nur drei Monate zusammen, aber der Impact dieser Verbindung beeinflusste mich noch bis zum Beginn meiner GfK-Karriere, als ich begann, nach meinen Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen zu schauen. Der Mann schien damals all meine Bed\u00fcrfnisse nach Schutz, Geborgenheit, Verbindung, Ordnung, Wertsch\u00e4tzung, Spa\u00df und Beitragen zu erf\u00fcllen. Ich konnte sehen &#8211; aber nicht merken &#8211; dass das Verh\u00e4ltnis zu seiner Noch-Ehefrau gar nicht gekl\u00e4rt war, und dass es noch eine weitere Frau in seinem Leben gab, die praktischerweise nur zur Hintert\u00fcr hinaus wohnte. In meiner Erinnerung entglitt mir der Mann im Zeitlupentempo, wie ein gro\u00dfer Fisch, den man kaum in zwei H\u00e4nden halten konnte. Nicht dass er so zappelte, er rutschte einfach weg. Bei zwei Gelegenheiten habe ich in wieder &#8222;\u00fcber die Kante gezogen&#8220;, ihn mir also zur\u00fcckgeholt. Als sich eine solche Situation zum dritten Mal wiederholte, habe ich die Entscheidung getroffen, nicht wieder hin zu fahren, zu reden, zu k\u00e4mpfen. Denn an dem Tag, an dem er mir meinen Hausschl\u00fcssel zur\u00fcckschickte, traf auch ein Buch bei mir ein. Louise Hay: Wahre Kraft kommt von innen. Das war am 9. Oktober 1996, und damit eigentlich der Beginn meines pers\u00f6nlichen Erwachens.<br \/>\nGestern nun stand er vor meiner Haust\u00fcr. Es war ein angek\u00fcndigtes Wiedersehen. Wir hatten im vergangenen halben Jahr mehrmals telefoniert, denn er hatte die Absicht bekundet, in &#8222;meine&#8220; Stadt zu ziehen. Ich kann heute noch erkennen, was mich damals so an ihm fasziniert hat, warum ich dieser Beziehung so lange nachgeblickt habe, warum sie in meinem Leben so eine Bedeutung hatte &#8211; ungeachtet der K\u00fcrze der Zeit, die wir in der Realit\u00e4t miteinander verbracht haben. <\/p>\n<p>Er guckte durchs Haus, fand alle Um- und Ausbauten &#8222;toll&#8220; und &#8222;super&#8220;. Als wir anschlie\u00dfend ein paar Meter gemeinsam gingen, sagte er mehrmals, &#8222;du bist eine tolle Frau&#8220;. Beim dritten Mal h\u00e4tte ich ihn fast geschlagen. Leute, ich kann es nicht mehr ertragen, auf diese Weise bewertet zu werden! <\/p>\n<p>Vor zehn Jahren w\u00e4re es mir vielleicht einfach peinlich gewesen. Ich kann doch nicht toll sein, wovon redet der? Heute werden andere Glocken bei mir angeschlagen. Ich muss mich geradezu dazu zwingen, die sch\u00f6nen Absichten im anderen wertzusch\u00e4tzen. Denn in mir gibt es eben auch die Erfahrung, dass heute etwas &#8222;toll&#8220; ist und morgen &#8222;Schei\u00dfe&#8220;. Mein fr\u00fcherer Chef war Experte darin. Dann flitzte er durch die B\u00fcror\u00e4ume (zweimal j\u00e4hrlich, vermutlich nach einem Seminar), und rief den verdutzten Leuten zu: &#8222;Ihr seid eine tolle Mannschaft!&#8220;. Und drei Tage sp\u00e4ter fand er einen Fehler oder entdeckte etwas, was nicht seinen Vorstellungen entsprach (nicht, dass er die Vorstellungen vorher pr\u00e4zisiert hatte&#8230;), und dann waren wir alle nur unf\u00e4hige Idioten, unter denen man mal aufr\u00e4umen musste&#8230; <\/p>\n<p>Sehr nett auch mein letzter Ehemann, der mir \u00fcber viele Jahre sagte: &#8222;Ungeschminkt finde ich dich am sch\u00f6nsten&#8220;. Seine n\u00e4chste Ehefrau war Kosmetikerin, ich dachte manchmal, die kann ihr Gesicht abends auch auf den Nachttisch legen, so k\u00fcnstlich wirkte sie auf mich&#8230; <\/p>\n<p>Ich will nicht mehr bewertet werden, nicht mehr nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben. Offensichtlich bin ich mit dem Thema noch nicht durch, sonst w\u00fcrde mich ein nett gemeintes Kompliment nicht derma\u00dfen in Wallung bringen. Gestern war die Zeit zu knapp, um den Mann zu fragen, ob er benennen kann, in welcher Weise ich gerade sein Leben bereichere. Seine Aussage, &#8222;das musst du jetzt gerade mal aushalten&#8220;, l\u00f6ste in mir nur noch mehr inneren Widerstand aus. Ich muss hier gar nichts aushalten! Leute&#8230; es klingelt bei mir&#8230; warum triggert mich das so?<br \/>\nVertrauen.<br \/>\nIch merke gerade, dass ich auf die Aussage \u00fcberhaupt nicht vertraue. Unter meiner Wut und Emp\u00f6rung finde ich Trauer, Schmerz, Bitterkeit und Einsamkeit. Und meine unerf\u00fcllten Bed\u00fcrfnisse sind neben Vertrauen \u201eGesehen werden\u201c, Achtsamkeit, so etwas wie &#8222;Stille&#8220;, Verbindung und Schutz.<br \/>\nNa, es ist doch immer wieder spannend, bei sich selbst zu gucken, statt mit dem Finger auf den anderen zu zeigen&#8230; <\/p>\n<p>So long!<br \/>\nYsabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Gestern kam es zu einem sehr speziellen Wiedersehen. 1996 hatte ich einen Mann kennen gelernt, der bei mir s\u00e4mtliche Kn\u00f6pfe gedr\u00fcckt hat. 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