{"id":4458,"date":"2013-04-09T20:51:28","date_gmt":"2013-04-09T18:51:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4458"},"modified":"2013-04-09T20:54:53","modified_gmt":"2013-04-09T18:54:53","slug":"die-unausgesprochenen-worte-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4458","title":{"rendered":"Die unausgesprochenen Worte (2)"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nAuf meiner Seminarmitschrift vom Workshop mit Arnina Kashtan am vergangenen Wochenende findet sich der grandiose Satz: <strong>Wer w\u00e4rest du ohne diese deine Geschichte?<\/strong><br \/>\nDas erste Mal bin ich \u00fcber diese Frage durch Eckart Tolle gestolpert. Der erz\u00e4hlt auf einer CD von einer Frau, die immer \u00fcber ihren schrecklichen Mann klagte. Ihr ganzes Sein rankte sich nur darum, wie schlecht er sie behandelte. Irgendwann fragte Tolle die Frau, wie es w\u00e4re, diese Geschichte aufzugeben und sie antwortete nach einigem Nachdenken: Aber wer bin ich dann?<br \/>\nEs geht also darum zu erkennen, welche Geschichten wir uns selbst erz\u00e4hlen. Das Tragische ist, dass wir oft selbst nicht wissen, was wir uns erz\u00e4hlen. Einigen meiner Geschichten bin ich inzwischen auf die Spur gekommen. Auswahl gef\u00e4llig?<\/p>\n<ul>\n<li>Selbstst\u00e4ndig arbeiten ist kompliziert.<\/li>\n<li>Ich kann keine Auftr\u00e4ge akquirieren.<\/li>\n<li>Ich bin zu doof, die Rechtslage f\u00fcr Selbstst\u00e4ndige zu verstehen.<\/li>\n<li>Meine Mutter wird mich nie so verstehen, wie ich es wirklich brauche.<\/li>\n<li>Bei Schnee und Eis kann ich nicht Auto fahren.<\/li>\n<li>Ich schlafe nur ein, wenn ich vorher noch gelesen\/einen Film auf Arte gesehen\/einen Artikel auf &#8222;Spiegel online&#8220; konsumiert habe.<\/li>\n<li>Die Einkommenssteuer kann nur ein Steuerberater verstehen und f\u00fcr mich ausf\u00fcllen.<\/li>\n<li>Ich kann nicht mit der Bohrmaschine umgehen.<\/li>\n<li>Ich kann nicht zeichnen (stimmt!)<\/li>\n<li>Ich kann nicht schreiben (stimmt nicht, denke ich trotzdem oft).<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<br \/>\nIhr merkt schon, worum es geht: \u00dcberzeugungen, die wir von uns selber haben. Vor ein paar Jahren, ich hatte noch meinen alten Polo, nahm ich an einem Verkehrssicherheitstraining teil. Ich selber hatte den Eindruck, ich k\u00f6nne \u00fcberhaupt nicht angemessen mit dem Auto umgehen. Der Fahrtrainer meinte allerdings, ich w\u00fcrde exzellent reagieren und w\u00e4re mit meinem Altauto viel besser davor als die Kollegen, die sich alle auf ESP und ABS und sonst was f\u00fcr technische Unterst\u00fctzung verlie\u00dfen. <\/p>\n<p>Ich glaube also etwas \u00fcber mich, und das f\u00fchrt dazu, dass ich bestimmte Dinge nicht mache, mir nichts zutraue, mich vielleicht \u00fcbersch\u00e4tze. <strong>Und wenn wir einen Glauben (s-Satz) haben, findet das Gehirn daf\u00fcr Beweise.<\/strong> Auch das ist ein Satz aus dem Seminar von Arnina. Zum Beispiel gibt es in mir den aus meiner Kindheit \u00fcbernommenen und dann abgewandelten Glaubenssatz, meine jeweiligen Ausbildungstrainer w\u00fcrden mich nur akzeptieren, wenn ich mich in bestimmter Weise verhalte. Mein Gehirn wird daf\u00fcr Beweise finden, wenn ich den Suchmodus aktiviere. Aber mal gfk-like gefragt: Was ist die Beobachtung dazu?<br \/>\nDie Beobachtung ist, dass ich in vorauseilendem Gehorsam meine Lebendigkeit unterdr\u00fccke, weil ich bef\u00fcrchte, wenn ich so bin, wie ich bin, dann w\u00fcrde ich abgelehnt werden. Das kenne ich n\u00e4mlich aus meiner Ursprungsfamilie: Sei nicht so wie du bist. Also versuche ich mich so zu verhalten, wie ich denke, dass mich die Trainer wollen.<br \/>\nDas hat gar nichts mit einer bewussten Angst vor Autorit\u00e4ten zu tun. Wenn ich bewusst dr\u00fcber nachdenke, was da los ist und wie es mir damit geht, merke ich, dass mir meine Authentizit\u00e4t total wichtig ist. Und gleichzeitig geht es mir auch um Respekt f\u00fcr den Stil des anderen, um Anerkennung der Erfahrung. Immer und immer sind wir hierarchisch organisiert, Lehrer, Sch\u00fcler, Vorgesetzte und Untergebene, Auftraggeber und Auftragnehmer, M\u00e4chtige und Ohnm\u00e4chtige. ich kann gar nicht erkennen, wo wir eine Kultur der Augenh\u00f6he und der Gleichwertigkeit haben. Und das geht weit \u00fcber Gleichstellung der Frau oder \u00e4hnliches Ged\u00f6ns hinaus. Mir geht es auch um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern oder Experten und Laien. Augenh\u00f6he ist anscheinend mein Wort des Jahres 2013.  Augenh\u00f6he&#8230; vielleicht kann ich es mir einfach noch \u00f6fter ins Bewusstsein rufen&#8230; <\/p>\n<p>Ich w\u00e4re neugierig, auch etwas \u00fcber die Geschichten zu erfahren, die Ihr Euch erz\u00e4hlt. Ein Freund berichtete gestern, eine seiner Geschichten laute: Ich muss alles tun, um andere zufrieden zu stellen, damit sie mich lieb haben und mich nicht anschreien&#8230; <\/p>\n<p>Der Freund ist 61 Jahre alt. Ist das nicht schrecklich, erst auf intensives Nachfragen dahinter zu kommen, welche Geschichten uns steuern? Seit \u00fcber 60 Jahren&#8230;? <\/p>\n<p>So long!<br \/>\nYsabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Auf meiner Seminarmitschrift vom Workshop mit Arnina Kashtan am vergangenen Wochenende findet sich der grandiose Satz: Wer w\u00e4rest du ohne diese deine Geschichte? Das erste Mal bin ich \u00fcber diese Frage durch Eckart Tolle gestolpert. Der erz\u00e4hlt auf einer CD von einer Frau, die immer \u00fcber ihren schrecklichen Mann klagte. 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