{"id":4432,"date":"2013-03-19T11:08:43","date_gmt":"2013-03-19T10:08:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4432"},"modified":"2013-03-19T11:11:34","modified_gmt":"2013-03-19T10:11:34","slug":"hinter-jeder-sucht-stecke-eine-sehnsucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4432","title":{"rendered":"Hinter jeder Sucht stecke eine Sehnsucht"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Ein Buch mit eben diesem Titel steht bei mir im Seminarraum im Regal. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich es gelesen habe, aber es ist noch immer aktuell. <\/p>\n<p>Zurzeit habe ich einen kleinen Hund in Pflege. Wenn er seine Ohren spielen l\u00e4sst, k\u00f6nnte ich dahin schmelzen. <a href=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Kleiner_Hund.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Kleiner_Hund-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Kleiner_Hund\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4433\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Kleiner_Hund-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Kleiner_Hund.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a> Er ist freundlich, vertr\u00e4gt sich mit den Katzen und genie\u00dft Spazierg\u00e4nge um den Hafen. Ein Teil von mir begr\u00fc\u00dft es sehr, dass Wauwi jetzt gerade hier ist, denn so erf\u00fclle ich mir die Bed\u00fcrfnisse nach Struktur, Bewegung und frischer Luft. Und gleichzeitig nehme ich wahr, dass der Hund mich an dem hindert, was ich im Moment viel lieber machen w\u00fcrde: Arbeiten.<br \/>\nAm liebsten w\u00e4re es mir, ich k\u00f6nnte um acht am Schreibtisch sitzen und abends um zehn den Computer schlafen schicken. Meine Katzen sind es gewohnt, dass sie mich hier nicht weg kriegen. Manchmal greifen sie zum \u00c4u\u00dfersten und legen sich auf die Tastatur. Ich mag nicht essen, weil das nur aufh\u00e4lt, und wenn sich dann irgendwann doch der Hunger schneidend meldet, stopfe ich irgendetwas in mich hinein. Blo\u00df keine St\u00f6rung von der Arbeit&#8230;<br \/>\nAAS, die <a href=\"http:\/\/www.arbeitssucht.de\" target=\"_blank\">Anonymen Arbeitss\u00fcchtigen<\/a>, schreiben auf ihrer Seite: <\/p>\n<blockquote><p>Sind dir einige der folgenden Symptome vertraut?<br \/>\n\tDu hast Angst vor der Arbeit und brauchst lange, um endlich anzufangen.<br \/>\n\tDu kannst dich nicht auf die Arbeit konzentrieren und verzettelst dich oft.<br \/>\n\tDu nimmst dir viel zu viel vor und arbeitest bis zur v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung.<br \/>\n\tDu beurteilst dich und deinen Tag fast ausschlie\u00dflich nach der Menge der geleisteten &#8211; mehr noch der nicht geleisteten &#8211; Arbeit.<br \/>\n\tDein Perfektionsanspruch l\u00e4hmt dich oft v\u00f6llig bei der Arbeit.<br \/>\n\tDu weist Kontakte, Einladungen und Unternehmungen mit dem Hinweis auf  &#8222;zuviel Arbeit&#8220; zur\u00fcck.<br \/>\n\tDu kannst zwischen Freizeit und Arbeitszeit nicht trennen und denkst auch in der Freizeit dauernd an die Arbeit (und umgekehrt).<br \/>\n\tDu stehst h\u00e4ufig unter Zeitdruck.<br \/>\n\tDu m\u00f6chtest m\u00f6glichst viel in kurzer Zeit und mit geringem Aufwand erreichen.<br \/>\n\tDu glaubst, &#8222;erst etwas leisten&#8220; zu m\u00fcssen und dir dein Lebensrecht durch Arbeit beweisen zu m\u00fcssen.<br \/>\n\tDu sch\u00e4mst dich deiner Arbeitsschwierigkeiten oder Arbeitssucht und magst mit niemandem dar\u00fcber sprechen.<br \/>\nJeder von uns kennt eines oder mehrere dieser Symptome. Wir versuchen deshalb, unseren Schwierigkeiten gemeinsam zu begegnen und st\u00fctzen uns dabei auf das Zw\u00f6lf-Schritte-Programm der anonymen Selbsthilfegruppen (mit Einverst\u00e4ndnis der AA Grapevine).\n<\/p><\/blockquote>\n<p>ich habe sechs Treffer. Besonders spricht mich an: <\/p>\n<blockquote><p>Du glaubst, &#8222;erst etwas leisten&#8220; zu m\u00fcssen und dir dein Lebensrecht durch Arbeit beweisen zu m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gestern hatte ich mit einer Kollegin eine wundervolle Arbeit. Dabei sind wir auf eine Reise in mein Inneres gegangen und haben dort allerlei Neues erfahren. Unter anderem meldete sich meine Gro\u00dfmutter, um mich zur Arbeit anzutreiben. Und in einem Gespr\u00e4ch mit Simran vor einigen Wochen ist mir noch einmal ganz deutlich geworden, wie kostbar mir Gemeinschaft ist und dass es in mir den Glaubenssatz gibt, ich m\u00fcsse permanent H\u00f6chstleistungen liefern, um dieser Gemeinschaft anzugeh\u00f6ren. Und wenn ich meinen eigenen Anspr\u00fcchen nicht gen\u00fcge, macht das nur wieder neuen Druck&#8230; <\/p>\n<p>In diesen Tagen sitze ich \u00fcber der Vervollst\u00e4ndigung meiner Zertifizierungunterlagen und st\u00f6bere daher intensiv in alten Papierstapeln und Tageb\u00fcchern. Ich kann sehen, dass dieses Muster \u00fcber 30 Jahre alt ist. Nach der Geburt meines Sohnes k\u00e4mpfte ich mit Leistungsanforderungen: Wie muss eine perfekte Mutter sein? Und was bin ich f\u00fcr eine Versagerin, dass ich das nicht hinkriege. Ich habe mich und das Kind mit diesem Druck total wuschig gemacht&#8230; Und es gibt genug andere Beispiele aus den letzten 30 Jahren, die diesen Druck illustrieren. <\/p>\n<p>Heute merke ich die Ver\u00e4nderung, die durch die GfK in mein Leben gekommen ist. Und ich sehe mit Schrecken, wie un-bewusst ich fr\u00fcher mit diesem Druck umgegangen bin. Ich hatte gar keine M\u00f6glichkeit, ihn anzuschauen, zu pr\u00fcfen, <em>wie m\u00f6chte ich denn gern damit umgehen?<\/em> Heute stelle ich fest: Boah&#8230; da ist Druck! Und dann versuche ich herauszufinden, welches wunderbare Bed\u00fcrfnis da gerade befriedigt werden m\u00f6chte. Immer wieder sto\u00dfe ich dabei auf meine Sehnsucht nach Zugeh\u00f6rigkeit und Gemeinschaft. Manchmal ist es auch so, dass ich durch die Arbeit einfach in Flow komme und es genie\u00dfe. Und das ist auch in Ordnung. Was ich \u00e4ndern m\u00f6chte, ist dieser Druck zu arbeiten. Ich m\u00f6chte freiwillig und freudig arbeiten, vor allem aber auch Pausen machen oder mit guten Gewissen entscheiden: Das mache ich nicht, und das ist auch ok so&#8230;<br \/>\nEin Lernfeld! Und gleichzeitig bin ich dankbar f\u00fcr die Bewusstheit, die ich durch das allt\u00e4gliche Praktizieren der GfK entwickeln durfte. Wenigstens merke ich jetzt, was los ist&#8230;<br \/>\nUnd da sitzt ein kleiner Hund im Sessel und dreht die Ohren wie Radarsch\u00fcsseln. Ich glaube, er w\u00fcrde es genie\u00dfen, jetzt eine Runde zu laufen. Scheint eine gute Idee zu sein. Und hinterher vervollst\u00e4ndige ich die Texte f\u00fcrs Handout vom Hamburger Institut f\u00fcr Gewaltfreie Kommunikation, das allm\u00e4hlich Fahrt aufnimmt. Und dann geht es wieder an die Schl\u00fcsselunterscheidungen. Habt Ihr eine Vorstellung, was eine idiomatische Giraffe ist? Ich halte Euch auf dem Laufenden \ud83d\ude09<\/p>\n<p>So long!<\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Ein Buch mit eben diesem Titel steht bei mir im Seminarraum im Regal. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich es gelesen habe, aber es ist noch immer aktuell. Zurzeit habe ich einen kleinen Hund in Pflege. Wenn er seine Ohren spielen l\u00e4sst, k\u00f6nnte ich dahin schmelzen. 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