{"id":4340,"date":"2012-12-22T21:53:30","date_gmt":"2012-12-22T20:53:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4340"},"modified":"2012-12-22T21:53:30","modified_gmt":"2012-12-22T20:53:30","slug":"dankbarkeit-22-dezember-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4340","title":{"rendered":"Dankbarkeit: 22. Dezember 2012"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nHeute Abend habe ich drei Stunden lang Geschenke eingepackt. So richtige Weihnachtsfreude wollte sich nicht einstellen. Ein Mensch, den ich beschenken m\u00f6chte, hat gro\u00dfe Schwierigkeiten etwas anzunehmen. Da flie\u00dft dann der Giraffensaft eher tr\u00f6pfelnd. F\u00fcr andere wurde einfach nur eine Wunschliste abgearbeitet. Das l\u00e4sst mein Herz auch nicht gerade singen. Es war sch\u00f6n, f\u00fcr meine Nachbarin, die so oft meine Post annimmt, etwas zu Naschen einzupacken. Und ich hoffe, dass sich meine Mutter \u00fcber das Briefpapier freut, das meine Lieblings-Designerin gestaltet hat. Morgen wei\u00df ich mehr.<br \/>\nHeute Morgen war ich mit einem Begleiter auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Wir kamen an einem Eingang zu einem B\u00fcrogeb\u00e4ude (?) vorbei, und dort stand ein gro\u00dfer Mann vor einem vielleicht f\u00fcnf Jahre alten Kind. Er schimpfte, &#8222;wenn du damit nicht aufh\u00f6rst, hau ich dir den Hintern voll. Du kriegst nen Hintern voll. Diese Gemaule wollen wir nicht h\u00f6ren. Wenn du jetzt nicht lieb bist, dann ist jetzt aber Schluss. dann setzt es was!\u201c<\/p>\n<p>Wenige Meter weiter stand eine aparte blonde Frau, die offenbar dazu geh\u00f6rte. Schade, ich kriege meine, unsere Worte nicht mehr zusammen, aber obwohl es das Beste an Giraffisch war, was uns in dem Moment zur Verf\u00fcgung stand, konnten wir uns mit dem Mann nicht verbinden. Er schnauzte, er verb\u00e4te sich alle Ratschl\u00e4ge, wie er sein Kind zu erziehen h\u00e4tte. Ich antwortete: Ich will Ihnen gar keine Ratschl\u00e4ge geben. Ich finde nur, dass kein Kind eine Tracht Pr\u00fcgel &#8222;verdient&#8220; hat. Ein Wort gab das andere, mein Begleiter versuchte noch mal ein warmes &#8222;Sind Sie im Stress?&#8220;, aber insgesamt waren wohl die Emotionen zu hoch als dass wir noch durchkommen konnten. Dann sagte ich, \u201emir f\u00e4llt das ganz schwer zu h\u00f6ren, weil ich als Kind schwer geschlagen worden bin.\u201c Und der Mann antwortete: \u201eWahrscheinlich hatten Sie es verdient!\u201c<\/p>\n<p>Daraufhin murmelte mein Begleiter noch etwas von \u201ewenn du dem Kind was tust, sollte man dir ein paar aufs Maul hauen&#8230;\u201c, aber insgesamt wussten wir beide, dass wir in dieser Situation nicht zum Frieden beigetragen haben, obwohl das unser Anliegen war. <\/p>\n<p>Noch eine ganze Weile haben wir hinterher \u00fcberlegt, wie wir uns anders h\u00e4tten verhalten k\u00f6nnen. Offensichtlich brauchte der Vater des Kindes Einf\u00fchlung. Zumindest ich war am Rande einer Retraumatisierung, und mein Begleiter noch nicht so giraffenfest, dass er die Situation und mich h\u00e4tte halten k\u00f6nnen.  Vor allem dieser Satz \u201ewahrscheinlich hatten Sie es verdient&#8220; l\u00f6ste bei mir eine tiefe Best\u00fcrzung aus. Kein Kind auf dieser Welt &#8222;verdient&#8220; Schl\u00e4ge. Ich bin entsetzt. Das paar wirkte gut situiert, es waren zwei attraktive Menschen. Und dann stand da dieser gro\u00dfe Mann, er war sicher l\u00e4nger als 1,90 m., vor diesem kleinen Kind und bedrohte es mit Pr\u00fcgeln&#8230; 2012. Am vierten Adventssamstag&#8230; <\/p>\n<p>Simran K. Wester schrieb dieser Tage in ihrem Rundbrief: <\/p>\n<blockquote><p>Wir stehen jetzt vor einer gro\u00dfen Wende der Menschlichkeit: nicht nur hat es in West-Europa seit \u00fcber 70 Jahren keinen Krieg mehr gegeben (und auch weltweit nimmt die H\u00e4ufigkeit von Kriegen stetig ab, es wird nur mehr \u00fcber die einzelnen Kriege berichtet) &#8211; es gibt jetzt zum ersten Mal ganze Generationen von Menschen, die nicht ihre gesamte Energie darauf verwenden m\u00fcssen, irgendwie trotz der Folgen ihrer qualvollen Kindheit ihre Existenz zu sichern und zumindest die Oberfl\u00e4che glatt zu halten, w\u00e4hrend sie gleichzeitig die D\u00e4monen im Innern in Schach halten. Sie haben die Chance, ihr menschliches Potenzial ganz zu entfalten, ihr Herz in den Mittelpunkt zu stellen und eine Bewusstheit zu erreichen, die bislang nur durch Einzelne erfahren worden ist. Es wird sicherlich noch einige Jahre dauern, bis dieser Bewusstseinswandel offensichtlich wird, und doch kann man den Trend jetzt schon erkennen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Heute Morgen ist mein Glaube an diesen Bewusstseinswandel schwer ersch\u00fcttert worden. Trotzdem will ich dankbar daf\u00fcr sein, dass ich es gewagt habe, meinen Mund aufzumachen und &#8211; so hoffe ich jedenfalls &#8211; ohne Aggression dem Mann zu sagen, dass ich nicht m\u00f6chte, dass Kinder geschlagen werden. <\/p>\n<p>Ich will auch dankbar daf\u00fcr sein, dass ich trotz Schneegl\u00e4tte heil mit dem Auto nach Hause gekommen bin. Immerhin ist das gute St\u00fcck gerade frisch aus der Werkstatt. Da w\u00e4re es doch \u00e4rgerlich, wenn ich da ne Beule reinfahre&#8230; <\/p>\n<p>Ich bin dankbar, dass ich Geschenke machen kann. Und ich bin dankbar f\u00fcr die guten Dinge, die ich hier zu Hause vorfinde. Im Topf in der K\u00fcche simmert ein Suppenhuhn seit vier Stunden. Ich freue mich auf eine wunderbare Br\u00fche. Und bin dankbar f\u00fcr all die wunderbaren Nachrichten, Karten, CD&#8217;s und P\u00e4ckchen, die in den vergangenen Tagen f\u00fcr mich eingetroffen sind. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Heute Abend habe ich drei Stunden lang Geschenke eingepackt. So richtige Weihnachtsfreude wollte sich nicht einstellen. Ein Mensch, den ich beschenken m\u00f6chte, hat gro\u00dfe Schwierigkeiten etwas anzunehmen. Da flie\u00dft dann der Giraffensaft eher tr\u00f6pfelnd. F\u00fcr andere wurde einfach nur eine Wunschliste abgearbeitet. Das l\u00e4sst mein Herz auch nicht gerade singen. 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