{"id":4272,"date":"2012-11-20T16:52:08","date_gmt":"2012-11-20T15:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4272"},"modified":"2012-11-20T16:55:43","modified_gmt":"2012-11-20T15:55:43","slug":"horror-vacui","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4272","title":{"rendered":"Horror Vacui"},"content":{"rendered":"<p>Mit seinen Versuchen widerlegte Guericke auch die Hypothese des horror vacui, der \u201eAbscheu vor der Leere\u201c, die jahrhundertelang Philosophen und Naturforschern ein Problem war. Guericke bewies, dass Stoffe nicht vom Vakuum angesaugt werden, sondern vom Umgebungsdruck in das Vakuum gedr\u00fcckt werden.<br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_von_Guericke\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_von_Guericke<\/a><\/em><\/p>\n<p>Hallo, Welt!<br \/>\nAuf das &#8222;Honig&#8220;-Posting gab es eine Resonanz hier im Blog (danke, Gabriel), und eine via Mail. Danke, liebe Autorin! In letzterer hei\u00dft es:<br \/>\n<em>Liebe Ysabell, dein Satz<br \/>\n\u201cAlter, der Honig kann nichts daf\u00fcr\u2026 du machst es dir unn\u00f6tig schwer!\u201d<\/p>\n<p>Das w\u00e4re keine Gfk gewesen, jedoch sehr lebendig und m\u00f6glicherweise genau das, was ihm geholfen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Mein &#8222;Verdacht&#8220; ist, dass manche Freunde die Empathie genie\u00dfen als Aufmerksamkeit und um diese Aufmerksamkeit immer wieder zu bekommen, bleiben sie gerne in ihren alten Schleifen h\u00e4ngen.<\/em><\/p>\n<p>Das ist doch ein Gedanke, den wir hier trefflich diskutieren k\u00f6nnen.<br \/>\nNeulich Nacht hatte ich einen besonders unruhigen Schlaf. Nachdem ich drei Mal die Kachelabteilung aufgesucht hatte, wurde ich um f\u00fcnf wach und konnte nicht wieder einschlafen. Mir war klar, dass der Wecker um 5.45 Uhr klingelt, und diese knappe &#8222;Start-Stop-Zeit&#8220; stand einer Entspannung im Weg. Der Mensch an meiner Seite murmelte etwas von &#8222;was ist los, kannst du nicht schlafen?&#8220;. Ich antwortete so ungef\u00e4hr, &#8222;ne, mir schwirrt der Kopf mit allem, was heute noch zu erledigen ist, ich glaube ich steh auf.\u201c Daraufhin h\u00f6rte ich: &#8222;Jeder ist f\u00fcr seine Verr\u00fccktheiten selber zust\u00e4ndig.&#8220; Au au!!!<br \/>\nEs kann sein, dass ich mit fortschreitendem GfK-Gebrauch immer empfindlicher werde. Aber in dem Moment war in mir einfach eine schmerzhafte Leere. Ich habe wohl mit sarkastischem Unterton &#8222;danke&#8220; oder \u00e4hnliches geknirscht und hatte das Gl\u00fcck, dass mein Mitschl\u00e4fer sich sehr flott zu mir umdrehte, mich in den Arm nahm und sagte, &#8222;hey, was kreist denn da bei dir?&#8220; F\u00fcr morgens um f\u00fcnf eine preisw\u00fcrdige Leistung, finde ich.<br \/>\nEs tut so gut, einfach verstanden zu werden. &#8222;&#8230; and it feels damn&#8216; good&#8230;&#8220;, sagt Marshall Rosenberg, und ich kann ihm nur beipflichten. Heute sprach ich mit einer Frau, die eine Zahnarzt-Phobie hat. Als junge Frau wurden ihr drei Z\u00e4hne ohne Bet\u00e4ubung gezogen, weil sie im sechsten Monat schwanger war. Nach dem Eingriff hat sie ihr Baby verloren. Ich denke nicht, dass es ihr gut tun w\u00fcrde, wenn ich ihr erz\u00e4hle, wo der n\u00e4chste Zahnarzt wohnt, der sich auf Angstpatienten spezialisiert hat.<br \/>\nHatten wir \u00fcberhaupt jemals eine einf\u00fchlsame Natur? Wir &#8211; also wir Menschheit? Wenn ja, wieso bekriegen wir uns? Warum m\u00fcssen wir dann m\u00fchsam lernen, empathisch zu sein? Ich habe Trainigs<strong>jahre<\/strong> gebraucht, um wenigstens ab und zu zu merken, was in mir lebendig ist, wenn ich den anderen beratschlage oder ihm mal erz\u00e4hle, wie die Welt aus meiner Perspektive aussieht. Ich kann das aktuell bei meinen Sch\u00fclern trainieren, aber auch im Freundeskreis oder bei meiner Mutter. Die will auch nicht h\u00f6ren, dass sie sich nicht so anstellen soll. Ein IPad bedienen k\u00f6nnen zweij\u00e4hrige Kinder, also warum nicht sie&#8230; Ich glaube, wenn ich einen solchen Satz vom Stapel lasse, wird sie das keinen Millimeter dichter an die Technik f\u00fchren, sondern vielmehr daf\u00fcr sorgen, dass sie sich in ihren \u00c4ngsten noch weniger gesehen wahrnimmt. Zuf\u00e4llig wei\u00df ich, dass ihr dieses ganze Multimediakram totale Angst macht. Sie f\u00fcrchtet, das nicht zu verstehen, sie f\u00fcrchtet, etwas falsch zu machen, versehentlich etwas zu l\u00f6schen, Dinge loszutreten, die sie nicht versteht und nicht kontrollieren kann. Und da sie 78 Jahre ohne diese Technik klargekommen ist, sieht sie auch keine Veranlassung, sich damit anzufreunden&#8230; <\/p>\n<p>Der &#8222;Honig&#8220;-Freund durfte sich nat\u00fcrlich zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt unseres Gespr\u00e4chs mit der Frage befassen: &#8222;Dieses Verhalten erf\u00fcllt dir ja ein bestimmtes Bed\u00fcrfnis. Das machst du ja nicht einfach so. Worum genau geht es dir da?&#8220; Und wir fanden heraus, dass es Schutz war. Schutz vor Schmerz, Schutz vor Verletzung, auch Schutz vor der Macht der unerfreulichen Erinnerung. <\/p>\n<p>Wenn ich merke, dass ich nicht gesehen oder nicht verstanden werde, dass mein Gegen\u00fcber nicht bei mir ist, sp\u00fcre ich h\u00e4ufig eine schmerzhafte Leere. Ich merke auch, dass diese Leere dann aber keine Dinge ansaugt, au\u00dfer vielleicht Snickers, Joghurette, Lakritzschnecken, Ritter Sport Nougat, Salmilollis oder L\u00fcnebest Nussjoghurt. Und es gibt einen Impuls, dieses Loch mit irgendetwas zu stopfen. Gern genommen: B\u00fccher. Aber wie in dem Experiment von Guericke beschrieben kommt nicht von innen der Sog. Vielmehr ist es der Druck der Umgebung, der signalisiert: Sei nicht so wie du bist. Die von mir so gesch\u00e4tzte Autorin Melody Beattie schrieb dazu in der Tagesmeditation vom 5. M\u00e4rz: <\/p>\n<p><em> 5. M\u00e4rz &#8211; Sei so, wie du bist:<\/p>\n<p>Wenn ich Menschen begegne oder eine neue Beziehung eingehe, unterwerfe ich mich vielen repressiven Einschr\u00e4nkungen. Ich lasse meine Gef\u00fchle nicht zu. Ich unterdr\u00fccke meine W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse. Ich wehre mich gegen meine eigene Geschichte. Ich erlaube mir nicht, die Dinge zu tun, die ich tun m\u00f6chte, die Gef\u00fchle zu haben, die ich sp\u00fcre, oder das zu sagen, was ich sagen muss. Ich verwandle mich in einen unterdr\u00fcckten, perfektionistischen Roboter, anstatt der zu sein, der ich bin: ICH.<br \/>\n(Anonym)<\/p>\n<p>Manchmal befiehlt unsere instinktive Reaktion in einer neuen Situation: Sei nicht so, wie du bist.<\/p>\n<p>Wer sonst k\u00f6nnten wir sein? Wer sonst m\u00f6chten wir sein? Wir brauchen nicht anders zu sein, als wir sind.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Geschenk, das wir in eine Beziehung einbringen, ist: der zu sein, der wir sind.<\/p>\n<p>Wir denken vielleicht, andere f\u00e4nden uns nicht sympathisch. Wir haben Angst, ein Mensch k\u00f6nne uns verlassen oder besch\u00e4men, sobald wir loslassen und wir selbst sind. Wir machen uns Sorgen dar\u00fcber, was andere von uns denken.<\/p>\n<p>Die Menschen sch\u00e4tzen unsere Gesellschaft, wenn wir uns selbst akzeptieren und entspannt sind, nicht aber, wenn wir steif und gehemmt sind.<\/p>\n<p>Wollen wir wirklich mit Menschen zusammen sein, die keinen Gefallen an uns finden? M\u00fcssen wir uns und unser Verhalten von der Meinung anderer abh\u00e4ngig machen?<\/p>\n<p>Wenn wir uns die Freiheit nehmen zu sein, wer wir sind, \u00fcben wir damit eine heilsame Wirkung auf unsere Beziehungen aus. Der Umgangston wird entspannter. Wir entspannen uns. Der andere entspannt sich. Alle f\u00fchlen sich weniger gehemmt oder besch\u00e4mt, da alle aufrichtig sind. Wir k\u00f6nnen nicht anders sein, als wir sind. So ist es uns zugedacht. So ist es gut.<\/p>\n<p>Unsere Meinung \u00fcber uns selbst ist wirklich das einzige, was z\u00e4hlt. Und wir k\u00f6nnen uns die Anerkennung zollen, die wir w\u00fcnschen und brauchen.<\/p>\n<p>Heute entspanne ich mich und bin in meinen Beziehungen so, wie ich bin. Ich tue das nicht in unangemessener oder herabsetzender Weise, sondern in einer Weise, die zum Ausdruck bringt, dass ich mich selbst annehme und mich als die Person sch\u00e4tze, die ich bin. Hilf mir, Gott, dass ich keine Angst mehr habe, ich selbst zu sein.<\/em><\/p>\n<p>Mein Honig-Freund darf genau so sein, wie er ist. Wenn er sich in seinen Schleifen verstrickt, ist das sein gutes Recht. Wenn er da raus will, wird er einen Weg finden. (Ich unterst\u00fctze ihn gern, das habe ich ihm auch gesagt). Und wenn ich um f\u00fcnf aufsstehe, weil ich keine Ruhe mehr finde, ist das auch in Ordnung. Das letzte, was ich brauche, ist dass mich jemand bewertet. Es bleibt die Frage: Was brauche ich? Und was brauchst Du? <\/p>\n<p>Liebe Mailschreiberin,<br \/>\nbist Du besorgt, dass andere Menschen nicht aus ihren sch\u00e4dlichen Mustern aussteigen k\u00f6nnen? Ich hoffe, jeder kann sich ver\u00e4ndern. Wenn die Zeit reif ist. Und mein Beitrag ist, ihn oder sie empathisch zu begleiten. ODER: Mich selbst auszudr\u00fccken. Mich. Und nicht etwa meins mittels Umgebungsdruck in den anderen hineinpressen. No, no! <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit seinen Versuchen widerlegte Guericke auch die Hypothese des horror vacui, der \u201eAbscheu vor der Leere\u201c, die jahrhundertelang Philosophen und Naturforschern ein Problem war. Guericke bewies, dass Stoffe nicht vom Vakuum angesaugt werden, sondern vom Umgebungsdruck in das Vakuum gedr\u00fcckt werden. http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_von_Guericke Hallo, Welt! 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