{"id":4232,"date":"2012-09-30T08:53:32","date_gmt":"2012-09-30T06:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4232"},"modified":"2012-09-30T08:55:52","modified_gmt":"2012-09-30T06:55:52","slug":"von-schuld-scham-abwehr-und-roten-rosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4232","title":{"rendered":"Von Schuld, Scham, Abwehr und roten Rosen"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nZun\u00e4chst ein paar Kurznachrichten:<br \/>\nDer Vortrag scheint gut gelungen. Ich jedenfalls bin mit mir zufrieden. Zwei (befreundete) Menschen haben mich angerufen und warme R\u00fcckmeldungen gegeben. Drei andere Menschen haben mir im Anschluss an den Vortrag ein Feedback gegeben, das sehr wohlwollend und zugewandt war. Eine weitere R\u00fcckmeldung besagte, dass ich S\u00e4tze anscheinend h\u00e4ufiger mit &#8222;jaaa&#8220;, beende, was von dem Empf\u00e4nger als irritierend wahrgenommen wurde. Ich habe unglaubliche 1.45 h geredet, es gab kleinere technische Pannen (eine stellte sich als Vorteil heraus) und mein Eindruck war, dass alle einigerma\u00dfen zufrieden waren. <\/p>\n<p>Meine Work-Life-Balance ist nach wie vor krass un-balanced. Auch heute wird es keine Pause geben, um 11.30 Uhr gehe ich in eine Konferenz, die meiner Einsch\u00e4tzung nach mindestens bis 16 Uhr dauern wird. Und dann wartet noch Papierkram und Unterrichtsvorbereitung auf mich. Nun aber zum heutigen Thema. <\/p>\n<p>Freitag war das vierte Treffen mit meinen Medianten. Ich hatte mir im Vorfeld Supervision und Empathie bei <a href=\"http:\/\/kleindienst.itmoves.de\/start.php\" target=\"_blank\">Ute Kleindienst<\/a> geholt und das war sehr hilfreich. Au\u00dferdem habe ich mir noch einmal meine Aufzeichnungen und Unterlagen zum Thema \u201ePerspektivwechsel&#8220; angesehen und dieses Tool dann auch angewendet. <\/p>\n<p>Dieses vierte Treffen bereicherte mich um eine Erfahrung, die mich zutiefst ersch\u00fctterte. Eine Person beschrieb, wie sie die Situation vor vielen Jahren wahrgenommen hat. Mir erschien die Schilderung so verst\u00e4ndlich, dass ich keine Veranlassung zum \u00dcbersetzen in Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse sah. Doch bei der anderen Person kam etwas ganz anderes an: &#8222;Du tust so, als ob ich an allem schuld w\u00e4re.&#8220; Ich war fassungslos. In der Aussage hatte ich wirklich keinen Anflug von Schuldzuweisungen geh\u00f6rt. &#8222;So war es damals bei mir&#8220; kam bei mir als Botschaft an. Die zweite Person geriet richtig in Not. Es wurde laut, wir haben sogar kurz unterbrochen. Gegen Ende habe ich dann noch mal eine Person gedoppelt (&#8222;darf ich einmal neben Sie treten und mit meinen Worten formulieren, was ich geh\u00f6rt habe, und Sie korrigieren mich, wenn ich etwas falsch verstanden habe?\u201c), und im Doppeln liefen mir wirklich die Tr\u00e4nen. Die gedoppelte Person best\u00e4tigte meine Aussage (schnief&#8230; das ist starker Tobak&#8230; ja, genau so meine ich es&#8230;). Und die zweite Person war fassungslos \u00fcber das, was sie da h\u00f6rte. &#8222;Wenn das <em>so<\/em> bei dir ankommt&#8230; das meine ich doch gar nicht&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Nach den zwei Stunden war ich reif f\u00fcr die Couch. Ich bin einfach zutiefst entsetzt, wie unser Kommunikationssystem funktioniert. Und je \u00e4lter wir werden, desto weniger k\u00f6nnen wir h\u00f6ren, dass der andere sagt: Ich habe einen tiefen Schmerz, weil bei mir wichtige Bed\u00fcrfnisse unerf\u00fcllt sind!&#8220; So jedenfalls scheint es mir heute. <\/p>\n<p>Wir haben keine \u00dcbung darin, die Worte des anderen als \u201e\u00c4u\u00dferung zu mir selbst\u201c zu h\u00f6ren. Viel zu oft sehen wir uns darin verwickelt und verstrickt. Wenn <em>du<\/em> in dieser Situation, an der ich beteiligt war, so gef\u00fchlt hast, dann bin entweder ich schuld (und das l\u00f6st Scham aus!), oder mit dir muss etwas nicht stimmen. Und da haben wir sie, die Abwehr. Wir sind nicht darauf trainiert, dem anderem wirklich zuzuh\u00f6ren. Wie geht es dir und was brauchst du? Alles ist verwoben, alles hat auf ungute, klebrige Weise etwas mit uns zu tun. <\/p>\n<p>Dieses Muster, das mir in der Mediation so deutlich entgegengesprungen ist, kenne ich auch aus anderen Situationen. Ein Kollege hat gerade seine Gehaltszahlung bekommen und stellte anhand des Nettobetrages fest, dass da etwas nicht stimmen konnte. Sofort kamen Urteile wie &#8222;respektlos, unzuverl\u00e4ssig, leere Versprechen&#8220;. Ich konnte den tiefen Schmerz h\u00f6ren und sein Bed\u00fcrfnis nach Vertrauen (in den neuen Arbeitgeber), Respekt und Wertsch\u00e4tzung. Aber sofort stand im Raum, der Arbeitgeber beschei\u00dfe absichtlich oder halte sich nicht an die eigenen Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be. Du bist schuld oder ich bin schuld. Und bevor ich schuld bin, geb ich doch lieber dir die Schuld&#8230; Und vor meinem geistigen Auge sehe ich Marshall, wie der die Wolfsohren auf seinem Kopf rotieren l\u00e4sst: &#8222;angry, guilty, depressed&#8230;&#8220; <\/p>\n<p>Vielleicht ist das das allergr\u00f6\u00dfte Geschenk der GfK: Sie erm\u00f6glicht uns, genau die Verantwortung zu tragen, die unsere ist: Wir sind verantwortlich f\u00fcr unser Tun und Lassen, f\u00fcr unsere Gedanken und unsere Worte. Wir sind nicht verantwortlich f\u00fcr das. was der andere h\u00f6rt. Wir sind nicht verantwortlich f\u00fcr das, was unsere Worte beim anderen ausl\u00f6sen. <\/p>\n<p>Im Vortrag hatte ich jeweils ein paar Testfragen eingebaut. Unter anderem sollten die Teilnehmer raten, ob es sich bei der Aussage: <\/p>\n<p>30 rote Rosen &#8211; ich bin \u00fcberw\u00e4ltigt<\/p>\n<p>um ein echtes Gef\u00fchl handelt. W\u00e4hrend ich (voller Begeisterung \u00fcber die Rosen) auf dem Tanzparkett hin- und herwalzte, sagte eine Teilnehmerin:<br \/>\n&#8222;Du lernst es nicht mehr. Mit Rosen machst du mir keine Freude. Sonnenblumen&#8230; das w\u00e4r&#8217;s gewesen. W\u00fcrdest du mich wirklich sehen und wertsch\u00e4tzen, h\u00e4ttest du mir Sonnenblumen gebracht, und keine Rosen&#8230;&#8220; <\/p>\n<p>Die \u201eTat\u201c ist die selbe: 30 rote Rosen als Geschenk. Doch w\u00e4hrend der eine au\u00dfer sich ist vor Freude, l\u00f6st diese Gabe beim anderen Schmerz und Trauer aus. Und ich bin nicht schuld. Und ich habe nichts <em>falsch<\/em> gemacht. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Zun\u00e4chst ein paar Kurznachrichten: Der Vortrag scheint gut gelungen. Ich jedenfalls bin mit mir zufrieden. Zwei (befreundete) Menschen haben mich angerufen und warme R\u00fcckmeldungen gegeben. 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