{"id":4174,"date":"2012-08-12T13:44:08","date_gmt":"2012-08-12T11:44:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4174"},"modified":"2012-08-12T13:50:26","modified_gmt":"2012-08-12T11:50:26","slug":"der-schiest-auf-mein-tor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=4174","title":{"rendered":"Der schie\u00dft auf mein Tor!"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<\/p>\n<p>Ein Wort, das mir in den vergangenen Jahren sehr ans Herz gewachsen ist, lautet &#8222;Ichbezogenheit&#8220;. Und damit meine ich etwas ganz anderes als Egoismus. Jemand, den wir mit dem Etikett &#8222;Egoist&#8220; bedenken, wird von Wikipedia wie folgt beschrieben: <\/p>\n<blockquote><p>Egoismus (griechisch \/lateinisch ego \u201aich\u2018) bedeutet \u201eEigenn\u00fctzigkeit\u201c. Das Duden-Fremdw\u00f6rterbuch beschreibt Egoismus als \u201eIch-Bezogenheit\u201c, \u201eIch-Sucht\u201c, \u201eSelbstsucht\u201c, \u201eEigenliebe\u201c.<br \/>\nEgoismen (Plural) sind demnach Handlungsweisen, bei denen einzig der Handelnde selbst die Handlungsmaxime bestimmt. Dabei haben diese Handlungen zumeist uneingeschr\u00e4nkt den eigenen Vorteil des Handelnden zum Zweck.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Mir geht es darum, dass jemand\/ich die Handlungen, Unterlassungen oder Aussagen anderer Menschen mit sich, mit seinem eigenen Verhalten oder seinen eigenen Werten in Beziehung setzt. Stets, immer, st\u00e4ndig. Gabriel ruft mich nicht an, weil er sich \u00fcber mich ge\u00e4rgert hat.<br \/>\nIn den letzten Tagen prasselten eine F\u00fclle von Beispielen auf mich herab, ein guter Grund, dazu ein paar Worte zu verlieren. <\/p>\n<p>In einer Erziehung, in der das Kind daf\u00fcr verantwortlich gemacht wird, das Mutti traurig ist und Papa \u00e4rgerlich, f\u00fchlt sich das Kind auf ungesunde Weise als Nabel der Welt. Es ist allm\u00e4chtig, denn es kann die Gef\u00fchle von Mama und Papa beeinflussen. Aber mehr als das, es ist auch daf\u00fcr verantwortlich&#8230; Was f\u00fcr ein leise tr\u00e4ufelndes Gift! <\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit dem Trauerfall in unserer Familie h\u00f6rte ich von einem Mann eine kleine Geschichte.<br \/>\nSein Schwiegersohn hatte ein Gespr\u00e4ch mit Dritten \u00fcber eine Erb-Auseinandersetzung. In diesem Gespr\u00e4ch sagte er zu der dritten Person: &#8222;Aber ein Anrecht auf den Pflichtteil hast du doch immer!&#8220; Diese Aussage hat den Mann so sehr erschreckt, dass er fortan den Kontakt mit seinem Schwiegersohn auf ein Minimum beschr\u00e4nkte. Seine Bef\u00fcrchtung war, dass er nach dem Tod seiner Ehefrau das gemeinsam bewohnte H\u00e4uschen w\u00fcrde verkaufen m\u00fcssen, um Tochter und Schwiegersohn auszuzahlen. Angesprochen hat er seine Angst den beiden gegen\u00fcber nicht. Allein, das Verh\u00e4ltnis war zerr\u00fcttet. <\/p>\n<p>In einem Gespr\u00e4ch zwischen Mutter und Tochter h\u00f6rte ich dieser Tage, wie die Tochter sich beschwerte: \u201eImmer kritisierst du an mir rum! Ich komme gut allein klar, ich bin nicht mehr 17, sondern 37!\u201c Die Mutter war v\u00f6llig konsterniert. Sie sah ihr Verhalten keineswegs als Kritik. &#8222;Ich habe gro\u00dfe Hochachtung vor dem, was du alles auf die Beine stellst. Aber ich bin auch in Sorge, weil du dir keine Pause g\u00f6nnst! Wie kann ich meine Sorge denn ausdr\u00fccken, ohne dass sie bei dir als Kritik ankommt?&#8220;<\/p>\n<p>Und in einem dritten Fall ging es um ein Paar, das eine Verabredung f\u00fcrs Kino miteinander hatte. Als sie ihn sehr gehetzt von der Arbeit abholte und berichtete, was ihr alles am Tag widerfahren war und welche Erledigungen noch zu machen waren, &#8222;h\u00f6rte&#8220; er, aufgrund der Belastung k\u00f6nne der geplante Kinoabend nicht stattfinden. Als er dann voller Schmerz zur\u00fcckfragte: &#8222;Hei\u00dft das, wir gehen nicht ins Kino?&#8220;, war sie wiederum total entt\u00e4uscht und frustriert, dass ihr Committment, den Abend zusammen zu verbringen, anscheinend in Frage gestellt wurde. Wo sie doch gerade so gro\u00dfe Anstrengungen unternommen hatte, damit sie gemeinsam ein paar unbeschwerte Stunden verbringen konnten&#8230;<\/p>\n<p>Ich habe noch ein eigenes Beispiel beizusteuern.<br \/>\nGestern war ich bei meiner Mutter. Mit dem Mann vom Beerdigungsinstitut haben wir die Details f\u00fcr die Trauerfeier festgelegt. Meine Mutter wird ja nach einer schweren Erkrankung per Sonde ern\u00e4hrt, weil sie nicht mehr kauen und nur m\u00fchsam schlucken kann. Da ich mir Sorgen mache, dass sie in diesen Tagen v\u00f6llig vom Fleisch f\u00e4llt, brachte ich ihr einen frischen Green Smoothie mit. Ihre Reaktion schockte mich. Da kam ein Wortschwall, wie widerlich diese gr\u00fcne Pampe sei, und wenn sie nur auf die Flasche schaue, m\u00fcsse sie schon kotzen&#8230;<br \/>\nUff. Das konnte ich schwer h\u00f6ren. Es dauerte mehrere Stunden, bis es mir gelang, den Stachel der Abwertung meiner Person und meines sch\u00f6nen Bem\u00fchens aus diesen Worten zu entfernen und sie als das zu h\u00f6ren, was sie sind: Mein Gegen\u00fcber sagt einfach nur: <em>Ich bin im Schmerz, denn ich habe ein brennendes unerf\u00fclltes Bed\u00fcrfnis.<\/em> Und DAS hat gerade mal nichts mit mir zu tun. <\/p>\n<p>in unserem Leben begegnen uns immer wieder Menschen, die mit ihrem Verhalten oder ihren Aussagen genau auf unsere wunden Stellen treffen. Sagt jemand etwas, das uns nicht tangiert, bleiben wir ganz gelassen. Trifft uns aber eine Aussage, ist das ein Indiz daf\u00fcr, dass wir, um mal ins Fu\u00dfballer-Deutsch zu verfallen, unseren Kasten nicht sauber halten. Louise Hay beschreibt es in einem ihrer B\u00fccher so nett: Wir w\u00fcrden uns mit Sicherheit nicht angesprochen f\u00fchlen, wenn jemand st\u00e4ndig zu uns sagen w\u00fcrde, &#8222;du bist eine lila Kuh, du bist eine lila Kuh.&#8220;. Aber wenn jemand sagt, \u201edu bist schon wieder zu sp\u00e4t\u201c, gehen wir ab wie \u201eSchmidts Katze\u201c. Wir h\u00f6ren, wir h\u00e4tten etwas falsch gemacht, bei uns kommt nur Tadel und Unmut an. Wir beziehen die Reaktion unseres Gegen\u00fcbers auf uns. Mit mir ist was falsch, weil ich meiner Mutter einen Green Smoothie mitgebracht habe&#8230; Nein, Freunde der Gewaltfreien Kommunikation! Meine Mutter hat lediglich zum Ausdruck gebracht, dass sie ein brennendes unerf\u00fclltes Bed\u00fcrfnis hat. Und es gibt keine Veranlassung, daraus einen Schuh zu machen und ihn mir anzuziehen. Es reicht vollkommen, wenn ich die Dornenranke sanft von meinem Pulli pfl\u00fccke und mir ins Bewusstsein rufe: Meine Ich-Bezogenheit wird in den Hintergrund treten. Ihre Aussage hat nichts mit mir zu tun. Mein Gegen\u00fcber teilt mir lediglich etwas \u00fcber seinen Seelenzustand mit. Kein Grund, das auf dem Kritikohr zu h\u00f6ren! Stattdessen kann ich mich auf zwei Dinge besinnen: Zum einen kann ich mich fragen: Was l\u00f6st das bei mir aus, wenn ich das h\u00f6re? Und zum zweiten: Was ist in meinem Gegen\u00fcber lebendig, wenn er auf diese Weise reagiert? Alles kein Grund, auf den anderen einzuschlagen. Ich suche die Verbindung mit mir (hey, warum war das ein &#8222;Autsch&#8220;?), und danach bin ich frei, die Verbindung zum anderen herzustellen. Kein Ball im Tor, just am Seitenpfosten vorbei&#8230; <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Ein Wort, das mir in den vergangenen Jahren sehr ans Herz gewachsen ist, lautet &#8222;Ichbezogenheit&#8220;. Und damit meine ich etwas ganz anderes als Egoismus. Jemand, den wir mit dem Etikett &#8222;Egoist&#8220; bedenken, wird von Wikipedia wie folgt beschrieben: Egoismus (griechisch \/lateinisch ego \u201aich\u2018) bedeutet \u201eEigenn\u00fctzigkeit\u201c. 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