{"id":3969,"date":"2012-05-04T12:41:17","date_gmt":"2012-05-04T10:41:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3969"},"modified":"2012-05-04T12:50:19","modified_gmt":"2012-05-04T10:50:19","slug":"geht-ein-mann-zum-arzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3969","title":{"rendered":"Geht ein Mann zum Arzt&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nGestern habe ich einen Ausflug zu meinen Eltern gemacht. Mein Vater hatte einen Besprechungstermin im Krankenhaus und ich wollte die beiden dabei unterst\u00fctzen.<br \/>\nIn der Handtasche hatte ich dabei das Buch \u201eGewaltfreie Kommunikation im Gesundheitswesen: Eine Kultur des Mitgef\u00fchls schaffen\u201c von Melanie Sears. Eine gute Wahl, denn was sich da in der Kardiologie abspielte, w\u00e4re mit einer Portion GfK sicher leichter zu ertragen gewesen.<br \/>\nZun\u00e4chst die <strong>Beobachtung<\/strong>:<br \/>\nDer Termin war um 14 Uhr. Die Sekret\u00e4rin des Professors brachte meine Eltern zu einem Warteraum und sagte um 14.15 Uhr, sie ginge jetzt den Professor suchen und sei gleich wieder da.<br \/>\nUm 15 Uhr habe ich in einem anderen Sekretariat geklopft, meine Beobachtung mitgeteilt und um Unterst\u00fctzung gebeten.<br \/>\nEine der Mitarbeiterinnen kam kurz danach ins Wartezimmer und sagte, sie bedaure die Wartezeit, der Professor sei jetzt auf dem Weg. Ich versuchte die Unzufriedenheit meiner Eltern in Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse zu \u00fcbersetzen, was mir nach meiner eigenen Einsch\u00e4tzung nicht so gut gelungen ist wie ich es gern gewollt h\u00e4tte.<br \/>\nUm 15.10 Uhr kam die Sekret\u00e4rin mit dem Professor zur\u00fcck.<br \/>\nUm 15.15 Uhr nahmen wir in seinem Zimmer Platz. Die Besprechung dauerte etwa 20 Minuten.<br \/>\nDer Professor erl\u00e4uterte am Modell eines Herzens, welche Operation man gern vornehmen wolle und lie\u00df meinen Vater einen Beratungsbogen f\u00fcr die Voruntersuchung unterschreiben. Im Sekretariat bekam mein Vater dann einen Termin f\u00fcr diese <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.netdoktor.de\/Diagnostik+Behandlungen\/Untersuchungen\/Ultraschall-des-Herzens-durch-1536.html\" target=\"_blank\">trans\u00f6sophageale Echokardiografie<\/a> am Montagmorgen um acht. Dieser Termin ergab sich aus den Hinweisen, dass mein Vater Diabetiker sei und er kein Feigling w\u00e4re und es jetzt auch gern schnell hinter sich bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich habe mich nach meinem Nachhausekommen gestern Abend noch mal kurz bei meinen Eltern gemeldet (heil angekommen) und war \u00fcberrascht von dem Schwall an Beschwerden, die mein Vater in Bezug auf diesen Arzttermin hatte.<\/p>\n<ul>\n<li>er hat nicht mal meinen Puls gef\u00fchlt<\/li>\n<li>er interessiert sich \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr mich als Patient. Dem bin ich schei\u00dfegal (mein Vater ist Privatpatient&#8230;)<\/li>\n<li>er hat keine Ahnung<\/li>\n<li>auf das, was mich wirklich belastet (ein stark juckendes Ekzem) ist er \u00fcberhaupt nicht eingegangen<\/li>\n<li>wie kann der mir einen Termin morgens um acht geben? Wie soll ich da denn hinkommen?<\/li>\n<li>der hat ja gar nicht richtig mit mir geredet<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich k\u00f6nnte sicher noch ein paar weitere Bemerkungen meines Vaters anf\u00fcgen, insgesamt dauerten seine Ausf\u00fchrungen, warum er sich unwohl f\u00fchlt und aufgebracht ist, eine ganze Weile.<\/p>\n<p>Empathie ist einfach mal Fresse halten&#8230;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"400\" height=\"300\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/5KT2BJzAwbU?rel=0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Wir hatten n\u00e4mlich heute Morgen noch zwei weitere Gespr\u00e4che. Mit Frust und Verzweiflung nehme ich zur Kenntnis, dass ich versucht habe, die Aussagen meines Vaters mit meinen <strong>Beobachtungen<\/strong> zu entkr\u00e4ften. <em>\u201eWoher wei\u00dft du, dass der Arzt NICHT im OP war? Ich sa\u00df neben dir, und ich wei\u00df es nicht. Du findest, dass er ein inkompetenter Arzt ist, weil er sich nicht um dein Ekzem gek\u00fcmmert hat. Ich habe von ihm geh\u00f6rt, dass er als Kardiologe nicht kompetent ist, wenn es um Hautkrankheiten geht.<\/em> Und so weiter und so fort&#8230;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sagte mein Vater mit erhobener Stimme: Du brauchst hier nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen!<\/p>\n<p>Was m\u00f6chte ich aus diesem Vorfall lernen?<\/p>\n<p>1. Es ist sauschwer, Beobachtung und Bewertung voneinander zu trennen.<br \/>\n2. Es ist hilfreich, vor einem Arztbesuch zu kl\u00e4ren, was ich \u00fcberhaupt will.<br \/>\nIm Nachhinein stellte sich heute Morgen durch ein EKG beim Hausarzt heraus, dass mein Vater gar kein Vorhofflimmern hat. es w\u00e4re also sinnvoll gewesen, dem Kardiologen zu sagen: Diese Diagnose des Neurologen ist (noch) nicht abgekl\u00e4rt. Wie wollen wir das tun, bevor ich mich einem Eingriff unterziehe?<br \/>\n3. Empathie hei\u00dft, mein Tonband-Ger\u00e4t ist auf Empfang. Und es ist kein Tonbandger\u00e4t mit einer Kommentar-Funktion. Wenn ich beim Aufnehmen von Inhalten gleichzeitig \u00fcberlege, das ich dazu sagen kann oder soll, um den anderen zu entkr\u00e4ften, zu korrigieren, zu tr\u00f6sten oder zu beraten, ist es keine Empathie. K\u00f6nnte sein, dass es auch etwas Sch\u00f6nes ist. Aber Empathie ist es nicht.<\/p>\n<p>Wie sagt Marshall so nett?!<\/p>\n<p>Die ersten 40 Jahre sind am schwersten.<\/p>\n<p>So long!<br \/>\nYsabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Gestern habe ich einen Ausflug zu meinen Eltern gemacht. Mein Vater hatte einen Besprechungstermin im Krankenhaus und ich wollte die beiden dabei unterst\u00fctzen. In der Handtasche hatte ich dabei das Buch \u201eGewaltfreie Kommunikation im Gesundheitswesen: Eine Kultur des Mitgef\u00fchls schaffen\u201c von Melanie Sears. 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