{"id":3963,"date":"2012-04-26T21:40:08","date_gmt":"2012-04-26T19:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3963"},"modified":"2012-05-06T09:54:50","modified_gmt":"2012-05-06T07:54:50","slug":"die-richtigen-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3963","title":{"rendered":"Die richtigen Worte&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\n12 Tage habe ich nichts von einer Freundin geh\u00f6rt, heute nun hat sie mich besucht.<br \/>\nDabei habe ich N\u00e4heres erfahren, warum sie eine Beziehungspause eingelegt hat. Ausl\u00f6ser war ein SMS-Wechsel am Samstag vor zwei Wochen, als ich noch mit beiden Beinen in Tapete und Seminarvorbereitungen steckte. <\/p>\n<p>Sie schreib:<br \/>\n<em>Huhu Ysabelle, komm grad mal wieder vom Arzt, ihm gef\u00e4llt das alles nicht. Ich soll in die R\u00f6hre. Er meint Bandscheibenvorfall. Fl\u00fcgel lahmt und schmerzt weiter. Jammer. Kommt Ihr voran? Winke<\/em>, (Name der Freundin). <\/p>\n<p>Ich antwortete: <em>Bl\u00f6d, dass es noch nicht besser ist. Hier ist noch nichts zu sehen. <\/em><\/p>\n<p>Ich war etwa eine Stunde vor dieser SMS bei ihr zu Hause gewesen und hatte sie nicht angetroffen, aber eine Info in die T\u00fcr gesteckt. Ihre n\u00e4chste SMS etwa 45 Minuten sp\u00e4ter lautete: <em>Hatte deine Karte in der T\u00fcr, als ich grad home gekommen bin. Hast du dich zu mir verirrt?  <\/em><\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch, wie ich mich \u00fcber diese Formulierung ge\u00e4rgert hatte. Ich hatte mich nicht verirrt. Ich war bei ihr gewesen, weil ich mir Sorgen gemacht hatte und nach ihr gucken wollte. Als sei es so ungew\u00f6hnlich, dass ich zu ihr komme&#8230; Der Rest der Konversation wurde per Mini-Mails fortgesetzt, aber Verbindung bekamen wir trotzdem nicht hin. Mein Bed\u00fcrfnis nach Gesehen werden (ich war bei dir und ich habe f\u00fcr dich mit eingekauft, damit du heute eins deiner Lieblingsessen bei mir essen kannst und nicht kochen musst) war ebenso unerf\u00fcllt wie ihre Bed\u00fcrfnisse nach F\u00fcrsorge und Gesehen werden. <\/p>\n<p>Heute nun haben wir versucht, diesen ungl\u00fcckseligen Vormittag aufzudr\u00f6seln und ich bin einfach nur frustriert und traurig.<br \/>\nEiner meiner W\u00f6lfe meint, ich h\u00e4tte wissen m\u00fcssen, dass sie etwas braucht, als sie mir diese erste SMS schickte. Andere Stimmen melden sich und sagen, hey, du warst da, du hast f\u00fcr sie mit Essen eingekauft. Und die Tatsache, dass sie die Formulierung \u201eBl\u00f6d, dass es noch nicht besser ist\u201c schwer h\u00f6ren kann, liegt nicht an der Formulierung, denn du wei\u00dft, mit welcher Haltung du das abgeschickt hast. Es war der Versuch, Einf\u00fchlung zu geben. Bei mir kam also ihre Nachricht mehr auf dem Sachohr an und ich habe auf dem Sachohr reagiert. Gerichtet war sie aber ans Beziehungsohr und das war wahrscheinlich gerade voll mit Tapetenkleister. Jedenfalls habe ich sie nicht auf dem Beziehungsohr wahrgenommen. Und das macht mich traurig, denn wenn mir klargewesen w\u00e4re, was die Freundin gebraucht h\u00e4tte, h\u00e4tte ich es ihr sicher gern gegeben. <\/p>\n<p>Ich kenne vergleichbare Situationen aus meinem Leben. Jemand reagiert auf mein Gesagtes und bei mir geht das Licht aus, bildlich gesprochen. Es wird eisig kalt, ich straffe mich innerlich und werde l\u00e4nger und aufrechter. Und dann gehe ich aus dem Kontakt. Ein innerer Anteil sagt so etwas wie &#8222;die sind alle doof und auf die kannst du dich sowieso nicht verlassen&#8220;, und dann g\u00fcrte ich innerlich mein Schwert und ziehe weiter. <\/p>\n<p>ich bin ziemlich sicher, dass es sich dabei um einen unbeelterten Kindanteil handelt. Denn dieser Anteil ist es (leider) gewohnt, in schwierigen Situationen allein zurechtkommen zu m\u00fcssen, keine Unterst\u00fctzung zu haben. Nicht im Kindergarten, nicht auf dem Schulhof, nicht beim Elternabend. Deshalb schmerzt es besonders zu erleben, wie meine Freundin und ich es in dieser Situation vor 12 Tagen eben nicht geschafft haben, zueinander zu kommen. <\/p>\n<p>Ich habe solche Eises-Situationen selbst schon eine ganze Weile nicht mehr gehabt. Wenn ich dar\u00fcber nachdenke, erlebe ich sogar eher das Gegenteil. Ich glaube, es liegt daran, dass es mir heute leichter f\u00e4llt, um das zu bitten, was ich brauche. Und m\u00f6glichst auch an einer Stelle, an der es zu kriegen ist. Ihr erinnert Euch sicher, ich frage ja gern nach einer Klob\u00fcrste im Gem\u00fcsegesch\u00e4ft und bin dann frustriert, wenn der Gr\u00fcnh\u00f6ker keine da hat. Aber zum Beispiel jetzt, als das Tapeten-Desaster bereinigt werden musste: Da konnte ich ganz konkret eine Bitte formulieren. Und sie wurde erf\u00fcllt. <\/p>\n<p>Auch wenn ich merke, dass mir Einf\u00fchlung fehlt, werde ich in letzter Zeit deutlich konkreter. Ich habe mehrere FreundInnen, die ich direkt ansprechen kann, ob sie mir Empathie geben k\u00f6nnen, und es macht nichts, wenn eine(r) mal keine Zeit hat. Ich muss das nicht pers\u00f6nlich nehmen und ich entwickle ein St\u00fcck weit Vertrauen in das Leben. Empathie und Unterst\u00fctzung werden mir zuteil. es hilft aber sie zu kriegen, wenn ich verst\u00e4ndlich darum bitte. Und ich kann ein Nein h\u00f6ren, denn das Nein meines Gegen\u00fcbers ist ein Ja zu etwas anderem. <\/p>\n<p>Das ist eines der Geschenke der GfK.<br \/>\nHalleluja. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! 12 Tage habe ich nichts von einer Freundin geh\u00f6rt, heute nun hat sie mich besucht. Dabei habe ich N\u00e4heres erfahren, warum sie eine Beziehungspause eingelegt hat. 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