{"id":3879,"date":"2012-04-11T00:43:13","date_gmt":"2012-04-10T22:43:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3879"},"modified":"2012-04-10T10:55:55","modified_gmt":"2012-04-10T08:55:55","slug":"kill-your-darlings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3879","title":{"rendered":"Kill your Darlings!"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! <\/p>\n<p>Dies ist ein Aufruf zur Gewalt.<br \/>\nNein, nat\u00fcrlich nicht.<br \/>\nEs ist eine Einladung, sich unsere Lieblingsstrategie einmal n\u00e4her anzusehen und uns gegebenenfalls davon zu verabschieden. Denn Lieblingsstrategien k\u00f6nnen unser Leben hoffnungslos und eng machen. <\/p>\n<p>Eine liebe Freundin von mir litt lange darunter, ohne Partner zu leben. Bei unserem Nachsp\u00fcren, was denn mit einem Partner anders w\u00e4re als allein, fand sie heraus, dass sie mit einem Partner sehr gern kulturelle Veranstaltungen besuchen w\u00fcrde, Theater, Kino, Lesungen, Musik, Konzerte. Daraufhin durchforstete sie ihr Adressbuch und schuf einen Kulturverteiler. Wann immer sie eine Veranstaltung entdeckte, die sie lockte, schickte sie eine Mail an die Menschen aus dem Kulturverteiler und ich erinnere mich an keinen Fall, in dem sie einsam in einer Lesung oder einem Konzert hockte. Oft ging sie sogar mit dem Kollegen ins Kino, mit dem sie am liebsten ihre Zeit verbrachte. Aber oft waren eben auch andere begeisterte Menschen dabei, die ihrerseits noch wieder kulturhungrige Menschen mitbrachten. So entstand ein bereicherndes Netzwerk mit Menschen, die die gleichen Interessen hatten. <\/p>\n<p>Wer in einer Situation nur eine einzige Strategie zur Verf\u00fcgung hat, l\u00e4uft Gefahr, in einer Sackgasse zu landen. Das l\u00e4sst sich an jedem beliebigen Problem betrachten. Mal angenommen, ich w\u00e4re mit einem Ferrari unterwegs und der bliebe mitten auf der Strecke liegen (dieses Beispiel ist mal grandios unwahrscheinlich, weil ich Ferraris so furchtbar unbequem finde und echt nur im Notfall einsteige). Wenn ich jetzt darauf fixiert bin, dass nur ein Team von Ferrari den Wagen wieder zum Laufen bringen kann, d\u00fcrfte ich mich unter Umst\u00e4nden auf ein langes Wochenende auf dem Seitenstreifen der Autobahn gefasst machen. Aber wenn es auch der Gelbe Engel vom ADAC sein darf, steigen die Chancen, dass ich im eigenen Auto heil nach Hause komme. Vielleicht habe ich ja auch einen Freund, der selbst einen alten Ferrari f\u00e4hrt und in jeder freien Minute daran rumschraubt. Der k\u00f6nnte mir jetzt unter Umst\u00e4nden auch helfen. Oder ich lasse die Karre abschleppen und miete mir an der Tanke einen Smart. Wenn ich mindestens drei Strategien zur Verf\u00fcgung habe, kommt Leichtigkeit in mein Leben. Gibt es in einer Situation scheinbar nur einen einzigen Ausweg, lohnt sich der tiefere Blick auf die Bed\u00fcrfnisse. Worum geht es eigentlich wirklich? Und dann ergeben sich neue Strategien geradezu von selbst. <\/p>\n<p>Knifflig wird dieser Blick auf die Strategien schnell in festen Beziehungen. Nehmen wir mal an, mein Bed\u00fcrfnis w\u00e4re Sexualit\u00e4t und meine Lieblingsstrategie w\u00e4re es, diese Sexualit\u00e4t mit meinem Partner zu erleben. Wenn der nun aber gerade auf Gesch\u00e4ftsreise in Guatemala City ist, f\u00e4llt diese Lieblingsstrategie ins Wasser, es sei denn, man w\u00e4re ein Fan von Telefonsex.<br \/>\nIn diesem Fall k\u00f6nnte ich noch einmal genauer schauen, welche Bed\u00fcrfnisse mir ein sexuelles Beisammensein erf\u00fcllt. Vielleicht geht es um Entspannung, W\u00e4rme, Intimit\u00e4t, N\u00e4he, Verbindung und Spiritualit\u00e4t. Ich k\u00f6nnte nun eine ayurvedische Ganzk\u00f6rpermassage (vierh\u00e4ndig) buchen, anschlie\u00dfend in die Sauna gehen, meinem Partner eine Mail schreiben, in der ich ihm etwas von meinem Innersten enth\u00fclle und ein Ritual veranstalten, dass mich mit ihm verbindet. Eine Kerze anz\u00fcnden und einen alten Brief genussvoll lesen vielleicht. Einen Strandspaziergang, bei dem ich Bl\u00fcten ins Meer werfe verbunden mit dem Wunsch, sie m\u00f6gen nach S\u00fcdamerika treiben. Ich denke mal, jeder von Euch findet da einen eigenen Zugang. <\/p>\n<p>Sex ist vielleicht gerade nicht das allerbeste Beispiel, aber die Methode l\u00e4sst sich auf alles andere \u00fcbertragen. Nicht gern allein essen? Eine Kantine oder ein Lokal mit Mittagstisch ausfindig machen, Freunde einladen, reihum mit anderen Leuten kochen und sich gegenseitig zum Essen besuchen, etwas (ins B\u00fcro) mitnehmen und mit anderen Leuten gemeinsam verzehren, die auch etwas mitgebracht haben&#8230; Wann immer ich nur eine Strategie zur Verf\u00fcgung habe, sind Depressionen garantiert. Denn dann hat mein Leben nur einen Weg, der wom\u00f6glich versperrt ist. Oder mein Gl\u00fcck liegt in der Hand eines einzigen Menschen, der aber gerade nicht entsprechend reagiert. Zum Beispiel wenn meine Heizungsanlage ausgefallen ist und der Klempner Betriebsferien hat. Wenn es nur dieser eine Klempner sein darf, k\u00f6nnte ich erfroren sein, bis er aus dem Wintersport zur\u00fcck ist. Habe ich habe ein Telefonbuch und ein aufgeladenes Handy, wird sich ein anderer Klempner finden. Oder ein Radiator aus dem Baumarkt. Oder ein Freund, bei dem ich Unterschlupf finde. Kill your Darlings &#8211; verabschiede dich von deiner Lieblingsstrategie, wenn sie die einzige ist. Genie\u00dfe deine Freiheit!<\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Dies ist ein Aufruf zur Gewalt. Nein, nat\u00fcrlich nicht. Es ist eine Einladung, sich unsere Lieblingsstrategie einmal n\u00e4her anzusehen und uns gegebenenfalls davon zu verabschieden. Denn Lieblingsstrategien k\u00f6nnen unser Leben hoffnungslos und eng machen. Eine liebe Freundin von mir litt lange darunter, ohne Partner zu leben. 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