{"id":3781,"date":"2012-02-02T12:23:00","date_gmt":"2012-02-02T11:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3781"},"modified":"2012-02-02T12:23:00","modified_gmt":"2012-02-02T11:23:00","slug":"noch-einmal-weils-so-schon-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3781","title":{"rendered":"Noch einmal, weil&#8217;s so sch\u00f6n war&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! <\/p>\n<p>Im Moment nehme ich sehr viel Druck und tiefe \u00c4ngste wahr. Die zu erledigenden Aufgaben t\u00fcrmen sich zu einem gl\u00e4nzenden Gebirge.  Zum Gl\u00fcck fiel mir eben eine Geschichte dazu ein. Ich habe sie 2010 hier schon mal eingestellt, offensichtlich spielt sie in meinem Leben eine wichtige Rolle. Damit auch die neuen Hier-Leser sich daran freuen k\u00f6nnen, hier die Erz\u00e4hlung von Beppo, dem Stra\u00dfenkehrer. <\/p>\n<p><strong>Beppo Stra\u00dfenkehrer<\/strong><br \/>\n<em>Aus dem Buch &#8222;Momo&#8220; von Michael Ende<\/em><\/p>\n<p>Er fuhr jeden Morgen lange vor Tagesanbruch mit seinem alten, quietschenden Fahrrad in die Stadt zu einem gro\u00dfen Geb\u00e4ude. Dort wartete er in einem Hof zusammen mit seinen Kollegen, bis man ihm einen Besen und einen Karren gab und ihm eine bestimmte Stra\u00dfe zuwies, die er kehren sollte.<\/p>\n<p>Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gr\u00fcndlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.<br \/>\nWenn er so die Stra\u00dfen kehrte, tat er es langsam, aber stetig:<br \/>\nBei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich.<br \/>\nDazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter:<br \/>\nSchritt &#8211; Atemzug &#8211; Besenstrich.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Stra\u00dfe und hinter sich die saubere, kamen ihm oft gro\u00dfe Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen lie\u00dfen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man getr\u00e4umt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo sa\u00df, erkl\u00e4rte er ihr seine gro\u00dfen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuh\u00f6rte, l\u00f6ste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte.<br \/>\n&#8222;Siehst du, Momo&#8220;, sagte er dann zum Beispiel, &#8222;es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Stra\u00dfe vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.&#8220;<\/p>\n<p>Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort:<br \/>\n&#8222;Und dann f\u00e4ngt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz au\u00dfer Puste und kann nicht mehr. Und die Stra\u00dfe liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.&#8220;<\/p>\n<p>Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter:<br \/>\n&#8222;Man darf nie an die ganze Stra\u00dfe auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den n\u00e4chsten Schritt denken, an den n\u00e4chsten Atemzug, an den n\u00e4chsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den n\u00e4chsten.&#8220;<br \/>\nWieder hielt er inne und \u00fcberlegte, ehe er hinzuf\u00fcgte:<br \/>\n&#8222;Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.&#8220;<\/p>\n<p>Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort:<br \/>\n&#8222;Auf einmal merkt man, dass man Schritt f\u00fcr Schritt die ganze Stra\u00dfe gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht au\u00dfer Puste.&#8220;<br \/>\nEr nickte vor sich hin und sagte abschlie\u00dfend:<br \/>\n&#8222;Das ist wichtig.&#8220;<\/p>\n<p>So will ich es im Moment auch halten. Ein Strich, ein Schritt, ein Atemzug. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Im Moment nehme ich sehr viel Druck und tiefe \u00c4ngste wahr. Die zu erledigenden Aufgaben t\u00fcrmen sich zu einem gl\u00e4nzenden Gebirge. Zum Gl\u00fcck fiel mir eben eine Geschichte dazu ein. 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