{"id":3353,"date":"2011-11-14T22:48:07","date_gmt":"2011-11-14T21:48:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3353"},"modified":"2011-11-14T22:52:48","modified_gmt":"2011-11-14T21:52:48","slug":"krankenhaus-begleitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3353","title":{"rendered":"Krankenhaus-Begleitung"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nHeute habe ich eine Patientin aus meiner Familie zu einer Untersuchung ins Universit\u00e4tskrankenhaus begleitet. Der Termin war um 12. Gegen 12.30 wurde sie unruhig, weil mehrere Menschen, die nach ihr ins Wartezimmer gekommen waren, schon dran kamen. &#8222;Vielleicht haben die mich vergessen?&#8220;<br \/>\nKurzer Check: Dir geht es um Klarheit? Du m\u00f6chtest gern die Sicherheit haben, dass der Arzt wei\u00df, dass du in diesem Zimmer sitzt? <\/p>\n<p>Dann trabte ich zur Aufnahme. Nein, es hatte alles seine Richtigkeit. &#8222;Das ist der Raum f\u00fcr Privatpatienten und die Kollegen wissen Bescheid. Sonst fragen Sie doch noch mal Zimmer 15!&#8220;<\/p>\n<p>Beruhigt kehrte ich in den Warteraum zur\u00fcck. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter fing die Patientin an zu schimpfen. Immerhin sa\u00df ihr Taxifahrer, der sie auch wieder nach Hause bringen sollte, schon 90 Minuten herum. <\/p>\n<p>Unerf\u00fcllte Bed\u00fcrfnisse abgeklopft: Klarheit, Respekt, Verbindung!<\/p>\n<p>Nun trabte ich zu Zimmer 15.<br \/>\nBeobachtung: Der Termin war um 12. Jetzt ist es eins. Wie und wann geht es weiter? Was ist los? Bitte um Klarheit. <\/p>\n<p>Der Professor hat um halb 12 einen Anruf bekommen und ist jetzt in einer Pr\u00fcfung. Es sind vier Pr\u00fcflinge, und normalerweise dauert eine Pr\u00fcfung 30 Minuten.<br \/>\nIch: Wollen Sie damit zum Ausdruck bringen, dass der Professor noch eine Stunde weg sein wird? Die Patientin ist 77 Jahre alt und hatte eine weite Anfahrt. Sie ist Diabetikerin und wird \u00fcber Sonde ern\u00e4hrt. Wir brauchen Klarheit, wie es hier weiter geht. <\/p>\n<p>Ratlose Blicke. Dann sagte eine Mitarbeiterin: In f\u00fcnf Minuten rufen wir den Professor an. Und wenn sie was brauchen, Sondenkost oder anderes, versuchen wir das von Station XY zu bekommen. <\/p>\n<p>Danke, das hilft uns sehr weiter. <\/p>\n<p>Ich trabte zur\u00fcck.<br \/>\nDie Patientin gab dem Taxifahrer einen Schein und bat ihn, etwas essen zu gehen.<br \/>\nUm halb zwei erneut der Gang zu Zimmer 15.<br \/>\n&#8222;Der Professor ist jetzt da, Sie k\u00f6nnen mit der Patientin schon herkommen, es geht gleich los.&#8220;<br \/>\nIch holte die kleine Dame aus dem Warteraum und brachte sie zu einem Zimmer 15 nahegelegenen Stuhl. Und tats\u00e4chlich ging es kurz darauf los. <\/p>\n<p>Der Herr Professor erhob sich nicht von seinem Stuhl. Mit fiel auch nicht auf, dass er sich vorstellte, aber vielleicht ging mir das auch durch die Lappen, weil ich die M\u00e4ntel aufh\u00e4ngte und die Taschen verstaute. Kein Wort der Erkl\u00e4rung oder Entschuldigung, dass die Patientin zwei Stunden auf die Besprechung warten musste.<\/p>\n<p>Was kann ich f\u00fcr Sie tun?<br \/>\nBeide redeten pr\u00e4chtig aneinander vorbei. Es war eine Freude, das mitzuerleben.<br \/>\nDie Patientin hatte nach einer Krebsbehandlung im Mundboden Schluckbeschwerden und noch diverse schwerwiegende Probleme, auch mit der Zahnprothese. Der Professor vermutete aufgrund der vorgetragenen Beschwerden, die Patientin wolle Implantate haben und erl\u00e4uterte breit, warum das in ihrem Kiefer keine gute Idee sei und er so eine Operation auch nicht vornehmen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Ich habe mir dann die Erlaubnis gegeben, mich einzuschalten. <\/p>\n<p>Ich habe gesagt, dass der Hausarzt die Patientin dr\u00e4ngt, auf die Sondenkost zu verzichten und sich wieder oral &#8222;normal&#8220; zu ern\u00e4hren. Dass aber die kleine Dame Schwierigkeiten beim Essen und Einspeicheln, Kauen und Schlucken hat, die dazu f\u00fchren, dass die Patientin fast gar nichts runter bekommt. <\/p>\n<p>Nun machte der Professor eine kleine Funktionspr\u00fcfung und informierte die Patientin, dass sie mit all diesen schrecklichen Nebenwirkungen w\u00fcrde leben m\u00fcssen. Die Krebsoperation sei gut verlaufen, die Funktionalit\u00e4t im Mund zufriedenstellend wieder hergestellt. Es gebe die eine oder andere Stellschraube, an der man Kleinigkeiten verbessern k\u00f6nne, aber insgesamt seien die Probleme eine Folge der Strahlentherapie. Und damit m\u00fcsse sie sich abfinden. UND! Es g\u00e4be keine Veranlassung, die Ern\u00e4hrung per Sonde umzustellen oder abzuschaffen. Da fing die Patientin vor Erleichterung an zu weinen.<\/p>\n<p>Ich habe mir dann erlaubt darum zu bitten, noch einmal zusammenfassen zu d\u00fcrfen, was ich geh\u00f6rt habe. Uuups! Da hat aber ein Professor erstaunt geguckt! Dann habe ich seine Infos noch einmal vorgetragen, er hat sie in einem kleinen Punkt korrigiert. Dann habe ich die Patientin gefragt: Brauchst du noch was, um jetzt gut nach Hause fahren zu k\u00f6nnen? Und sie sagte zum Professor: K\u00f6nnen Sie das genau so meinem Hausarzt schreiben, damit der mir nicht die Sonde wegnimmt? Ich bin so erleichtert!<\/p>\n<p>Ersch\u00f6pft, aber fr\u00f6hlich enterte sie schlie\u00dflich ihr Taxi und fuhr winkend davon. <\/p>\n<p>Ich habe mir mit dieser Begleitung eine Vielzahl von Bed\u00fcrfnissen erf\u00fcllt und merke, dass ich mir selbst total dankbar bin, dass ich meinem Herzen gefolgt bin und meine Begleitung zu diesem Termin sehr deutlich angeboten habe.<br \/>\nUnterst\u00fctzung<br \/>\nBeitragen<br \/>\nLernen<br \/>\nGemeinschaft mit der Patientin<br \/>\nGesehen und geh\u00f6rt werden f\u00fcr die Patientin &#8211; das war mir besonders kostbar!<br \/>\nW\u00e4rme<br \/>\nKlarheit. <\/p>\n<p>Ich glaube, auch f\u00fcr die Patientin waren zahlreiche Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt, Unterst\u00fctzung und Geh\u00f6rt werden wohl am meisten. Das war supersch\u00f6n f\u00fcr mich, in dieser Weise beitragen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAuch f\u00fcr den Professor schien es sch\u00f6n zu sein. Mir gefiel der erstaunte Blick, als ich seine Aussagen zusammenfasste und er merkte, dass er verstanden worden war. Auch sch\u00f6n die kleine Korrektur, die er noch anbrachte. Dabei f\u00e4llt mir ein, dass auch mein Bed\u00fcrfnis nach Wirksamkeit durch diese Aktion erf\u00fcllt wurde. Yep! <\/p>\n<p>Insgesamt ist mir deutlich geworden, wie kostbar es w\u00e4re, wenn mehr Menschen mit dieser Ausbildung andere Menschen zum Arzt oder vielleicht auf eine Beh\u00f6rde begleiten k\u00f6nnten. Wie viel besser k\u00f6nnten wir uns alle verstehen! Wie gut doch so eine Unterst\u00fctzung tut in Situationen, in denen man selber so hilflos ist! Kurzzeitig hatte ich die Vision, dass in jedem Krankenhaus eine GfK-Station ist, wo man sich einen NVC-Guide abholen kann. Und die Krankenkassen bezahlen daf\u00fcr, denn es erleichtert und verbessert die Kommunikation zwischen Arzt und Patient und kann sogar die Verweildauer verk\u00fcrzen, weil sich die Beteiligten besser verstehen. Es geht doch nichts \u00fcber eine sch\u00f6ne Vision! <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Heute habe ich eine Patientin aus meiner Familie zu einer Untersuchung ins Universit\u00e4tskrankenhaus begleitet. Der Termin war um 12. Gegen 12.30 wurde sie unruhig, weil mehrere Menschen, die nach ihr ins Wartezimmer gekommen waren, schon dran kamen. &#8222;Vielleicht haben die mich vergessen?&#8220; Kurzer Check: Dir geht es um Klarheit? 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