{"id":3295,"date":"2011-11-03T10:59:40","date_gmt":"2011-11-03T09:59:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3295"},"modified":"2011-11-03T11:51:34","modified_gmt":"2011-11-03T10:51:34","slug":"von-socken-geschenken-und-giraffensaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3295","title":{"rendered":"Von Socken, Geschenken und Giraffensaft"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nDas Thema Socken stricken hat mich schon vor 30 Jahren interessiert. Auf mein Bitten schenkte mir meine Schwiegermutter ein Buch mit Strickanleitungen, aber es sollte noch bis 2003 dauern, bis ich wirklich damit anfing. <\/p>\n<p>Mein Partner f\u00fcrchtete eine Geschenke-Orgie zu Weihnachten und bat mich darum, nur ein Geschenk zu machen, das noch dazu nicht teuer war als zehn Euro. Ich wusste, dass er leidenschaftlich gern selbstgestrickte Socken trug und und beschloss, dass jetzt die gute Gelegenheit w\u00e4re, es zu lernen. <\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre habe ich wohl ungef\u00e4hr 70 Paar gestrickt. <a href=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Socken_2011_11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Socken_2011_11-300x271.jpg\" alt=\"\" title=\"Neueste Aktivit\u00e4ten\" width=\"300\" height=\"271\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3296\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Socken_2011_11-300x271.jpg 300w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Socken_2011_11-1024x926.jpg 1024w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Socken_2011_11.jpg 1170w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Dazwischen waren welche aus Alpaka und aus Seide, aus Schurwolle, Synthetik-Gemisch, f\u00fcr ein Baby und Dutzende in Schuhgr\u00f6\u00dfe 47.<br \/>\nIn den vergangenen zwei Jahren habe ich auch jeweils f\u00fcr meine Trainer als Abschieds-Geschenk nach der Jahresgruppe Socken gestrickt. Beim Auspacken wurde ich bedankt und das war&#8217;s.<br \/>\nIn der vergangenen Woche sa\u00df ich im Seminar und stellte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen fest, dass die Trainer die von mir gestrickten Socken trugen. In mir fing es an zu rumoren. Gef\u00fchle wirbelten durcheinander. Und schlie\u00dflich sagte ich in der gro\u00dfen Runde, wie sehr es mich ber\u00fchrt, &#8222;meine&#8220; Socken an ihren F\u00fc\u00dfen zu sehen. Auf ganz tiefe Weise sei so mein Bed\u00fcrfnis nach Wertsch\u00e4tzung und Verbindung erf\u00fcllt. Gleichzeitig empf\u00e4nde ich eine tiefe Scham \u00fcber diese Gef\u00fchle, die durch den Anblick in mir ausgel\u00f6st worden waren. Marshall h\u00e4tte doch gesagt, wir sollten so geben, wie ein Kind Enten f\u00fcttert: Voller Freude \u00fcber das Geben, aus freiem Herzen. Und dann m\u00fcsse der Vorgang doch quasi mit dem Geben abgeschlossen sein. Ich f\u00fcttere Enten, ich stricke Socken und verschenke sie. Punkt. <\/p>\n<p>Gerhard sprach mich sp\u00e4ter noch einmal darauf an. Nach diesem Gespr\u00e4ch habe ich Folgendes verstanden. Aus freiem Herzen schenken, ohne eine Verpflichtung f\u00fcr den anderen, das ist eine Sache. Ich schenke aber, um zum Wohlbefinden des anderen einen Beitrag zu leisten. Um Freude zu bereiten. Und wenn ich dann sehe, dass der andere sich wirklich freut, dann darf das Auswirkungen auf mich haben. Ich darf mich mitfreuen. Ich darf feiern, dass mein Geschenk willkommen ist. &#8222;Wenn du das nicht tust, schneidest du dich vom Giraffensaft ab&#8220;.<br \/>\nOh ja, Giraffensaft&#8230; Das ist das, was uns n\u00e4hrt. Was uns neue Kraft gibt. Ich darf mich an der Freude der anderen freuen. Oder wie in diesem Fall: Ich darf mich freuen,  mein Bed\u00fcrfnis nach Wertsch\u00e4tzung auf so \u00fcberraschende Weise erf\u00fcllt zu sehen. Ich hatte ja nicht t\u00e4glich die Socken kontrolliert. Zu sehen, dass ich zum Wohlergehen anderer einen Beitrag leisten konnte, hat mich so befl\u00fcgelt und ber\u00fchrt. <\/p>\n<p>Heute Morgen bin ich mit einem tiefen Schmerz in Verbindung gekommen. Im vorigen Jahr hatte ich als Weihnachtsgeschenk ein paar Socken in Gr\u00f6\u00dfe 47 gestrickt und verschickt. Das P\u00e4ckchen kam zur\u00fcck mit dem Hinweis: Annahme verweigert. Seither liegt es in den Tiefen meines Kleiderschrankes und der Gedanke daran schmerzt auch nach zehn Monaten unvermindert. Mit Liebe gemacht, in Liebe gegeben. Ohne verbindende Worte retourniert. Inzwischen mache ich lange genug GfK, um mich mit den wunderbaren Bed\u00fcrfnissen zu verbinden, die sich der Adressat damit erf\u00fcllt hat, als er das Paket nicht angenommen hat. Schutz, Autonomie, Authentizit\u00e4t, Klarheit und vielleicht noch das eine oder andere mehr. Aber genau so, wie mich vergangene Woche die Freude \u00fcber die getragenen Socken \u00fcberfiel, traf mich heute Morgen der rasende Schmerz \u00fcber das Geschenk, das nicht willkommen war. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Das Thema Socken stricken hat mich schon vor 30 Jahren interessiert. Auf mein Bitten schenkte mir meine Schwiegermutter ein Buch mit Strickanleitungen, aber es sollte noch bis 2003 dauern, bis ich wirklich damit anfing. 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