{"id":3122,"date":"2011-07-18T22:24:17","date_gmt":"2011-07-18T20:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3122"},"modified":"2011-07-18T22:28:20","modified_gmt":"2011-07-18T20:28:20","slug":"trampelpfade-im-hirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3122","title":{"rendered":"Trampelpfade im Hirn"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<\/p>\n<p>Mein Kopf ist so voll mit wunderbaren Erkenntnissen, die ich so gern mit Euch teilen m\u00f6chte. Heute geht es um die Frage: Wenn ich doch die vier Schritte der GfK im Nu begriffen habe, sie als bereichernd und sinnvoll in mein Leben integrieren will &#8211; warum f\u00e4llt mir dann in schwierigen Situationen kein GfK ein? <\/p>\n<p>Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir darauf angewiesen sind, als Babys und Kleinkinder von unseren Bezugspersonen ern\u00e4hrt und gespiegelt werden. Kinder, die keinerlei Ansprache haben, sterben. Das ist leider sogar im Experiment bewiesen.<br \/>\nDiese fr\u00fchkindliche Abh\u00e4ngigkeit von anderen f\u00fchrt dazu, dass wir uns v\u00f6llig unbewusst ihren Werten f\u00fcgen. In aller Regel wachsen wir auf in einer Welt von Richtig und Falsch.<\/p>\n<p>Zwei Kr\u00e4fte sind in uns besonders lebendig: Der Explorationstrieb, der uns dazu inspiriert, Dinge auszuprobieren und unsere Autonomie zu entdecken, und unser Bindungsverhalten. Kleinkinder m\u00fcssen sich st\u00e4ndig r\u00fcckversichern, ob ihre Bezugsperson noch da ist. Nur wer sicher gebunden ist, kann auch entspannt seinem Explorationstrieb nachgehen. <\/p>\n<p>Im Spiegel unserer Bezugspersonen erleben wir, was erw\u00fcnschtes und unerw\u00fcnschtes Verhalten ist. Wir formen uns praktisch selbst nach den Normen, die uns vorgegeben, vorgelebt werden. Dabei entstehen in unserem Gehirn neuronale Vernetzungen.<br \/>\nUrspr\u00fcnglich haben wir nur mit Gef\u00fchlen, mit Botschaften aus dem &#8211; evolution\u00e4r betrachtet &#8211; \u00e4ltesten Teil des Gehirns zu tun, dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Limbisches_System \">limbischen System<\/a> und dem Mandelkern, der Amygdala. Wenn wir heranwachsen, kommt der Verstand dazu, der vorn in der Stirn zu Hause ist, im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pr%C3%A4frontaler_Cortex\">pr\u00e4frontalen Cortex. <\/a><\/p>\n<p>Im Verlauf unseres Aufwachsens lernen wir unreflektiert bestimmte Verhaltensweisen, die uns zum damaligen Zeitpunkt und im damaligen System wichtige Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt haben. Wenn wir h\u00f6ren. &#8222;ein Junge weint nicht&#8220;, dann h\u00e4tte es unter Umst\u00e4nden f\u00fcr uns sehr unerfreuliche Folgen, wenn wir als Junge oder Mann dann eben doch weinen w\u00fcrden. Oder wenn wir als M\u00e4dchen unsere Wut oder unsere Aggressionen zeigen. Stattdessen trainieren wir Verhaltensweisen, die sozial erw\u00fcnscht sind oder uns zumindest als geeignete Strategie im \u00dcberlebenskampf erscheinen. Mit diesen erw\u00fcnschten Verhaltensweisen sichern wir die Bindung zu unseren Bezugspersonen. <\/p>\n<p>So entstehen im Gehirn geradezu neuronale Autobahnen, tief eingegrabene Verhaltensmuster, die bei Bedarf sofort aktiviert werden. Unsere Reaktionen kommen dann aus dem &#8222;Autopiloten&#8220;. Mit einem sch\u00f6nen Gru\u00df vom <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amygdala\">Mandelkern<\/a>. Hier gibt es ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass wir sicher alle kennen&#8230; <\/p>\n<p><a href='http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2JHu6_1VqJI' >Das Wunder des \u00c4rgerns<\/a><\/p>\n<p>Wenn wir nun anfangen, GfK zu lernen, geschieht das zun\u00e4chst im pr\u00e4frontalen Cortex. Wir erfassen die GfK intellektuell. Wenn jedoch eine schwierige Situation entsteht, wenn wir unter Stress geraten oder mit Dingen konfrontiert sind, die wir schon hundert Mal auf bestimmte Weise gel\u00f6st haben, schaltet sich der Autopilot zu. Also: Es werden wie in dem netten Video-Beispiel bei Otto Waalkes Botenstoffe ausgesch\u00fcttet, der Blutdruck steigt, die Faust ballt sich. Und \u00fcber die schon in Kindertagen angelegten neuronalen Autobahnen im Gehirn reagieren wir wie ein Automat. So wie wir immer reagiert haben&#8230; <\/p>\n<p>Manchmal dauert es Wochen, bis einem einf\u00e4llt: Mensch, in dieser oder jener Situation h\u00e4tte ich ja auch mit GfK reagieren k\u00f6nnen&#8230;<br \/>\nEs geht also darum, auf l\u00e4ngere Sicht vor die alten sechsspurigen Autobahnen einen Schlagbaum anzubringen. Wir rasen dann immer seltener durch die Schranke und hinterlassen Holzsplitter, sondern wir halten und \u00fcberpr\u00fcfen, was in der aktuellen Situation eine angemessene Verhaltensweise w\u00e4re. So entstehen nach und nach neue Verhaltensmuster, die sich ganz allm\u00e4hlich vom kaum sichtbaren Trampelpfad zur komfortablen Schnellstra\u00dfe ausbauen lassen. <\/p>\n<p>Mit der Zeit gelingt das immer h\u00e4ufiger und immer schneller. Wir nehmen sozusagen einen Gangwechsel vor. Wir kuppeln aus und \u00fcberlegen neu, in welchem Gang wir weiter fahren m\u00f6chten. Dann legen wir einen neuen Gang ein und weiter geht die Fahrt. <\/p>\n<p>Um das tun zu k\u00f6nnen, brauchen wir Achtsamkeit. Wir m\u00fcssen daf\u00fcr lernen, den Signalen unseres K\u00f6rpers zu lauschen, unsere Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse wahrzunehmen. Erst dann gelingt es uns immer \u00f6fter, dass der pr\u00e4frontale Cortex entscheidet, wie wir reagieren wollen, und nicht das uralte limbische System mit seinen Steinzeitmustern&#8230; <\/p>\n<p>Wie Marshall so sch\u00f6n sagt: Die ersten 40 Jahre sind die schwersten&#8230; <\/p>\n<p>Mich w\u00fcrde interessieren, ob diese Erl\u00e4uterung f\u00fcr Euch irgendwie von Nutzen war. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Mein Kopf ist so voll mit wunderbaren Erkenntnissen, die ich so gern mit Euch teilen m\u00f6chte. 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