{"id":3027,"date":"2011-05-01T14:07:38","date_gmt":"2011-05-01T12:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3027"},"modified":"2011-05-01T14:07:38","modified_gmt":"2011-05-01T12:07:38","slug":"kraut-ruben-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3027","title":{"rendered":"Kraut &#038; R\u00fcben (7)"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nWenig los hier in den vergangenen Wochen. Es ist nicht so, dass es keine Themen gibt. Ich schaffe es nur nicht mehr bis in den Blog. Tags\u00fcber kommen die z\u00fcndenden Ideen und wenn ich abends nach Hause komme, bin ich einfach nur platt. Ist das das Alter?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gestern Vormittag habe ich ein bisschen Bettw\u00e4sche aus der Hei\u00dfmangel geholt. Ich war total m\u00fcde und schlapp und sagte zu der Dame an der Kasse: \u201eIch bin gestern erst 22.20 Uhr von der Arbeit gekommen.\u201c Mit einer Art Schnauben entgegnete sie: \u201eSo lange arbeite ich immer. Erst hier im Laden und dann der Haushalt.\u201c Und ich dachte, puh, was ist hier denn los? Ich h\u00e4tte gern so etwas geh\u00f6rt wie &#8222;das ist auch wirklich sp\u00e4t&#8220; oder &#8222;doof, wenn man am n\u00e4chsten Tag wieder fr\u00fch raus muss&#8220;. Stattdessen &#8222;h\u00f6rte&#8220; ich ihre Antwort als &#8222;es ist normal, lange zu arbeiten. Stell dich nicht so an! Ich arbeite noch viel h\u00e4rter als du&#8230;&#8220; und wieder einmal war ich fasziniert, was ich so alles wahrnehme, wenn ich Beobachtung und Gef\u00fchl voneinander trenne. Ich war allerdings zu ersch\u00f6pft, um der Dame Einf\u00fchlung zu geben und habe wahrscheinlich nur hohl geguckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann kam der Termin bei der Fu\u00dfpflege. 10 Uhr. Ich war p\u00fcnktlich. Nach einer Minute kam sie aus der Kanine und sagte, \u201edas dauert noch einen Moment!\u201c Dann stutzte sie, sah auf die Nagelfeile in meiner Hand uns sagte, \u201ewas ist das f\u00fcr eine Feile?\u201c Ich antwortete, \u201eVon Alessandro\u201c. Sie entgegnete, \u201eund was soll ich damit?\u201c Und ich sagte: Gar nichts. Ich will mir die Fingern\u00e4gel feilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der \u201eMoment\u201c dauerte dann 20 Minuten und ich hatte reichlich Gelegenheit, meinen Gef\u00fchlen und Bed\u00fcrfnissen nachzusp\u00fcren.<br \/>\nUff. Versp\u00e4tungen ind ja eine gro\u00dfartige Gelegenheit, nach innen zu horchen. Denn auch &#8222;P\u00fcnktlichkeit\u201c steht nicht auf Marshalls Bed\u00fcrfnisliste. Ich fand, dass mein Bed\u00fcrfnis nach Autonomie im Mangel war. Ich m\u00f6chte gern frei entscheiden, was ich mit meiner Zeit mache. Und ich brauchte Klarheit. Wie lange dauert ein Moment? Es hatte auch etwas mit Wertsch\u00e4tzung zu tun. F\u00fcr die Kundin in der Kabine war Zeit, f\u00fcr mich anscheinend nicht. Noch nicht.<br \/>\nAls ich dann mit 22 Minuten Versp\u00e4tung dran kam, habe ich gesagt, wie es mir geht: Ich bin richtig in Stress gekommen, weil meine Zeit Samstagmorgens immer sehr knapp bemessen ist. Ich muss noch zur \u00c4nderungsschneiderei, zum Friseur und ein paar anderen Stellen, und hier werden mittags die B\u00fcrgersteige hochgeklappt. Ich kann das gut verstehen, dass sich eine Kundin versp\u00e4tet, aber ich w\u00fcnsche mir einfach Klarheit, wie lange es noch dauert und dann kann ich in der Zwischenzeit ein paar Sachen erledigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schweigen. Schweigen.<br \/>\nSchweigen.<br \/>\nIch f\u00fchlte mich unbehaglich. Im Nachhinein dachte ich, Mensch, du hast die Br\u00fccke vergessen. &#8222;Wie geht es Ihnen mit dem, was ich gerade gesagt habe?\u201c<br \/>\nDas geschieht mir in letzter Zeit \u00f6fter. Ich finde einen Selbstausdruck (so und so geht es mir&#8230;), aber das macht halt noch keine Verbindung. Eine g\u00fcnstige Gelegenheit, mich selbst in die Pfanne zu hauen. Ich lasse sie aus und nehme zur Kenntnis, dass ich mich gern st\u00e4rker um diese Br\u00fccke zum anderen k\u00fcmmern m\u00f6chte.<br \/>\nGestern Nachmittag dann ein Telefonat mit dem ausgeladenen Gast vom vorigen Wochenende. Ich war ber\u00fchrt zur Kenntnis zu nehmen, dass unsere Beziehung offenbar keinen ernsthaften Riss durch meine Absage erhalten hat. Ich sprach gestern Abend mit meiner GfK-Freundin Herzi dar\u00fcber. Sie fand in der R\u00fcckschau mein Verhalten vom vergangenen Wpchenende wunderbar klar und eindeutig und die Anfrage von gestern einfach nur unversch\u00e4mt. W\u00e4hrend ich feierte, dass die Beziehung noch bestand, witterte Herzi einfach nur schamloses Ausnutzen. N\u00f6, ich bewerte nicht&#8230;   \ud83d\ude44<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann gab es gestern noch ein Telefonat&#8230;<\/p>\n<p>Gestern Abend um elf, ich war gerade am Einschlafen, klingelte das  Telefon. Es war ein alter Bekannter, von dem ich jahrelang nichts geh\u00f6rt  hatte. Er wollte von meinen Verbindungen zum Hexenkult h\u00f6ren. Das  Telefonat hat mich tief ersch\u00fcttert. An meiner Hauswand h\u00e4ngt ein  Airbrush mit einer gro\u00dfen Eule und einer kleinen Hexe auf einem  &#8222;Easy-Rider&#8220;-Besen. Ich bin ein gro\u00dfer Harry-Potter-Fan und so kam das  Bild zustande. Zum Hexenkult habe ich keinerlei Verbindung. Im Verlauf  des Gepr\u00e4chs stellte sich heraus, dass der Bekannte gerade von einem  mehrw\u00f6chigen Aufenthalt in der Psychiatrie nach Hause gekommen war. Er  hat Wahnvorstellungen, in denen finstere M\u00e4chte durchaus eine Rolle  spielen.<br \/>\nStolz erz\u00e4hlte er, dass er nach wie vor raucht und trinkt,  und ich vermute, dass er auch Drogen nimmt. Nat\u00fcrlich sind alle anderen  doof und man tut ihm st\u00e4ndig Unrecht. Als das Gesp\u00e4ch nach ca. 45  Minuten endete, war ich so aufgeregt und angespannt, dass ich nicht  einschlafen konnte. Und ich dachte bei mir, mit Sucht und Depressionen  kann ich umgehen. Aber Schizophrenie l\u00f6st wirklich Angst bei mir aus.  Ich merke, w\u00e4hrend ich das tippe, dass da mein inneres Kind in Not  kommt. Da gibt es irgendetwas von fr\u00fcher, was da getriggert wird. ich  habe noch nicht raus, was es ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch hier wird dann gleich wieder die Latte hoch geh\u00e4ngt. Wie h\u00e4tte Marshall in diesem Gespr\u00e4ch reagiert? Er zitiert das Buch von Thomas Szasz \u201eThe myth of mental illness\u201c, wonach es eben keine Geisteskrankheiten gibt. Es ist mir gelungen, das Werk antiquarisch zu erstehen, gelesen ist es noch nicht&#8230; Also: Ich m\u00fcsste, ich sollte&#8230; und dann habe ich mir einfach eingestanden, dass mich dieses Verhalten des Anrufers, seine schnelle Sprache, die Dinge, die er erz\u00e4hlte, einfach total verunsichert haben. Abends um 11 ohne Vorwarnung so ein Gespr\u00e4ch &#8211; das muss mir nicht gefallen und es ist total in Ordnung, darauf nicht mit Begeisterung zu reagieren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war das Wort zum Sonntag  \ud83d\ude09<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So long!<\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Wenig los hier in den vergangenen Wochen. Es ist nicht so, dass es keine Themen gibt. Ich schaffe es nur nicht mehr bis in den Blog. Tags\u00fcber kommen die z\u00fcndenden Ideen und wenn ich abends nach Hause komme, bin ich einfach nur platt. 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