{"id":3001,"date":"2011-04-17T09:59:59","date_gmt":"2011-04-17T07:59:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3001"},"modified":"2011-04-17T09:59:59","modified_gmt":"2011-04-17T07:59:59","slug":"fett-und-faul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=3001","title":{"rendered":"Fett und faul"},"content":{"rendered":"<p><em>HORATIO<br \/>\nEr kommt ganz au\u00dfer sich vor Einbildung.<\/p>\n<p>MARCELLUS<br \/>\nIhm nach! Wir d\u00fcrfen ihm nicht so gehorchen.<\/p>\n<p>HORATIO<br \/>\nKommt, folgen wir! Welch Ende wird dies nehmen?<\/p>\n<p>MARCELLUS<br \/>\nEtwas ist faul im Staate D\u00e4nemarks. <\/em><br \/>\nHamlet, Drama von William Shakespeare, 1. Akt, 4. Szene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, l\u00e4nger mit einer Frau zu sprechen. Wir sa\u00dfen bei einem Gesch\u00e4ftsessen nebeneinander und teilten auch das Fr\u00fchst\u00fcck am n\u00e4chsten Morgen.<br \/>\nIch war ziemlich durchgesch\u00fcttelt, denn sie lie\u00df an sich selbst kein gutes Haar. \u00cech bin so fett geworden\u201c, sagte sie. Die Beobachtung meinerseits dazu war, dass sie einen ziemlichen H\u00fcftumfang hatte und wahrscheinlich Kleidergr\u00f6\u00dfe 48 oder 50 tr\u00e4gt. Ihr Gesicht war schmal, ebenso ihre Unterarme und ihre H\u00e4nde. Wir sprachen ein bisschen \u00fcber Gewicht und Selbstwahrnehmung. Dann kamen wir auf ein neues Thema, und sie erz\u00e4hlte, \u201eich bin so faul\u201c. Die Beobachtung dazu war, dass sie nach einem langen Arbeitstag keine Energie mehr hatte, bei sich zu Hause l\u00e4ngere Zeit Hausarbeiten zu verrichten. W\u00e4sche und Putzen bleiben bis zum Wochenende liegen. <\/p>\n<p>Die meisten von uns haben eine Richtschnur eingebaut, wie wir sein sollten, was wir tun m\u00fcssen, damit wir ok sind, akzeptiert, geliebt werden. Wie-Worte, Adjektive beschreiben diesen erw\u00fcnschten Zustand. Flei\u00dfig, pflegeleicht,  atttraktiv, anst\u00e4ndig, sparsam und sportlich. Abweichungen von diesem Bild werden mit Selbstabwertungen gestraft. <\/p>\n<p>All diese Bewertungen lassen eines au\u00dfer acht: Unsere Gef\u00fchle.<br \/>\nIch glaube, unsere Gef\u00fchle sind \u00e4lter als unsere Bewertungen. 157680 Stunden vergehen beim Menschen von der Geburt bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres. In dieser unfassbaren Zeit lernen wir t\u00e4glich: Das ist richtig, das ist falsch. Wenn du das machst, hat Mami dich nicht mehr lieb und Papi schimpft mir dir. Und nur in Ausnahmef\u00e4llen lernen wir: Wie geht es mir, wie geht es dir? Was brauche ich, und was brauchst du?<br \/>\nDas Denken in den Kategorien von Richtig oder Falsch tr\u00e4gt dazu bei, dass wir uns von unseren Gef\u00fchlen entfernen. Nach den Ma\u00dfst\u00e4ben unserer Eltern, der Gesellschaft, des Chefs oder der Partnerin zu leben hei\u00dft auch, von uns selbst und unserem inh\u00e4renten Wert entfremdet zu sein. Wir sind von Natur aus richtig, liebenswert, perfekte Wesen, egal was wir auf die Waage bringen, wie oft wir putzen oder zum Sport gehen.<\/p>\n<p><em>Heute will ich auf die Wie-Worte in meinem Leben achten. Viele beinhalten eine Wertung. Ich bin bereit, sie in Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse zu \u00fcbersetzen und meine eigenen Ma\u00dfst\u00e4be zu finden. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HORATIO Er kommt ganz au\u00dfer sich vor Einbildung. MARCELLUS Ihm nach! Wir d\u00fcrfen ihm nicht so gehorchen. HORATIO Kommt, folgen wir! Welch Ende wird dies nehmen? MARCELLUS Etwas ist faul im Staate D\u00e4nemarks. 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