{"id":2939,"date":"2011-03-07T21:29:28","date_gmt":"2011-03-07T20:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2939"},"modified":"2011-03-07T21:29:28","modified_gmt":"2011-03-07T20:29:28","slug":"do-nothing-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2939","title":{"rendered":"Do nothing-Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! <\/p>\n<p>Am Samstag war ich als Assistentin bei einem GfK-Workshop, bei dem ein Lehrer von den Problemen mit einem Sch\u00fcler erz\u00e4hlte. Am Ende einer \u00dcbung mit dem Tanzparkett fand er f\u00fcr sich heraus, dass er den betreffenden Jungen beim n\u00e4chsten Eintreten einer vergleichbaren Situation bitten will, die Klasse zu verlassen und in einem anderen Raum zu warten, bis der Unterricht vorbei ist. Ich war ganz elektrisiert, denn es erinnerte mich an eine Erz\u00e4hlung von Marshall, der berichtete, wie einst an einer GfK-Schule ein Do-Nothing-Room eingerichtet wurde. Dorthin konnten Sch\u00fcler gehen, die nicht am Unterricht teilnehmen wollten. Es war keine Strafe, sondern einfach ein Ort innerhalb der Schule, wo Nichtstun total in Ordnung war und auch die anderen nicht beim Lernen st\u00f6rte. <\/p>\n<p>Gestern habe ich eine halbe Stunde vor dem Fernseher gesessen und nichts getan. <\/p>\n<p>Und danach habe ich festgestellt, dass ich fast nie Do-nothing-Zeit habe. Mein Leben rauscht in einem Tempo, das keine Zeit f\u00fcr &#8222;Do nothing&#8220;, f\u00fcr Nichtstun l\u00e4sst.<br \/>\nNichtstun &#8211; das klingt in meinen Ohren wie Nichtsnutz. Wir haben so sch\u00f6ne Formulierungen wie Faulpelz, auf der faulen Haut liegen, faule Socke. Etwas fault, wenn es nur irgendwo rumliegt. Es setzt also Schimmel an. Es taugt nichts. Die Italiener sagen, Dolce far niente, s\u00fc\u00dfes Nichtstun. in Deutsch ist M\u00fc\u00dfiggang aller Laster Anfang. <\/p>\n<p>Nietzsche schrieb dazu:<br \/>\n  <em>  \u201eDie Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: Der Hang zur Freude nennt sich bereits \u201eBed\u00fcrfniss der Erholung\u201c und f\u00e4ngt an, sich vor sich selber zu sch\u00e4men. \u201eMan ist es seiner Gesundheit schuldig\u201c \u2014 so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es k\u00f6nnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heisst zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachg\u00e4be.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Bestimmt hat mein Verhalten etwas mit meinen inneren Antreibern zu tun. Sie hei\u00dfen<br \/>\n1. Sei perfekt<br \/>\n2. Beeil dich<br \/>\n3. Streng dich an<br \/>\n4. Mach es allen recht<br \/>\n5. Sei stark<\/p>\n<p>und ein Test hat mal ergeben, dass mich alle f\u00fcnf Antreiber ziemlich heftig im W\u00fcrgegriff haben.<br \/>\nIch gestehe es mir nicht zu, do-nothing-Zeit zu haben. Es ist doch immer was zu tun. Katzenklos, B\u00fcgelw\u00e4sche, endlich die Bilder in den Blog re-importieren, einen R\u00fcckruf, einen Brief beantworten&#8230; sei perfekt, machs allen recht&#8230;<br \/>\nIn mir ist heute Abend ein gro\u00dfes Bedauern, dass ich so wenig Do-nothing-Zeit f\u00fcr mich finde. Ich kann sehen, welche wundervollen Bed\u00fcrfnisse ich mir mit meinem vielf\u00e4ltigen Besch\u00e4ftigungen erf\u00fclle. Und immer st\u00e4rker wird in mir der Wunsch, einen Sabbat zu haben, einen Ruhetag, an dem ich nicht einmal das Licht selbst anmachen muss. <\/p>\n<p>Am kommenden Wochenende schenke ich mir selbst einen reinen Do-Nothing-Tag.<br \/>\nBeschlossen und verk\u00fcndet. <\/p>\n<p>So long!<br \/>\nYsabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! 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