{"id":2894,"date":"2011-02-20T10:45:13","date_gmt":"2011-02-20T09:45:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2894"},"modified":"2011-02-20T13:22:07","modified_gmt":"2011-02-20T12:22:07","slug":"groll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2894","title":{"rendered":"Die Farbe des Grolls"},"content":{"rendered":"<p>Die Bezeichnung Groll f\u00fcr \u201eZorn, Wut\u201c geht auf das 14. Jahrhundert zur\u00fcck und geh\u00f6rt zu dem unter grell dargestellten Stamm, bezieht sich aber urspr\u00fcnglich auf eine w\u00fctende Laut\u00e4u\u00dferung. Dazu die Ableitung &#8222;grollen&#8220;murren, missmutig sein, die auf das Mittelhochdeutsche grollen zur\u00fcckgeht und verwandt ist mit dem altenglischen gryllan, mit den Z\u00e4hnen knirschen, zornig sein.<br \/>\n<em>Wahrig Herkunftsw\u00f6rterbuch<\/em><\/p>\n<p>Wenn ich Gef\u00fchlen Farben zuordnen wollte, w\u00e4re Wut hellrot und fl\u00fcssig. Zorn w\u00e4re dunkler rot und dickfl\u00fcssig. Und Groll w\u00e4re rotschwarz wie gestocktes Blut und z\u00e4h. <\/p>\n<p>Freitag bekam ich einen Anruf, in dem jemand seine Bedenken bez\u00fcglich eines Plans zum Ausdruck brachte. Ich sp\u00fcrte so heftige Gef\u00fchle in mir, dass ich nicht nur dem Anrufer gegen\u00fcber wenig h\u00f6flich war, sondern auch kaum wusste wohin mit mir. Ich erinnerte mich irgendwann an Marshalls Erz\u00e4hlungen \u00fcber John, mit dem er in einem schwedischen Gef\u00e4ngnis arbeitete. John hatte einen Antrag auf eine Ausbildung gestellt und drei Wochen keine Antwort von der Gef\u00e4ngnisleitung bekommen. \u201eWhat are you telling yourself?\u201c, fragte ihn Marshall, und John schnaubte, \u201eI&#8217;m not telling me anything&#8230;\u201c. Doch auf Nachfragen stellte sich heraus, dass John unter anderem glaubte, \u201ef\u00fcr die Gef\u00e4ngnisleitung sind wir nur ein Haufen Nichts und unsere Bed\u00fcrfnisse interessieren sie \u00fcberhaupt nicht\u201c. Und diese Gedanken l\u00f6sten bei John eine geh\u00f6rige Wut aus.<br \/>\nNach dem Telefonat am Freitag fragte ich mich schlie\u00dflich: Was erz\u00e4hlst du dir selbst \u00fcber dieses Gespr\u00e4ch? Und ich h\u00f6rte von mir Sachen wie \u201edie trauen uns nichts zu. Die wollen immer \u00fcber alles bestimmen.\u201c  Und je l\u00e4nger ich mir zuh\u00f6rte, desto mehr erkannte ich, dass ich an einen alten Groll gekommen war. Obenauf lag Wut, hellrot, frisch und sprudelnd. Aber darunter war ein schwarzer Groll aus Kindertagen, als ich den Menschen in meinem Umfeld scheinbar machtlos ausgeliefert war, als meine Meinung nicht z\u00e4hlte.<br \/>\nM\u00fchsam gelang es mir, die sch\u00f6nen Absichten der Gegenseite wenigstens zu ahnen. Beitragen, Unterst\u00fctzung, Weitergabe von Erfahrungen, Leichtigkeit, Harmonie&#8230;<br \/>\nMit diesen Gedanken merkte ich, dass es f\u00fcr mich leichter wurde, meinen urspr\u00fcnglichen Plan loszulassen und die Argumente der anderen Seite zu sch\u00e4tzen und einzubeziehen.  Ich sp\u00fcrte Erleichtung, Respekt und so etwas \u00e4hnliches wie Verbindung.<br \/>\nZu meiner \u00dcberraschung fand ich heute Morgen eine Mail in meinem Briefkasten, in dem unserem Organisations-Team vollkommen freie Hand bei der Ausf\u00fchrung gelassen wurde.<br \/>\nWunder gibt es immer wieder, wenn ich bereit bin, mein Denken zu ver\u00e4ndern.<br \/>\n<em><br \/>\nHeute bin ich bereit, Angriffsgedanken genauer zu betrachten und loszulassen. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bezeichnung Groll f\u00fcr \u201eZorn, Wut\u201c geht auf das 14. 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