{"id":2802,"date":"2011-01-18T00:52:57","date_gmt":"2011-01-17T23:52:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2802"},"modified":"2011-01-17T20:56:01","modified_gmt":"2011-01-17T19:56:01","slug":"meine-bedurfnisse-und-deine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2802","title":{"rendered":"Meine Bed\u00fcrfnisse und deine&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Dem Bed\u00fcrfnis nach Einsamkeit gen\u00fcgt es nicht, dass man an einem Tisch allein sitzt. Es m\u00fcssen auch leere Sessel herumstehen. Wenn mir der Kellner so einen Sessel wegzieht, auf dem kein Mensch sitzt, versp\u00fcre ich eine Leere und es erwacht meine gesellige Natur. Ich kann ohne freie Sessel nicht leben.&#8220;<br \/>\n<em> Karl Kraus, Fackel 326\/328 40; Pro domo et mundo<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr einen Gesch\u00e4ftsbesuch hatte meine Kollegin vor einigen Wochen zwei Einzelzimmer in einem Hotel gebucht. \u00dcber Weihnachten meldete sich eine der Damen und \u00e4nderte das Arrangement. Dame Nr. 2 sei hilfsbed\u00fcrftig und deshalb w\u00e4re ein Doppelzimmer besser. Als ich jetzt mit Dame 2 zusammensa\u00df, erz\u00e4hlte sie, dass sie f\u00fcr diese Entscheidung nicht befragt worden sei. Dame 1 hatte allein entschieden und Dame 2 akzeptiert. Obwohl es ihr nicht recht war. Obwohl die beiden Damen nicht so vertraut waren, dass Dame 2 gern das Zimmer mit Dame 1 geteilt h\u00e4tte&#8230;<br \/>\nDame 1 hatte sich mit der \u00c4nderung des Arrangements mutma\u00dflich die wunderbaren Bed\u00fcrfnisse nach Gemeinschaft, Unterst\u00fctzung, Beteiligung, Zugeh\u00f6rigkeit, Wertsch\u00e4tzung, Vertrauen, N\u00e4he, Geh\u00f6rt werden, Leichtigkeit und Spa\u00df erf\u00fcllt. Bei Dame 2 waren die Bed\u00fcrfnisse nach Autonomie, Selbstst\u00e4ndigkeit, Respekt, Wertsch\u00e4tzung, Beteiligung, Vertrauen, Geh\u00f6rt werden, Schutz und Ehrlichkeit im Mangel. Und trotzdem hatte Dame 2 gute Gr\u00fcnde, dem ge\u00e4nderten Arrangement nicht zu widersprechen: Harmonie stand da an erster Stelle. Auch f\u00fcrchtete sie, ihr Einspruch k\u00f6nne die Verbindung gef\u00e4hrden. Das Bed\u00fcrfnis nach Frieden war so gro\u00df, dass sie sich nicht traute, ihre eigenen W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse anzumelden. Als Au\u00dfenstehende konnte ich beobachten, wie Frust, Schmerz, Hemmungen und &#8211; wie ich finde &#8211; falsch verstandene R\u00fccksichtnahme die Verbindung erst recht eintr\u00fcbten.<br \/>\nDiese Szene war eine Zeitreise f\u00fcr mich. Ich h\u00e4tte vielleicht fr\u00fcher das Zimmer umbestellt, ein Verhalten, das ich heute als \u00fcbergriffig bewerte. Das gilt vor allem dann, wenn der andere nicht in die Entscheidung einbezogen wurde.<br \/>\nMit Sicherheit h\u00e4tte ich die Klappe gehalten, wenn mein Gegen\u00fcber das Arrangement ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Mit Grollen und Schmollen h\u00e4tte ich reagiert, Wolf au\u00dfen giftet gegen das Gegen\u00fcber, Wolf innen macht mir Vorw\u00fcrfe, weil ich nicht f\u00fcr meine Belange eintrete, weil ich schon wieder&#8230;<br \/>\nIn meinem f\u00fcnften intensiven GfK-Jahr erkenne ich immer deutlicher meine Verantwortung f\u00fcr mich und f\u00fcr mein Handeln. Und nie erschienen mir die Fragen sch\u00f6ner: Was brauche ich, und was brauchst Du?<\/p>\n<p><em>Heute will ich im Blick behalten, was f\u00fcr mich wichtig ist und mir gut tut. Und ich werde Dich fragen, was Du brauchst und was Dir gut tut. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Dem Bed\u00fcrfnis nach Einsamkeit gen\u00fcgt es nicht, dass man an einem Tisch allein sitzt. Es m\u00fcssen auch leere Sessel herumstehen. Wenn mir der Kellner so einen Sessel wegzieht, auf dem kein Mensch sitzt, versp\u00fcre ich eine Leere und es erwacht meine gesellige Natur. 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