{"id":2662,"date":"2010-12-19T10:43:45","date_gmt":"2010-12-19T09:43:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=2662"},"modified":"2011-01-16T22:31:41","modified_gmt":"2011-01-16T21:31:41","slug":"dankbarkeit-uber-das-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2662","title":{"rendered":"Dankbarkeit: \u00dcber das Wachstum"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Von Verdiensten, die wir zu sch\u00e4tzen wissen, haben wir den Keim in uns.&#8220; <\/em><br \/>\n Johann Wolfgang von Goethe, Zum Shakespears Tag<\/p>\n<p>Gestern geriet ich in eine Diskussion zum Thema Treue in der Partnerschaft. Dabei h\u00f6rte ich S\u00e4tze wie &#8222;wenn mein Partner fremd geht, denke ich, ich bin nicht gut genug f\u00fcr ihn&#8220;. Dabei merkte ich, dass ich noch vor einigen Jahren \u00e4hnliche Vorstellungen hatte. Etwas stimmt nicht mit mir, wenn sich mein Gegen\u00fcber in bestimmter Weise verh\u00e4lt. Das kann mein Chef sein, meine Mutter. die Frau an der Supermarktkasse. Und tief in meinem Inneren gab es eine Resonanz dazu: Du verdienst es auch nicht besser. Mit dir stimmt erwas nicht. W\u00e4rest du nur besser, kl\u00fcger, engagierter, kompromissbereiter, verst\u00e4ndnisvoller, hilfsbereiter, dann w\u00fcrden dich die Leute auch anders wahrnehmen, behandeln, zu sch\u00e4tzen wissen. Die eingebaute Botschaft lautete \u00fcber Jahrzehnte: So wie du bist bist du nicht gut genug.<br \/>\nAls die Beteiligten gestern \u00fcber Treue diskutierten, merkte ich auf einmal, dass sich etwas in meinem Inneren ver\u00e4ndert hat. Ob mein Partner treu ist oder nicht hat nichts mit mir und meinem Wert zu tun. Ob meine Mutter verstimmt ist, weil sie ein anderes Verhalten, eine andere Reaktion erwartet hat, hat nichts mit mir zu tun. Ich bin sehr vielleicht der Ausl\u00f6ser, aber mit mir ist nichts falsch und ich muss in keinem Moment anders sein als ich bin. So wie ich bin, bin ich richtig.<br \/>\nAllzu oft und allzu schnell war ich immer bereit, meinen Wert in Frage zu stellen. Manchmal gen\u00fcgte eine hochgezogene Augenbraue. Alles Verhalten meines Gegen\u00fcbers bezog ich auf mich. Das waren schmerzhafte Allmachts-Fantasien: Wenn ich mich nur hier und da anders verhielte, dann w\u00fcrde doch mein Chef&#8230; meine Familie&#8230; mein Partner&#8230; Es war die Vorstellung, wenn ich nur anders sei, w\u00fcrde sich alles andere um mich herum auch neu verhalten&#8230;<br \/>\nDieser Gedanke &#8211; er stimmt und er stimmt nicht. Er stimmt auf andere Weise als ich es jahrzehntelang gedacht habe. Ich hatte immer geglaubt, ich sei SCHULD, wenn etwas nicht funktionierte. Und w\u00fcrde ich mich selbst nur so verbessern, dass Dinge anders liefen, dann br\u00e4uchte ich auch nicht mehr schuld zu sein. Eine schmerzhafte Ichbezogenheit. Das Ergebnis waren nicht selten Kontrolle und Manipulation.<br \/>\nInzwischen habe ich angefangen, mich anders zu verhalten. Mein Blick richtet sich nach innen: Wie geht es mir, was brauche ich?! Ich \u00fcbernehme Verantwortung f\u00fcr mich und meine Handlungen. Und ich akzeptiere die Verantwortung anderer f\u00fcr ihre Handlungen. In dem Ma\u00dfe, in dem ich die Verantwortung f\u00fcr das Handeln anderer loslassen kann, gewinne ich innere Freiheit und den Reichtum, mich wahrhaftig mit anderen zu verbinden, ohne sie zu entm\u00fcndigen.<br \/>\nEinige Menschen in meinem Umfeld tun sich schwer mit dieser neuen Haltung. Diese Art von Verbindung ist ihnen fremd und seltsam. Das Instrument &#8222;du bist schuld&#8230;&#8220; greift nicht mehr. Was nun? Damit ist ihnen ein Werkzeug genommen, mit dem sie so viele Jahre selbstverst\u00e4ndlich gearbeitet haben. Ein Werkzeug mit zwei K\u00f6pfen: <a href=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Maulschl\u00fcssel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Maulschl\u00fcssel-300x167.jpg\" alt=\"\" title=\"Maulschl\u00fcssel\" width=\"300\" height=\"167\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2663\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Maulschl\u00fcssel-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Maulschl\u00fcssel.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Du bist schuld und ich bin schuld. Einer dieser K\u00f6pfe passte immer. Und pl\u00f6tzlich gibt es keine Passung mehr f\u00fcr diesen Schl\u00fcssel.<br \/>\nWelch ein Wachstum, was f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung! Ich sp\u00fcre Ehrfurcht und Dankbarkeit f\u00fcr das, was alles m\u00f6glich ist, wenn wir bereit sind, Urteile \u00fcber uns und andere aufzugeben. Auf einmal sind alle Menschen so, wie sie von einer h\u00f6heren Macht gewollt sind: Wertvoll und frei.<br \/>\n<em><br \/>\nHeute will ich \u00fcber nichts, was geschieht, urteilen. Vor allem will ich nichts und niemandem die Schuld an etwas geben. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Von Verdiensten, die wir zu sch\u00e4tzen wissen, haben wir den Keim in uns.&#8220; Johann Wolfgang von Goethe, Zum Shakespears Tag Gestern geriet ich in eine Diskussion zum Thema Treue in der Partnerschaft. Dabei h\u00f6rte ich S\u00e4tze wie &#8222;wenn mein Partner fremd geht, denke ich, ich bin nicht gut genug f\u00fcr ihn&#8220;. 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