{"id":2369,"date":"2010-10-31T00:12:49","date_gmt":"2010-10-30T22:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=2369"},"modified":"2012-07-30T23:52:43","modified_gmt":"2012-07-30T21:52:43","slug":"schattenspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2369","title":{"rendered":"Schattenspiele"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<a href=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/IMG_5169-e1288645934254.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/IMG_5169-e1288645934254-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Nancy - freie Pferde\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2382\" srcset=\"https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/IMG_5169-e1288645934254-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/IMG_5169-e1288645934254-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.giraffenohren.com\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/IMG_5169-e1288645934254.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><br \/>\nNeulich Abend legten wir in einem Vorort von Nancy an. Im Backofen schmorte ein K\u00fcrbis-Kartoffelauflauf, der Tisch war gedeckt. Einer der Mitreisenden ging von Bord, um den Hafenmeister zu suchen, denn wir wollten gern per Landanschlu\u00df Strom beziehen.<br \/>\nDie Minuten vergingen und sehns\u00fcchtig blickte ich auf den Platz hin\u00fcber, auf dem ein paar Autos standen. Dahinter eine Stra\u00dfe und auf der anderen Stra\u00dfenseite eine B\u00e4ckerei und offenbar noch andere Gesch\u00e4fte. Es juckte mich, einmal drau\u00dfen herumzuschnuppern, aber nein, das Essen war ja fertig und der Mitreisende w\u00fcrde jeden Augenblick wieder kommen und vielleicht den Hafenmeister oder zumindest eine Info wegen des Stroms mitbringen.<br \/>\nNach einer halben Stunde mischte sich unter meine Ungeduld Wut und Sorge. Und als der Mitreisende nach 50 Minuten schwer bepackt in der Salont\u00fcr stand, war mir die Lust auf ein gemeinsames Abendessen und einen gem\u00fctlichen Abend komplett vergangen. In mir tobten die W\u00f6lfe.<br \/>\nGanz bewusst lud ich mich ein, meinen eigenen W\u00f6lfen zuzuh\u00f6ren. Er sollte nicht so lange weg sein! Er sollte sich anders abmelden, wenn er einkaufen gehen will! Er ist r\u00fccksichtslos und egoistisch. Wir sitzen hier und warten mit dem Essen und er macht einfach was er will&#8230;<br \/>\nAls erstes merkte ich, dass das Argument mit dem Essen vorgeschoben war. Erstens war ich noch nicht verhungert, zweitens h\u00e4tten wir an Bord jederzeit beschlie\u00dfen k\u00f6nne, ohne Nummer 4 anzufangen.<br \/>\nDann r\u00e4umte ich mir gegen\u00fcber ein, dass ich selber so gern einkaufen gegangen w\u00e4re. Diesen bl\u00f6den Joghurt, den Nr. 4 gekauft hatte, wollte ich nicht. Ich wollte anderen, und ich wollte Creme Brulee aus der K\u00fchlung, und k\u00f6stliche Pasteten und Terrinen aus der Fleischabteilung.<br \/>\nUnd dann musste ich erkennen:<br \/>\nIch hatte ein Bed\u00fcrfnis Autonomie nicht ausgelebt. Ich hatte es mir verkniffen, drau\u00dfen rumzustromern. Ich hatte &#8222;brav&#8220; gemacht was ich dachte tun zu &#8222;m\u00fcssen&#8220;. Und Nr. 4 hatte im Grunde meine Bed\u00fcrfnisse ausgelebt, das was ich mir nicht zugestanden hatte. Er war zu meinem Schatten geworden, er lebte meine verdr\u00e4ngten Anteile aus. Mein vernebeltes Wolfsdenken hatte daraus gemacht, wenn ich mir schon die Erf\u00fcllung meiner Bed\u00fcrfnisse verkneife, dann sollten andere auch ihre Bed\u00fcrfnisse nicht ausleben d\u00fcrfen. Wo kommen wir denn da hin?<br \/>\nVermutlich in den Himmel&#8230; An dem Tag, an dem jeder von uns f\u00fcr seine Bed\u00fcrfnisse die Verantwortung \u00fcbernimmt, leben wir im Paradies. <\/p>\n<p>So long!<\/p>\n<p>Ysabelle       <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Neulich Abend legten wir in einem Vorort von Nancy an. Im Backofen schmorte ein K\u00fcrbis-Kartoffelauflauf, der Tisch war gedeckt. 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