{"id":2050,"date":"2010-08-27T00:27:36","date_gmt":"2010-08-26T22:27:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=2050"},"modified":"2010-08-24T22:56:52","modified_gmt":"2010-08-24T20:56:52","slug":"auskuppeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2050","title":{"rendered":"Auskuppeln"},"content":{"rendered":"<p><em> &#8222;Nein, schlaft nicht, w\u00e4hrend die Ordner der Welt gesch\u00e4ftig sind! &#8230; Seid unbequem, seid Sand, nicht das \u00d6l im Getriebe der Welt.&#8220; <\/em><br \/>\nG\u00fcnter Eich (1907-1972), deutscher Lyriker und H\u00f6rspielautor zitiert bei www.berlinerliteraturkritik.de \u201cseid unn\u00fctz\u201d<\/p>\n<p>Dieser Tage sprach ich mit einer Freundin, die zu einem Vorstellungsgespr\u00e4ch gegangen war. Die potentielle Arbeitgeberin griff am Ende des Gespr\u00e4chs noch einmal zu dem Bewerbungsfoto und fragte, \u201eSind das wirklich Sie? In Wirklichkeit sehen Sie viel j\u00fcnger aus!\u201c<br \/>\nMeine Freundin geriet durch diese Bemerkung in schwere Not. Das Bild war drei Jahre alt, was war jetzt zu tun? Aus verschiedenen Gr\u00fcnden \u201eh\u00f6rte\u201c meine Freundin etwas ganz anderes als die Worte ihres Gegen\u00fcbers, n\u00e4mlich: Sie sehen \u00fcberhaupt nicht aus wie auf dem Foto! Sie haben mir etwas vorgegaukelt, Sie sind gar nicht die, als die Sie sich mit Ihrer Bewerbung ausgeben&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Zusammen haben wir es geschafft, uns genau auf die Beobachtung zu fokussieren. Alles andere war eine automatische Reaktion in ihrem Kopf, ein so genanntes Stimulus-Response-Pattern. Ein Muster, das bei ihr ausgel\u00f6st wird, wenn sie in gewisser Weise angeregt wird. Ich kenne solche Muster von mir. Wenn mein fr\u00fcherer Chef bei mir anrief, dachte ich jahrelang, jetzt will er dich rausschmei\u00dfen&#8230; und ich kramte sofort in meinen Erinnerungen, was ich wohl falsch gemacht haben konnte. Mein Sohn hatte die Angewohnheit, als erstes zu sagen: Ich wars nicht! H\u00e4ufig reagieren wir in dieser Weise, geradezu automatisiert. Wir haben gelernt, mit bestimmten Stimuli auf bestimmte Weise umzugehen.<br \/>\nDie GfK schenkt uns die M\u00f6glichkeit, Stimulus und Reaktion zu entkoppeln. Das ist, als seien wir mit dem Auto unterwegs und w\u00fcrden den Gang rausnehmen. Die Zahnr\u00e4der werden voneinander getrennt. Und ich kann neu entscheiden, welchen Gang ich einlegen will. Das setzt voraus, dass ich mir bewusst bin, dass gerade ein Muster bei mir angetickt wird. Das L\u00e4uten des Telefons macht mir Angst? Der Blick meines Chefs l\u00e4sst mich innerlich zittern? Die Reaktion meines Partners l\u00f6st Schmerz und Trauer aus? Auskuppeln! Zur\u00fcckkehren zu den vier Schritten: Was ist die Beobachtung? Die Personalchefin hat gesagt, auf dem Foto s\u00e4he ich \u00e4lter aus als heute in echt.<br \/>\nAtmen&#8230; Und was l\u00f6st diese Bemerkung bei mir aus? Ich werde mir bewusst, dass diese Ausl\u00f6ser nur f\u00fcr mich stimmen m\u00fcssen. Jemand anderes freut sich vielleicht, wenn ihm gesagt wird, in Wirklichkeit s\u00e4he er j\u00fcnger aus, oder wenn der Chef ihn oder sie anruft: Vielleicht eine gute Gelegenheit, eine zusammen zu rauchen. Die Angst entsteht in <em>meinem<\/em> Kopf, weil ich nicht wei\u00df, wie ich den Anruf einordnen soll. Ich kann Ausl\u00f6ser und meine innere Reaktion darauf voneinander getrennt sehen. Und ich finde neue Wege damit umzugehen, weil ich nicht mehr automatisch reagieren muss. <\/p>\n<p><em>Heute will ich mein Augenmerk darauf richten, wo ich automatisch reagiere. Dann werde ich mich fragen: Was ist die Beobachtung dazu?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Nein, schlaft nicht, w\u00e4hrend die Ordner der Welt gesch\u00e4ftig sind! &#8230; Seid unbequem, seid Sand, nicht das \u00d6l im Getriebe der Welt.&#8220; G\u00fcnter Eich (1907-1972), deutscher Lyriker und H\u00f6rspielautor zitiert bei www.berlinerliteraturkritik.de \u201cseid unn\u00fctz\u201d Dieser Tage sprach ich mit einer Freundin, die zu einem Vorstellungsgespr\u00e4ch gegangen war. 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