{"id":2012,"date":"2010-08-25T00:08:29","date_gmt":"2010-08-24T22:08:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=2012"},"modified":"2010-12-18T06:06:55","modified_gmt":"2010-12-18T05:06:55","slug":"fruher-war-alles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=2012","title":{"rendered":"Fr\u00fcher&#8230; Da war&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Manchmal fahre ich noch raus wie fr\u00fcher: offenes Hemd, Schlappen an, frei im Wind. Ich lach mich dann immer \u00fcber die greisen Silberpappeln auf ihren Harleys schlapp. Die ham vier lange Unterhosen an, und beim Tanken l\u00e4uft denen das Wasser in die Stiefel.&#8220; <\/em><br \/>\n R\u00f6tger Feldmann, auf die Frage, ob er mit Ende 50 immer noch Rocker sei, Stern Nr. 40\/2008 vom 25. September 2008<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war alles besser. Fr\u00fcher hatten wir noch richtigen Sommer. Fr\u00fcher schmeckten die Tomaten noch wie Tomaten. Fr\u00fcher hatten die Kinder noch Respekt vor Eltern und Lehrern. Fr\u00fcher war die Luft nicht so verpestet und die Benzinpreise niedriger. Fr\u00fcher brauchte man nicht solche Jobangst zu haben.<br \/>\nWas geht in uns vor, wenn wir den Scheinwerfer in die Vergangenheit richten, wenn wir vergleichen, was in unserer Erinnerung abgespeichert ist oder was wir vom H\u00f6rensagen kennen, und zu dem Ergebnis kommen, fr\u00fcher war alles besser?<br \/>\nVerbunden ist so ein \u201efr\u00fcher war alles&#8230;\u201c h\u00e4ufig mit einem \u201eman m\u00fcsste\u201c. Denn wenn wir einen Idealzustand benennen, n\u00e4mlich das Fr\u00fcher, dann ist es ja auch an uns, an den Nachbarn, den Politikern oder den Eltern, f\u00fcr mehr Naturschutz, billigeres Benzin oder bessere Erziehung zu sorgen.<br \/>\n\u201eFr\u00fcher war alles&#8230;\u201c katapultiert und auch in ein \u201e&#8230;und heute ist alles&#8230;\u201c. Und in dieser Vorgehensweise nehmen wir nicht wirklich wahr, was heute ist. Wir bewerten das Heute nur durch eine vorgeschobene Linse. Fr\u00fcher war etwas so, heute ist es anders. Indem ich es in Relation setze, nehme ich dem Heute seinen eigenen Stand. Das hatte Gertrude Stein gemeint als sie schrieb, eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Ja, sie ist auch eine Zierpflanze, ja, sie ist auch ein Liebesbote, ja, sie hat auch Dornen: Und dennoch: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Und das Heute ist das Heute und nicht nur ein schlechtes Abziehbild von Damals oder Neulich.<br \/>\nWenn wir aber am Heute keine Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeit erkennen, weil &#8222;die&#8220; eigentlich etwas tun m\u00fcssten, oder weil &#8222;man&#8220; daran nichts \u00e4ndern kann, sp\u00fcren wir Ohnmacht, Schmerz, Frust und Trauer. Vielleicht auch Wut und Verzweiflung.<br \/>\nDer Blick auf das \u201eFr\u00fcher\u201c zeigt uns unsere Sehns\u00fcchte und Hoffnungen. Sie anzunehmen und umzuwandeln versetzt uns ins Heute. Ich w\u00fcnsche mir Sicherheit am Arbeitsplatz? Wozu brauche ich diese Sicherheit? Welchen Beitrag kann ich dazu leisten? Mir f\u00e4llt es schwer, die hohen Benzinpreise zu bezahlen? Welche alternativen Fortbewegungsmittel habe ich? Ich w\u00fcnsche mir von Jugendlichen Respekt? In welcher Weise bin ich bereit,  mich daf\u00fcr zu engagieren?<br \/>\nDer freie Blick auf das Heute verbindet uns mit unserer Kraft und unseren Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Nur f\u00fcr heute kann ich Entscheidungen treffen, nach meinen Werten leben, einen Beitrag leisten.<br \/>\n<em>Heute ist der einzige Tag, dessen Gelingen ich beeinflussen kann. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Manchmal fahre ich noch raus wie fr\u00fcher: offenes Hemd, Schlappen an, frei im Wind. 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