{"id":1935,"date":"2010-08-15T00:08:54","date_gmt":"2010-08-14T22:08:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=1935"},"modified":"2010-08-14T11:38:36","modified_gmt":"2010-08-14T09:38:36","slug":"es-geht-noch-tiefer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=1935","title":{"rendered":"Es geht noch tiefer"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Welt!<br \/>\nVor ein paar Monaten hatte ich jemandem ein Anliegen vorgetragen und es gab einen Termin, an dem wir das kl\u00e4ren wollten. Doch trotz meiner Nachfragen fand sich letztlich am vorbestimmten Termin keine Zeit, dar\u00fcber zu reden.<br \/>\nIch war &#8222;heartbroken&#8220;, aufgel\u00f6st, in Kontakt mit tiefem Schmerz. Mein Gegen\u00fcber realisierte erst jetzt, wie viel mir der Termin bedeutet hatte. Er nahm mich in den Arm, dr\u00fcckte sein Bedauern aus. Allein, die Botschaft kam nicht bei mir an, weil ein gelerntes Muster nicht bedient wurde. Die Person hatte doch etwas  \u201efalsch\u201c gemacht, wieso guckte sie jetzt so &#8211; unbeteiligt? Ich vermisste so etwas wie den Ausdruck von Schuldgef\u00fchlen. Wie ein geschlagener Hund. So guckte man doch, so verhielt man sich doch, wenn man etwas \u201evers\u00e4umt\u201c hatte, oder? Irgendwie fiel es mir schwer zu glauben, dass dieser Mensch wirklich ein Bedauern dazu hatte, dass unsere Verabredung nicht wie besprochen zustande gekommen war. <\/p>\n<p>Ich versuche zur Zeit eine Angelegenheit in meinem Leben zu handhaben, damit einen angemessenen Umgang zu finden, die sehr schwierig f\u00fcr mich ist.<br \/>\nGestern bekam ich zwei Mails, die intensive Gef\u00fchle bei mir ausl\u00f6sten. <strong>Obwohl es da nicht stand, las ich<\/strong>, du bist nicht authentisch, dein Verhalten ist nicht kongruent mit den von dir verk\u00fcndeten Werten, du hast mir Schmerz zugef\u00fcgt, ich wei\u00df nicht, in welchem Rahmen ich mit jemandem wie dir noch Verbindung haben m\u00f6chte, und ich kann das aus verschiedenen Gr\u00fcnden auch jetzt nicht kl\u00e4ren.<br \/>\nIm ersten Moment f\u00fchlte es sich an, als sei ich gegen einen Schrank gelaufen.<br \/>\nim Verlauf der n\u00e4chsten Stunden l\u00fcftete sich dann Schleier um Schleier. Relativ bald konnte ich feststellen, dass diese oben zitierten Worte da wirklich nicht standen. Ich erkannte also, dass das, was da stand, in mir eine Resonanz ausl\u00f6ste. Es war direkt ein Fahrstuhl in meine Kindheit. \u201eDu warst nicht lieb, und jetzt \u00fcberlege ich mir mal, ob ich dir verzeihe und dich wieder in Gnaden aufnehme. So eine Tochter will ich nicht haben!\u201c<br \/>\n&#8211; Zwischenfrage: Kennt das einer von Euch? &#8211;<br \/>\nIm n\u00e4chsten Schritt war es wie der Blick auf ein Vexierbild:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Vexierbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Vexierbild.jpg\" alt=\"\" title=\"Vexierbild\" width=\"250\" height=\"273\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1938\" \/><\/a> Mal war ich &#8222;im Recht&#8220;, mal machte ich mir die Gedanken und Urteile meines Gegen\u00fcbers zu eigen. Du bist schei\u00dfe, ich bin schei\u00dfe, immer sch\u00f6n im Wechsel. Am meisten verbl\u00fcffte mich immer wieder der Blick auf die Zeilen in der Mail. Da stand etwas, und das was ich f\u00fchlte, war etwas ganz anderes. Die Zeilen waren der Ausl\u00f6ser, sie schufen eine Verbindung zu abgespeicherten Erinnerungen, zu alten Verletzungen, zu eingelagerten Schmerz- und Schuldgef\u00fchlen, die pl\u00f6tzlich aktiviert wurden. Ich las gestern einen Artikel \u00fcber das Schmerzged\u00e4chtnis, und wie sich die Nerven ver\u00e4ndern und dann Sachen weh tun, die gesunden Menschen eben nicht weh tun, und ich vermute, so was ist es hier auch. In meiner Vergangenheit ist ein Schmerzged\u00e4chtnis entstanden, und wenn heute nur eine Feder darauf fliegt, tut es weh. Aber daf\u00fcr ist nicht der Ausl\u00f6ser verantwortlich. Es ist einfach nur eine Einladung, genauer hinzuschauen. Dann kann mein Blick unschuldig werden, wenn mich jemand mit seinem Schmerz konfrontiert. Dann bin ich in der Lage zu h\u00f6ren: Ich habe ein brennendes unerf\u00fclltes Bed\u00fcrfnis! Dann f\u00e4hrt mich nicht mehr der Fahrstuhl in die Grabkammer meiner Kindheit, in der ich glaubte, sterben zu m\u00fcssen, wenn mich der andere nicht in Gnaden wieder aufnimmt. Dann kann endlich Schluss sein mit Wohlverhalten, nur um das Bild einer Beziehung nicht zu gef\u00e4hrden, das ich als Kind abgespeichert habe. Dann finde ich zu tiefer Authentizit\u00e4t und Kongruenz und echtem Mitgef\u00fchl. Gestern gab es davon einen Vorgeschmack. <\/p>\n<p>So long! <\/p>\n<p>Ysabelle<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Welt! Vor ein paar Monaten hatte ich jemandem ein Anliegen vorgetragen und es gab einen Termin, an dem wir das kl\u00e4ren wollten. Doch trotz meiner Nachfragen fand sich letztlich am vorbestimmten Termin keine Zeit, dar\u00fcber zu reden. Ich war &#8222;heartbroken&#8220;, aufgel\u00f6st, in Kontakt mit tiefem Schmerz. 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