{"id":1555,"date":"2010-06-10T00:31:11","date_gmt":"2010-06-09T22:31:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=1555"},"modified":"2010-06-10T07:15:52","modified_gmt":"2010-06-10T05:15:52","slug":"was-ich-sage-was-andere-horen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=1555","title":{"rendered":"Was ich sage, was andere h\u00f6ren&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Das Ohr ist stumm, der Mund ist taub; aber das Auge vernimmt und spricht. In ihm spiegelt sich von au\u00dfen die Welt, von innen der Mensch.&#8220;<br \/>\n<em>Johann Wolfgang von Goethe, Farbenlehre<\/em><\/p>\n<p>Zwei Dinge erlebe ich im Zusammenhang mit der Gewaltfreien Kommunikation als besonders schmerzhaft. Zum einen ist es die fehlende Giraffengemeinschaft im Alltag, die Einsamkeit in einem Kosmos, in dem es eben nicht um Richtig oder Falsch geht. Zum zweiten sp\u00fcre ich meine tiefe Verzweiflung, wenn meine Entscheidung, dieser Wolfswelt nicht mehr anzugeh\u00f6ren, Bl\u00fcten tr\u00e4gt, die so nie gewollt waren. Im konkreten Fall gibt es jemanden, der mein Insistieren auf Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse als so schmerzhaft empfunden hat, dass die Person den Kontakt zu mir abgebrochen hat. <\/p>\n<p>Marshall Rosenberg sagt gern, \u201edie ersten 30 Jahre sind die schwersten\u201c, und erntet damit viele Lacher. Ich finde es schwierig empathisch zu bleiben (mit mir und mit anderen&#8230;), wenn Menschen in meinem engeren Umfeld reagieren als sei ich einer Sekte beigetreten. \u201eIch will nicht wieder h\u00f6ren, dass ich zu bl\u00f6d bin um das mit den Bed\u00fcrfnissen zu kapieren!\u201c, h\u00f6rte ich jetzt sinngem\u00e4\u00df. Ja, das kann ich von ganzem Herzen verstehen. Niemand m\u00f6chte sich selbst als bl\u00f6d ansehen. Es sind unsere W\u00f6lfe, die uns so verurteilen, die uns Vorw\u00fcrfe machen, wenn wir vermeintlich nicht perfekt sind. Und auch das ist unsere eigene Einsch\u00e4tzung, die wir von uns annehmen oder uns dagegen wehren.  Das Entscheidende ist, dass ich weder sage oder auch nur denke, du bist zu bl\u00f6d, sondern dass andere in ihrem Kopf aus meinen Worten filtern, <em>&#8222;ich bin zu bl\u00f6d&#8230;\u201c<\/em>. Gefangen im Kosmos, <em>entweder bin ich Scheisse (oder zu bl\u00f6d&#8230;) oder du bist Scheisse, und dann hab ich lieber keinen Kontakt mehr mit Dir, bevor ich so etwas Schmerzhaftes \u00fcber mich denke. <\/em> Und eben das erf\u00fcllt mich mit tiefer Verzweiflung. Es geht doch gerade darum, aus diesem Weltbild auszusteigen. Und nun f\u00fchrt mein Beitragen wollen dazu, dass das Imperium im Kopf zur\u00fcckschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ach, Marshall, noch 26 Jahre, bis ich mit solchen Aussagen umgehen kann? Noch 26 Jahre, bis ich in der Lage bin, dann empathisch auf mein Gegen\u00fcber zuzugehen, die Herzen (wieder) zu \u00f6ffnen? An Tagen wie heute zweifle ich, ob ich das jemals schaffe. Doch in meiner Giraffengemeinschaft, umgeben von meinen Freunden, die die gleiche Sprache sprechen, merke ich: Ich bin nicht allein. Und gemeinsam schaffen wir es. <\/p>\n<p><em>Heute will ich mir ins Ged\u00e4chtnis rufen, dass ich nicht allein bin. Wir sind viele, die um die Haltung ringen. Und ein unterst\u00fctzendes Gespr\u00e4ch ist immer nur einen Anruf entfernt. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das Ohr ist stumm, der Mund ist taub; aber das Auge vernimmt und spricht. In ihm spiegelt sich von au\u00dfen die Welt, von innen der Mensch.&#8220; Johann Wolfgang von Goethe, Farbenlehre Zwei Dinge erlebe ich im Zusammenhang mit der Gewaltfreien Kommunikation als besonders schmerzhaft. 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