{"id":1519,"date":"2010-06-08T00:04:27","date_gmt":"2010-06-07T22:04:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=1519"},"modified":"2010-06-07T22:26:55","modified_gmt":"2010-06-07T20:26:55","slug":"wortschatzchen-ungeduldig-konnotation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=1519","title":{"rendered":"Wortsch\u00e4tzchen: Ungeduldig \u2013 heute mit einem Ausflug in die Sprachwissenschaften"},"content":{"rendered":"<p>Wie &#8211; ungeduldig? Das ist doch ein ganz normales Wort! Na klar, es hat zehn Buchstaben, damit endet dann auch schon die Normalit\u00e4t. Als ich heute \u00fcber das Verhalten eines bestimmten Menschen in meinem Umkreis nachdachte, &#8222;h\u00f6rte&#8220; ich mich denken: \u201eSie ist so ungeduldig\u201c, und dann l\u00e4uteten bei mir die Alarmglocken.<\/p>\n<p>Welche Beobachtung geh\u00f6rt zu &#8222;ungeduldig&#8220;?<br \/>\nTja, meine Lieben, dann wird die Luft d\u00fcnn!<\/p>\n<p>Als ihr in einer Arbeit etwas auffiel, sagte sie solche Sachen wie &#8222;ich verstehe das nicht&#8220; und ihr Tonfall war dabei genervt, (Achtung, Bewertung&#8230;!).<br \/>\nIch nahm ihre <strong>Gef\u00fchle<\/strong> wahr als<\/p>\n<p>\u00c4rgerlich<br \/>\nein bisschen frustriert<br \/>\ngenervt (sicher auch ein Wortsch\u00e4tzchen wert&#8230;)<br \/>\nkribbelig<br \/>\nruhelos<br \/>\nstreitlustig<br \/>\nunter Druck<br \/>\nunbehaglich<br \/>\nunzufrieden<br \/>\nwiderwillig<\/p>\n<p>oh oh! Heute ist es mal ganz schwer mit meinen Beobachtungen. Mir kommt es doch so vor, als ob das eine oder andere doch einen leicht bewertenden Zungenschlag hat. Da ist es mir schon leichter, die (unerf\u00fcllten) <strong>Bed\u00fcrfnisse<\/strong> zu benennen:<\/p>\n<p>Effizienz<br \/>\nKlarheit<br \/>\nVerstehen<br \/>\nLeichtigkeit<\/p>\n<p>in welchen Situationen w\u00fcrde ich mich selbst als ungeduldig bezeichnen? Als ich vorige Woche versucht habe, etwas mit Dropbox hochzuladen und es klappte nicht. Da war die vorherrschenden Gef\u00fchle Frustration, Ohnmacht und Wut. Meine Bed\u00fcrfnisse waren Effizienz, Leichtigkeit, Autonomie (kann ich all alleine&#8230;) und Selbstvertrauen. Das muss doch gehen&#8230;<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger ich mich mit dem Thema Wortsch\u00e4tzchen befasse, desto interessanter finde ich einzelne Worte. Vor allem inspiriert mich die Konnotation. Und weil ich diesen Begriff so schick finde, hier gleich die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konnotation\" target=\"_blank\">Wikipedia-Erkl\u00e4rung<\/a> dazu:<br \/>\n<strong>Konnotation<\/strong> im Sinne von Nebenbedeutung<br \/>\nIn der Sprachwissenschaft, genauer in der Semantik, bedeutet Konnotation die Nebenbedeutung eines sprachlichen Ausdrucks. Im Vordergrund der Betrachtung steht meist die Konnotation von einzelnen W\u00f6rtern. Man kann aber auch &#8222;Wort-, Satz- oder Textkonnotationen beschreiben.&#8220;. In der Wortsemantik bezeichnet Konnotation die zus\u00e4tzliche gedankliche Struktur, die die Hauptbedeutung (die Denotation, das Denotat) eines Wortes begleitet und die stilistischen, emotionalen, affektiven Wortbedeutungskomponenten enth\u00e4lt \u2013 also das, was bei der Verwendung eines Begriffs bewusst oder unbewusst noch mitschwingt.<br \/>\nKonnotation wird mitunter von einer blo\u00dfen Assoziation abgegrenzt, die im Gegensatz zur Konnotation nicht zur eigentlichen Bedeutung geh\u00f6rt, jedoch als deren Begr\u00fcndung(en) anzusehen sein soll. So hat das Wort K\u00f6ter im Vergleich zu Hund eine negative Konnotation. Der Gedanke an Fl\u00f6he bei Hund soll nur eine Assoziation sein. Richtig erscheint zudem die Unterscheidung zwischen konventionalisierter und rein individueller Konnotation.<br \/>\n<strong>Kulturelle Abh\u00e4ngigkeit<\/strong><br \/>\nKonnotationen des gleichen Wortes k\u00f6nnen sich je nach Sprecher, Sprechergruppen (zum Beispiel Pensionsbesitzer) und Kultur unterscheiden.<br \/>\nDurch einem urspr\u00fcnglich neutralen Begriff quasi \u201eschleichend\u201c zugeschriebene Beibedeutungen \u00fcber Zeiten und Kulturen hinweg kann es zu einem Bedeutungswandel und zur Bedeutungsumkehr kommen, beispielsweise bei den Begriffen Regime und Weib.<br \/>\nEin Verfahren, mit dem die Konnotationen erforscht werden k\u00f6nnen, die eine Versuchspersonengruppe mit einem beliebigen Wort oder mit einem anderen Stimulus verbindet, ist das semantische Differential. Bei diesem Verfahren werden Versuchspersonen gebeten, zu einem Wort (Stimulus) auf einer Skala von Gegenbegriffen anzukreuzen, wie stark f\u00fcr sie eine vorgegebene Skaleneigenschaft zutrifft. So kann etwa das Wort \u201eMutter\u201c auf Skalen wie \u201egro\u00df\u2026.klein\u201c, \u201estark\u2026.schwach\u201c eingestuft werden. Bearbeitet man mit einer Versuchspersonengruppe eine ganze Reihe solcher Skalen f\u00fcr ein Wort oder einen anderen Stimulus, etwa Berufsgruppen, erh\u00e4lt man eine durchschnittliche Einstufung, die anschlie\u00dfend Vergleiche zwischen verschiedenen Gruppen von Personen zul\u00e4sst.<br \/>\n<strong>Individuelle Unterschiede<\/strong><br \/>\nKonnotationen sind nicht nur charakteristisch f\u00fcr Personengruppen. Aufgrund unterschiedlicher Lebenserfahrungen k\u00f6nnen die pers\u00f6nlichen Konnotationen bei bestimmten Ausdr\u00fccken sehr verschieden ausfallen. Wer etwa unter der Obhut einer liebevollen Mutter aufgewachsen ist, hat beim Wort &#8222;Mutter&#8220; wahrscheinlich andere Konnotationen als jemand, dessen Mutter ihr Kind misshandelt hat.<br \/>\nBeispiele<br \/>\n\u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Verschiedene Konnotationen sind eine Methode, um Synonyme zu unterscheiden (bzw. ein Grund, warum es keine \u201eechten\u201c Synonyme sind). So teilen die W\u00f6rter \u201eQuacksalber\u201c, \u201eOnkel Doktor\u201c und \u201eHalbgott in Wei\u00df\u201c alle die Denotation \u201eArzt\u201c, aber unterscheiden sich durch die Konnotationen (\u201etaugt nichts\u201c, \u201efamili\u00e4re Beziehung\u201c, \u201ekann alles, oder glaubt das zumindest\u201c).<br \/>\n\u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Vielzitiert ist der Ausspruch Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose von Gertrude Stein, mit dem auf die verschiedenen Konnotationen des Begriffes angespielt wird. \u201eEigentlich\u201c ist die Rose nur eine Zierpflanze, mitschwingende Bedeutungen sind hier Liebe, Wohlgeruch, Verg\u00e4nglichkeit und verschiedene politische Bedeutungen sowie Schmerz durch die \u201emitgedachten\u201c Stacheln.<br \/>\n\u2022\u00a0\u00a0 \u00a0Eigennamen sind \u00fcblicherweise nicht konnotativ, da sie nur Individuen, aber nicht deren Eigenschaften bezeichnen. Ausnahmen bilden Eigennamen von wichtigen Orten, Personen oder sonstigen Sachverhalten, die Konnotationen erhalten k\u00f6nnen, zum Beispiel Mallorca, Hitler und Atombombenexplosion.<\/p>\n<p><em>Na, was sagt Ihr dazu? Welche Konnotation, welchen Beigeschmack hat f\u00fcr Euch das Wort ungeduldig?<\/em><\/p>\n<p><em>Ysabelle<\/em><\/p>\n<p>Nachklapp, eine Stunde sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><em>Ich glaube, ich hatte ein Urteil an Bord. Man darf nicht ungeduldig sein, jedenfalls nicht, wenn es um andere Menschen geht. Also, mit mir selbst muss ich keine Geduld haben (wa?), aber mit anderen&#8230; und da mein Gegen\u00fcber vermeintlich keine Geduld mit jemand anderem hatte, war das also schlecht&#8230; <\/em><\/p>\n<p><em>Worte sind schon was Spannendes!<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie &#8211; ungeduldig? Das ist doch ein ganz normales Wort! Na klar, es hat zehn Buchstaben, damit endet dann auch schon die Normalit\u00e4t. 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