{"id":1485,"date":"2010-06-06T00:04:13","date_gmt":"2010-06-05T22:04:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=1485"},"modified":"2010-06-06T08:04:37","modified_gmt":"2010-06-06T06:04:37","slug":"sei-dir-selber-treu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=1485","title":{"rendered":"Sei dir selber treu"},"content":{"rendered":"<p>Und diese Regeln pr\u00e4g in dein Ged\u00e4chtnis:<br \/>\nGib den Gedanken, die du hegst, nicht Zunge,<br \/>\nNoch einem ungeb\u00fchrlichen die Tat.<br \/>\nLeutselig sei, doch mach dich nicht gemein.<br \/>\nDen Freund, der dein, und dessen Wahl erprobt,<br \/>\nMit ehrnen Haken klammr ihn an dein Herz.<br \/>\nDoch schw\u00e4che deine Hand nicht durch Begr\u00fc\u00dfung<br \/>\nVon jedem neugeheckten Bruder. H\u00fcte dich,<br \/>\nIn H\u00e4ndel zu geraten; bist du drin,<br \/>\nF\u00fchr sie, da\u00df sich dein Feind vor dir mag h\u00fcten.<br \/>\nDein Ohr leih jedem, wenigen deine Stimme;<br \/>\nNimm Rat von allen, aber spar dein Urteil.<br \/>\nDie Kleidung kostbar, wie&#8217;s dein Beutel kann,<br \/>\nDoch nicht ins Grillenhafte: reich, nicht bunt;<br \/>\nDenn es verk\u00fcndigt oft die Tracht den Mann,<br \/>\nUnd die vom ersten Rang und Stand in Frankreich<br \/>\nSind darin ausgesucht und edler Sitte.<br \/>\nKein Borger sei und auch Verleiher nicht;<br \/>\nSich und den Freund verliert das Darlehn oft,<br \/>\nUnd Borgen stumpft der Wirtschaft Spitze ab.<br \/>\nDies \u00fcber alles: Sei dir selber treu,<br \/>\nUnd daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage,<br \/>\nDu kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.<br \/>\nLeb wohl! Mein Segen f\u00f6rdre dies an dir!<\/p>\n<p><em><br \/>\nWilliam Shakespeare, Hamlet, DRITTE SZENE, Ein Zimmer in Polonius&#8216; Hause<\/em><\/p>\n<p>Um 1600 verfasste William Shakespeare das Drama mit diesem ber\u00fchmten Monolog. Viele Stellen in dem St\u00fcck werden noch heute oft zitiert, so auch der folgende Passus:<br \/>\nDen von dem K\u00f6nig und der K\u00f6nigin geschickten H\u00f6flingen Rosenkrantz und Guildenstern erkl\u00e4rt Hamlet: <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u201cThere is nothing either good or bad but thinking makes it so.\u201d<\/strong> <\/span>(\u201cAn sich ist nichts entweder gut oder b\u00f6se, sondern das Denken erst macht es dazu\u201d) (II.2.250f). Nichts scheint an diesen Worten veraltet oder verstaubt, weder die Worte Hamlets, die das Herz eines jeden GfK&#8217;lers lachen lassen, noch die Worte von Polonius, der seinen Sohn Laertes verabschiedet. Am meisten h\u00e4nge ich an dem letzten Absatz des Monologs, in dem Polonius seinem Sohn einen Rat gibt, den ich so schwer zu befolgen finde. Jahrelang hatte ich diesen Text\u00a0 untermeiner Schreibtischunterlage, und wieder und wieder habe ich die letzten vier Zeilen gelesen.<\/p>\n<p>This above all: to thine ownself be true,<br \/>\nAnd it must follow, as the night the day,<br \/>\nThou canst not then be false to any man.<br \/>\nFarewell: my blessing season this in thee!<\/p>\n<p>Sei dir selber treu, (&#8230;) du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.<\/p>\n<p>Wie oft tun wir genau das nicht. Wie oft werden wir uns selbst untreu, wie oft f\u00e4llt es uns schwer darauf zu vertrauen, dass wir so wie wir sind, richtig und willkommen sind. Wie oft nehmen wir uns zur\u00fcck, wie oft sagen wir nicht, was wir wirklich denken, wie oft beschwichtigen wir uns selbst mir &#8222;so wichtig ist das nicht&#8220; oder &#8222;ich will doch nur meine Ruhe!&#8220;<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das, uns selber treu sein?<\/p>\n<p>In erster Linie bedeutet es, eine echte Verbindung zu uns selbst zu haben. Was sind meine Bed\u00fcrfnisse? Wie geht es mir? Was brauche ich? Die wahre Verbindung zu anderen hat bei uns selbst seinen Ausgangs- und Endpunkt. Wie geht es mir, wie geht es Dir? Empathie ohne Verbindung zu mir selbst ist Co-Abh\u00e4ngigkeit, das habe ich in den letzten Monaten begriffen.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir authentisch sein, wenn wir uns immer wieder zur\u00fccknehmen, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer? Wie sollen wir Kraft sch\u00f6pfen, wenn wir uns wieder und wieder verstellen, verbergen, nicht mit dem zeigen, was in uns lebendig ist?<\/p>\n<p>Der Weg lautet &#8222;Weilverschiebung&#8220;.<\/p>\n<p>Gelernt haben wir:<\/p>\n<p>Mutti ist traurig, <strong>weil<\/strong> <strong>du<\/strong>&#8230;<\/p>\n<p>In der GfK erkennen wir:<\/p>\n<p>Unsere Gef\u00fchle resultieren aus unerf\u00fcllten Bed\u00fcrfnissen. Der nicht erfolgte Telefonanruf kann mich heute traurig machen, morgen mit Erleichterung erf\u00fcllen, denn heute bin ich einsam und brauche Gesellschaft, und morgen bin ich ersch\u00f6pft und brauche meine Ruhe.<\/p>\n<p>Ich bin (&#8230;), <strong>weil<\/strong> <strong>ich<\/strong> (&#8230;) brauche.<\/p>\n<p>Die Verantwortung f\u00fcr dich liegt nicht mehr in meinen H\u00e4nden. Ebenso bist du nicht mehr f\u00fcr meinen Frieden und meine Harmonie, mein Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he oder mein Bed\u00fcrfnis nach Unterst\u00fctzung verantwortlich.<\/p>\n<p>Jetzt kann ich mir selber treu sein und mit Dir in Verbindung treten. Was brauche ich? Und was brauchst du? Wie kann ich dazu beitragen, dass dein Leben wundervoll wird? Und bist du bereit dazu beizutragen, dass mein Leben wundervoll wird \u2013 wenn ich einfach so sein kann, wie ich wirklich bin.<\/p>\n<p><em>Heute will ich mir vor Augen halten, dass ich ein wunderbares Geschenk f\u00fcr andere Menschen bin, wenn ich mir selber treu bleibe. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und diese Regeln pr\u00e4g in dein Ged\u00e4chtnis: Gib den Gedanken, die du hegst, nicht Zunge, Noch einem ungeb\u00fchrlichen die Tat. Leutselig sei, doch mach dich nicht gemein. Den Freund, der dein, und dessen Wahl erprobt, Mit ehrnen Haken klammr ihn an dein Herz. 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