{"id":1434,"date":"2010-06-01T00:04:24","date_gmt":"2010-05-31T22:04:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=1434"},"modified":"2010-05-31T21:42:02","modified_gmt":"2010-05-31T19:42:02","slug":"jammerlappen-und-arrogante-fatzke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=1434","title":{"rendered":"Jammerlappen und arrogante Fatzke"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Nicht jammern, sondern etwas tun.&#8220;<br \/>\nOriginal: &#8222;Nit jaumman sondern a wos tuan.&#8220;<br \/>\n<em>\u00d6sterreichisches Sprichwort<\/em><\/p>\n<p>Dieser Tage hatte ich Kontakt mit einem Mann, der sehr verzweifelt war. &#8222;Meine Freundin hat mich verlassen, ich bin so allein! Jetzt bin ich in verschiedenen Single-B\u00f6rsen registriert, aber da ist auch nichts los&#8230; Ach, w\u00e4re blo\u00df das Wochenende vorbei und ich k\u00f6nnte wieder zur Arbeit gehen&#8230;&#8220;<br \/>\nZusammen mit einigen Freunden machte ich ihm Vorschl\u00e4ge, wie er seine Situation ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. Doch das Klagen wurde mehr statt weniger, die einzige Strategie, die er zur Verf\u00fcgung hatte, war &#8222;eine neue Freundin&#8220;. <\/p>\n<p>Irgendwann wandte ich mich ab, ich sp\u00fcrte Wut und Verzweiflung und meine W\u00f6lfe jaulten einen schaurigen Gesang. <\/p>\n<p>Da erinnerte ich mich an ein Interview mit Harald Reinhardt, das mir vor ein paar Wochen in die H\u00e4nde gefallen war. Er ist <a href=\"http:\/\/psychosyntheseinstitut.de\/\">Psychosynthese-Therapeut<\/a> aus K\u00f6ln. In dem Interview wies er darauf hin, dass es etwas mit unserem Schatten zu tun hat, wenn wir so intensiv auf andere Menschen reagieren. In seinem Beispiel ging es um einen &#8222;arroganten Fatzke&#8220;, der uns zur Wei\u00dfglut treiben kann. Und seine Empfehlung lautete: F\u00fchl dich doch einmal in den anderen ein! Was f\u00fchlt er? Ist da vielleicht etwas dabei, was Du dir selbst nicht zugestehst? Zu gl\u00e4nzen vielleicht, oder Raum einzunehmen? <\/p>\n<p>Es war mir ganz leicht, mich in den klagenden Mann einzuf\u00fchlen. Ich sp\u00fcrte seine Hilflosigkeit, seine Verzweiflung und seinen Schmerz. Und als ich mich mit seiner Strategie verbinden konnte, erlebte ich eine ungeheure Entlastung. Ich muss gar nichts tun, ich kann gar nichts tun&#8230; Ohne eine Partnerin wird das sowieso nichts&#8230; <\/p>\n<p>Ich war in diesem Moment so erleichtert, keine Verantwortung f\u00fcr die Situation zu haben! Wie einfach das Leben auf einmal war, wie leicht, wenn ich das Opfer misslicher Umst\u00e4nde war&#8230; Ich war nicht Schuld, ich konnte nichts tun&#8230;<\/p>\n<p>Auf diese Weise habe ich sehr intensiv gesp\u00fcrt, wie anstrengend und schwierig mein Leben manchmal ist, und wieviel ich mir oft abverlange. Ich sp\u00fcrte eine Sehnsucht in mir, mich fallen zu lassen und zu klagen. Ja vielleicht mir selbst gegen\u00fcber anzuerkennen, dass manche Tage hart sind, und dass ich manchmal keine Kraft mehr habe. Stattdessen toben in mir die W\u00f6lfe, ich solle nicht jammern, mich zusammenrei\u00dfen, etwas tun, mich nicht h\u00e4ngen lassen. Mit anderen kann ich oft einf\u00fchlsam sein, mit mir selbst nur selten. <\/p>\n<p>So kam es dazu, dass ich dem vermeintlichen Jammerlappen sehr dankbar war. Er brachte mich in Verbindung mit meiner zarten Seite, die ich mir im Alltag oft nicht zubillige.<\/p>\n<p><em><br \/>\nHeute will ich darauf achten, was mich meine Urteile \u00fcber andere Leute lehren. Was erlauben sie sich, was ich mir nicht zugestehe? ich bin dankbar f\u00fcr die Lektionen, die ich durch sie lernen darf.    <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Nicht jammern, sondern etwas tun.&#8220; Original: &#8222;Nit jaumman sondern a wos tuan.&#8220; \u00d6sterreichisches Sprichwort Dieser Tage hatte ich Kontakt mit einem Mann, der sehr verzweifelt war. &#8222;Meine Freundin hat mich verlassen, ich bin so allein! 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