{"id":1375,"date":"2010-05-25T00:04:02","date_gmt":"2010-05-24T22:04:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gewaltfrei-im-norden.de\/blog\/?p=1375"},"modified":"2010-05-23T21:08:41","modified_gmt":"2010-05-23T19:08:41","slug":"endlich-gewaltfrei-golfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.giraffenohren.com\/?p=1375","title":{"rendered":"Endlich gewaltfrei golfen"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ich habe mit Golf angefangen, spiele Tennis und  jogge. Das muss ich auch, weil der Schneider nix mehr rauslassen kann.&#8220; &#8211; <em>Heribert Fassbender im Stern Nr. 35\/2008 vom 21. August 2008, S. 154 <\/em><\/p>\n<p>Bei keiner anderen Besch\u00e4ftigung zeigt sich mein inneres Team so lebendig wie beim Golfen. Ich kann nicht mehr z\u00e4hlen, wie oft ich in den vergangenen Jahren in den Boden gehackt habe, nat\u00fcrlich stets begleitet von h\u00e4mischen inneren Kommentaren. Gern von der G\u00fcte: Komm, geb&#8217;s auf, du lernst es nicht mehr!<\/p>\n<p>Ganz anders, wenn pl\u00f6tzlich ein Ball abhebt und genau in die Richtung geht, die ich haben wollte. Das hat fast einen spirituellen Touch. Wenn dann der n\u00e4chste Schlag wieder einen Klumpen Erde in die Luft jagt, zitiert mein innerer Gutachter gern den k\u00fcrzesten Golfer-Witz: &#8222;Ich kann&#8217;s&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Golf spielen ist also f\u00fcr mich eine Einladung, meine W\u00f6lfe willkommen zu hei\u00dfen. Andere m\u00f6gen diese Einladung beim Str\u00fcmpfe stricken h\u00f6ren, doch das gelingt mir inzwischen ziemlich gut. Ich vermute, jeder von uns hat eine Herausforderung, bei der es wieder und wieder nicht klappt. Zehn Finger blind schreiben ist so eine Sache f\u00fcr mich, oder ein gerades Loch mit einer Bohrmaschine drillen.<\/p>\n<p>Golfen ist f\u00fcr mich eine T\u00e4tigkeit mit Nebenwirkung. Aus irgend einem Grund scheinen meine Gutachter dabei ganz dicht unter der Oberfl\u00e4che zu sein, und ihre Kommentare kommen zu schnell, um noch maskiert zu sein. Sie argumentieren harsch und direkt. Keiner der Trainer, die versucht haben, mir das Spielen beizubringen, hatte je so einen Ton am Leib. Ich h\u00e4tte mich wahrscheinlich auch auf der Stelle umgedreht und h\u00e4tte den Platz verlassen, wie ich es einmal bei einem \u00f6sterreichischen Skilehrer getan habe: &#8222;Jo, Ysabelle, wo foahrst dann hi?&#8220;, wo hi wohl? Ins Tal!<\/p>\n<p>Es ist schmerzhaft zu erkennen, wie ich mit mir selbst umgehe. Es ist schwer zu h\u00f6ren, in welchem Ton ich mich runterputze. Und es macht mich traurig, weil ich wei\u00df: Beim Golfen sind die Stimmen ganz deutlich zu verstehen. Aber in dutzenden anderen Situationen am Tag sind diese Stimmen ebenfalls da, nur ich nehme sie gar nicht wahr, weil ich nicht in so einer klar fokussierten Situation bin. Im L\u00e4rm des Alltags gehen die Stimmen vermeintlich unter. Es steht allerdings zu bef\u00fcrchten, dass mein Unterbewusstsein sehr wohl zuh\u00f6rt und sich unter diesen Schl\u00e4gen duckt.Wenn ich also diesen Gutachtern w\u00e4hrend des Golfspielens Einf\u00fchlung gebe, habe ich eine Chance, dass mein Gehirn in anderen Situationen ebenfalls lernt: Uuups! Der Wolf will ja nur, dass ich mein Ziel nicht aus den Augen verliere&#8230; er will mich ja nur davor sch\u00fctzen, in meinem Eifer nachzulassen. Er will doch nur sicher stellen, dass ich noch lange Freude an diesem Spiel habe&#8230; Schade nur, dass er (noch) kein Giraffisch spricht!<\/p>\n<p><em>Heute will ich sorgf\u00e4ltig darauf achten, wenn W\u00f6lfe, Richter und Lehrer ihre Stimme erheben. Ich kann ihre Worte \u00fcbersetzen und mich daran erfreuen, dass sie von ganzem Herzen mein Bestes wollen. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich habe mit Golf angefangen, spiele Tennis und jogge. 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