Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Unschöne Bescherung

Hallo, Welt!

Gestern Morgen schlenderte ich mit Freundin und Fontane in Richtung Hafen. Das Wetter war kühl, aber sonnig. Gerade als wir in die Straße am Hafen einbogen, fiel mein Blick auf den Boden. Da hatte offenbar ein großer Hund mitten auf dem Bürgersteig sein großes Geschäft erledigt und der Spur nach zu urteilen, zerrte Herrchen oder Frauchen dabei den Vierbeiner hinter sich her,  denn die Ködel verteilten sich auf mehrere Meter Länge.

Zeternd und im Zickzack laufend bugsierte ich meinen Wuffi um die Hundehaufen. Kurz überlegte ich, einen Kotbeutel aus meiner Leckerlie-Tasche zu ziehen und die Bescherung einzusammeln, entschied mich dann aber dagegen.

Heute Nachmittag gingen wir den gleichen Weg noch mal. Vorsichtig bog ich um die Ecke und erwartete, dass die ganze Scheiße jetzt richtig platt gelatscht sein würde. Fehlanzeige. Irgendjemand hatte die Häufchenspur beseitigt.

Ich spürte sofort große Erleichterung und Freude. Wie toll, dass sich da jemand die Mühe gemacht hatte! Erfüllte Bedürfnisse: Leichtigkeit, Sauberkeit (meiner Schuhe zum Beispiel), Wertschätzung, Gemeinschaft und Dankbarkeit. Ich guckte noch mal genauer: Ja, da hatte jemand die einzelnen Häufchen eingesammelt. Man konnte noch schwach erkennen, wo sie vorher gelegen hatten.

Als ich mit dieser tiefen Dankbarkeit in Verbindung kam, fragte ich mich: Wieso hast du das gestern eigentlich nicht weggemacht?

Meine Gefühle, als ich die Haufen sah: Ärger und Wut. Ich war richtig sauer. Ich dachte solche Sachen wie: Verdammter Hundebesitzer! Der/die kann doch mal die Scheiße von seinem Köter hier wegmachen! Und dann noch auf dem Fußweg! Offenbar musste der Hund so dringend, dass er/sie es nicht mehr die zehn Meter bis zum Rasen geschafft hat, aber der/die Halter*in hat das Vieh dann auch noch weiter gezerrt. Wie blöd kann man sein? Und keine  Kotbeutel dabei, das liebe ich ja besonders!

Meine unerfüllten Bedürfnisse: Respekt! Sowohl den nachfolgenden Passanten gegenüber, als auch für den Hund, der offenbar wirklich nicht mehr warten konnte. Vertrauen, dass andere Hundebesitzer sich ebenfalls um die Hinterlassenschaften ihres Vierbeiners kümmern. Schönheit. Sauberkeit. Leichtigkeit. To matter, also dass (auch) meine Bedürfnisse nach Sauberkeit und Unversehrtheit zählen und berücksichtigt werden …

Aber warum habe ich die Haufen nicht selbst weggeräumt?

Zum einen finde ich tatsächlich den Umgang mit Hundescheiße ziemlich eklig. Bei meinem eigenen Hund ist das Routine, da denke ich gar nicht mehr drüber nach. Ich greife ja auch im eigenen Bad zur Klobürste, also mach ich auch den Kram von meinem Hund weg. Ist mein Hund. Fertig. Aber diese anonymen Haufen lösten Ekel und Würgereiz aus. Trotzdem überlegte ich kurz, den Kram einzusammeln. Was hat mich abgehalten?

Es hatte irgendwas mit Strafe zu tun. Ich wollte die Person, deren Hund das verursacht hat, irgendwie bestrafen. Totaler Quatsch, denn da war ja weit und breit kein anderer Hundebesitzer in der Nähe. Selbst die Scheiße aufzusammeln erschien mir in dem Moment so, als würde ich die Person noch dafür belohnen, dass sie den Dreck nicht weggeräumt hat. Schon krass, wie komisch man denken kann. Denn als heute alles beseitigt war, dachte ich ja nicht, „ach, da hat jemand dem Verursacher hinterhergeräumt“, sondern ich war einfach nur dankbar.

Alles klar: Gestern Morgen war ich in Wolf Country und heute Nachmittag  im Giraffenland.

So long!

Ysabelle

 

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