Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Geschliffen, nicht gebohrt

Hallo, Welt!

Könnt Ihr Euch noch an Euren ersten Zahnarztbesuch erinnern? Als ich das erste Mal antrat, sah die Praxis ungefähr so aus wie auf diesem Bild (Foto: Helge Klaus Rieder@wikimedia commons). In meiner Erinnerung war ich sechs oder sieben und hatte riesige Angst.

Foto: Helge Klaus Rieder, Open air museum Roscheider Hof, Germany@wikimedia commons

Gefühlt betrieb der Doc den Bohrer noch per Fahrrad-Pedale. Zum Glück hat sich inzwischen einiges verändert, und trotzdem gehören Frauenarzt- und Zahnarzt-Termine mit zu den Verpflichtungen, die ich am wenigsten gern wahrnehme. Dabei habe ich seit fast 40 Jahren wirklich Glück – zumindest mit dem Zahnarzt.

Da hat es inzwischen einen Generationenwechsel gegeben und von meinem jüngsten Termin kam ich geradezu begeistert nach Hause. Echt jetzt!

Beim letzten Versuch, einen meiner morschen Backenzähne erneut zu füllen, murmelte der Zahnarzt etwas von „Krone“ und meinte, wir sollten das mal im Auge behalten. Dafür vereinbarten wir einen Termin im Januar. Anscheinend ist es so, dass mittlerweile so viel Zahn weggebohrt wurde, dass die Füllung nicht mehr viel Halt findet. Um nun die Backenzähne besser zu schützen, bekomme ich nun zwei Silberkronen. Die Krankenkasse beteiligt sich nur mit 60 Prozent an den Kosten, angeblich war ich 2017 nicht zur Vorsorge.

Wir trafen uns morgens um neun. Ich hatte wenigstens noch schnell einen Kaffee und eine Scheibe Brot eingeworfen. Nach einem kurzen Small Talk holte ich meinen Klicker-Ring vom Hundetraining aus der Tasche. Das kennt der Mann in Weiß schon und ist da ganz aufgeschlossen. Wenn mir während der Behandlung etwas weh tut, klicker ich einfach und er hört sofort mit dem auf, was er gerade macht. Das entlastet mich total und vermittelt mir den Eindruck, nicht völlig ohnmächtig, starr und hilflos (ausgeliefert ist ja kein Gefühl …) zu sein.

Bis die Betäubung wirkte, unterhielt er mich mit Hunde- und Katzenvideos von seinem Handy. Und dann meinte er: Wie können auch ein bisschen Stimmung machen hier. Wir haben so einen Bluetooth-Lautsprecher. Hast du was dabei, was du gern hörst?


Das war die entspannteste Zahnbehandlung, die ich je hatte! Wir haben Ina Müllers „Eichhörnchentag“ genossen und Michael Jackson. Mit dem neuen Album von Rainald Grebe habe ich ihn verschont. Dafür fand ich Keb Mo und Bette Midler auf meinem Handy, Hot Chocolate und Kelela. Dank der Betäubung habe ich von der Abschleifaktion wirklich gar nichts gespürt.  Auch die drei Abdrücke gingen ohne Würgen und Erstickungsanfälle über die Bühne. Jetzt habe ich ein Provisorium, das sich anfühlt, als hätte ich ein Kaugummi in der Backentasche vergessen. Nicht unangenehm.

Schon krass, wenn einem der Zahnarzt-Besuch neben „zur Gesundheit beitragen“ auch noch ganz andere Bedürfnisse erfüllt. Gesehen werden, Respekt, Spaß (!), Verbindung und Dankbarkeit. Wie schön, dass sich die Zeiten geändert haben!
So long!

Ysabelle

 

 

 

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