Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Über sieben Brücken …

Hallo, Welt!
Wie lange will ich mich jetzt noch über etwas ärgern, ohne etwas zu unternehmen?
Wir haben einen aller-liebsten Spazierweg, den wir fast jeden Morgen nehmen. Wir wandern am Bahnhof entlang, biegen bei der Hundeschule ab, schlagen den großen Bogen vorbei an drei Bänken und einem Papierkorb und zotteln dann über die Brücke in den zweiten Teil des Stadtparks.

Voriges Jahr im Spätsommer/Frühherbst war die Brücke zunächst mit Flatterband, dann mit einem Drahtzaun gesperrt. Ein paar Tage haben die Leute die Sperrung akzeptiert, dann schlängelten sie sich zwischen Brückengeländer und Drahtgatter hindurch oder kletterten über die Absperrung. Ende vom Lied: Eines Tages stand die Brücke neben dem Gewässer.

Oktober … November … Dezember … Irgendjemand hatte gehört, der zuständige Sachbearbeiter beim Bauamt sei im Erziehungsurlaub. Mittlerweile waren weitere Brücken in der Stadt verrammelt worden. Besonders ärgerlich, wenn auf der anderen Seite der Brücke der einzige Papierkorb des ganzen Neubaugebietes angebracht ist und man nun mit seinem Kotbeutel weitere 1,5 km weiter latschen darf, denn natürlich werfen wir unsere Kotbeutel nicht einfach in irgendein Gebüsch, sondern entsorgen sie ordnungsgemäß …

Der Erziehungsurlaub scheint sich in die Länge zu ziehen. Heute Morgen standen wir wieder vor der Stelle, an der man früher über das Wasser wandeln konnte. Der Hund ist mindestens  genau so frustriert wie ich. Immer wieder guckt er sehnsüchtig hinüber in den anderen Park und scheint abzuschätzen, ob er mit Schwimmen oder Springen schneller auf der anderen Seite wäre. Ich bin genervt, weil meine Bedürfnisse nach Effizienz, Klarheit, Transparenz, Sinnhaftigkeit, Kooperation und Leichtigkeit nun schon so lange unerfüllt sind. Mit anderen SpaziergängerInnen tausche ich mich immer wieder aus, wie lange das jetzt schon gedauert hat oder noch dauern wird und bald werden wir wie in Kishons Geschichte „Warten auf Nebenzahl“ Wetten annehmen, wann denn die Reparaturarbeiten an den Brückenauflegern beginnen. Im März jedenfalls nicht mehr. 

Heute ist mir aufgegangen, dass ich mich lange genug geärgert habe. Statt auf „die da im Rathaus“ zu schimpfen, schreibe ich heute eine Mail an unsere Bürgermeisterin und an den Chef vom Bauamt. Völlig gewaltfrei natürlich, aber mit entsprechendem Hinweis auf unerfüllte Bedürfnisse, verbunden mit der Bitte um Auskunft (Klarheit/Transparenz) und Reparatur (Effizienz). Ach ja, bei der Gelegenheit frage ich gleich mal nach zusätzlichen Papierkörben im Neubaugebiet …

So long!

Ysabelle

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