Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Du bist so … einzigartig.

Hallo, Welt!
Schon seit einiger Zeit habe ich bei Youbube den Kanal Awaken with JP abonniert. Ich finde es entlarvend, wie er sich über verschiedene Themen äußert: Gluten-Unverträglichkeit, den richtigen Guru finden, Indigo-Kinder … keine Ahnung, was der Mann im wahren Leben macht, aber diese Videos macht er großartig.
Gestern nun stolperte ich über ein relativ neues Werk, in dem JP Sears einen Kurs in passiv-aggressivem Verhalten gibt. Als brave GFK-lerin lehne ich natürlich alle Arten von Diagnosen ab. Statt dem anderen zu unterstellen, wie er/sie ist, spreche ich über Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis, und bestensfalls formuliere ich jetzt eine Bitte.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von dieser Diagnose „Passiv-aggressiv“ aktuell gerade begeistert bin. Jetzt hat das Kind doch mal ’nen Namen! Hier erst mal das Video dazu.

Da mir die im Film beschriebenen Verhaltensweisen so bekannt vorkamen, habe ich „passiv-aggressiv“ mal gegooglelt. Besonders beeindruckend fand ich die Zusammenstellung auf Karierebibel

Diese acht Anzeichen sprechen für eine passiv-aggressive Persönlichkeit:

Passiv-aggressiv: Sie arbeiten absichtlich langsam oder schlecht

In jeden Job gibt es Aufgaben, die weniger Spaß machen oder anstrengend sind. Man kann sich durchbeißen und sein Bestes geben, um schnell damit fertig zu sein. Passiv-Aggressive Kollegen verfolgen aber eine andere Strategie. Sie lassen sich besonders viel Zeit und bringen nur ein absolutes Minimum.

Damit fordern sie heraus, dass sich ein gutmütiger Kollege der unliebsamen Aufgabe annimmt und diese in Zukunft am besten von Anfang an in andere Hände gegeben wird. Kein Streit, keine direkte Aussprache – eher eine unterbewusste Konditionierung.
Passiv-aggressiv: Sie attackieren gerne hinterrücks

Wenn ihnen etwas nicht passt, halten sie mit Ihrer Meinung nicht lange hinterm Berg. Das große Aber: Das Problem wird nicht zwischen den beteiligten Personen besprochen, sondern an das gesamte Umfeld herangetragen. Passiv-aggressive Menschen beschweren sich lieber bei jedem anderen Kollegen im Büro, wodurch nur noch weitere schlechte Stimmung entsteht.

Durch das passive Vorgehen können Betroffene zwar ihren Frust hinterrücks loswerden und fühlen sich erst einmal besser, schaffen aber neue Probleme, ohne das bereits bestehende in irgendeiner Weise zu lösen.

Passiv-aggressiv: Sie meiden direkte Konfrontationen

Wie bereits angesprochen, gehen Passiv-Aggressive einer direkten Konfrontation immer aus dem Weg. Auch wenn sie sich angegriffen oder verletzt fühlen, ziehen sie sich daher zunächst zurück. Eine verbreitete Taktik ist es auch, dem Gegenüber während des Rückzugs ein schlechtes Gewissen einzureden.

Der andere soll wissen, dass man mit seinem Verhalten nicht einverstanden war, auch ohne, dass es ihm explizit gesagt wird. Im besten Fall entschuldigt sich der Gegenüber auch noch für den Fehler, der ihm ungesagt vorgeworfen wird.

Passiv-aggressiv: Sie planen Ihre Rache

Es wäre falsch zu glauben, dass passiv-aggressive Persönlichkeiten sich irgendetwas einfach gefallen lassen würde. Manchmal scheint es so, als würde zunächst Gras über die Sache wachsen, doch sobald sich eine Gelegenheit bietet, nutzen sie Ihre Chance, um sich zu rächen.

Das funktioniert auch ohne offenen Streit, indem ein Kollege etwa beim Chef in Verruf gebracht wird, Informationen nicht an alle Beteiligten weitergegeben werden oder Aufgaben unauffällig sabotiert und zum Scheitern gebracht werden – Hauptsache, das empfundene Unrecht wird ausgeglichen.

Passiv-aggressiv: Sie reden sich gerne selbst schlecht

Die typische negative Grundeinstellung der passiven Aggressivität zeigt sich auch in der Meinung über sich selbst. Anstatt wirklich etwas zu versuchen und mit besten Leistungen zu überzeugen, reden sie sich daher lieber selbst von vornherein schlecht. Durch dieses Verhalten können sie das Selbstbild eines missverstandenen Einzelkämpfers aufrecht erhalten, da andere ihnen Aufgaben abverlangen, die für sie nicht lösbar sind.

Misslingt die Aufgabe aufgrund einer selbsterfüllenden Prophezeiung tatsächlich, fühlen sie sich nur noch mehr bestätigt und wissen gleich, wer die Schuld daran trägt.

Passiv-aggressiv: Sie vertuschen Ihren Ärger

Besonders die Passivität macht es für Außenstehende oft schwer, die wirklichen Gedanken passiv-aggressiver Menschen zu verstehen. So kann es vorkommen, dass sie nach außen hin lange Zeit gute Mine zum bösen Spiel machen, während innerlich die Wut immer weiter hochkocht – und kein anderer bemerkt es.

Dies können Sie besonders deutlich bei sich selbst beobachten: Es ist ein deutliches Anzeichen für passiv-aggressives Verhalten, wenn Ihre wahren Gedanken und Ihre nach außen gezeigten Handlungen regelmäßig nicht zusammenpassen.
Passiv-aggressiv: Sie vergessen Dinge mit Absicht

Haben Sie schon einmal „rein zufällig“ vergessen, dass Sie sich eigentlich mit einem Freund treffen wollten, weil Sie eigentlich keine Lust hatten? Oder haben Sie irgendwie nicht mehr an eine wichtige Deadline für eine Aufgabe gedacht, die Sie ohnehin unnütz fanden?

Dann zeigen Sie klare Anzeichen von passiv-aggressivem Verhalten. Anstatt Ihre Meinung offen zu sagen und damit die Möglichkeit für eine Diskussion zu erschaffen, suchen sie einen indirekten Weg, um Ihre Meinung zu sagen.
Passiv-aggressiv: Sie versuchen Ihr Umfeld zu manipulieren

Wie bereits viele der Punkte verdeutlichen, ist das Verhalten von passiv-aggressiven Menschen oft darauf ausgelegt, die Umwelt zum eigenen Vorteil zu manipulieren. Wer anstatt freundlich nach Hilfe zu fragen lieber ein Ich werde noch die ganze Nacht an diesem Projekt sitzen in die Runde wirft, versucht auf passive Weise, die Kollegen dazu zu bringen, einen Teil der Arbeit zu übernehmen.

Dabei wird jedoch billigend in Kauf genommen, dass diese sich schlecht fühlen oder vielleicht selbst Überstunden machen müssen.

und etwas weiter unten heißt es dann:

Wir haben klassische Formulierungen gesammelt, die passiv-aggressive Menschen nicht nur im Wortschatz haben, sondern besonders gerne und häufig benutzen – daher funktionieren diese Sätze auch als Test für passiv-aggressives Verhalten. Erkennen Sie sich selbst oder andere besonders häufig wieder?

„Ist ja jetzt auch egal…“ Die Kurzfassung: Nein, ist es nicht und soll auch gar nicht zum Ausdruck gebracht werden. Übersetzt könnte dieser Satz auch bedeuten: Ich habe keine Lust mehr, mit dir zu diskutieren, werde dir aber noch lange vorhalten, dass du mir nicht zugestimmt hast.

„Das habe ich doch gar nicht so gemeint…“ Ein raffinierter Satz, um sich aus der Affäre zu ziehen und andere geschickt zu manipulieren. Egal, ob Aufgaben vergeben wurden oder Kritik mit Ironie verpackt wurde, die Wirkung wurde erzielt und wenn es nicht so gemeint wurde, kann es ja auch keine Konsequenzen geben.

„Das verstehst du einfach nicht…“ Ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles sprachliches Mittel, um die Schuld sofort dem Gegenüber zu geben.

Für deine Verhältnisse ist das wirklich gut geworden…“ In scheinbaren Komplimenten versteckte Spitzen und Beleidigungen sind eine beliebte Methode, um Kritik zu äußern oder Wut versteckt zum Ausdruck zu bringen. Eigentlich heißt ein solcher Satz nur „Das ist Mist, aber mehr habe ich von dir auch nicht erwartet.“

„Nein, es ist nichts…“
Der Klassiker auf die Frage: Hast du was? Passiv-aggressive Menschen sagen es zwar nicht offen, lassen es den anderen aber umso stärker spüren.

„Wir machen es einfach so, wie du es vorgeschlagen hast…“ Wer hier denkt, er hätte einen Erfolg errungen und sich tatsächlich durchgesetzt, irrt leider gewaltig. Wie so viele Formulierungen bedeutet auch diese eigentlich das genaue Gegenteil und selbst wenn zunächst die Variante verfolgt wird, wartet der passiv-aggressive nur darauf, einen Fehler zu finden und zu brüllen: Ich hab doch gleich gesagt, dass kann nicht klappen…

„Ich kann mich auch darum kümmern…“
Diese Formulierung fällt besonders gerne in dem Moment, wenn sich jemand anders bereits an die Arbeit gemacht hat. Ein vorgetäuschtes Ach, das hätte ich doch auch machen können kann andere komplett auf die Palme treiben.

So. Jetzt mal Butter bei die Fische: Sind das Beobachtungen? Also Beobachtungen im Sinne der GFK? Wahrscheinlich nicht so ganz, denn die Interpretation wird ja gleich mit geliefert. Und wie gehe ich jetzt damit um, wenn jemand so reagiert? „Ist doch jetzt auch egal“ kenne ich ziemlich gut. Auch „das verstehst du einfach nicht …“ oder eben „Wir machen es einfach so, wie du es vorgeschlagen hast…“
Wie geht es mir, wenn ich das höre? Ich bin hilflos. Frustriert. Genervt. Verzweifelt.
Unerfüllte Bedürfnisse: Verbindung! In erster Linie Verbindung. Wenn es um Arbeitszusammenhänge geht, auch um „an einem Strang ziehen“ oder „in die gleiche Richtung gucken“, also so was wie Gemeinschaft. Mir fehlen auch Klarheit und Offenheit/Transparenz. Mein Gegenüber ist als Person überhaupt nicht sichtbar. Ich laufe gegen eine Gummiwand. Sehr unerfreulich.
Habt Ihr Ideen, wie man auf so ein Verhalten giraffisch reagieren kann? Ich bin im Moment noch ganz banal bei Selbstempathie und Empathie.

So long!

Ysabelle

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2017 by: Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren! • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.