Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Haben Bedürfnisse Gefühle?

Hallo, Welt!
Heute Morgen fühle ich mich inspiriert, energetisiert, angeregt, aufgeregt, wohlig und voller Tatendrang, was bestimmte Themen angeht. Der Tatendrang dehnt sich nicht auf „Katzenklos“ und „Betten beziehen“ aus. Schade.
Gestern Morgen brachte mich mein Freund Michael von Croyden nach London-Gatwick zum Flughafen. Mir schien es mitten in der Nacht, tatsächlich war es aber schon hell und auf der Autobahn blickten wir in Täler, in denen der Morgennebel wie eine zartgraue Watte lag. Ein zauberhafter Anblick. Wir sprachen über die neuen Ideen, die wir durch die Arbeit mit Robert Gonzales erhalten haben, und plötzlich fragte Michael: Do needs have feelings?
Ein reizvoller Aspekt der Arbeit von Robert Gonzales besteht ja darin, dass er nicht auf den Mangel, das bohrende schmerzhafte Gefühl Bezug nimmt, das durch ein unerfülltes Bedürfnis entsteht. Vielmehr lädt er dazu ein sich zu erinnern, in welcher Situation dieses Bedürfnis erfüllt war, und sich mit dieser wunderbaren Energie zu verbinden. Beispiel: In einer bestimmten Situation fehlt mir Verbindung. Ich bin aufgelöst und verzweifelt. Dann kann ich mich in Gedanken mit einer Situation verbinden, in der das Bedürfnis nach Verbindung (vielleicht mit der gleichen Person, vielleicht aber auch mit einer anderen) voll erfüllt war. ich rieche und schmecke in diese „alte“ Situation, ich bade in diesem genussvollen Gefühl, das ich habe, wenn mein Bedürfnis total erfüllt ist. Und aus dieser Energie heraus kehre ich zurück. Mit dieser Energie kann ich eine Bitte stellen. Mit dieser Energie kann ich mich selbst ausdrücken. Ich bin dann mit meiner wunderbaren Sehnsucht verbunden. Ich spreche von dem, wo ich hin will, und nicht von dem, was mir fehlt. Mir kommt das Bild, dass ich nach vorne schaue, nicht zurück…

Wenn ich diese Praktik mehr übe, bekommen dann Bedürfnisse innerlich ein Gefühl zugeordnet? Fühlt sich „Verbindung“ dann immer nah, intensiv und berauschend an? Kann ich wie beim Memory-Spiel einem Bedürfnis die zweite Karte Gefühle zuordnen?
Vielleicht kann jemand von Euch, der schon länger mit Robert Gonzales arbeitet, etwas dazu sagen. Ich denke, die Gefühle sind immer wieder neu. Für mich macht es einen Unterschied, ob ich mich an eine Situation erinnere, wo ich am Schalter der Fluggesellschaft einen angenehmen Kontakt habe (wie gestern Morgen, als eine anhaltende Computerpanne dazu führte, dass ich mein Übergepäck kostenlos mitnehmen durfte), oder ob ich eine unangenehme Erfahrung mache (würden Sie bitte Sylvia Hasvitz ausrufen, sie hat etwas im Auto vergessen…). Manche Erinnerungen an Verbindung sind süß und tief, andere sind wohlig und behaglich, wieder andere sind warm und klar. Mein Bedürfnis nach Verbindung kann also in jedem Moment mit einem anderen Geschmack ausgeliefert werden. Und aus diesem Grunde denke ich, dass Bedürfnisse keine fest zugeordneten Gefühle haben. Weder angenehm noch unangenehm. Ich kann mich mit der Qualität des erfüllten Bedürfnisses verbinden, aber ob ich dann an die Frau hinter dem Easyjet-Schalter denke oder an eine wunderbare Situation mit meinem liebsten Menschen – da sind die ausgelieferten Gefühle dann doch sehr unterschiedlich…
So long!
Ysabelle

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