Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Was wäre, wenn …

Hallo, Welt!

Für die Vorbereitung der heutigen Übungsgruppe habe ich mich gestern noch einmal in Marshalls Buch „Was deine Wut dir sagen will: überraschende Einsichten“ vertieft. Bei der Suche nach einem bestimmten Zitat fand ich eine Liste mit Namen und Adressen der zertifizierten Trainer aus dem Jahr 2006. Und es dachte in mir solche Sätze wie: zertifizierte Trainer haben es leichter, mit GfK Geld zu verdienen. Zertifizierte Trainer genießen bei ihren Klienten mehr Vertrauen als nicht zertifizierte Trainer. Bei zertifizierten Trainern ist von vornherein klar, dass sie wirklich etwas können. Bei zertifizierten Trainern sind die Kunden sicher, dass sie das „Wahre“ kriegen. Nur Trainingstage bei zertifizierten Trainern sind etwas wert…

Eine Trainerin, von der ich unglaublich profitiert habe, ist Kit Miller. Lange Jahre leitete sie das Bay Area-Büro für Marshall, organisierte Trainings und Aktivitäten, ist auch heute noch jährlich in Findhorn im Trainer-Team dabei. Mittlerweile ist sie Geschäftsführerin des Gandhi-Instituts und immer noch nicht zertifiziert. Sie erzählte mir, dass Marshall mehrmals versucht habe, sie zu zertifizieren, und es darüber zwischen ihnen zu hitzigen Diskussionen gekommen sei. „Ich glaube, wir brauchen jeden Trainer, der guten Willens ist, und das Zertifizierungsprogramm, wie es das CNVC heute koordiniert, ist dabei eher eine Bremse“, begründete sie ihre Ansicht. „Ich habe Marshall auch gesagt, dass er selbst nach den heutigen Anforderungen niemals zertifiziert worden wäre. Er hat nämlich keine 50 Seminartage bei zertifizierten Trainern absolviert…“

Auch Dominic Barter, der Begründer der „Restaurative Circles“ ist nicht CNVC-zertifiziert. Gerlinde Fritsch, die das wunderbare Buch „Praktische Selbstempathie“ geschrieben hat, ist ebenfalls nicht zertifiziert.

Bei der Gedankenflut, die ich zum Thema Zertifizierung habe, sind also auch eine Menge Glaubenssätze dabei, die ganz offensichtlich verhindern, dass ich Vertrauen in meine Arbeit habe. Was wäre also anders, wenn ich nächste Woche meine Zertifizierung im Briefkasten hätte?

Vermutlich wäre ich gelassener und würde mich mehr sicher und kompetent wahrnehmen. Der Ausschuss, das Gremium erteilt mir ja ein Prüfsiegel. Ich würde mit mehr Überzeugungskraft Trainings anbieten in dem Bewusstsein, dass die Leute ja etwas Zertifiziertes bekommen. Wobei mir jetzt nicht klar ist, wieso eine Sprechstundenhilfe, mit der ich Empathie üben möchte, zertifizierte Trainingstage braucht. Ich würde selbstbewusster auftreten. Ich wäre entspannter und gelassener und ich hätte nicht mehr so viele Zukunftsängste.

So. Das haben wir jetzt mal herausgefunden. Und wer zwingt mich, diese Glaubenssätze über die Heiligkeit der Zertifizierung zu behalten?

So long!

Ysabelle

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